Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Levy in beredten Worten Ansdruck. Rechtsanwalt Levy sprach für die Freunde und Mitarbeiter herzliche Worte des Nachrufes. Zum Schluß widmete der Bruder des- Verstorbenen, Rabbiner Dr. N. C o h n, dem Heimgegangenen noch ein tiefempfundenes Abschiedswort. Unter Vorantritt der Ehrenkompagnie der 31er wurde der Sarg von Soldaten zu Grabe getragen; die Musikkapelle ließ Trauerweisen ertönen und der große Zug der Leidtragenden bewegte sich nach der Grabstelle in der Ehrenreihe für die gefallenen Krieger, woselbst die Beisetzung stattsand, nachdem die dreimalige Salve abgegeben worden war. .<r/D Seesen a. H., 11. August. Der Hilfslehrer an der Zacobsohn-Schule zu Seesen a. H. Max Loh de, der zu Ostern 1915 am jüdischen Lehrerseminar zu Berlin die Volksschullehrerprüfung bestanden hat und daraus dreiviertel Jahr lang eine Erzieher- und Lehrerstelle an der genannten Schule bekleidete, ist am 10. Juli d. I. an der Ostfront gefallen. Dem wackeren und bescheidenen jungen Manne, der kampsesfroh ins Feld rückte, werden üine Amtsgenossen und Schüler ein ehrendes Andenken bewahren. Es ist als ein Beweis schöner konfessioneller Eintracht zu vermerken, daß zu Ehren des für sein Vaterland Gefallenen die Glocken der hiesigen evangelischen Kirche geläutet worden sind. A. Nürnberg, 11. August. Der Magistrat Nürnberg hat kürzlich beschlossen, das Schächten von Tieren bis aus weiteres zu untersagen, um alles bei den Schlachtungen anfallende Blut der menschlichen Ernährung zu führen zu können, was bezüglich des Blutes gefchäch,toter Tiere wegen der dabei erfolgenden Verunreinigung des Blutes nicht möglich ist. Aus eine Eingabe der Beteiligten hat nun der Magistrat Versuche mit Anwendung der Schlundzange beim Schächten anstellen lassen und daraufhin nun das Schächten der Rinder unter Anwendung der Schlundzange wieder gestattet, da dann das Blut für den menschlichen Genuß verwendbar bleibt. Das Schächten der Kälber und Schafe wurde ebenfalls wieder zu gelassen, itnb zwar ohne Schlundzange, da die geringe Blutmenge der wenigen zur Schlachtung gelangenden Tiere dieser Gattung nicht von Belang ist. — Eisenstein i. B., 11. August. Bei den hier einquartierten nnb im Forstbezirk des Forstamts Zwiesel-West beschäftigten kriegsgesangenen Russen wurde vor kurzem eine schwere Bluttat verübt. Als in der Lagerbaracke der deutschsprechende Kriegsgefangene Kutsch i n s k i, ein Kunstreiter aus Alexandra bei Lodz, zu Bett gegangen ivar, wurde ihm von einem „Kameraden", einem deutschsprechendeu Polen, mit dem Messer ein Stich in den Unterleib versetzt, so daß die Gedärme -hervortraten. Der Schwerverletzte wurde noch in der Nacht n das Distriktskrankenhaus Zwiesel transportiert und nach Anlegung . iues Verbandes mit dem Frühzuge in das Reservelazarett Straubing ->ehuss Operation weiterbefördert. Die Ursache der Tat ist nicht aufgeklärt. Ein Streit soll nicht vorausgegangen sein. Der Täter wurde oerhaftet. Der Verwundete, ein Jude, den: nachgerühmt wird, daß er -ich stets als sehr brav, ruhig und fleißig bewährt hat, erlag seinen chweren Wunden. Die Beerdigung fand unter reger Beteiligung in ^egensburg auf dem jüdischen Friedhof statt. Köln, 11. August. Das „Israelitische Lehrlingsheim Köln" eingetragener Verein) versendet soeben den Verwaltungsbericht, der üe Geschäftsjahre 1914/15 und 1916/16 umfaßt. Durch die Neuaufnahme von sieben Zöglingen war die Zahl der Insassen, einschließlich - Gesellen, im Anfänge des Berichtsjahres 1914/15 auf 33 gestiegen. Pon den Neueingetretenen mutzten drei als unwillig oder ungeeignet wm gewählten Handwerk in den ersten Wochen der Probezeit wieder nusscheiden. Drei Lehrlinge wurden statt ihrer wieder ausgenommen, ^o lag wieder eine gegen frühere Jahre vergrößerte Tätigkeit vor, die im ersten Viertel des Geschäftsjahres in den altbewährten Bahnen ausgeübt werden konnte. Dann aber brachte der Krieg solch große, im Laufe des Jahres wachsende Störungen in den Anstaltsbetrieb, daß dessen Fortführung geradezu in Frage gestellt wurde» Mit der Mobilmachung wurden sofort 14 Zöglinge durch Einberufung der Kleister stellenlos; davon reiste der größte Teil in die Heimat, einige von ihnen konnten in der Schlosserei im Israelitischen Asyl untergebracht werden. Dann wurden die drei in Rußland geborenen Zöglinge zunächst in Schutzhaft genommen und dann aus dein Festungsbereich ansgewiesen. Dank dem Entgegenkommen des Direktors der Erziehungsanstalt in Ahlem, Herrn S i l b e r b e r g, unb der Hilfe der Behörde gelang es, sie in dieser Anstalt unterzubringen. Zwei von ihnen konnten nach einigen Monaten hierher zurückkehren. Ein Zögling wurde zum Militärdienst eingezogen. Zwei mußten wegen schlechten Verhaltens entlassen werden. Während der Anstalt aus diesen Umständen schon genügend große Störungen und Lasten im Hause erwuchsen, wurde im Mürz 1915 der Inspektor Herr Katzenberg einberufen und nach auswärts geschickt. Das Vorstandsmitglied Herr Rabbiner Dr. Ea r o scheute keine Zeit und Mühe, die Aufsicht und Leitung der Zöglinge zu führen, bis in dem früheren Zögling Herrn Ingenieur Holländer, der als Unteroffizier hier in Garnison stand und im Heim Wohnung nehmen konnte, eine Beihilfe gefunden wurde. — 1914/15 legten fünf Lehrlinge die Gesellenprüfung ab. In das neue Geschäftsjahr 1915/16 trat der Verein mit 25 Insassen, 21 Lehrlinge und 4 Gesellen. Auch in diesem Jahr war der Personalbestand sehr wechselnd. 6 Gesellen schieden aus dem Heim. 2 Gesellen und 2 Lehrlinge traten in den Militärdienst. 7 Lehrlinge mußten teils aus äußeren Gründen in die Heimat zurückkehren, teils entlassen werden, so daß das Jahr 1916/17 mit einem Bestand von 12 früheren und 3 neu aufgenommenen begann. Die Gesellenprüfung legten im letzten Jahr drei Zöglinge ab. An Stelle des Herrn Ingenieur Holländer, der ins Feld ausrücken mußte, konnte Herr Katzenberg, der hierher zur Fortifikation im Dezember kommandiert wurde, die Leitung wieder übernehmen. Der Bericht gedenkt mit ehrenden Worten der verstorbenen Vorstandsmitglieder Leonhard T i e tz und Joseph R o s e n w a l d und schließt mit der an Gönner und Freunde gerichteten Bitte, dem Lehrlingsheim auch ferner den nötigen Beistand zur Durchführung seiner Allsgaben zu leihen. Worms, 11. August. Wie aus dem soeben erschienenen Jahresbericht des Israelitischen Unterstützung s v e r e i n 8 in Worms a. Rh. zu ersehen ist, war die Vereinstätigkeit im nbgelausenen Geschäftsjahr in der Hauptsache der Fürsorge für die Angehörigen voll Kriegerfamilien sowie sonstigen durch den Krieg in Not geratenen bedürftigen Familien und Einzelpersonen gewidmet, während der eigentliche Wanderbettel eine weitere Einschränkung erfuhr, so daß die Gesamtausgaben gegen das vorige Jahr um den Betrag von 484,66 Mark fleiiter geworden sind. Der Verein schließt mit einem Kassenbestand von 763,28 Mark und verdankt dies ausschließlich der hochherzigen Spende von 1000 Mark, die ihm die Firma T ö r r n. R e i n h a r t überwiesen hat. Der Bericht schließt mit dem Bemerken: „Wir können es als gewiß betrachten, daß sowohl die Mitarbeit bei der lvirtschafttichen Fürsorge für heimkehrende Kriegsteilnehmer, die vielfach wieder in eine geordnete Lebenshaltung lind Erwerbsfähigkeit zurückgeführt werden lnüssen, als allch die zu erwartende sehr starke Zunahme des Wanderbettels nach dem Kriege all llns ganz bedeutende finanzielle Anforderungen stellen wird. Und so dürfen wir delln mit noch größerem Nachdruck als bisher unsere herzliche und innige Bitte an unsere Freliude und Gönner richten, auch in dieser schweren mib ernsten Zeit unseres Vereins nicht zu vergessen." Gkstrrreich-Angarn. Z. Wien, 11. August. Vor mehreren Monaten wurde eine größere Anzahl wehrpflichtiger, als Kriegsflüchtlinge sich hier aufhaltender Personen aus Galizien verhaftet, die unter Vorlage einer Bescheinigung, daß sie Rabbinatskandidaten sind, auf Grund des § 20 des Wehrgesetzes um Enthebung von der Landsturmpflicht angesucht hatten. Die betreffenden Bescheinigungen waren von zwei Rabbinern und von einem Gemeindevorsteher unterschrieben. Der in Biala amtierenden galizischen Statthcilterei, lvelche die Enthebungsgesuche Zll überprüfen hatte, fiel die Häufigkeit dieser Gesuche auf. Nun hatte sich das Landwehrdivisionsgericht mit einer gegen drei angebliche Rabbinatskandidaten gerichteten Anklage 31t befassen, die dahin lautete, daß die Beschuldigten unter der Vorspiegelung, Rabbinatskandidaten zu sein, sich listiger Umtriebe bedient hatten, um die im § 20 des Wehrgesetzes bestimmte Begünstigung, aus die sie keinen Anspruch hatten, 31t erlangen. Durch dieses Borgehen sollen die Angeklagten das Vergehen nach Z 68 des Wehrgesetzes (Erschleichung der Begünstigung der Enthebung vom Militärdienst) begangen haben. Der Verhandlungsleiter teilte unter anderem mit, daß nach den Erhebungen etwa 1300 Gesuche von Rabbinatskandidaten wegen Enthebung eingelangt sind, obzwar nach der Aussage eines Rabbiners selbst in Galizien im ganzen hundert wirkliche Rabbinatskandidaten würdig seien, als solche angesehen zu werden. — Alle Angeklagten erklären, daß sie in Privatschulen talmudische Studien betrieben