Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1916)
- Date
- 1916-08-25
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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80. Jahrgang Nr. 34 Berlin, 25. August 1916? War ijent ge t jenen, jne Be lit den, lerischei, daß er >as aufite den, ich war zu der Hände hervorcken, er r Welt' ren der :f, dann für die lktischen Gabriel rnd die e nichts Unrecht chuldig spräche, bringen eiet daS t denkt igen — nal der dhaften Kampfe werden, nismurlte jetzt Moralist Siegesmußtc für eiir seinen ntfacht: ng der er anL i sollte. Zagen immer Als er it einer rllte er 'inziges u überr war, großen ier den inmög-!as Anar Unr wichdie zu nmen!" c>lgt.) Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". korrrlpondrn?rn und Aachrichten. Lklltschlsnd. %%% Berlin, 22. August. Der „Berliner Allgemeinen Zeitung" entnehmen wir nachstehende Schilderung „Wie 1000 Arbeiter in kaum acht Minuten beköstigt werden", die um so mehr unsere Aufmerksamkeit verdient, da die Ausführungen eine Gemeinschaftsküche für das Fabrikpersonal einer jüdischen Firma betreffen: (Ls ist kurz vor 12 Uhr mittags. Das Leben in der Fabrik stößt seine 'letzten Atemzüge vor der Mittagspause durch die hochragenden Schlote in den blauen, sonnigen Sommertag. Da zeigt sich Plötzlich in den weit offenen Gittertoren kribbelndes Leben. In eilfertiger Hast strömen schwarze Scharen heraus und die holprige Fabrikstraße hinauf. Unter Straßenbäumen hindurch, an der Gießerei vorbei, in der merkwürdige hellgrüne Feuer die Gegenwart von flüssigem Messing anzeigen, hinaus ins Freie auf ein erhöht liegendes, mit Büschen bewachsenes Feld, das nach der Fabrik zu von einem hohen Bretterzaun begrenzt wird. %v^ drinnen freies Feld, da und dort zerstreut Bäume und Büsche. Und ein langer, vorn offener Schuppen, in dessen Tiefe quergestellte Reihen von glatt gehobelten, rohhölzeruen Tischen und Bänken führen. Die lange Flucht des Schuppens ist unterbrochen durch ein niedriges Holzgebäude mit zwei breiten Eingängen, die je durch eine Barriere in zwei Teile geteilt sind. Der Gang führt rechts von der Barriere hinein, links wieder hinaus. Diesen Gang muß jeder Arbeiter passieren, nm fein Essen entgegenzunehmen. Hier ist die Massenspeisungsanstalt für das Fabrikpersonal, von der Fabrikleitung hübsch und treffend „Gemeinschaftsküche" genannt. Im Handumdrehen füllen sich die laugen Reihen der Tische und Bänke rnit Speisenden. Von der Ankunft der ersten Arbeiter dauert es kaum zwei Minuten und der lange Schuppen ist gefüllt mit Menschen. Die Ordnung ist erstaunlich, nicht minder der offenbar in allen wohnende Sinn für Selbstzucht und Disziplin. Der eilfertige Betrieb regelt sich ohne ein lautes Wort. Aber dennoch auch ohne Hast. Die Frauen, von denen viele in braunleinenen Männeranzügen mit kurzen Pumphosen herankommen, plaudern und lachen. Und eine Schar von Kindern lungert mit blauen Emaillekanneu umher und wartet auf das Abflauen des Andranges. Dann kommen sie heran. Sie holen das Essen für die Ihrigen nach Hause. Zwilchen den Büschen hat sich ein reges Leben entwickelt. Dort sitzen, kauern, liegenviele auf der Erde, im Gras und löffeln -unter dem blauen Himmel ihre Mahlzeit aus. Ueber den weiten Platz einer stilliegenden Ziegelei hinweg schaut man auf bewaldete Hügel und int Grund nuten auf die blaue Fläche eines anmutigen Sees. Während die Löffel noch klappern, staut es sich wieder vor dem Eingang zur Gemeinschaftsküche. Rur vor dem Eingang linker Hand. Denn hier gibt es die ganzen Literportionen, während der Eingang rechter Hand für die Haler von halben Portionen reserviert ist. Diese Trennung verhindert jedes Fragen und jeden Aufenthalt. Die vor dein Eingang für ganze Portionen sich Sammelnden sind die starken Esser. Jeder Arbeiter, dem eine Portion nicht genügt, erhält unentgeltlich etwa eine halbe Schüssel voll nachgeliefert. In knapp acht Minuten sind rund 1000 Arbeiter abgefertigt worden. 600 weitere nehmen an der Speisung später teil, weil die Arbeit in der Zeit der großeü Pause nicht ganz j unterbrochen werden darf. Das M e s s i n g w e r k von Hirsch u. Sohn — „Messtngwerk" heißt der ganze Ort am Finowkanal bei Eberswälde — hat mit dieser Gemeinschaftsküche eine Organisation geschaffen, die in manchen Zügen beit großen Massenspeisungsanstalten als Muster dienen kann. Berlin, 22. August. Anfang September wird im Herrenhause, Leipziger Straße 3, eine belehrende Ausstellung „ M u t t e r und Säugling" eröffnet; sie bleibt etnett Monat für die Besichtigung des Publikums bestehen. Die Veranstaltung geht aus von den Organisationen: Zentrale der Haussrauenverein-e Groß-Berlin, Deutschevangelischer Frauenbund Ortsgruppe Berlin, Katholischer Frauenbund, Jüdischer Frauenbund nnd Kirchlich-soziale Franengruppe. — Die Ausstellung wird zusanunengestellt vorn K-aiserin-Augnste-Viktoria- Hause, dem bekannten Zentralinstitut, und steht unter dessen dauernder Leitung. Die Ausstellung wird dem großen Publikum bei äußerst gering bemessenem Eintrittspreise bzw. durch Ausgabe von Freikarten die Möglichkeit geben, sich durch zahlreiche, wertvolle und lehrreiche Bilder, Wachsnachbildungeu, Präparate und Tabellen darüber zu unterrichten, wie die Pflege und Ernährung des Säuglings gehaudhabt werden muß, mit ihn gesund zu erhalten. So wird die Ausstellung mit dazu beitragen, die Erhaltung und Kräftigung unseres Nachwuchses zu gewährleisten. c/«> fBerlitt, 22. August. Professor Dr. Adolf S t r e l i tz , Direktor der Varuch Auerbachschen Waisen-Erziehmigs-^tustalten, scheidet aus dringenden Gesundheitsrücksichten am 1. Oktober d. I. aus seinem Amte, das er nach einer zehn Jahre lang am Ghmnasium in Rostock iitnegehabten Oberlehrerstellung seit Ostern 1886 bekleidet, und tritt in den Ruhestand. Zu seinem Nachfolger ist, wie schon mit-- get-eilt, de.- Oberlehrer an der Herderschule in CharlottenLurg Dr. Gustav A l t m a n n vom Vorstand und Wohltät-erausschuß der Anstalten gewühlt worden. Auch der seit 1884 dem Vorstand, und zwar seit 1909 als Vorsitzender ungehörige Kommerzienrat Lohnst ein, der sich um die Anstalten hervorragend verdient gemacht hat, ist wegen seines hohen Alters von seinem Amt zurückgetreten. Generalkonsul E. Landau ist zum Vorsitzenden, Professor F. Lkeberina n n zu seinem Stellvertreter gewählt worden; das Schahmeisteramt übernimmt Direktor P. M a n k i e w i tz. &&& Berlin, 22. August. Für den am 17. d. M. im Alter von 76 Jahren verstorbenen Geheimrat Dr. Eph rat Stern fand vergangenen Sonntag nachmittag in der Wohnung des Entschlafenen, Lützowplatz 9, eine Trauerfeier unter großer Beteiligung statt. Vom Berliner Magistrat waren Geheimer Rat S t r a ß m a n n und Stndtrat D o f l e i n erschienen, während die Stadtverordnetenversammlung durch Geheimrat Cassel, Geheimrat Professor Lazarus und die Mitglieder Bau m und Frohli ch vertreten war. Unter den Anwesenden befanden sich ferner der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, G-eheimrat Dr. S t-er n , Geheimrat Dr. K roncr, die Professoren T ü r k. Bla sch ke, Barnowski und Sanitätsrat M o s l e r, der Reichstagsabgeordnete P f a n n k u ch und viele andere. . Die Leiche war im Salon imnitten eines Palmen- und Blumenhaines aufgebahrt. Harmoniumklänge erofsueten die Feier, worauf die Sängerin Paula Weinbatim die Litanei von Schubert sang. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Walter aus Dessau, ein Verwandter des Verstorbenen. Im Namen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, dem der Verelvigte seit dem Jahre 1902 nach dem Hinscheiden seines Schwiegervaters S a m u e l K r i st e l l e r angehörte, widmete Direktor Dr. Georg Minden dem Verblichenen einen innigen Nachruf. Daran schloß sich die Ueberführung der Leiche nach dem jüdischen Friedhofe in der Schönhauser Allee, wo die Beisetzung erfolgte. 8. Bad Kudowa, 18. August. Zum Ziv-eck der Gründung eines Fonds zum Bau einer jüdischen Leichenhalle in Kudowa wurde am j Sonnabend, den 29. Juli, ein Gottesdienst mit Nemnondsweihe veranstaltet, bei welchem Herr Oberkantor Cerini aus Breslau in formvollendeter Weise vorbetete. Der Gottesdienst wies einen Besuch auf, wie man ihn in Kudowa noch nicht gesehen hat, und zeigte mit Deutlichkeit, wie notwendig dort die Schaffung einer Synagoge ist. Die Spenden, welche gelegentlich dieses Gottesdienstes zum Ban einer Leichenhalle gestiftet wurden, ergaben eine Sumnte von fast m Mark. M. Altona, 18. August. In diesem Monat sind 275 Jahre verflossen, seitdem den Altonaer Juden von dem damaligen König Christian IV. von Dänemark ein Privilegium erteilt wurde. In welchern Jahre die Juden in Altona überhaupt freie Religionsübung erhalten haben, ist nicht genau festzustellen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist ihnen die Erlaubnis schon in dem ersten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts geworden. Schon die Schauntburger Grafen hatten ihnen ein solches Privilegium erteilt; es war aber nicht mehr vorhanden, als Altona in den Besitz des Königs