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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-01 · Heft 35 (1.9.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 35 (1.9.1916)
Date
1916-09-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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80. Jahrgang Nr. 35 Berlin, I. September 1916 Der Gemeindebote. SStdagt zur „Allgemeinen Leitung deK IudrntumK". Sorrrhnmdrn?m und Aachrichtm. SruMlsnL. E. R. Berlin, 29. August. In der Sitzung der Repräsentant c nders am m lun g vom 23. d. M. gedachte nach Verlesung des Protokolls der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Minden, zunächst des Verlustes, den das Judentum durch den Tod des Herrn Prof. Dr. Martin Philippson erlitten. Der Verewigte gehörte zwar der Versanunlung nicht an, aber durch sein verdienstvolles Wirken als langjähriger erster Vorsitzender des Deutsch-Israelitischen Gemeindebmrdes, dessen Ehrenvorsih er zuletzt bekleidete, stand er uns nahe und war in unseren Kreisen schon früher bekannt und allgemein geschützt und geachtet durch seine Wirksamkeit als Lehrer an der Knabenschule und der Lehrerbildungsanstalt unserer Gemeinde. Wir werden ihm ein treues Gedenken bewahren. Der Nachruf wurde stehend angehört. Der Vorsitzende teilte ferner mit, daß der Vorstand der Synagoge Potsdamer Brücke um eine Subvention eiugekommen ist. Da die Angelegenheit beim Gemeindevorstand schwebt, werde man später darauf zurückkommen. Dann trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. — grau Rosa Sachs, Gattin des verstorbenen Herrn Louis Sachs, hat zur Verstärkung der Gustav- und-Adele-Sachs-Stiftung 5000 Mark gespendet. Herr Direktor Dr. H o l z m a n hat zur Begründung einer Doris-Holzman- Stiftung für die Präparanden der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt 3000 Mark überwiesen. Die Verteilung der Zinsen soll am 24. Juni ernes jeden Jahres an ein bis zwei bedürftige Zöglinge der Anstalt stattfinden. Die Mitglieder der Familie Paul Pariser haben zur Begründung einer Dr.-Ernst-Pariser-Stiftung zu Studien- und Erholungszwecken 25 000 Mark gespendet, Herr Jacob Bresch zu Grabeserhaltung 4000 Mark, Herr Paul I a f f e zur Verstärkung der Leopold-Und-Sophie-Troppau-Stiftung 3375 Mark, und Frau Geheime Kommerzienrat Henriette Becker hat der Gemeinde eine Nachbildung des Moses von Michelangelo in Marmor sowie die dazugehörige Granitsäule zum Geschenk gemacht, liebet die Verwendung ist noch nähere Bestimmung zu treffen. — Bei Punkt 8, Vorlage betreffend Festsetzung des Ritus für die Synagoge Kottbuser Ufer, entsteht eine lebhafte Debatte. Nach einem Gemeindebeschluß vom 29. November v. I. soll in der Synagoge Kottbuser Ufer von der Einführung der Orgel abgesehen und bei dem Gottesdienst das Gebetbuch der Synagoge Kaiserstraße ein ge führt werden, nachdem dasselbe von einer Kommission einer Durchsicht unterzogen worden ist. Die mit dieser Ausgabe betraute gemischte Deputation macht nun eine Reihe von Abänderungsvorschlägen. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit des Gegenstandes und der großen Tragweite der Beschlüsse erscheint eine eingehende Prüfung erforderlich, die nicht bis zur Eröffnung der Synagoge am 17. September beendet sein kann. Hinzu kommt, daß nach der letzten Sitzung der Deputation gegen deren Beschlüsse von sachverständiger Seite, sowohl von Herrn Rabbiner Dr. E s ch e l b a ch e r als auch von Herrn Dozenten Dr. E l b o g e n, erhebliche Bedenken geltend gemacht worden sind. Ter Vorstand hat sich deshalb veranlaßt gesehen, der Deputation ihre Anträge zur nochmaligen Beratung unter besonderem Hinweis auf diese Einwendungen zurückzugeben. Um die Eröffnung der Synagoge nicht weiter hinauszuschieben, ist eine provisorische Regelung des Ritus erforderlich. Der Vorstand schlägt deshalb vor, zunächst in der Synagoge Kottbuser Ufer den Ritus der Synagoge Kaiserstraße einzllsühren. Um indes diesen Zustand nicht lange andauern zu lassen, soll das Provisorium bis nach den Pessachfeiertagen 1917 gelten. Herr Lewinski tritt für den Antrag des Vorstandes ein, obwohl der Ausschuß III, für den er berichtet, diesen Antrag abgelehnt hat. Der Korreferent, Herr Pros. Blaschke, begründet den Antrag des Ausschusses III, welcher der Gebetordnung für die Synagoge Kottbuser User die Beschlüsse der gemischten Deputation zugrunde legen will. Es handle sich nicht um eine Aenderung des Gebetbuches von Sachs. Kein Besucher der Synagoge sei gezwungen, Gebete zu sprechen, die gegen seine Ueberzeugung sind. Es wird eine Agende im Anschluß an den Ritus der Synagoge Kaiserstraße angefertigt werden. von der nach Belieben Gebrauch gemacht werden könne. Ten Standpunkt des Vorstandes vertritt Herr B a d t. Wir müssen, führte er ans, unsere eigenen Institutionen Hochhalten, gleichfalls die Rabbiner, welche erst befragt werden müssen. Eine Verschleppung sei bei dem Gemeindevorstand nicht erfolgt. Aehnlich äußerte sich der Syndikus Lilient h a l: „Wir können seststelleu, daß aus allen Seiten das Bestreben herrscht, Zwistigkeiten zu vermeiden. Die Gemeindekörperschaften können in religiösen Angelegenheiten erst dann einen Beschluß fassen, wenn die Rabbiner das Material geliefert haben." 'Herr Kommerzienrat G e r s o u S i m o n tritt ebenfalls für den Antrag des Vorstandes ein. Die gegen den Antrag vorgebrachten Gründe seien nicht stichhaltig, er bitte, doch endlich überzeugende Gründe vorzubringen, wenn solche überhaupt vorhanden wären. Nachdem noch einige Mitglieder der Versammlung gesprochen, wird infolge eines zündenden Wortes des Herrn Prof. Türk ein Vermittelungsvorschlag der Herren C o h n und P i n - c u s angenommen, der den Gemeiudevorstand ermächtigt, die Gebetordnung in der Synagoge am Kottbuser User für die nächsten vier Monate nach Gutdünken festzusetzen. — Im vergangenen Winter haben gemäß den betreffenden Gemeindebeschlüssen zweite Freitagabendgottesdienste in den Synagogen Oranienburger Straße, Lindenstraße, ferner in den Monaten November, Januar und Februar in der Synagoge Levehowstraße und versuchsweise in der Synagoge Fasanenstraße stattgefunden. Der Besuch in der Synagoge Levetzow strafte hat sich etwas gehoben, auch in der Synagoge Fasanenstraße ist es besser geworden. Der Referent Herr Emil C o h n bittet, auch in diesem Jahre möglichst in allen Synagogen zweite Freitagabendgottesdienste einzurichten. — Als Mitglied der Versammlung in den Vorstand der Synagoge Kottbuser Ufer wird Herr L e w i n s k i abgeordnet, als Gemeindemitglieder die Herren Sanitätsrat Dr. Werner, Louis S a l i n g e r und Th. Herzog; in den Vorstand des Krankenhauses Herr Kommerzienrat Gerson Simon; in die Armenkommission Herr Max W a st e i n e r; in die Veranlagungskommission Herr Theodor Bernheim: in die Kaschruthkommission die Herren Bruno G a l e w s k i und Felix S t r u ck. — Es folgen Rechnungsabschlüsse, deren Entlastung, erteilt wird. Bewilligt werden folgende beantragte Ausgaben: Der Friedhofskommission zur Umfriedigung früheren Goßenschen Geländes aus dem Friedhofe in Weißensee 8200 Mark. Für die Synagoge Pestalozzistraße zur Anschaffung zweier eiserner Schränke 240 Mort. Der Israelitischen Vereinigung Berlin-Lichtenberg für die Zeit 1916 3000 Mark, zu den Kosten des Religionsunterrichts 500 Mark. Dem Religiösen Verein jüdischer Glaubensgenossen zu Steglitz 2160 Mark, zur Anschaffung von Thorarollen 150 Mark. Dem Synagogenverein Moabit und Hansabezirk zur Deckung des Defizits und Zahlung einer Teuerungszulage -an die Beamten einmalig 1800 Mark. Dem Israelitischen Religiönsverein in Steglitz 1500 Mark. Der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlem 800 Mark. Dem Verband jüdischer Jugendvereine 500 Mark. Der Jüdischen Lesehalle und Bibliothek 500 Mark. Dern Israelitischen Lehrerinneuheim in Lichterfelde 300 Mark. Dem Verein Montesiore 300 Mark. Dem Verein Mekize Nirdamim 100 Mark. Dem Israelitischen Unterstützungsverein für Obdachlose in Hamburg 500 Mark. Dem Israelitischen Krankenheim in Bad Neuenahr 300 Mark. Der Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden 300 Mark. Der Israelitischen Badekasse zu Kissingen 150 Mark. Dem Verein für unbemittelte Kurbedürftige in Bad Nauheim 150 Mark. Dem Badehospiz in Teplitz 250 Mark. Dem Kaiser-Franz-Josef-Jubiläumsbospiz in Karlsbad 200 Mark. Die Mietuug des Bernhard-Rose-Theaters zur Veranstaltung von Haupt- und Jnaendgottesdienst 1916 zum Preise von 3000 Mark wird beschlossen. Vor Schluß der öffentlichen Sitzung verliest Herr Kommerzienrat Gerson Simon folgenden Antrag: In weitesten jüdischen Kreisen sowohl innerhalb wie außerhalb unserer Gemeinde hat es unliebsames Aufsehen erregt, daß in der Bethalle des jüdischen Friedhofes zu Weißensee, also einemzu jüdischen gottesdienstlichen Zwecken geweihten Raume, einem Renegaten gestattet war, eine Gedenkrede zu halten. Wir richten an den verehrlichen Vorstand die Frage, ob ihm die Tatsache bekannt war und was

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