Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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sei. von welcher ein großer Teil der Natiotmlgarde der Stadt befallen sei. Er habe Beweise für viele ähnliche Hülle imb meinte, daß kein Offizier der Vereinigten-Staaten-Armee (zürn Unterschied von der Staatsntilizenarmee) jüdischen Rekruten mit einem derartigen Vorurteile begegne. Die Anklage wurde vorn Generalniajor O^Ryau dahin erwidert, daß er sich auf das Zeugnis der vielen in der jüdischen Nationalgarde dienenden jüdischen Osfiziere und Mannschaften berief, welche auf die Behauptung des Klägers am besten antlvorten könnten. „Einige unserer tüchtigsten und beliebtesten Offiziere," meinte er, „sind Inden." Ter ganze Geist der Demokratie und der militärischen Ideale, welcher in der Aationalgarde vorherrsche, sei gegen jedes derartige Vorurteil, und nw ein solches gefunden werde, werde es unterdrückt. Er erklärte die Anklage als unbegründet, gab aber zu, daß möglicherweise einzelne Mitglieder der Garde gegen die Nationalität oder Religion ihrer Kameraden Vorurteile hegen. Sollten einzelne Offiziere des Antisemitismus beschuldigt werden, so würden die Fälle zur Untersuchung kommen. Ebenso werde er im Falle des Hauptmanns Sullivan eilte Untersuchung einleiten, wenn Gouverneur Whitman dies wünsche. — Am 18. Juli ist Abraham I. E l k u s von Präsident Wilson als Nachfolger Henry Morgenthaus, der seine Wahl sehr empfohlen hatte, zum amerikanischen Botschafter in Konstantinopel gewählt tvorden. Herr Elkus, der im 50. Lebensjahre steht, ist ein unabhängiger Demokrat, der den Präsidenten Wilson bei seiner Wahlkampagne 1912 tatkrnftigst unterstützt hat. Er betätigt sich seit vielen Jahren in sozialer Arbeit und seine Bestrebungen zur Besserung der Lage der arbeitenden Frauen und Kinder verdienen besonders hervvrgehoben zu werden. Von ihm rühren die 35 Vorschläge her, die heute als „Fabrikgesetze" in den Vereinigten Staaten bekannt und in vielen Staaten nachgeahmt worden sind. Herr Elkus hat sowohl in der juristischen Fachwelt wie in der nationalökonomisch-lvissenschaftlichen Welt einen sehr guten Namen: er ist von der St. Lato r e n c e - N n i v e r s i t ü t zum Ehrendoktor ernannt tvorden. Seine Wahl als Nachfolger des Herrn Henry Mvrgenthan wird von der anterikanischen Judenheit anfs wärmste begrüßt. Herr Elkus nimmt lebhaften Anteil an allen jüdischen Fragen und hat sich auch mit der Wissenschaft des Judentums viel beschäftigt. Eine wichtige Mission harrt seiner: man ertvartet allgemein, daß er seinen großen Aufgaben gewachsen sein und sich durch seine Tätigkeit die dankbare Anerkennung des amerikanischen Volkes und des Judentums gleichermaßen erwerben wird. Von Mh und jfern. Ein neues A r m e e r a bb i n a t ist für die Armeeabteilung . . . geschaffen worden. Dasselbe ist Herrn Dr. S. Klein übertragen tvorden. Die Armeeabteilung stand bisher unter dem Armeerabbinat der . . . Armee mtd wurde durch drei Hilfsgeistliche versehen, von denen einer Herrn D'r. K. belassen wurde, da die räumliche Ausdehnung der Armeeabteilung trotz Bewilligung eines Autos eine richtige Seelsorge sonst nicht gestattet hätte. Herr Dr. Klein hat bereits int Februar 1915 das Eise rite Kreuz zweiter Klasse als Unteroffizier der Landwehr int 4. Gardebrigade-Ersatzbataillon erhalten. Er ist der Sohn des verstorbenen Fabrikanten Julius Klein iit Rheydt und Schüler der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. —- Atn 27. v. M. ist auf dein Friedhof in Weißensee der im Alter von 43 Jahren verstorbene Kunsthistoriker Dr. Ernst Jaffa beerdigt tvorden. Er hat sich besondere Verdienste um die künstlerische Förderuug der deutschen Glasuttd Porzellanindustrie erworben, vor allem durch feine Tätigkeit im Leipziger Meßausschuß. Mit großer Hingabe arbeitete er jahrelang int Vorstand des Schutzverbandes deutscher Schriftsteller uitb bewährte hier seine bedeutenden organisatorischen Fähigkeiten und sein immer hilfsbereites, ungewöhnlich bescheidenes, die Not der Kollegen stets mitfühlendes Wesen. - - Aus Posen wird uns geschrieben: Eine Spende von 1 00 0 Mark hat der Zigarrenfabrikant Herr R v s e n b e r g für den ihm ttnterstellten Armenkommissionsbezirk zur freien Verfüguttg überwiesen. Tie Summe ist jetzt an bedürftige Frauen verteilt worden. -- Die Hartwig Kantoro - ti» i c z sche Aktiengesellschaft, hier, hat, wie im vorigen Jahr, für Kriegswvhlfahrtszwecke mich in diesem Jahr wieder den Betrag von 1 0 0 0 o M a r k für verschiedene wohltätige Zwecke zur Verfügung gestellt. Die Getreide- und Futtermittelgroßhandlung Sigisttt u n d M a r c n s in Pinne, die sich in der Provinz Posen des größten Ansehens erfreut und auch in Berliner Handelskreisen bestens bekannt ist, konnte mn 3. September auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. - Am 28. v. M. beging der Stadtverordnete Herr- Louis Hamburger in Breslau im engsten Kreise seiner Familie den 70. Geburtstag. Er ist seit 1894 Mitglied der dortigen Stadtverordnetenversanunlmtg -- Dem Mitglied des Kriegsernührtlngsamtes Obervorsteher der Kaufmannschaft Kommerzienrat M a n a s s e in Stettin ist das Eiserne Kreuz ant weißschwarzen Bande verliehen worden. — Herr Kommerzienrat Adolf Stein harter in München hat den Betrag von 10 000 Mark in Wertpapieren zur Errichtung einer Stiftung mit der Bestimmung getvidmet, daß die Zinsen des unangreifbaren Kapitals am 8. Jnli jedes Jahres erblindeten Soldaten zugewendet werden sollen. In erster Littie sind verheiratete Soldaten zu berücksichtigen. Die Genehtttigung zur Entstehung der Stiftung wurde erteilt unter dem Ansdrnck Allerhöchster Anerkennung für den bewiesenen Gemeinsinn. — Herr L. Sternhet m, Inhaber der bekannten Firma^Sternheim u. Emanuol tu Hannover, hat anläßlich seiner silbernen Hochzeit dem Magistrat 1000 Mark übertviefen zur Linderung der durch den Krieg hervorgerufenen Notfälle. — Aus Breiten wird geschrieben: An dem Begräbnis der hier verstorbenen sehr wohltätigen Ehefrau des Herrn Shnagogenrats Max Lä mle, bei welcher sich nach dem Heldentod ihrer beiden Söhtte ein Herzleiden eingestellt hatte, nahmen die Spitzen der Bezirks- und Stadtbehörden teil. Herr Bezirksrabbiner Dr. G r z y - m i c z (Bruchsal) hielt die Trauerrede. — Ter Präsident der Wietter israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern beging mn 29. August in Baden bei Wien in vollster körperlicher und geistiger Frische das 85. Geburtsfest. — Für die Widmung einer schön komponierten Ansichtskarte, die ein Huldigungsblatt der okkupierten neu-' mazedonischen Inden an ihren König Ferdinand von Bulgarien sein sollte, erhielt Religionslehrer Tr. Ignatz Fried lieb er in Bndapcst ein Dankschreiben vom König. Die hebräische Aufschrift des Blattes lautet: Mimkomcho Malkenu „Sofia". - Der Lemberger Religions- Professor Tr. Bernhard H a u s u e r wurde zum Feldrabbiuer ernannt uitb dem Militärkommando in Laibach zugeteilt. Feldrabbiner Dr. Hausner hat sich als Generalsekretär des Jüdischen Rettungskomitees in Letttberg sehr verdient gemacht: seine Ernennung zmtr Feldrabbiner eröffnet seinem organisatorischen Talent und seinem warmfühlenden Herzen ein nettes Gebiet ersprießlicher Tätigkeit. —- Tie gesetzestren-en Rabbiner Englands mit dem zurzeit in London weilenden Jaffaer Oberrabbiner Rabbi Abraham Jizchok Kttck an der Spitze überreichten dem Ministerium des Innern ein Denkschreiben, in dein die politische mtd ethische Seite der Auslieferung der militärpflichtigen rttssischett Juden an Rußland beleuchtet wird und die Bitte enthalten ist, von dieser ungeheuerlichen Maßnahme im Sittne des Schriftsatzes: „Liefere nicht den Knecht an ben Herrn ans" abzusehen. (Sin ähnliches Memorandum überreichten auch die jüdischen Studenten an mehreren Universitätsstädten Englands. Wie bereits gemeldet, ist die Abschiebung vorläufig aufgehoben worden. — Wie atts Warschau berichtet wird, findet daselbst dieser Tage int Amtsgebäude der Warschauer Kreisverwaltnng eine gemeinsame Konferenz der Rabbiner des Warschauer Bezirks mit angesehenen Rabbinern Deutschlands und mit maßgebenden Persöttlichkeitett der deutschen Judenschaft statt. Der Zweck dieser Konferenz soll — nach einer Mitteilung des „Moment" — die Regelung einiger toichtiger jüdischer Getneindeangelcgenheiten im Warschauer Sprengel sein. — Die Lodzer Gemeindeverwaltung erhielt ans Berlitt die Nachricht, daß das Skandinavische Zentralkomitee der Lodzer jüdischen Gemeinde 300 Kisten mit je 45 Büchsett kondensierter Milch zugesandt habe zur Verteilung an die jüdischen Heime. — Das „American Jewish War Relief Committee" hat in seiner jüngsten Sitzung für die Unterstützung der ttotleidenden deutschen und österreichisch-ungarischen Kriegsgefangenen jüdischen Glaubens in Rußland 50 000 Dollar bewilligt. Die Vertreter dieses Ausschusses in Petersburg wurden angewiesen, sofort mit der Verteilung des Betrages zu beginnen. - Louis Marfhall, der Vorsitzende des Verwaltungsrats des Jüdisch- Theologischen Seminars in New Dork, spendete 150000 Dollar für eine Stiftttng, die für die religiöse Erziehung jüdischer Mädchen in New Aork bestimtnt ist. — Nach einer neuerdings veröffentlichten Zusammenstellung erscheinen in Amerika zurzeit nicht weniger als 56 Zeitungen in jiddischer Sprache, die über eine Gcsatntauflage von 1 625 748 Exentplaren verfügen. Man kann sich vorstellen, welchen Einfluß eine derartige Presse auszuüben vermag, tmd daß selbst ein Mann wie Jacob H. Schiff in seiner öffentlichen Wirksamkett ihr zum Opfer fallen konnte. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastrabe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge. Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.