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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-25 · Heft 34 (25.8.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 34 (25.8.1916)
Date
1916-08-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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fobntrn Glückwünsche seitens des Vorstandes und der Repräsentanz der Synagogengemeinde. Herr Rektor C ob lenz von der städtischen israelitischen Volksschule bemerkte, daß die Schule die beste Gelegenheit habe, das segensreiche Wirken und die vorzügliche Leitung des Kinderheims zu beobachten. Die Schule hege das lebhafteste Interesse an dem Gedeihen des Kinderheims. Herr Rabbiner Dr. Rosent h a l wünschte in sinnigen Worten dein Kinderheim fernerhin gedeihliche Entwicklung. Zum Schlüsse begrüßte die Schriftführerin Frau M. Lip m an n im Namen der Vorsitzenden die neu in die Verwaltung des Kinderheims eingetretenen Damen und sprach die Hoffnung ans, daß deren Mitarbeit der Anstalt zum Segen gereichen möge. — Stratzburg, 18. August. Eine nicht alltägliche Anklage wurde kürzlich von dem hiesigen Schöffengericht verhandelt. Auf dem Armensünderbänkchen, diesmal wirklich höchst schuldlos, saß der Viehhändler Felix Blum aus Ouatzenheim. Er sollte die Höchstpreise überschritten und sich einen übermäßigen Gewinn dadurch verschafft haben, daß er eine Kuh, Einkaufspreis 750 Mark, an den Obermeister der Straßburger Fleischerinnung für 1250 Mark weiterverkaufte. Das klang sehr belastend, die Verhandlung aber ergab einen anderen Tatbestand. Blum hatte die Kuh von einer Bauersfrau erhalten, mit welcher er seit zwanzig Jahren in reger Geschäftsverbindung steht. Nach der Vereinbarung sollte die Kuh zwei Monate im heimatlichen Stalle stehen bleiben. Inzwischen stiegen die Viehpreise ge> waltig, und nicht ohne einen wehmütigen Unterton bemerkte die Bauersfrau zürn Viehhändler, daß er ja nun ein glänzendes Geschäft mache. „Gehen die Preise für mich in die Höhe, gehen sie mul) für dich in die Höhe", sagte Blum zur Bäuerin und verkaufte die Kuh für 1250 Mark, zur vollsten Zufriedenheit des Obermeisters der Fleischerinnung. Unmittelbar darauf kehrte er zur Bäuerin zurück und fragte, wieviel sie noch haben wolle! „Wenn tut so rechtschaffen bist, wie dein Vater es dreißig Jahre lang war, gibst du noch 200 Mark!" Bltnn legte noch 800 Mark auf den Tisch und ging! Man hat Mühe, in dieser Zeit der Profitgier an so märchenhaft seltene Menschen lvie den Quatzenheimer Viehhändler zu glauben, aber die Gerichtsverhandlung stellte der „Straßburger Bürgerzeitnng" zufolge den Tatbestand fest. Blum hatte schon früher nach gutem Markt freiwillig den Kaufschilling erhöht itnd den Gelvinn geteilt. Das rechtfertigte seine Freisprechung von der Anklage und die bittere Abfuhr derjenigen Stelle, die den Felix Blum „vor den Staatsanwalt" gebracht hatte. Kolrn. z. Warschau, 17. August. Am 20. Ab (19. August) feiert die h ebr ä is ch e Literat tt r einen historischen Gedenktag: Vor 25 Jahren erschien an diesem Tage das erste Heft der „Sifre Agorah" (Kopeken- Bibliothek), eine Publikation, die einen Markstein bildet in der Geschichte der neuhebräischen Literatur. Sie trat damit eigentlich in ihr modernes Stadium und nahm ihre wahrhaft moderne „europäische" Form an. Und zwar gilt dies in einem doppelten Sinne: äußerlich bedeutete die Herausgabe dieser Kopeken-Bibliothek die erste auf gesunder Basis angestrebte Popularisierung der hebräischen Literatur, den ersten großzügigen Versuch, sie in die breiten jüdischen Volksmassen zu tragen; innerlich war aber diese Publikation von richtungweisender Bedeutung, weil sie als erstes Büchlein die schnell berühmt gewordene Erzählung „Lea mocheroth hadagim" (Lea, die Fischverkäuferin) brachte, eine der ersten realistischen Erzählungen der neuhebräischm Literatur, die schon in ihrer künstlerischen Form und Gesinnung mit wuchtiger Kraft der hebräischen Belletristik den Weg wies, eine moderne, im Leben wurzelnde, natürliche Literatur zu werden. Sucht man daher nach irgendeinem Datum, mit dein utan die modertte Epoche der hebräischen Literatur beginnen lassen null, dattn muß man den 20. Ab des Jahres 1891 wählen, und die neuhebräische Literatur dürfte somit heute in eineut gewissen Sinne ein 25jähriges Jubiläum feiern. Der vor 25 Jahren das erste Büchlein der „Sifre Agorah" herausgab, war Ben A a w i g d o r (L. Schalkowitz), der mit „Lea, der Fischverkäuferin" seine erste belletristische Schöpfung publizierte. Hub so wie dies sein erstes Auftreten in der neuhebräischen Literatur ein historisches Ereignis, beit Beginn einer netten Entwicklungsform derselben darstellt, so blieb er bis zum heutigen Tage so etwas lvie der Repräsentant urtb Träger der machtvollen Entwicklung, auf die die hebräische Literatur in diesen 25 Jahren zurückblicken darf. Das gesamte äußere Gerippe, um das sich diese Entwicklung gerankt hat, hat ihn zum Mittelpunkt; er war es, der ben ersten hebräischen Verlag „Achiassaf" schuf, der dattn den anderen großen hebräischen Verlag „Tuschijah" ins Leben ries, der die ersten populären hebräischen Büchersammlungen herausgab, der in hervorragender Weise beteiligt war an der Schaffung des neuhebräischen Zeitungsfystetns, der in unermüdlicher Produktivität Zeitschriften, Sammelschriften ttnd Bibliothekett publizierte: und mau kann heute ohne jede llebertreibung sagen, daß es fast keinen einzigen hebräischen Dichter und Schriftsteller der letztett 25 Jahre gibt, der nicht in den Ber lagst ata logen Ben Aawigdors verzeichnet war. Was Cotta etwa für die klassische Zeit der deutschen Literatur, was S. Fischer für die neuere, naturalistische Richtung gelvesen ist, das ist Ben Aawigdor für die nenhebräische Literatur gelvordeu, das und eigentlich noch viel mehr, da er bis in die letzte Zeit hinein fast der einzige große Verleger derselben geblieben ist. Vor allein aber: er ist nie nur Verleger gewesen. Wie sein erstes Hervortreten gleichzeitig verlegerischer und literarischer Natur war, so trägt seine gesamte 25jährige Tätigkeit diesen Doppelcharakter. Er ist itnmer im tiefsten Grunde hebräischer Schriftsteller geblieben, einer, der innerlich, selbst schaffend ttnd kritisch beeinflussend. den gartzett Entwicklungsgang der neuhebräischen Literatur tnitgemacht hat und dem seine verlegerische Wirksamkeit nur das Mittel war zrtr Verwirklichung der Ideen, Aufgaben und Bedürfnisse, die er als Mitträger der hebräischert Literaturentwicklung für notwendig und zeitgemäß erkannte. Tiefe seine literarische Gruudeigenschast verlieh seiner. Berlegertätigkeit jene rastlose Produktivität, die nie in Schablone erstarrt, sondern stättdig Neues schafft, die dauernd sortschreitet, fast allzusehr überquellend au der Fülle der Altregungen, Gedanken und Ziele, die sie zu verwirklichen trachtet. Wer die Namen all der Zeitungen ttnd Zeitschriften liest, die Ben Aawigdor gegründet hat, tuet all die Bibliothekett ttttd Schriftensammlungen überblickt, die er publiziert hat, wer all die zahlreichen Projekte kennt, die er verwirklicht hat, all die zahlreichen noch, für deren Verwirklichung die Zeit ttoch nicht reif war, erschrickt förmlich vor der Rastlosigkeit, Elastizität tmd tlngelvöhttlichett Dynamik dieses Mannes, den ein Projekt eigentlich nur reizt, solange seine Verwirklichung tausend Schwierigkeiten ztt überwinden hat, ttttd der int selben Augenblick, da es gesichert ist. bereits an eilt nettes dettkt. Es ist leicht zu verstehen, lvie segensreich ein „Verleger" dieser Art gerade für die nenhebräische Literatur werden mußte, der bei der Fülle der Talente nichts mehr fehlte als der starke Organisator, der ihr die äußere gesunde Basis schaffett konnte und die in Bett Aaloigdor einen solchen Organisator von geradezu vorbildlicher Art gefunden hat. Seine Verdienste uin die Entwicklung der ueuhebräischen Literatur kann man darum gar nicht hoch genug anschlagen. Sein 25jähriges Jubiläum als Verleger und Schriftsteller fällt iit eine Zeit, da unter den furchtbaren Wirkttngen dieses Krieges auch die hebräische Literatur in ihrer Entwicklung jäh gehemmt und unterbrochen wurde, und es ist wohl auch persönlich für Ben Aawigdor das Schmerzvollste an seinem Jubiläumstage, daß er ihn nicht mitten im Kreise all der hebräischen Schriftsteller und Dichter feiern kann, detten er Führer und Verleger war, und daß der größte Teil heute vott ihm, der in Warschau verblieben ist, getrennt ist. Wenn aber die hebräische Literatur auch iit ihrer äußeren Organisation heute bereits so stark ist, daß sie sicher sein darf, selbst die Stürme dieser Zeit zu überdauern, so trägt mit das stärkste Verdienst daran zweifellos Ben Aawigdor. Die jüdischen Schriftsteller Warschaus gedenken, das Jubiläunt Bett Aawigdors in gebührender Weise zu feiern. Mit Rücksicht auf die gegenwärtige Ferienzeit hat der Bereut jüdischer Schriftsteller und Journalisten beschlossen, die östentliche Feier bis zmn Herbst zu verschieben. Kmrriks. z. New Uork, im Juli. Auf der Sitzung des Organisierungskomitees, die unter dem Borsitz von Louis D. Brandeis am 22. Juni in New Bork stattfand, wurde zunächst über die Einladung des American Jewish Eounnittee zu der von ihm einberufenen Konferenz verhandelt. Auf Grund des hier gefaßten Beschlusses hat das Organisierungskomitee des Amerikanisch-Jüdischen Kongresses folgendes Schreiben an das American Jewish Eounnittee gerichtet: Sehr geehrte Herren! Ihre Mitteilung vom 16. ds., in der Sie uns einladen, Delegierte ztt einer Konferenz zu etttsenden, die am 16. Juli in dieser Stadt abgehalten werden soll „mit dem Zwecke, Maßnahmen zu erwägen, welche attch die Diskttssion von Vorschlägen umfassen, die vorgelegt werden könnten bezüglich der Organisierung eines jüdischen Kongresses zur Sicherung der vollen Gleichberechtigung für die Jtlden aller Länder und der Abschaffung aller gegen sie gerichteten Ausnahmegesetze", hat dem

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