Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- Seite 427 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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427 jüdische Gemeinde ehre Bibliothek zu begründen beschloß, wurde er in die Bibliothekkommission berufen, in der er bis jetzt ununterbrochen tätig ist. Seit 20 Jahren gehört er dem Vorstand des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin an und schrieb für seine „Mitteilungen" öfters Artikel, die allgemeine Beachtung fanden und ein bleibendes Zeugnis für das in der Berliner jüdischen Gemeinde lebende religiöse Interesse bilden. Eine Anzahl von Aufsätzen des Jubilars, die sich durch besondere Sachlichkeit und Kenntnis unserer Gemeindeverhältnisse auszeichnen, wie auch verschiedene Reisebriefe sind in unserem Blatte erschienen. Im Jahre 1899 kandidierte Benas Levy bei den Wahlen zur Repräsentantenversammlung und wurde als erster Stellvertreter gewählt. Seitdem wurde er in gleicher Eigenschaft immer wiedergewählt und ist seit Jahren als Repräsentant im Amt. Er ist Mitglied des Kuratoriums des zweiten Waisenhauses in Pankow und gehört der Baukommission an. In seiner Eigenschaft als Mitglied der bauleitenden Kommission für die Errichtung der Synagoge Fasanenstraße nahm der Jubilar von Anfang an an dem Bau dieser monumentalen Synagoge regen Anteil und wurde nach der Vollendung zum Vorsteher gewählt. Sowohl bei der Einweihungsfeier als auch beim Empfang Seiner Majestät des Kaisers anläßlich seines Besuches dieser Synagoge war Herr Benas Levy beteiligt. Seit Ausbruch des Krieges wirkt er als Mitglied der von der jüdischen Gemeinde eingesetzten Kriegshilfskommission. Er übernahm damals die Leitung der Unterabteilung M, die die Ausgabe hat, allen den Glaubensgenossen, die durch den Krieg ihren Erwerb verloren haben, Stellung oder eine neue Erwerbsmöglichkeit zu verschaffen. Diese Abteilung hat bis jetzt mehr als 6O0 Bittsteller untergebracht und hat sie wieder in den Stand gesetzt, sich und ihre Familien zu ernähren. Das ist eine Leistung, die die größte Anerkennung verdient. Wir kennen Herrn Benas Levy seit bald 25 Jahren und dürfen von ihm mit gutem Gewissen sagen: Gern und freudig widmete er jederzeit seine Kräfte der Förderung der Interessen und der Wissenschaft des Judentums und. findet reichen Lohn für seine Mühewaltung in dem Bewußtsein treuer Pflichterfüllung, eingedenk des Wortes unserer alten Lehrer: Niemand ist frei, sich der Arbeit für das Gedeihen der Gesamtheit zu entziehen. Möge dieses Wort die Richtschnur seines Lebens bis ins späteste Alter bilden. *** Der amerikanisch-Milche Kongreß. (Schluß.) ie dritte Sitzung war mit Ausnahme schnell angenommener Resolutionen (Antrag Tr. Ehrus Adler: Sofortiges Einsetzen der Kampagne für „Mchte", Antrag Schalom Asch: Darlehnsinstitut für die durch den Krieg in Osteuropa lind Palästina betroffenen Inden) wiederum ausschließlich der Erörterung der in der vorigen Sitzung angenommenen Resolution gewidmet. Die Konferenz organisierte sich zunächst zn einer permanenten Körperschaft unter dem Namen: „Konferenz national-jüdischer Organisationen". Herr Julian M a ek meinte, daß die Resolution, die einem Kongreß sympathisch gegenübersteht, ohne volles Verständnis aller Tatsachen angenommen worden sei. Er sagte, daß viele der Delegierten für sie gestimmt hätten, du sie aus einem Statement des Herrn Brandeis angenommen hätten, daß vom Kongreßkomitee ein p e v m aneute r Kongreß beabsichtigt und dem Zionismus und anderen Fragen eine zu prominente Stellung gegeben würde. Nach einer Unterredung mit verschiedenen Mitgliedern der Kongrehorganisation könne er sagen, daß weder ein Permanenter Kongreß beabsichtigt noch daß besonderes Gewicht aus Zionismus und die Verhältnisse in Palästina gelegt werden würde. Wenn diese beiden „Befürchtungen" aus dem Wege geräumt wären, was hätte dann der Ausdruck „alleiniger Zweck" im Paragraphen 2 für einen Wert? Er schlug vor, daß die Resolution revidiert würde, um so den Frieden zu ermöglichen. Colonel Cutter unterstützte den Antrag Julian Macks. Tic Kvnareßorganisation würde vielleicht doch geneigt sein, Konzessionen zu machen, wenn nicht selbständig, so doch vermittels eines Referendums der angeschlossenen Organisationen. Diese Vorschläge veranlaßten eine heftige Rede des Herrn M a r - sh all: „Es wäre knabenhaft und unmännlich, nochmals eine Resolution zu diskutieren, die nach reiflichster Ueberlegung akzeptiert worden ist. Tie R-esolution ist so abgesaßt, daß sie dem Exekutivkomitee dieser Konferenz die Möglichkeit gibt, dem Plan des Kongresses und der Herstellung der Einigung unter den amerikanischen Juden näherzutreten. Ich bin eifrig bestrebt, völlige Harmonie und Einigung herzustellen, und wir sind gern bereit, mit einer jeden Organisation, die es uns durch ihre Plattform ermöglicht, zusammenzuarbeiten. Das Kougreßkomitee jedoch trug Anschauungen vor, die von dieser Konferenz nicht angenommen werden konnten. Wir wurden aufgefordert, ihr Programm zu akzeptieren, so wie es uns vorgetragen wurde, und es war die einmütige Ansicht aller Delegierten, daß dieses unmöglich sei. Nun wird uns gesagt, daß eine Modifikation des Programms möglich sei. Das Exekutivkomitee dieser Konferenz ist mit der Machtbefugnis ausgestattet, die Verhandlungen mit dem Kongreßkvmitee wieder aufzunehmen. Ich rate daher, von einer erneuten Behandlung dieser Frage hier Abstand zu nehmen." Herr Leon Sanders (Mitglied der Delegation des Kongreßkomitees) schlug vor, ein Komitee zu wählen, das am nächsten Tage der Sitzung des Kongreßkomitees beiwohnen möge. Dieser Antrag wurde aufs wärmste von den Herren Dr. Magnes, Schalom Asch, Rabbi Cohen, Dr. Solis-Cohen, Joseph Massel unterstützt, während Herr Marshall, die Vertreter der Arbeiter und Dr. Shulman die Versammlung vor Nachgiebigkeit dem Kongreßkomitee gegenüber warnten, die einen dauernden Frieden keineswegs garantiere. Der A n t r a g Wl a ck wurde zurückgezogen, nachdem Herr M a r - s h a l l der Versammlung die Erklärung abgegeben hatte, daß die angenommene Resolution Magnes dem Exekutivkomitee weitesten Spielraum lasse, ben Forderungen der Philadelphia-Plattform zu genügen. Der A n t r a g Sanders wurde dem Exekutivkomitee, bestehend ans 25 Mitgliedern, die von Herrn Marshall gewählt worden.waren, überwiesen. * Am folgenden Tage fand eine Sitzung des Exekutivkomitees der jüdischen Kongreßorganisationen statt. Als Repräsentanten der Konferenz der amerikanischen national-jüdischen Organisationen waren folgende fünf Herren erschienen: Harry Cutler, W. Mack, Jacob Massel, Dr. F. F. Roseubtatt, Samuel Shutman. Der feste Willen, endlich den ersehnten Frieden innerhalb des amerikanischen Judentums herzustellen, beherrschte die Verhandlungen. Diese Delegation war von der Konferenz beauftragt: 1. den Wunsch der Konferenz nach Frieden zum Ausdruck zu bringen, 2. einen offiziellen Bericht über die Verhandlungen des vorhergehenden Tages auszuarbeiten. Die Delegation des Exekutivkomitees der Konferenz führte aus, daß die gestrigen Verhandlungen auf einer Basis geführt worden waren, die so demokratisch wie möglich war, um der amerikanischen Judenheit zu zeigen, daß keine autokratischen Methoden beabsichtigt seien, um die Probleme, die iu Frage stehen, zu lösen. Julian M a ck hielt eine Rede, in der er wiederum die Notwendigkeit der Herstellung des Friedens betonte. Schließlich wurde ein gemeinschaftliches Komitee gewühlt mit dem Aufträge, eine gemeinsame Plattform auszuarbeiten, die geeignet wäre, die Differenzen im amerikanischeil Judentum in der Kongreßsrage zu beseitigen. * Dieses „Friedenslorriilee" hatte am nächsten Abend in der Aeolian Hall eitle außerordentliche Sitzung. Sowohl die Vertreter der Konferenz wie auch die Repräsentanten des Kongreßkomitees waren für die Abhaltung eines j ü - d i s ch e n Kongresses i n W a s h i n g t o n in der Zeit z w i s ch e n d e ul 1. September und 31. T e z e m b e r 1916. Das „Friedeilskomitee" resümierte das Ergebnis seiner Unterhandlungen ill folgendem Bulletin: „Die P u it f t c des Einverständnisses u n d der D i f s e r e ll z e n wurden sorgfältig diskutiert. Die S t i m m u n g war für eine g e m e i ll s a m e Aktion. D i e K o m i t e e m i t g l i e d e r f a nre n über a l l e Streitfragen