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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-25 · Heft 34 (25.8.1916) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 34 (25.8.1916)
Date
1916-08-25
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
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399 Und auch wir als Juden haben allen Grund, uns dieses Herrschers zu freuen. Denn er hat keinen Unterschied zwischen den Konfessionen gemacht, und viele, ohne sich an ihrem Glauben zu stoßen, zu hohen Stellen in der Zivilverwaltung und im Militär befördert. Diese Handlungsweise, auch vor dem Kriege schon vielfach geübt, ist während des furchtbaren Ringens in rühmlichster Weise fortgesetzt worden. So wenig wir die im Anfang dieser Uebersicht angedeuteten Gerüchte registrieren, so wenig wollen wir auch auf die innerpolitischen Streitigkeiten eingehen. Von manchen Seiten wird ein förmlicher Sturmlauf gegen den Reichskanzler getrieben und mit' einer kaum begreiflichen Entschiedenheit von Friedenszielen und Friedensbedingungen gesprochen. Wir lehnen es ab, diese Anstrengungen im einzelnen zu verzeichnen oder eine Meinung über solche Pläne an dieser Stelle abzugeben. Denn von dem Frieden sind wir — ach! — nur gar zu weit entfernt. Die neutralen Staaten werden von unseren Gegnern, von ihnen, die sich heuchlerisch gern als Schützer der Neutralität ausgeben, in schmählichster Weise bedrängt und bedroht: die Schweiz, von Frankreich und England zurückgewiesen, sieht sich genötigt, mit Deutschland Handelsverabredungen zu treffen; Holland wird aufs schwerste geschädigt; Schweden soll, den neuesten Nachrichten zufolge, keinerlei Waren von England erhalten. Da diese Bedrückung nur den Zweck hat, die Blockade Deutschlands immer enger zu gestalten, so müssen wir sie aufmerksam verfolgen, dürfen aber, angesichts der glänzenden Ernte und des unerschöpflichen Reichtums Deutschlands an vielen, wenn auch nicht an allen Erzeugnissen, die frohe Hoffnung hegen, daß auch diese Anstrengungen erfolglos bleiben. Was in und mit Rumänien geschieht, weiß kein Mensch. Beängstigende Gerüchte wollen nicht verstummen, das Liebeswerben der Ententemächte dauert fort, und man muß für gewiß annehmen, daß diese Mächte bereit sind, an die Stelle der Lockungen Bedrohungen, vielleicht sogar auch Gewaltmaßregeln treten zu lassen. Wenn auch Rumäniens eigenstes Interesse, das diesen Staat bisher gehindert hat, am Kriege teilzunehmen, ihn vom Eingreifen abhalten sollte, so kann man nicht wissen, ob es stark genug bleiben wird, seine neutrale Haltung zu bewahren. . Der Krieg selbst dauert nicht nur fort, sondern wird immer erbitterter und blutiger. Nun ist auch in der Gegend um Saloniki der ernste Kampf im Gange; ein schöner Erfolg unserer und der mit uns verbündeten Heere ist dort, wo Massen unserer Gegner angehäuft sind, zu verzeichnen. Die Italiener und Russen kämpfen mit großer Hartnäckigkeit weiter. Neue Erfolge sind ihnen nicht zuteil gegeworden, vielmehr ist die Abwehr ihres Anstürmens, das keine Schonung des Menschenmaterials kennt, seitens unserer und der österreichischen Truppen, mit denen sich nun auch Türken vereinigt haben, nicht nur heldenmäßig erfolgt, sondern es ist uns manch schöner Triumph beschieden gewesen. Das gleiche kann man über das furchtbare Ringen int Westen sagen. Trotz aller Depeschen und feierlicher Reden, in welchen sich die feindlichen Staatshäupter gefallen, wird demjenigen, der ihre eigenen Berichte liest, klar, daß von einem wirklichen Resultate ihrer Generalofsensive gc^r keine Rede sein kann, daß vielmehr das winzige Fortschreiten, das sie da und dort erreichen, durch die schrecklichen Opfer, die sie bringen mußten, wettgemacht und durch das Wiedererlangen mancher Stellungen, die sie uns dauernd entrissen ßtt haben wähnten, ausgeglichen worden ist. Aber wir dürfen uns nicht verhehlen, daß von einem Ende dieses ungeheuren Krieges noch lange nicht gesprochen werden kann, und es müßte ein Wunder geschehen, wenn die Welt vor einem neuen Winterfeldzug bewahrt bliebe. Uns, den zu Hattse Gebliebenen, ist nichts anderes möglich, als zu hoffen und zu harren. Aber gerade wir, die wir von den Opfern an Leib und Leben verschont geblieben sind, haben die heilige Pflicht, nicht bloß zu warten und zu vertrauen, sondern, wenn nötig, zu entbehren. Tausende und aber Tausende haben indiefen Sommermonaten Tage und Wochen in Bädern und Sommerfrischen verbracht oder rüsten sich, solchen Aufenthalt zu nehmen. Die Reiseflut ist, in Anbetracht der schweren Zeit, geradezu ins Ungeheure gestiegen. Trotz der Teuerung, trotz der Verminderung des Einkommens, über die gar manche zu klagen haben, haben Unzählige Geld und Stimmung gesunden, um für ihren Körper und für ihre Seele etwas zu tun. Seien wir alle, denen solche Möglichkeit gewährt worden ist, eingedenk, daß Millionen unserer Brüder, statt sich zu erholen und zu vergnügen, Tag für Tag, ja oft nachts die schwersten Strapazen erdulden müssen, daß sie ihr Leben aufs Spiel setzen. Es genügt nicht, daß wir sie bewundern, daß wir ihnen, soviel wir können, wohlzutun suchen, wir müssen vielmehr ihr Heldentum nachzuahmen suchen. So vielen von uns fehlt nichts: weder das tägliche Brot noch der Mittagsschlaf, weder die Zeitungslektüre noch der gewohnte Spaziergang, weder der Nachmittags-Kaffeehausbesuch noch der Abendstammtisch, von denen gar zu schweigen, die noch in diesen schweren Zeiten sich entschließen können, ihren Nachtbummel fortzuführen, soweit ihn die gesetzlichen Vorschriften gestatten. Denkt ihr alle an die Wackeren, die jede Bequemlichkeit, jede Verschönerung des Lebens schmerzlich vermissen, die, aus Haus und Beruf gerissen, aus spärliche Kunde von ihren Lieben gewiesen, ihre Haut zu Markte tragen, die schwerste Mühsal erleiden! Heroenhast tragen sie alles, was ihnen auferlegt ist. Beweisen wir, daß wir solcher Opfer wert sind! Wir sollen und dürfen nicht schwelgen, während sie sich mühen, darben und bluten; wir müssen versuchen, ihnen ähnlich zu werden in Entsagung und Opfermut. Tragen wir daher mit freudiger Ergebung alles, was uns etwa von kleinen Plagen jetzt schon auferlegt wird und noch beschieden ist; zeigen wir uns würdig der Unvergleichlichen, die in jahrelangem Ringen sich abmühen, unser Vaterland groß, mächtig und unverletzt zu erhalten und den Namen Deutschland glorreich für alle Zeiten hinzustellen. Das sei unser Gelöbnis in diesen Tagen, da ein Viertelhundert Monate beispielloser Kämpfe irnd Heldentaten dem Ende sich naht! Wir haben früher gelegentlich das Gerücht erwähnt, die türkische Regierung stehe in Unterhandlungen über den Verkauf von Palästina. Darüber ist jetzt in verschiedenen Zeitungen folgendes zu lesen: Berlin, 11. August. Von zuständiger türkischer Seite wird uns mitgeteilt: Seit einiger Zeit veröffentlicht die P r e s s e der Entente sowie gewisse Organe der a m erikanische n Press e Erklärungen des ehemaligen Botschafters der Vereinigten Staaten in Koustantinopel, denen zufolge der genannte Botschafter mit der Regierung Besprechungen gehabt haben soll, die darauf hinzielten, den Verkauf Palästinas zugunsten der Zionisten zu erwirken. Der Großrabbiner soll ausersehen sein, als Sondergesandter der Türkei in Washington über die Verkaufsbedingungen zu verhandeln. Außerdem regte der letztere die meisten seiner Angelegenheiten telephonisch mit Seiner Kaiserlichen Majestät dem Sultan, und schließlich soll die Kaiserlich Osmanische Regierung ihm vorgeschlagen haben, das Ackerbamninisterium anzuuehmen unter Beibehaltung seines Botschafterpostens.

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