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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-08 · Heft 36 (8.9.1916) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 36 (8.9.1916)
Date
1916-09-08
Page
Seite 431 (sequence 11)
Language
German
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nationale Moment sie an Palästina zn fesseln s ch i e n. Und in der Tat verschwand (außer der Liebe zur jüdisch-deutschen Sprache) jede andere als die palästinensische Kolonisationstbee aus dem Gedankenkreise der Führer der zionistischen Bewegung - bis zn dem Angenblicke, wo der Weltkrieg neue Perspektiven an der Ostgrenze unseres Reiches eroffnete. Als im Herbst 1914 unsere Heere nach Rußland eindrangen, da bildete sich auf einmal in Berlin ein Komitee zur Befrei u n g d e r ö st l i ch e n Jude n. In ihm tauchten plötzlich wieder, mit den Führern der zionistischen Bewegung an der Spitze, die Phantome von nationaler Autonomie und Einführung des I ü d i s ch - D e u t s ch e n als Hauptnud Amtssprache in Westrußland auf — wo man schon glaubte, die Zionisten hätten das erstere Phantom in Palästina zu Grabe getragen. Nun möchte man gern die Frage aufwerfen: Welche Berechtigung haben gerade die Zionisten, sich sofort auf Polen als neues Feld ihrer Betätigung zu werken? In dem von mir bereits zitierten Ostjuden-Heft der „Süddeutschen Monatshefte tritt Prof. Dr. Franz Oppenheimer, der sich meines Wissens früher vorwiegend mit dem palästinensischen Zionismus befaßt hat, offen für die „nationale Autonomie für die Ostjuden" (in einem Aufsatze von mehr als neun Seiten) ein. Es ist hier nicht der Platz, des näheren auf dieses Kriegsziel einzugehen. Mir erscheinen in der Frage der Zukunft der Ostjuden in ihrem Lande weit kompetenter und berufener die Leute selbst zu sein, über deren Schicksal auch dieser Weltkrieg entscheiden soll: vor allem aber diejenigen, die zwar unter Ostjuden ausgewachsen sind, aber doch westeuropäische Bildung, die ihren Gesichtskreis erweitert hat, in sich ausgenommen haben und in ideeller Beziehung den religiös gesinnten — zum größten Teil nicht zionistischen — Ostjuden näherstehen''). pugr um pup. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) XIX. aruch wartete noch eine Weile vor dem Hause, nicht etwa um Malka nochmals zn sehen, sondern um sich zu überzeugen, daß seine Menschenkenntnis ihn noch nicht im Stiche gelassen hatte. Und wirklich, eine Minute später war das Licht in Maltas Stübchen verschwunden, und sie selbst,' den Kopf mit einem großen Tuch umhüllt, erschien auf der Straße. Ohne nach rechts oder links zu blicken, eilte sie die Straße entlang. Baruch wilßte, daß ihr Weg sie jetzt direkt zu Gabriel führte, und — bei all seinem Herzleid mußte er unwillkürlich lächeln - bei Maltas jetziger Stimmung konnte sich Gabriel auf eine böse Stunde gefaßt machen. 17) Ans der umfangreichen Literatur neueren Datums möchte ich Hinweisen auf folgende Schriften: B. Segel, „Die polnische Judenfrage" (Berlin, G. Stilke): Birnbaum, „Ten Ostjuden ihr Recht!" und „Was sind Ostjuden?" (mit guten Liternturangabeu: beide Wien, R. Löwit); „Jeschurum", 3. Jahrg., 1. u. 2. Heft („Deutschland und die Ostjudenfrage". Bon I. Wohlgemuth): „Das Buch von dm polnischen Juden", herausgegebeu von S. I. A g o n itttb A. Elia § - b e r g (Berlin, Jüdischer 'Verlag); Die Monatsschrift „ D er Jude", herausgegeben von M. B nb e r (Wien, R. Löwit). Ferner für neueres statistisches Material: E. Z echli n, „Die Bevölkerungs- und Gnmdbesitzverteilnnq im Zarentum Polen" (Berlin, Gg. Reimer). Aber Baruch täuschte sich doch; Malta ging nicht zu Gabriel. Wozu auch? Ihm Borwürfe machen, die doch nichts an der Sache änderten? Was könnte sie denn damit noch erreichen? Selbst wenn sie Baruchs Worten noch immer keinen Glauben beimessen wollte, so brauchte sie ja nur ihr eigenes Herz zn prüfen, so brauchte sie sich ja nur wieder jene Nacht in Erinnerung zu rufen, wo sie ihn im traulichen Zwiegespräch mit Alma auf der Veranda gesehen hatte, um die traurige Gewißheit ihrer verschmähten Liebe zu erlangen. Er war für sie verloren, außer daß das Mittel erfolgreich sich erwies, welches sie jetzt anznwenden im Begriffe war. Freilich war es ein gefahrvolles Mittel, das gar traurige Folgen für ihn zeitigen konnte. Aber mag es; er muß es sich selbst zuschreiben. — Warum hatte er sich denn niemals die Mühe gegeben, auch ihren inneren Mechanismus, den man „Herz" nennt, auch nur der geringsten Prüfung zu unterziehen? Er würde da leicht erkannt haben, daß sie nicht die Person sei, schüchtern und still dazustehen, wenn das einzige Glück ihres einsamen Lebens von ihr fliehen wollte, ohne alles aufzubieten, es festzuhalten. Nein, auch jetzt noch wollte sie kämpfen, auch jetzt noch nicht den letzten Rest der Hoffnung aufgeben. Und es sollte ein harter, schwerer Kampf werden, Gabriels Kraft, Gabriels Größe entsprechend. War sie aber erst zu einem Kampfe entschlossen, warum denn mit der Wahl der Mittel erst noch lange zögern? Wiederum wie damals, in jener Nacht, verbarg sie sich in dem nahen Gebüsch. Sie hatte die Gewohnheiten aller Hausbewohner genau ausgekundschaftet, und sie wußte, daß der Dragoneroffizier allabendlich hier promenierte, Zigaretten rauchend und sehnsüchtige Blicke nach Almas Fenster werfend. Wie oft hatte sie darüber gelächelt, heute aber fühlte sie nicht die geringste Lust zum Lachen, hellte . . . Still! Hier kommt er, mit seinem schleichenden Schritt, wiederum nach dem Fenster spähend. Malka trat aus ihrem Versteck hervor und rief laut seinen Namen. Er fuhr heftig zusammen, faßte sich aber sogleich, als er sie erkannte. „Na, du fehlst mir gerade noch!" rief er mit einem bösen Fluch. „Mach, daß du fortkommst!" Malka unterdrückte ihre Furcht und sprach leise: „Ich wollte nur einige Worte mit Ihnen reden." „Ich aber nicht mit dir. Es soll wohl wegen Petersburg sein! Du kannst wohl die Zeit nicht mehr erwarten? Aber daraus kann jetzt nichts lnehr werden. Ich habe schon ein ganzes Dutzend, die dort auf mich lauern." „Es ist nicht wegen Petersburg." „Was ist es denn?" „Wegen Fräulein Alma." „Wegen - Alma? Was geht dich die Komtesse Torakow an"? „Sie waren so freundlich, mir anzudeuten, daß die Komtesse nicht besonders entzückt sei von Ihren Huldigungen für Sie." Sie bemerkte seine drohend erhobene Faust und fuhr schnell fort: „Ich erwähne dieses nur, weil ich Ihnen vielleicht einen Weg zeigen kann, der einen besseren Erfolg verspricht." „Here genug wärst dll dazu. Ihr Jilden vermöget ja mit Euren Tenfelskünsten alles fertigzubringen. Was ist es also?" „Falls Komtesse Torakow Herrn Schmulikof Ihnen vorzieht, dürfte sie vielleicht doch ihre Ansicht ändern, wenn sie erfährt, daß Gregor Schmulikof -- ein — Jude ift!" Karol machte einen Luftsprung, und da er, wie immer, nicht mehr ganz nüchtern war, wäre er der Länge nach auf den Rücken hingefallen, wenn er sich nicht noch im letzter: Augenblick an einem Ast festgehalten hätte. Er schlug die Hände zusammen und brach in ein wieherndes Gelächter ans. „Schmulikof ein Judo!" rief er noch immer lachend. Er konnte das Ungeheure noch nicht ganz fassen.

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