Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1916)
- Date
- 1916-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 er zu tun gedenkt, um eine Wiederholung solcher Vorkommnisse zn verhindern. 2XD Berlin, 29. August. Jüdischen Lehrern, die ein über die Bedürfnisse des Elementarunterrichts hinausgehendes Wissen atrf dem (Gebiet der Religionswissenschaften Nachweisen wollen, ist Gelegenheit geboten, vor einer vom Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde eingesetzten Kommission durch Ablegung einer Prüfung den gewünschten Nachweis zu erbringen. Tie Prüfung, die jährlich im Mürz und September stattfindet, erstreckt sich ans folgende Gebiete: Methodik, biblische Geschichte, Hebräisch, jüdische Geschichte, Religionslehre, Religions- Philosophie und Einleitungswissenschaft. Gesuche um Zulassung zur Prüfung sind zu richten an den S ch u l - und Talmud-Thora- V o r st a n d der jüdischen Gemeinde, Berlin N 24, Oranienburger Straße 29. Interessenten wird auf Ersuchen Abdruck des Prüfungsregliments verabfolgt. &&& Berlin, 29. August. Das Eiserne Kreitz Zweiter Klasse erhielten: Fnnkerunteroffizier Eand. Phil. Walter Simon, Sohn des Prof. Dr. Heinrich Simon, Unteroffizier Fritz C a s s i r e r , Kanonier Martin Karger, Offizierstellvertreter Direktor Felix F r i e d e n s o h n, Vizefeldwebel Alfred K o ß in a n n , Leutnant und Kompagnieführer Werner F r i e d l a n d , Vizewachtmeister Felir Levh, Brauereidirektor Leutnant Assessor Dr. Hans Friedm a n n, Feldrabbiner Dr. Jacob Sänger, der neunzehnjährige Kriegsfreiwillige Gefreiter Walter T i m e n d o r f e r, Sohn des Präsidenten der Großloge für Deutschland VIII U. €. B. B. Geh. Jnstizrat Berthold Timendorfer, Kriegsfreiwilliger Rudolf Stern, Kriegsfreiwilliger Gefreiter Sind. jur. Georg E o h n , Oberarzt d. R. im Kriegsministerinm, Zentralnachweisbureau, Sanitätsrat Dr. TH.Apol oid, Vizefeldwebel Wilhelm Hermann, Unteroffizier d. L. Otto Bendir, Kriegsfreiwilliger Unterarzt Hermann Joachim, Obergefreiter Alfred Cohn, Hans Kilinski, Vizefeldwebel Mar Naschelski, Gefreiter Telegraphist Felix Schück lGroß- Berlin). Die gleiche Auszeichnung erhielten: Unteroffizier d. R. Eugen Blumenreich, Kriegsfreiwilliger Unteroffizier Julius Louis Jaeobi, Sohn des Stadtverordneten Rudolf Jacobi (Bromberg), Feldarzt Tr. Stein (Wiesbaden), Feldunterarzt Leo Lew in (Mühle Lissewo bei Gollub in Westpreußen), Gefreiter Eand. jnr. Rudolf Katz, Sohn des Lehrers Katz (Kiel), Siegfried S t r a u ß (Siegburg), Kanonier Sally Silber (Kitzingen), Unteroffizier Referendar Paul Bock, Unteroffizier Leo Rapp (Frankfurt a. M.), Gefreiter fyrtfe Behrens (Braunschweig), Kriegsfreiwilliger G o l d s ch m i d t (Hannover), Assistenzarzt Dr. Arthur Moses (Kolberg), Gefreiter Ernst Hirsch, Assistenzarzt Tr. Gustav H o f f m a n n , Musketier Walter Horowih, Gefreiter Paul Sch m u I) \ (Hamburg), Unteroffizier Bruno G oldst ein, Sohn des Kaufmanns Isidor Goldstein (Breslau), Leutnant d. R. Ernst Joseph (Baden-Baden), Vizefeldwebel Simon Kleinberger (Odenbach), Gefreiter Assessor Dr. Carl Schiff, Sohn des Kaufmanns Julius Schiff (Eöthen), Unteroffizier Georg G r a u b a r t, Sohn des Kantors Adolf Graubart (Anklam), llnteroffizier Kraftfahrer Julius Ebstein (Straßburg i. E.), Gefreiter Herbert K a h s e r (Guben), Gefreiter Eduard S e e l i g lFilehne), Gefreiter Max P eis er (Koschmin), Feldwebel Fritz Brandt (Adelnau), Kriegsfreiwilliger Siegfried Schuster (Zempelburg), Gefreiter Harrh Rosenthal, Stud. arch. in Posen, Kriegsfreiwilliger Theodor G l a d t k e , Sohn des Rittergutsbesitzers Gustav Gladtke (Osterode in Ostpreußen), Unteroffizier Bernhard Duschnitzki, Sohn des Herrn Lewin Duschnitzki (Arnswalde), Unteroffizier Gustav Gumpert (Woltersdorf), Gefreiter Ludwig Feiger (Essen a. d. R.), Unteroffizier Felir T i k o t i n (Dresden). Tilfit, 25. August. Im hohen Alter von 86 Jahren starb hier Herr Raphael C oha nowitz. Als Tausende von Juden infolge der russischen Negierungsmaßnahmen ihre Heimat verließen, um über Deutschland ihren Weg nach Amerika zu nehmen, gehörte er dem von der „Jca" eingerichteten Komitee zum Schutze der jüdischen Auswanderer an und entfaltete dabei eine äußerst segensvolle Tätigkeit. Bei seiner Bestattung folgte die ganze Gemeinde. Rabbiner Dr. R ö s e l entwarf in seiner Trauerrede ein treues Bild von der hervorragenden Persönlichkeit des Verblichenen. Am Ausgang der Trauerwoche veranstaltete der Lernverein Mekor chajim, zu dessen Begründern und Vorstandsmitgliedern der Verstorbene gehörte, eine Gedächtnisfeier, wobei die Herren Rabbiner Dr. Nösel und Kultusbeamter Struuin warme Nachrufe hielten. — Breslau, 25. August. Die „Ostdeutsche Gastwirte-Zeitung", das offizielle Organ des Gastwirteverbandes Bezirk Schlesien, druckt in ihrer Ausgabe vom 30. Juli der sattsam bekannten antisemitischen „Wiener Reichspost" die Nachricht nach, der Domprediger Dr. Hinner in. Wien habe in einer Versammlung in Leopoldstadt behauptet, nach Angabe des Finanzministeriums sind während des Krieges 600 neue Millionäre geworden, von welchen kaum 20 christlich sind; b[/> Milliarden sind in nichtchristlichen Besitz übergegangen. Die Nachricht bezieht sich natürlich auf österreichische Verhältnisse. Ob d-ie Tatsache von den neuen 600 Kriegsmillionären auf Wahrheit beruht, können wir nicht untersuchen. Daß aber das ganze Geld in jüdische Hände floß, ist eine Phantasiegeburt des famosen Geistlichen. Leider ist in Oesterreich die Erscheinung nicht neu, daß katholische Geistliche sich dazu hergeben, Judenhetze zu treiben. Wie kommt aber die „Ostdeutsche Gastwirte- Zeitung", die als Fachorgan für Gastwirte doch zur strengsten politischen und konfessionellen Unparteilichkeit v e r p f l i ch t et ist, dazu, eine solche gehässige und verlogene Nachricht gegen die Juden weiter zu verbreiten? Will das Blatt nicht als Organ der nur antisemitischen Gastwirte angesehen werden, dann muß es alles vermeiden, was sicherlich auf viele seiner Leser sehr verletzend wirkt. München, 2 5. August. Ein Kaufmann in Nürnberg schachtete Geflügel in einem Kellerraum oder in einer aus Brettern hergestellten Remise mit durchlässigem Sandboden und ohne Abflußvorrichtung. Eine wiederholt von Polizeiorganen ergangene Allfforderung, um die polizeiliche Erlaubnis zum Betriebe der Geflügelschlächterei uachzusuchen, hatte der Kaufmann kurz zurückgewiesen. Auf Grund dieses Sachverhalts wurde er wegen Vergehens nach § 147 Ziffer 2 und § 16 der Gewerbeordnung von der Strafkammer Nürnberg verurteilt. Die Revision des Angeklagten wurde verworfen. In den Gründen ist ausgeführt- Die Geflügelschlächtereien sind Schlächtereien im Sinne des § 16 der Gewerbeordnung. Das Gesetz spricht allgemein ohne Einschränkung von Schlächtereien, weshalb nicht abzusehen ist, warum darunter nur das Schlachten bestimmter Tiergattungen verstanden werden soll. Nach dem allgemeinen Sprachgebrauche wird das Geflügel geschlachtet, auch im Rechtsleben ist der Ausdruck „Geflügelschlächterei", „Gänseschlächterei" allgemein gebräuchlich. Es besteht daher kein Grund, die Geflügelschlächtereien den Schlächtereien im Sinne des § 16 der Gewerbeordnung nicht zuzuzählen. Der Bundesrat unterwirft alle Schlachtstätten ohne Unterschied sonnt ausnahmslos der Genehmigungspflicht. — Regensburg, 25. August. Nachdem nunmehr das Steuersoll für 1916 vorliegt, wurde in der Magistratssitzung vom 10. August der Hundertsatz der Gemeindeumkagen endgültig ans 167 Prozent festgesetzt. Für die Israeliten, die eine eigene Bekenndiisschule unterhalten -und somit zum allgemeinen Schulbedarf nicht beizutragen haben, beträgt er nur 127 Prozent. Gegenüber den: Vorjahr ist die Zahl der Steuerpflichtigen erheblich gesunken, dagegen das Steuersoll, und zwar hauptsächlich die Gewerbe- und die Einkommensteuer, nicht unbeträchtlich gestiegen, nämlich von 854 635 Mark im Jahre 1915 auf 923 038 Mark, somit um 68 403 Mark. Das Staatssteuersoll der Israeliten ist von 85 921 Mark ans 112 63 6 Mark, somit mit 27 614 Mark gestiegen. &&& Cassel, 25. Angnst. Die im Jahre 1802 begründete „Gesellschaft der Humanität zu Gaffel" versendet soeben den Bericht für die Jahre 1914/15, der eine Reihe von Mitteilungen enthält, die im gewissen Sinne einen Beitrag zur Geschichte der Juden in Cassel bilden. Der Bericht lautet wie folgt: „Der Krieg hat auch unsere Kreise in Mitleidenschaft gezogen und wohl keines unserer Mitglieder unberührt gelassen. Unsere alte und ehrwürdige Gesellschaft hat in den von ihr znrückgelegten hundert und dreizehn Jahren an dm Schicksalen unseres engeren und weiteren Vaterlandes stets zu ihrem Teile mitgetragen. Am 21. November 1802 ins Leben gerufen, war sie unter der westfälischen Negierung beinahe völlig aufgelöst worden, so daß das Konsistorium der Israeliten zu Cassel, gestützt auf ein Schreiben des westfälischen Ministers des Innern Grafen v. Wolfrad, im Frühjahr 1813 bereits versuchte, das Vermögen der Gesellschaft einzuziehen. Dagegen legten in ihrer Versammlung vom 30. Mai 1813 36 erschienene Mitglieder Verwahrung ein und beschlossen eine völlige