Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1916)
- Date
- 1916-08-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Christian IV. gelangte. Dieser Monarch erteilte dell Juden Altonas am 1. August 1641 ein ganz neues Privilegium. Die nachfolgenden Könige haben die in dem Privilegium ausgesprochenen Freiheiten noch weiter ausgedehnt. Wann die erste Synagoge in Altona erbaut worden ist, läßt sich nicht genau angeben; unzweiselhaft hat sie aber, wie die jetzige, in der Breiten Straße gestanden. Ami. November 1711 ging das Gotteshaus bei einer Feuersbrunst, durch die etwa 200 Häuser in der Breiten Straße und Langen Gasse (jetzt Lange Straße) in Asche gelegt wurden, in Flammen mif. Die zwei Jahre später erfolgte Einäscherung Altonas durch die Schweden unter General Steenbode hielt die Wiederaufbauung der Synagoge etwas auf. Im Jahre 1715 wurde der Grundstein 31t der jetzigen Synagoge gelegt, deren Bau im Jahre 1716 beendet wurde. M. Hamburg, 18. August. Der langjährige Oekonom des Altena Hauses, Herr S. Lei bowitz, hat sich aus Gesundheitsrücksichten genötigt gesehen, um seine Entlassung einzukommen. Zur Abschiedsseier hatte sich der Gesamtvorstand eingesunden. Der Borsitzende, Herr Gemeindevorsteher A lfre d Le v y, dankte Herrn Leibowitz für die seit Bestehen des Hauses in einem Zeitraum von fast dreißig Jahren dem Hanse geleisteten treuen Dienste 1111b überreichte als äußeres Zeichen der Anerkennung ein Gruppenbild der jetzigen Bewohner des Altenhanses. Dem Tank der Insassen des Altenhauses gab einer der Pfleglinge in beredten Worten Ausdruck. Tief gerührt dankte Herr Lei bolvitz für das Bertrauen und wünschte der Anstalt und ihren Pfleglingen ein ferneres glückliches Gedeihen. Der Vorsitzende stellte hierauf den Pfleglingen den neugewählten Hausvater, Herrn Kahn aus Frankfurt a. M. nebst Frau, vor und übergab diesen nach einigen einleitenden Worten die Leitung des Hauses. Köln, 18. August. Unter reger Beteiligung zahlreicher Freunde und Gönner fand am 19. v. M. die Generalversammlung des I s r a e l i t i s ch e n K i n d e r h e i m s in Köln statt, das nunmehr das 25. Jahr seines Bestehens zurückgelegt hat. Herr Bankier Siegfried S i m v n, zweiter Vorsitzender der Kölner Synagogengemeinde, übernahm den Vorsitz und bemerkte, daß man dem Ernst der Zeiten Rechnung tragend von einer Jubelfeier, wie sie wohl unter normalen Verhältnissen angebracht «wäre, Abstand genommen habe, daß jedoch ein Rückblick auf das segensreiche Wirken der Anstalt in den vergangenen 25 Jahren, der ein Bild von ihrer fortschreitenden Entwicklung gibt, angebracht sei. „Mit einem Kapital von 100 Mark hatte die Gründerin ihr Wirken am 7. Juni 1891 begonnen, indem sie, mit Unterstützung einiger hilfsbereiter Damen, Kinder, deren Mütter ihrem Gewerbe nachgingeu, tagsüber versorgte. Bereits im Jahre 1892 wurde dieser Einrichtung eine Snppenanstalt für Schulkinder angegliedert. Der Vorstand, der sich inzwischen gebildet hatte, kam aber sehr bald zu der Erkenntnis, daß den Kindern ebenso sehr, oder häufig in noch größerem Maße, die geistige Nahrung mangelte wie die körperliche, und so wurde im Jahre 1895 ein Kinderhort ^röfTiu't. Hier fanden die Kinder nach Schulschtuß Unterkunft, Belehrung und Unterhaltung. Im Jahre 1897 wurde das Haus Bayardsgasse 7 erworben. Mit den vergrößerten Räumlichkeiten und den in reicherem Maße eingehenden Spendeil erweiterte sich auch die segensreiche Wirksamkeit der Anstal!, lind neue Zweige bildeten sich im neuen Heim. Die Haushaltungsschule wurde gegründet, in welcher der Schule eiltlvachsene Mädchen in allen Teilen des Hauswesens unterrichtet werden lind vollständige Verpflegung und Wohnung fillden. Danebeil lvurde auf Wunsch der städtischen Schulbehörde für die Schülerinnen der obersten Klasse der städtischen israelitischen Volksschule eine Kochschule errichtet, in welcher den Mädchen in einer eigens für den Zweck hergerichteten Schulküche Kochunterricht erteilt lvurde. Mit Inkrafttreten des Fürsorgeerziehungsgesetzes im Jahre 1900 erösfnete der Vorstand auf Anregung des Landeshauptmanns der Rheinprovinz das Kinderheim, um den Provinzialbehörden die Möglichkeit zu geben, landarme Kinder ihrer Konfession entsprechend unterzubringeu, da sie anderweitig 31t beit staatlich festgesetzten Pflegezuschüssen nur in Klöstern Aufnahme finden konnten. Inzwischen hatte sich das Haus in der Bayardsgasse als für die erweiterten Zwecke zu beschränkt im Raume erwiesen lmd Teile eines benachbarten Hauses mußten hinzu gemietet werden, um die im Jahre 1903 zu gründende Volksküche anfzunehnlen und dem im Jahre 1906 errichteten Säuglingsheim Raum 311 geben. Zur Kräftigung der letzteren Einrichtung wurde zu Ehren und aus Anlaß der goldenen Hochzeit der Begründerin der Anstalt ein Kapital angesauunelt, das als Hirsch-nnd-Julie-Plato- Stiftung den kleinsten Insassen der Anstalt zugute kommt. Dann lvurde im Jahre 1907 das 2300 Quadratmeter große Grundstück au der Lützolvstraße von der Stadt erworben. Grundstück, Bau und Einrichtung erforderten einen Kostenaufwand von annähernd 450 000 Mark, zu welchem die Stadt auf erste Hypothek den Betrag von 200 000 Mark zu 3%% vorstreckte. So konnten wir am 22. Juni 1909 mit Stolz und Genugtuung in das neue mustergültige Gebäude mit 60 Knaben und Mädchen einziehen. Sieben Jahre unermüdlichen Schaffens, unterstützt durch das Vertrauen unserer Gönner und das allzeit hilfsbereite Entgegenkommen der Verwaltung der Kölner Synagogengemeinde, die ihren Beitrag im Verhältnis zu unseren Leistungen von ungefähr 300 Mark auf 7500 Mark pro Jahr erhöht hat und uns in diesem Jahre durch einen Sonderbeitrag von 5000 Maill unterstützte, war es uns möglich, unser Hilfswerk in ungeahnter Weise zu entwickeln. Die Zahl von 60 Kindern, die wir vollständig erhalten und erziehen, hat sich auf 140 gesteigert. Kindergarten, Kochschule und Volksküche haben sich zu unentbehrlichen Institutionen unseres Gemeindelebens entwickelt, und nach Tausenden zählen diejenigen, denen lvir im Laufe der Jahre helfen konnten. Die Haupt sorge bereitete uns im letzten Jahre die Beschaffung von Lebensmitteln für die 250 Personen, die wir täglich zu versorgen haben. Wir haben diese Aufgabe bisher gelöst, ohne den Naturlvert der Mahlzeiten lvesent lich herabzusetzen. Von unseren schulpflichtigen Kindern besuchen 80 die städtische israelitische Volksschule, die durch ihre anerkannt vorzüglichen Leistungen wesentlich zu unseren erzieherischen Erfolgen beiträgt. Enge Fühlung besteht zwischen Anstalt und Schule, wodurch beiden Teilen nur Vorteile erwachsen; die Disziplin in der Anstalt hat zu keiner Zeit versagt. Unsere Volksküche Ist den Hoheit an sie gestellten Ansprüchen bisher im vollem Maße gerecht geworden. Lausende von Mahlzeiten konnten in und außer dem Hause verabreicht werden und trotz der erheblichen Teuerung haben lvir bis jetzt die Preise von 10 Pf. für Kinder und 20 Pf. für Erwachsene nicht erhöht." Der Rendant im Ehrenamte, Herr Daniel K a u f m a n n, teilt hierauf die Ziffern des Abschlusses für das Rechnungsjahr 1915/16 mit, das bei Verausgabung von 76 690,64 Mark einen Fehlbetrag Oon 9366,66 Mark aufweist. Herr Kaufmann bemerkt, daß die im vergangenen Jahre eingegangenen Stiftungsgelder im Betrage von 11000 Mark nicht zur Deckung des Fehlbetrages Verwendung finden durften, sondern mündelsicher angelegt werden mutzten. Der Vorsitzende fuhr hierauf fort: „Was die Anstalt im Lause der Zeit geleistet hat, lvar nicht etwa nur zum Nutzen unserer Stadt, nicht nur der jüdischen Bürgerschaft des Westens unseres Vaterlandes, sondern weit darüber hinaus. Es muß daher die Hoffnung ausgesprochen werden, daß auch in Zukunft die Anstalt aus allen Teilen des Reiches nach Kräften unterstützt werde, damit sie weiter arbeiten kann zum Segen der Judenheit und der Menschheit überhaupt. Meine Damen und Herren! Ich darf meinen Bericht nicht schließen, ohne derer zu gedenken, denen das Emporblühen unserer Anstalt im Verlause der hinter uns liegenden 25 Jahre ganz besonders zu verdanken ist. Au erster Stelle ist dies die zu unserer großen Freude nach überstandener schwerer Krankheit heute wieder unter uns weilende Frau Rabbiner Tr. P lato, eine Frau, deren zunehmendes Alter glücklicherweise im umgekehrten Verhältnis stand zur Energie und Tatkraft, mit der sie jederzeit als Vorsitzende des Vorstandes die Geschäfte geleitet hat. Aber auch dem rührigen Stabe einer Anzahl opferwilliger Frauen, welche die Vorsitzende umgeben haben und stets bereit waren, mitzuarbeiten an dem hehren Werke der Menschenliebe, gebührt unser herzlicher Dank. Auch aller übrigen Mitarbeiter und insbesondere auch der Angestellten gedenken wir in dankbarer Erinnerung. Ganz insbesondere gilt dies auch dem seit 25 Jahren ununterbrochen und jetzt noch tätigen Anstaltsarzte Herrn Sanitütsrat Dr. Ochs, welcher in uneigennütziger Weise das barmherzige Werk für die Sorge um die Gesundheit der Anstaltsinsassen von jeher übernommen hatte. Zum Schluß liegt es mir am Herzen, noch eines Menschen zu gedenken, der leider nicht mehr unter den Lebenden weilt und bereits seit fünf Jahren sein langes, segensreiches Dasein auf dieser Welt beschlossen hat. Sie wissen im voraus, wen ich meine. Es ist Rabbiner Tr. Hirsch Plato seligen Angedenkens. Wenn ich seiner heute gedenke, heute, zil dem sünfundzwanzigjährigen Jubiläum unserer Anstalt, so geschieht es, weil die Anstalt aus seinem Geiste geboren, nach seinem Geiste geleitet wurde und auch in seinem Geiste für alle ferneren.Zeiten wirken soll. Die Erinnerung an diesen edlen Mann möge uns zum Leitstern dienen für die Pflichten, welche uns die Weiterführung unserer Anstalt auserlegt." Der Redner übermittelt