Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- Seite 424 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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424 wie im Balkankrieg, in den es auch erst Eingriff, als die Kampfführenden geschwächt waren, seinen Vorteil zu erlangen. DieFeindseligkeiten haben bereits begonnen; zu großenTaten ist es noch nicht gekommen. Es ist zu hoffen, daß wir imstande sein werden, uns auch dieses neuen Feindes zu erwehren. Das Kriegsgebiet erweitert sich immer mehr, unsere Gegner wachsen und mehren sich. Wir hegen die sichere Erwartung, daß Deutschland aus diesem unerhörten Ringen einer Welt starker, tapferer und erbitterter Feinde gegenüber siegreich hervorgehen wird. Diese Erwartung wird gestützt durch die Kriegsereignisse der letzten Woche. Ein merkliches Fortschreiten unserer Gegner ist nirgends erkennbar; vielmehr ist es uns bisher gelungen, allen Angriffen standzuhalten und hier und dort Vorteile zu erringen. Freilich gilt es noch einen langen verzweifelten Kampf; an die Standhaftigkeit unserer heldenmütigen, durch einen langen Krieg arg heimgesuchten Verteidiger werden die schwersten Anforderungen gestellt; aber wir müssen a u s - halten und durch halten, um nach diesen ungeheuren Anstrengungen den endlichen Sieg zu erringen. Diese Erwartungen haben eine neue Stärkung dadurch erhalten, daß an Stelle des bisherigen Generälstabschef Falkenhayn der Generalfeldmarschall H i n d e n b u r g zum Generalstabschef und daß sein getreuer Helfer Ludend o r f f zum Generalquartiermeister ernannt worden ist. Das sind jedenfalls die genialsten und populärsten Männer, die Deutschland augenblicklich besitzt. Durch sie, denen die großartigsten Erfolge des gegenwärtigen Krieges beschieden waren, kann gewiß nicht mit einem Schlage eine völlige Wendung eintreten; aber wir sind erfüllt von der Hoffnung, daß ihrer genialen Kraft es gelingen wird, die Anstrengungen aller unserer Gegner zunichte zu machen. Zu den neuen schweren Anstrengungen bedarf es wiederum großer Opfer an Entbehrungen mtb an G eld. Wir vertrauen unserem Volk, daß es beide bringen" wird und bringen kann. Es muß ein neuer Winterfeldzug, schon der dritte, getragen werden; es ist unvermeidlich, daß die Deutschen die Einschränkungen, die sie bisher erduldet haben, noch lange und in noch stärkerer Weise als früher ertragen; es ist notwendig, daß wiederum, und vielleicht nicht zum letztenmal, wie wir früher erwarten zu dürfen glaubten, eine neue Kriegsanleihe, die fünfte, freiwillig gezeichnet wird. Wir haben schon früher einen lebhaften Aufruf an die Nnsrigen gerichtet, sich daran 31t beteiligen; wir wiederholen diese Aufforderung auf das entschiedenste. Keiner darf vor einem Opfer zurückschrecken und am wenigsten wir, die wir bisher in Sicherheit und Ruhe lebten und die wir, durch den Heroismus unserer Tapferen, unserer bewundernswerten Heere, diese Ruhe immerdar bewahren. Was will ein noch so schweres Opfer an Geld und Gut besagen gegen die unerhörten, kaum auszudenkeuden Opfer an Blut und Leben, das diese wunderbaren Kämpfer seit 25 Monaten täglich und stündlich bringen. Möge es niemand in dieser schweren Prüfung an sich fehlen lassen! Zeige jeder sich als Held im Entbehren itnb Spenden! Es geht um unsere ganze Zukunft, um das Heil unserer Nachkonunen, um das Dasein Deutschlands. Schutz und Schirm für unser herrliches, geliebtes, teures Vaterland! * Das folgende Flugblatt verdient auch an dieser Stelle mitgeteilt zu werden: „Ausschuß für Kriegsstatistik. Berlin W., Steglitzer Straße N. Euer Hochwohlgebvren! Der Unterzeichnete Ausschuß für Kriegsstatistik, der bald nach Kriegsausbruch gebildet wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine zuverlässige und erschöpfende Statistik der jüdischen Feldzugsteilnehmer in Deutschland zu beschaffen, die Leistungen der jüdischen Gemeinden auf dem Gebiete der Kriegsfürforge sestzustellen, also Material zur Widerlegung von Vorwürfen wegen unschönen Verhaltens der Juden während der Kriegszeit im Jnlande zu sammeln, kurz alle Arbeit zu leisten, die mit Bezug auf den Krieg im Interesse der h e u t s ch e n Juden wünschenswert erscheinen kann. Aus diesem Grunde müssen sicherlich die Bestrebungen des Ausschusses für Kriegsstatistik gegenwärtig als e i n e d e r wichtigsten Aufgaben der deutschenJuden betrachtet werden. Die statitische Erhebung wird von einem besonderen Bureau, welches die Herstellung der Statistik für ganz Deutschland bereits in die Wege geleitet und ein unifangreiches Material gesammelt hat, vorgenommen, so daß mit Sicherheit auf ein Gelingen des Werkes gerechnet werden kann. Die beträchtlichen Kosten, welche die Sammlung des Materials und die hierfür nötigen umfangreichen Korrespondenzen erfordern, sind bisher durch Spenden von Gemeinden, Organisationen und einzelnen Personen beschafft worden. Die so gesammelten Mittel reichen aber bei weitem nicht aus, und die Fortführung der mit so gutem Erfolge begonnenen Arbeit erscheint daher in Frage gestellt, wenn nicht neue Geldmittel reichlicher fließen. Mit Rücksicht au f tzie hohe Bedeutung der Kr i e g s st a t i st i k, die auch &tc sicher anerkennen, richten wir an Sie die ergebene Bitte, für die Durchführung der Arbeit einen einmaligen Beitrag zu gewähren. Wir bemerken ergebenst, daß die Bureauunkosten, ungeachtet starker Mitwirkung ehrenamtlicher Kräfte, monatlich etwa 1000 Mark betragen und daß die Arbeiten nicht nur während der Dauer des Krieges, sondern auch nach dessen Beendigung noch eine ganze Reihe von Monaten hindurch fortgesetzt werden müssen, um ein vollständiges und vor allem zuverlässiges Material zu gewinnen. Schatzmeister: Felix Struck, Mitteldeutsche Kreditbank, Hauptkasse, Burgstraße, oder aus dessen Postscheckkonto Rr. 8784, Berlin. Der Ausschuß für Kriegsstatistik. Verband der Deutschen Juden: Zustizrat Dr. Horwitz; Justizrat Dr. Breslauer; Geheimer Justizrat Cassel; Professor Dr. Silbergleit; Felir Struck. Deutsch- Israelitischer Gemeindebund: Professor Dr. Kalischer; Professor Dr. M. Sobernheim; Justizrat Dr. Salomon. Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens: Horwitz; Geheimer Justizrat Fuchs; Justizrat Dorn; Bernhard Caspary. Verein für Statistik der Juden: Geheimer Sanitätsrat Dr. Maretzky; Richard Cassel. Verein zur Abwehr des Antisemitismus: Bergrat a. D. Gothein: Professor D r. Wilhelm Förster, Geheimer Regierungsrat. Großloge für Deutschland 8, U. O. B. B.: Geheimer Justizrat Timmendorfer. Zionistische Vereinigung für Deutschland: Max Wollsteiner. Kartellkonventiom Dr. Max Mainzer, Frankfurt; Rechtsanwalt Böhm. Kartell jüdischer Verbindungen: Rechtsanwalt . Dr. Georg Gerson. Kriegshilfsausschuß der Berliner Logen: Eugen Caspary; Geheimer Sanitätsrat Dr. Maretzky. Jüdischer Frauenbund: Henriette May; Sophie Werner, Hamburg; Dr. Martha ' Frankl. Verband der jüdischen Jngendvereine: Dr. Cora Berliner, Posen." * Aus R u m änie n, das wegen seiner ständigen nichtswürdigen Behandlung als einer unserer verabscheuungswürdigsten Gegner zu betrachten ist und das auch in seiner ganzen Kriegsgebarung sich jammervoll erwiesen hat, wird folgendes berichtet: Auch die Militärpflichtigen jüdischer Konfession mußten sofort den Truppendienst antreten. Diese BerfüAmg wurde damit motiviert, mau m ü s se vermeide n, den Juden die Möglichkeit 311 geben, , zugunsten Deutschlands Verrat zu üben. * Die antisemitische „Wiener Reichspost" schreibt: Die russischen Juden gegen die Befreiung Polens. K 0 p e n h a g e n, 25. August. Die Petersburger „Sprawa Polska" zitiert einen Artikel des Führers der j ü d i s che n N a t ton allsten Zabotiuskij in „Odeskija Nowosti", in welchem ausgeführt wird, daß die Juden entgegen ihren Gefühlsregungen sich für den Vierverba n d erklären m ü f s e it. Wenn Polen von Rußland losgetrennt wäre, dann würde sich die Lage der Juden in Rußland und in Polen wirtschaftlich und politisch verschlimmern. Die Juden in