Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 b ad)er, sämtlich ii; Nürnberg. Stabsarzt Tr. Wiener, Fürth; Major d. L. und Fabrikbesitzer Sigsried Strauß, München; Frau Ella G e r st, Bamberg. — Z u m R i t t m e i st e r \v u r i> e b e - fö r de r t: Alfred B a m be r g e r, Oberleutnant d. L. beim 3. bayerischen Trainbataillon, Kaufmann in Nürnberg. C. P. Wolfenbüttel, 1. September. Aus einer amtlid)en Bekanntmachung über die öffentlichen höheren Schulen in Wolfe n b ü t t e l entnehmen wir folgendes über die S a m s o n s ch ule: Tie Samson schule ist eine Familienstiftnng der Familie Samson. Nachdem Gnmpel Atoses 1733 eine Stiftung zum Besten der Familienmitglieder hinterlassen hatte, fügten seine Nachkommen zur Begründung einer talmudischen Lehranstalt weitere Vermächtnisse hinzu, so daß die Anstalt 1786 eröffnet werden konnte. Im Jahre l 796 stiftete Herz Samson eine andere Lehranstalt, die „Samson- 'che FreischuÄ", die am 20. September 1796 eingerid)tet wurde, also jetzt 120- Jahre besteht. Aus ihr ist die Samsonschule hervorgegangen. Sie befand sich) zuerst in den Gebäuden, in denen einst während des 30jährigen Krieges General Graf Pappenheim sein Quartier hatte, ist dann aber in einen Neubau übergesiedelt. Sie steht unter Leitung des Professors Tr. Tack) au und ist eine vollberechtigte Realschule. Sie wird durch) Stiftungen der Familie Samson erhalten und beanspruchjt keinerlei städtisä)e Unterstützung. Tie Sd)üler stammen nur zum kleinsten Teil aus Wolsenbüttel, mindestens 90 Prozent kommen aus anderen deutschen -Bundesstaaten und aus dem Auslande, wohin der Nus der vorzüglichen Anstalt gedrungen ist. Die auswärtigen Schüler sind ausnahmslos Juden, unter den einheimischen befinden sich) auch) ch)ristlich)e. Aehnlill) steht es mit der I a c o b s o n s ch u l e in Seesen. Das kleine Herzogtum B r a u n s d) weig hat also zwei spezisisd) jüdische höhere Lehranstalten, denen in ganz Deutschland nur noch) zwei andere, das P h i l a n t h r op i n in Frankfurt a. M. und die sogenannte R e e f d) e Stiftungss ch u l e in H a m - b u r g an die Seite zu setzen sind, jedoch hat erstere, bekanntlich unter Leitung von Professor Dr. Adler stehend, säst zur Hälfte christlid)e Lehrkräfte und Schiüler, welch)e beide jetzt in der „Stiflungsschule", die längst ihres konfessionellen Charakters entkleidet ist, und zwar schon durch Dr. Nee selbst, dessen 100jähriger Geburtstag vor einigen Monaten gefeiert wurde, überwiegen. Leiter der Anstalt ist jetzt ein Glaubensgenosse, Professor Max K u t n e w s k y , früher Oberlehrer in Berlin und mit dem verstorbenen Professor Heinrich) Müller in Charlottenburg Herausgeber einer vielverbreiteten mathematischen Aufg-abensammlLlng. 22 Frankfurt a. M., 1. September. Das Kriegsministerium bat den Kouunandobehörden von folgenden Wünschen und Anträgen zu den bevorstehenden Herbstfeiertagen mit dein Auheimstellen Kenntnis gegeben, diesen W ü u s che n z u e n t s p r e che n, s o \v e i t e s a n g ä n g i g i st u n d s i d) mit den die n st {i ch e n I n t e r - e s s e n v e r e i n b a r e n l ä ß t. Di e B e k a u n t g a b e bnr ch Tagesbefeh l ist a n g e o r d n e t )v orb en. 1. Für die a n der Front befindlichen Ncaunschaften a) D i e n st b e frei u n g am Bersvhmmgstag, beginnend eine Stunde vor Sonnenuntergang des Vorabends und schließend mit Eintritt der Nacht: soweit möglich D i e n st b e s r e i u n g an den übrigen Feiertagen; b) Gelegenheit zur Begehung des N c ujahrsfe st e s und Versahnungstages, soweit luöglid) and) der anderen Feiertage, durch gemeinsamen Gottesd i e n st. Solveit zentrale Gottesdienste größerer Verbände veranstaltet werden, Berücksichtigung des religiösen Reiseverbots derart, daß die Mmmschaften vor Beginn des Feiertags am Orte des Gottesdienstes eintrefsen und ihn erst nach Schluß desselben zu verlassen brachen. 2. Für die Mannschaften in h e i m a t l i ch eil Garni - s o u e n und an festen Standorten in der Etappe: a) soweit möglich), H e i m a t it t lanb oder 11 r t a u b zur lnrchstgelegenen jüdischen Gemeinde; b) solveit dies nickst möglich ist, D i e n st b e f r e i u n g an den Festtagen, Berücksickstigung des religiösen Reiseverbots an Feiertagen- und Sabbat beim Urlaub. 3. Endlich ist gebeten worden, bei Erteilung von Heimaturlaub an -die im Felde stehenden Mannschaften die Urlaubstermine für die jüdisck)en Soldaten solveit möglich unter Mitberücksiclstigung der Feiertage festzusetzen. Gestrrreich-Nngsm. z. Wien, 1. September. Eine tiefe Gemütserjchütternng, aber allch eine Erhebung in der Wortes sck)önster Bedeutlmg rief eine am 24. v. M. in B. an der Südwestfront stattgesnndene Beerdigung eines Wiener Kriegers hervor. Den auf dein Kriegsschauplätze einpfancicueu Verletzungen eines Kopfschusses ist hier Infanterist Norbert W a s s e r alls Liesing erlegen. Trotzdem Herr Feldrabbiuer Tr. Link an diesem Tage in der vordersten Reihe der südlick)en Front weilte, um allch dort eine Beerdigung vorzimehmen, ist derselbe über ausdrücklichen Wunsch des Vaters berufen lvorden, lim den jüdischen Krieger nach vorgeschriebenem Ritlis zli bestatten. In einer tieseinpfnlldenen Rede schilderte Herr Feldrabbiuer Dr. L i ii f den ehrenvollen Tod des Gefallenen und tröstete mit innigen Worteil den ans Sterbebett seilles Kindes herbeigeeilten Vater. Nack)dem Herr Dr. Link seine Rede beendet hatte, trat der alte, gramgebengte Vater, Herr Josef Wasser, ans offene Grab, dankte zunächst den Anwesenden für ihr Erscheinen, insbesondere Herrn Feldrabbiner Tr. Link für seine tröstenden Worte, dann aber rick)tete er sick) kraftvoll auf und sprach mit erhobener Hand zmn Himmel: „Schweres und Hartes hast du mir, Vater im Himmel, zugesngt; dll aber, mein lieber Jüngster, hast den Heldentod geflinden. Mit sd)merzdurd)bebter Brllst übergebe ick) dich der Mutter Erde. Ich bin ein guter Oesterreick)er, der weih, daß die VerteidiglUlg des Vaterlandes Opfer verlangt. Nock) habe ieh zwei Söhne im Felde stehen, ick) fühle mich aber glücklich, daß bu ehrenvoll gestorben bist, daß du dein junges Blut für unseren guten, edlen Kaiser verspritzt hast. Kaiser Franz Josef, unser Kaiser, sein hoher Verbündeter, Kaiser Wilhelm, sie leben hoch!" Eine tiefe Bewegung ging durch die zahlreich Ersck)ienenen, unb manche Träne Perlte in den Augen dieser im Kngelregen bereits hart erprobten Krieger, und diese feierten den schwergeprüften und doch so wackeren, allfrecht dastehenden Vater als einen ausgezeichneten österreichischen Patrioten unb guten Juden. - Am 13. v. 3Ji., um 9 Uhr vormittags, fand im großen Tempel der Kultnsgemeinde (Tempelgasse) anläßlich des Geburtstages unseres Kaisers ein Al i l i t ä r g o t t e s d i e n st für die gesamte jüdische Mannschaft und die alisgaugsfähigeu Berunlndeten unb Kranken der Garnison statt. Nach dem Vortrag des liturgischen Teiles hielt der Leiter der israelitischen Militärseelsorge, Feldrabbiner Dr. Franks u r ter , eine Ansprache an die Soldaten, die bei ihnen Begeisterung erweckte. In seiner militärisch kurzen und dabei doch sehr inhaltsreichen Predigt wies er ans die Bemühungen unserer Feinde hin, unser Vaterland zu vernichten, und zeigte, wie die Vemühlmgen all allen Fronten dank dem Siegeslvillen der Unseren fruchtlos wurden, wieviel der greise Monarch, zll dein die Soldaten ehrfürchtig ulld in Liebe blicken, erduldet und wie ihn immer der Glaube au Gott und das Gottvertraueil erhoben haben. Daun forderte er die Soldaten auf, sich die Lebensart des Allerhöchsten Kriegsherrn zu eigen zll machen, daß in der Arbeit imb im Ausblick zu Gott die Lebensaufgabe liege, ihn zum Vorbild nehmen. So viel erdilldet hat er wie kaum ein Mensch, alles habe er zu tragen vermocht. In den allerschwersten Stlinden der Not und Gefahr sollen sie im Vertrauen auf Gott die Kraft finden, dem Feinde zll widerstehen; sie mögen in Not und Tod ansharren lvie in den zwei Jahren. Mit einem innigen Gebet für den Sieg unserer Truppen lind für einen glorreichen Frieden, mit dem Gebet für die Gesundheit des Monarchen und mit dem im Namen der jüdischeil Soldaten abgegebenen Hnldigungsgelöbnis, treu bis zlwl letzten Atemzuge anszuharren, schloß er seine eindrucksvolle Rede. Dniln richtete der ungarische Feldrabbiner Dr. Samuel Kandl begeisternde Worte an die ungarischen Soldaten. Mit deul Kaisergebet nnb der Hymne schloß die Feier. Das Gotteshaus, das 3000 Personen saßt, war bis aus ben letzten Platz gefüllt. In Vertretmlg des Militärkommandos lvvhllten der Feier Oberst Moese v. Nollendorf bei, viele Stabsnnb Oberoffiziere, Dr. Markus Spitzer, in Vertretung des llngarnvereins Qberstlentnant Kb r n er , Alilitüroberrech nnngsrat Leopold S t a li -- b e r und Oberrevident H a s s a n. Amerika. z. New Uork, im Anglist. Die hier erscheinende „Tribüne" bringt einen Bericht, wonach ein Mr. Atanrice S i m m o n s , früherer Kommandallt einer Vereinigung von Veteranen ans deul spanisch-amerikanischeu Krieg, den Hanptmann H. E. S n l l i v an von der Nelv Porter N'ativnalgarde beschuldigte, bei der Anwerbung von Nl'annschaften die Anmeldungen von Jndell ans antisemitischen Gründen znrückzmveisen. Er brachte die Allklage vor den Gouverneur W h i t in a n inld suchte sie durch dokumentarische Beweisnlittel und Zeugenaussagen zu erhärten. Er -erklärte, daß das Vorgehen Hauptnlann Snllivans nicht vereinzelt dast-ehe, sondern bloß ein Symptoln der Krankheit „Antisemitismus"