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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-09-01 · Heft 35 (1.9.1916) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 35 (1.9.1916)
Date
1916-09-01
Page
Seite 414 (sequence 6)
Language
German
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414 sagt — das ketzerische Or Nogohsi, ein wahrer — Homer-)." — „Wozu deutsch?" — ruft (S. 86) ein anderer aus Wintzenheim: „Das Gebet der Gemeinde hört Gott selber, der braucht keinen Dolmetscher, und so wahr ich lebe, sie machen sich bei den Engeln verächtlich!" „Unerlaubt ist es " — schreibt zu Fürth die Rabbinische Untrüglichkeit und behält den Beweis für sich (S. 1). „Die hebräische Sprache" — argumentiert der Nickelsburger (S. 13) — „begreift alle mögliche Erklärungen, man mutz sie folglich vorziehen, da man noch nicht weiß, welcher Kommentator das Rechte getroffen. Viele Dinge seien nur durch das Hebräische treu abgeschildert, wie sie wirklich im Himmel aussehen." Der Lissaer, wie er versichert, ein Verfasser von sechs Büchern und einem Manuskript, ist (S. 79) so glücklich, den Jesaias zum Bundesgenossen zu haben. Dieser sagt (S. 6, 9) schmerzlich ausrufend: „Oh, ihr höret und verstehet nicht!" Diese von Iarchy längst richtig gefaßte Klage des Propheten versteht der Herr Rabbiner als ein Gebot und erklärt: „Höret und glaubet nur zu, aber ich bitte auch, verstehet nichts! Haltet an keine Vernunft. Je weniger ihr davon habet, desto gescheidter seyd ihr." Von demselben gelehrten Interpreten rührt vermutlich ein biblisches Gebot her: „Du svllst toll sein!" — statt daß (5. B. Mos. 28, 34) der Herr für die Sünden mit dem Fluche droht: Du wirst toll werden." Desgleichen hat er abermals (S. 80) einen Vers (Spr. Sal. 24, 21) zu Hilfe gerufen, aber weder Luthers Uebersetzung noch die seines unfehlbaren Talmud (tr. Sota f. 22, a) befolgt; bloß um die Beförderer der deutschen Synagoge als Sektierer verdächtig zu machen. „Worauf die Philosophie" — heißt es in Mähren (S. 89) — „erst durch jahrelanges Nachdenken gekommen, das ist längst vergraben bei den talmudischen Weisen." Der Amsterdamer Rabbi glaubt, „die deutsche Synagoge erschüttere das Wesen der Religion", da sie doch zur wahren Erkenntnis und zur allgemeinen Annäherung hinführen will. Er schreiet (S. 58) Zeter über die Branderschwänze und beweiset aus seinem trefflichen ungedruckten Buche, daß Jerusalems Zerstörung verbiete, Musik zu machen, die nur zu Freßgelagen und dergleichen passe (S. 56, 62). Der Psalmist hat es zu verantworten, wenn er (Ps. 92, 4) sagt: „Unter Saitenspiel und Psalter, zum Danken von der Harf erweckt," daß er die Vorlesungen zu Lissa versäumt; denn dvrt schreibt aus tr. Berachoth (f. 30, 6) unser genannte große Exeget (S. 79) folgendes ab: „Abaja saß vor Nawa und sah ihn anhaltend spaßen und sprach: Freuet euch mit Ehrfurcht, sagt die Schrift." „Nun" — folgert der Rabbiner - „gibt es doch keinen gemeineren Spaß als Musik. Würde es sich schicken, wenn vor dem Könige ein Supplikant musizierend erschiene?" Das ist aber dem Winzenheimer noch z« schwach, er ruft (S. 87): „Gibt es, abgerechnet, daß sie unerlaubt ist, überhaupt etwas Ekelhafteres (Kiur) als eine Orgel?" — „Errichte dir keine Standsäule! sagt Moses; — das ist die Orgel!" — erläutert die Logik des Rabbiners von Posen (S. 28). Es ist nötig, Ehristen und Juden aus solche pharisäische Barbarei aufmerksam zu machen, denn daß ihre Urheber zur Erkenntnis ihrer finsteren Ignoranz kommen sollten, wird niemand erwarten, der dieses Buch durchgelesen und darin bemerkt gesunden, daß die Ehre des Talmudgelehrten — d. h. h So heißt ein in Dessau 1818 erschienenes gelehrtes Werk, das di« Rechtmäßigkeit der deutschen Synagoge erweiset. -) Mit diesem Titel belegen die Rabbiner Ketzerbücher nach einem unverstandenen Ausdruck in Jadajim 4, 6, wo als Repräsentant ausländischer Bücher Homer genannt ist. Agl, Meor Eunjim (Berlin 1794), B. II, F. 5, 6. eines Menschen, der sich mit einer Wissenschaft und klassischen oder philosophischen Lumpereien nie abgegeben — der des höchsten Gottes gleich zu achten sei (S. 93). „Aber, ihr heillosen Zungen," sagt Paulus, „ihr werdet in den Wind reden!"- Von diesem Aufsatz, von dem Zunz selbst sagt, daß er anonym erschienen ist, hat Zunz je ein Exemplar des Druckes in der „Spenerschen Zeitung" und der zweiten Auflage aufbewahrt. Diese letztere hat Probst Haustein in Berlin herausgegeben. Er hat eine Anmerkung hinzugefügt, die sich auf protestantische Geistliche bezieht, die natürlich hier fortgefallen ist, und hat aus den Titel eine Stelle aus Matth. 23,13; abgedruckt, die gleichfalls in diesem Neudruck fortgefallen ist. Diese zweite Auflage ist Berlin 1820 bei Wilhelm Dieterici als Broschüre von acht Seiten veröffentlicht worden. DaS hier angekündigte Werk ist niemals erschienen. Zunz kommt in seinen vertrauten Briefen auch nicht weiter darauf zu sprechen. Aber der Plan ist höchst merkwürdig und ungemein charakteristisch für die Gesinnung, von der Zunz in seiner Jugendzeit erfüllt war. Zur Erklärung des merkwürdigen Aufsatzes sei kurz aus die Ausführungen bei Graetz, „Geschichte der Juden" XI, 415 ff. verwiesen. In der 2. Auflage werden die Titel der Gutachten ausführlich mitgeteilt, ll. 6. *** Der amerikanisch-Milche Kongreß. m Sonntag, den 16. Juli, fand im Hotel Astor zu New Dort eine Konferenz national-jüdischer Organisationen statt, die das American Jewish Committee und eine Reihe anderer Organisationen einberufen hatte, „mit dem Zwecke, Maßnahmen zu erwägen, einschließlich der Diskussion von Vorschlägen', die bezügjlich der Organisierung eines jüdischen Kongresses zur Sicherung der vollen Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern unter Abschaffung aller gegen sie gerichteten Ausnahmegesetze vorgelegt werden könnten; wobei der Ausdruck „volle Gleichberechtigung" so zu verstehen ist, daß die bürgerlichen, religiösen und Politischen Rechte gemeint sind, und außerdem in denjenigen Ländern, wo verschiedenen Nationen eines Landes besondere Grnppenrechte zuerkannt sind, die Ausdehnung dieser Rechte auf die Juden, sofern diese sie wünschen". 11 jüdische Organisationen waren durch etwa 70 Delegierte vertreten. Zum Vorsitzenden wurde Herr Louis Marshall, zum^ stellvertretenden Vorsitzenden Herr Jacob P a n k i n gewählt. Herr Mars hall führte in seiner Eröffnungsrede etwa folgendes aus: „Die Juden durchleben jetzt einen Moment, welcher von ihnen verlangt, daß sie die Arbeit aufnehmen sollten für die Sicherung der politischen und religiösen Rechte der Juden in den Kriegszonen und int Anschluß daran die Ausdehnung von Sonderrechten in den Ländern, wo besondere Gruppen diese Rechte genießen, auf die Juden. Ich glaube nicht, daß es einen einzigen Juden in Amerika gibt, der etwas gegen eilt solches Arbeitsprogramnt hätte, und der diese Plattform lticht akzeptieren würde. Jetzt aber stehen wir einer Spaltung innerhalb des amerikanischen Judentums gegenüber. Ich bin nicht der Ansicht, daß es eine aus Prinzipien basierende Spaltung ist. Es ist eher ein Mißverständnis zwischen Persönlichkeiten und Gruppen. In diesem lvichtigen Abschnitt der Weltgeschichte und der jüdischen Geschichte müssen wir alles tun für EiniAeit und Solidarität. Wir haben vor der Welt zu erscheinen als eine starke, feste Gemeinschaft, um 'den Juden jenseits des Ozeans zu Helsen. Denjenigen, die den Frieden nicht wünschen, die bis ans Ende kämpfen wollen, ihnen habe ich nichts zu sagen. Aber für die, welche mit uns arbeiten wollen, Schulter an Schulter, mit dem einen Wunsche, den Juden jenseits des Ozeans volle Gleichberechtigung, zu verschaffen, habe ich nur das eine Wort: mögen sie sich uns anschließen — wir können zusammen arbeiten. Das ist der Sinn dieser Konferenz. Ich sehe Juden vor mir, oie in ihrer Arbeit für das jüdische Volk ergraut sind, ich sehe die Enkelkinder der ersten jüdischen Ansiedler in diesem Lande, und ich sehe Juden, die erst kürzlich in Amerika angelangt sind, Repräsentanten des Mittelstandes und der Arbeiter. Hier müssen wir zu einer Verständigung fontmen, und hier müssen wir es allen

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