Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1916)
- Date
- 1916-09-15
- Page
- Seite 435 (sequence 3)
- Language
- German
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ein trauriges Beispiel von Hinterlist und Bosheit. Für solches Tun wird hoffentlich die verdiente Strafe nicht ausbleiben. Glückliche Anzeichen dafür sind vorhanden. Nachdem im Anbeginn kleine Erfolge von den Rumänen und den mit ihnen vereinten Russen davongetragen wurden, die von den nichtigen Gernegroßen gu riesigen Triumphen aufgebauscht worden waren, sind sie gründlichst aufs Haupt geschlagen worden: die Festung Dutrakan ist durch Sturm genommen, eine große Zahl von Gefangenen gemacht (über 20 000) itnb riesige Beute gewonnen worden, und soeben wird gemeldet, daß auch Silistria gefallen ist. Griechenland wird immer mehr geknechtet. England und seine Vasallen - denn anders kann man die im Dienste Englands stehenden Völker kaum bezeichnen - geben in diesem Verfahren ein Beispiel, wie es die Weltgeschichte bisher nicht kannte. Dieselben Staaten, die sich vor mehr als zwei Jahren — man muß sich immer wieder ins Gedächtnis zurückrufen, daß schon so lange der ungeheure Krieg dauert erkühnten, von unserer unvermeidlichen und unumgänglichen Neutralitätsverletzung in Belgien als von etwas Unerhörtem zu schreien, treiben Griechenland gegenüber das frevelhafteste Spiel. Sie unterjochen geradezu dieses unglückliche Volk, das in seiner Mehrheit unbeteiligt bleiben möchte; sie behandeln das Land geradezu! als feindliches Gebiet unb benehmen sich als die ärgsten Thrannen unter dem Dorgeben, Land und Volk zu schützen. Zu schwach, um sich selbst dieser erzwungenen falschen Wohltäter zu erwehren, zu eng umschnürt, um eine einzige freie Bewegung zu wagen, wird das Land gegen seinen Willen zum Schauplatz grausiger Ereignisse und muß die unheilvollen Folgen einer nichtgewollten Stellungnahme unter dem Druck der falschen Beschützer tragen. Während auf dem russischen und italienischen Kriegsschauplätze keine Ereignisse von besonderer Bedeutung sich vollzogen haben, wird im Westen in der ungeheuren Sommescklacht, einer der fürchterlichsten dieses schweren Krieges, aufs allerbitterste gekämpft. Die Nachrichten, die darüber zu uns gelangen, beweisen, daß die deutschen beldenmäßigen Scharen in Tapferkeit und Beharrlichkeit sich stets aufs neue bewähren und allen noch so furchtbaren Angriffen der Gegner widerstehen. Wenn nur diese endlich daraus lernen möchten, daß ihre Anstrengungen vergeblich sind, daß es ihnen nicht gelingen kann, den deutschen Widerstand zu brechen, und daß ihnen nichts anderes übrigbleibt, als das unnütze Blutvergießen zu beenden. Eine der entsetzlichsten Folgeerscheinungen dieses blntiaen. endlos währenden Krieges ist der furchtbare Haß aller aeaen alle, der sich wie in Taten, so in Worten äußert. Es bat manchmal den Anschein, als wenn alle Nationen vergäßen, daß sie sich jahrhundertelang geachtet und geehrt und in friedlichem Wetteifer gemeinsam in aegenseitiger Förderung gearbeitet hatten. Darum tut es wohl, einmal eine andere Stimme zu vernehmen, und es macht rrns eine besondere Freude, an dieser Stelle das Widmungsblatt mitzuteilen, mit dem unser verehrter Mitarbeiter Prof. Dr. F. Liebermann den Abschluß seines großartigen dreibändigen Werkes „Die Gesetze der Angelsachsen", an dem er 26 Jahre lang gearbeitet, eröffnet hat. Es hat folgenden Wortlaut: Dankbar gewidmet dem Andenken an Heinrich Brunner und Frederic William Maitland, die größten zeitgenössischen Förderer der Rechtsgeschichte Englands im Mittelalter, ein Zeichen wehmütiger Erinnerung an die friedensgesegnete Entstehungszeit dieser Arbeit, da der. Deutsche sich in Britanniens Staatsleben und Literatur bewundernd vertiefte und der Brite deutscher Forschung, darunter auch diesem Beitrage zur ältesten Geschichte seiner Nation, neidlos die Bahn ebnete, zllgleich der innige Ausdruck vertrauender Hoffnung, daß der Sturm des Hasses und das Meer von Blut, die die Zeit des Abschlusses dieser Blätter umtosen, bald verstanden werden mögen als wesentlich verursacht durch die geschichtliche Notwendigkeit des Zusammenstoßes zwischen dem rücksichtsloseu Ansprüche eines machtgewohuteu Weltreiches, Seefahrt unb Welthandel dauernd allein zll beherrschen, und dem berechtigten Entschlüsse des geeinten deutschen Volkes, um die Güter dieser Erde friedlich und besonnen, aber frei und stark mitzuringen und sich anszudehnen geniäß seiner eingeborenen Lebenskraft. Mögen dann die heutigen Feinde wüeder lernen, einander zu achten, und wie einst einander helfen zll der Menschheit hohen Zielen! . Herr Sanitätsrat Dr. S ch e r b e l in Lissa schreibt uns: Mein Wort vom „Maß halten" sin Nr. 33) hat eine Allslegung gefllnden, die geeignet ist, der von mir angeregten Allsspracbe eine falsche, nicht gewollte Richtung zu geben. Als ein Mittel, llm einem Wiedernnschwellen, einer weiteren Ausbreitllng der a n t i s e m i t i sch e n Flllt v o r z u b eit gen, empfahl ich, lmter Berllsung ans Worte Martin Philippsons lind seines Vaters, das Maßhalten. Aber es bat mir vollkommen fernaelegen, ein Maßhalten gegenüber den Antisemiten anunaten. Es sollte ein Mafchalten bei mtö selbst sein, in dem Sinne, wie Sie es, sehr geehrter Herr Geheimrat, zll Anfang Ihrer Bealeitworte meines Brieses als wünschenswert berechnet haßen. lDazu rechne ich allch den Dllrgfrieden unter uns selbst.) Der Kampf aeaen den Antisemitismlls soll also nach wie vor mit allem Nachdruck, wenn auch rubig und sachlich aeiührt werden, obwohl der Kampf gegen Borllrtei'le der undankbarste ist. den es gibt. Wir aber wollen m a ß h a l t e n , das beißt, ohne Herausforderung in Wort irnd Tat, eine klnae Selbstbescheidlmg üben, die sich sehr wohl vereinigen läßt mit unerschütterlichem Eintreten für unsere menschlichen und staatsbüraerlichen Rechte llnd unsere gute, gerechte Sache zum Siege führen wird — trotz alledem. & Bon sonstiaen Nachrichten ist nur folgendes mitzllteilen: Der „Berliner Lokal-Anzeiaer" meldet aus Wien: Nach den, ..Nllßkoje bowo" unb dem ..Newoje Wremja" soll nute,- dem Einfluß der enalischen mld amerikanischen FinailzgruvV'Nl eine R e v i s i o n der die bilden betreffenden Gesetze llnd Verordnungen einaetreteu sein. Sa soll bereits einer E r w eite r u u g d e s A ll - s i e d l n n g s r e ch t s der Juden zligestillllut worden fctn. Verweigert wurde aber die Aufhebung der Allsnahmebeschränkungeu jüdischer Sebüler in llnterrichtsanstalten. Das Wiedererschcinen der vor einigen Fahren unterdrückten jüdischen Zeitschristeil wurde gestattet. ck K ö u i g s b e r g , den 2. September. Der I ü d i s ch e H i l s s - v e x e i ll B e r l i ll selldet monatlich als Unterstützung 700 000 Mark nach Polen. Die Jargons p r a ch e in den s ü d i s ch e ll S ch u l e ll Warschau s. Die Vertreter der jüdischen Bevölkerung Warschaus haben im ..Konzerthaus Harmonia" eine Versammlung äbgehalteu und eine Entschließung angenommen, in der beantragt wird, in allen städtischen jüdischen Schulen deil Unterricht nicht in Polnischer oder deutscher, sondern in der jüdischen Jargonsprache abhalten zll lassen. Man schreibt lms: R u ui ä n i c n und seine Jude ll. Es gibt wohl kein Land auf dem ganzen Erdball, das seine Juden schlimmer behandelt als Rumänien und dies von den frühesten Zeiten bis heilte. Die Geschichte der Israeliten in diesen gesegneten Landstrichen ist eine endlose Kette der furchtbarsten Leiden, die nur je ein Mensch sich auszumalen imstande ist. Rumänien hat darin Rußland, das klassische Land der Judenverfolgungen, weit übertroffen. Im