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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-18 · Heft 33 (18.8.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 33 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 haben, die sie noch heilte fortsetzen. Auf den Vorbehalt des Verhandlungsleiters, daß sie hier als Kaufleute gemeldet wären, erwiderten sie, daß man Kaufmann und Rabbinatskandidat zugleich sein könne. Einer der Angeklagten betonte, daß er ein berühmtes theologisches Buch geschrieben habe, welches er leider bei seiner Flucht aus Galizien zu Hause lassen mußte, und welches vielleicht von den Russen vernichtet worden sei. — Es gelangte sodann eine Reihe von Protokollen zur Verlesung, durch deren Inhalt die Anklage unterstützt wurde. Bemerkenswert waren zwei zur Verlesung gelangte Giltachten, die im Ermittlungsversahren vom Rektor der Israelitisch-tlieotogischen Lehranstalt in Wien, Dr. Adolf Schwarz, und vom Rabbiner Dr. Mar Grunwald über das Wesen und den Umfang des Begriffes „Rabbinatskandidat" in Galizien abgegeben worden waren. Die beiden Sachverständigen hatten auf eine an sie gerichtete Frage, ob die Ausübung eines bürgerlichen Berufes mit dem Rabbinat in Galizien inkompatibel sei, angegeben, daß dies nicht der Fall ist, daß vielmehr die Rabbinatskandidaten wie der Rabbiner auf einen Nebenerwerb angewiesen sind, da sich diese vom Rabbinat nicht erhalten sollen und durch den Nebenerwerb Mittel zum Studium erlangen müssen. Die Sachverständigen hatten erklärt, daß jeder orthodoxe Jude in Galizien Studien so lange betreibt, bis er darin die Meisterschaft erlangt hat. Zwei der Anaeklagten wurden, nachdem der Militäranwalt und der Verteidiger ihre Schlußreden gehalten hatten, nach längerer Beratung des Kriegsgerichtes in vollem Umfange der Anklage für schuldig erkannt und zu acht Monaten einfachen, entsprechend verschärften Kerkers, respektive zu einer strengen Arreststrafe in der Dauer von drei Monaten sowie zu einer Geldstrafe von 1000 Kronen, eventuell zu weiteren zwei Monaten Arrest verurteilt. Beiden wurden drei Monate von der verbüßten Untersuchungshaft in die Strafe eingerechnet. Gegen den dritten Angeklagten wurde auf Antrag des Verteidigers die Verhandlung vertagt. (Wir kommen auf diese Angelegenheit gelegentlich zurück. Die Red.) Von Mob und jfrrn. In der letzten geheimen Sitzung der Berliner Stadtverordnetenversammlung wurden die beiden Bürgerdeputierten bei der Armendirektion Geheimer Sanitätsrat Dr. Stern und Sanitätsrat Tr. David Munter wieder gewählt. — Ter Rechtsanwalt Max Herrm a n n (Berlin) ist von der Stadtverordnetenversammlung auf Vorschlag des Magistrats zum stellvertretenden Vorsitzenden des Berliner Versicherungsamtes gewählt worden an Stelle des am 1. d. M. ausgeschiedenen Amtsrichters a. D. Dr. Schlegel. — Ter Berliner Stadtverordnete Geheimer Sanitätsrat Dr. Philipp Herzberg beging am 11. d. M. seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. Die Stadtverordneten entsandten eine Abordnung von sechs Mitgliedern, deren Führer, Geheimer Justizrat Gassel, in einer längeren Ansprache die Verdienste des Jubilars um die Stadt Berlin, insbesondere uni das Nettungswesen, die Ferienkolonien, die Feuerbestattung, hervorhob. Telegraphische und schriftliche Glückwünsche waren u. a. eingetrofsen von dem Vorsitzenden der Berliner Aerztekanuner Geheimrat S toter, dem Vorstand des Aerztevereins des Berliner Rettungswesens, der Berliner Loge „Zu den drei Weltkugeln" und der Hamburger Loge „Absalom", dein Brüderverein u. a. — Dem Berliner Stadtverordnetenvorsteher-Stellvertreter Geheimen Iustizrat Gassel ist jüngst vom Oberpräsidenten das Eiserne Kreuz am weiß-schwarzen Bande überreicht worden. Die gleiche Auszeichnung erhielten Professor Dr. Rikodem Caro und Dr.-Jng. Herbert v. Klein per er. — Dem Berliner Stadtverordneten Geheimen Medizinalrat Professor Dr. L a n d a u, Leiter eines Lazaretts, wurde das Oesterreichische Offiziersehrenkreuz erster Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. - Aus Posen wird uns geschrieben: Das Aron Wreschnersche Ebepaar Hierselbst bat dem jüngst eröffneten Jüdischen Siechen-- und Altersheim für die Provinz Posen zu Nogasen einen größeren Geldbetrag zur Verfügung gestellt. Außerdem spendeten die Wreschnerschen Eheleute eine vollständige Einrichtung für ein Schlafzimmer nebst hierzu gehörigen Betten, Wäschestücken und noch andere Gegenstände zum Andenken an die verstorbene Witwe Frau S. Friedmann, welche früher in Rogasen gelebt hat. Am 8. d. M. verschied auf der Heimreise von Bad Neuenahr, wo er Heilung zu finden glaubte, der langjährige Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Wiwnke, Herr Marcus Joseph. Der Vorstand und die Repräsentanten der jüdischen Gemeinde sowie der Bekleidungs- und der Beerdigungsverein, in deren Mitte er segensreich gewirkt hat, widmen ihm ehrende Nachrufe. — Schneidemühl. Der in hiesigen Kreisen bekannte Herr Louis Schneider wurde infolge seiner Verdienste bei der Lebensvermittelversorgung zum Stadtrat ernannt.. — Die Salomon und Jette Borchardtschen Eheleute in Strelno begingen am 31. v. M. in voller Rüstigkeit das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Von nah und fern liefen herzliche Glückwünsche ein. Anläßlich des Krieges wurde von den Familienmitgliedern von einer äußeren Feier abgesehen. Die Bürger der Stadt bekundeten ihre innige Anteilnahme. — Wie uns aus Breslau mitgeteilt wird, ist Professor Dr. Leo Rosenberg (Gießen), der kürzlich zum ordentlichen Professor an der Universität Straßburg ernannt wurde, schon vor einer Reihe von Jahren aus dem Judentum ausgeschieden. — Aus Köln wird uns geschrieben: Anläßlich der Ausstellung für Kriegssürsorge veranstaltet die Akademie für praktische Medizin am.22. d. M. mit Unterstützung und unter Ehrenvorsitz von Generalarzt S ch u l tz e n eine Tagung. Zur Verhandlung kommen durch den Krieg beeinflußte Krankheiten, die auf Kriegstagungen bisher noch nicht Gegenstand ausführlicher Besprechungen waren. Im Anschluß an diese Tagung finden vom 26. August bis zum 30. September Fortbildungsvorträge an der Akademie statt. Nähere Auskunft erteilt das Sekretariat im Stadthause. — In Neuwied ist am 2. d. M. Herr Lippmann Lippma n n zur letzten Ruhe bestattet worden. Ter Verstorbene gehörte 25 Jahre dem Vorstande der jüdischen Gemeinde an und erwarb sich große Verdienste um die Entwicklung aller jüdischen Institutionen. Auch als Stadtverordneter wat er sehr geschätzt, und die große Beteiligung bei der Beerdigung legte Zeugnis ab von der hohen Achtung, die er in weitesten- Kreisen genoß. — Herr Kantor Vo^el in Offenbach a. M. ist nach mehr als 50jähriger Tätigkeit, wovon 34 Jahre auf die Gemeinde Off-enbach entfallen, in den Ruhestand getreten. Die Pensionierung erfolgte durch die hessische Beamtensürsoroekasse. — Aus Wien wird gemeldet: Ernannt wurde zum Feldrabbiner in der Reserve der k. k. Landwehr der Rabbiner und israelitische Religionslehrer Dr. Phil. Ephraim Sonnenschein in Bilin in der Evidenz der Ersatzreserve beim Land-wehr-Ergänzunasbezirkskommando Komotau. — Als Gradmesser ftir den Opfermut unserer ungarischen Glaubensgenossen verdient hervorgehoben zu werden, daß „Ehgenleseg" in kurzer Zeit nur für die Armen des Heiligen Landes allein 44 560 Kronen gesammelt und abgeliefert hat. — Nach Teltsch in Mähren kamen aus der Bukowina und Galizien an 2Ü0 Flüchtlinge, hiervon über 100 Kinder, welche vollständig ihr Hab und Gut verloren haben. Zur Unterstützung dieser unglücklichen Menschen wird von den Mitgliedern der israelitischen Kultusgemeinde in Teltsch alles aufgeboten, jedoch sind die Mittel dazu sebr beschränkt, da unter den Kindern auch ansteckende Krankheiten berrschen. Die Kultusgememde richtet daber an alle Menschenfreunde die Bitte, zur Linderung dieser Not und Bekämpfung der Krankheiten beizutragen. Spenden in barem Gelde und Kleidern und Schuhen wollen an den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in- Teltsch (Mähren) gerichtet werden. — Das Komitee der jüdischen Sommerkolonien in Lodz bat am 15. August die dritte Abteilung Kinder (140) zur Erholung aufs Land geschickt. Insgesamt werden diesen Sommer etwa 450 Kinder untergebracht. Ihr Unterhalt dürfte etwa 10 000 Rubel kosten. Zur Deckung der Kosten wurden vom Ortsfürsorgerat 6000 Rubel bestimmt, der Rest wird durch Mtgliedsbeiträge und Sveuden aufgebracht. — Wie das .Kodenhagener „Wochenblatt" erführt, ist für den 24. Oktober der Prozeß geaen den russischen Schriftsteller Wladimir Korolenko angesetzt, der sich wegen eines zur,Zeit des Beilis-Prozesses in den „Russkija Wiedomosti" veröffentlichten Artikels unter dem Titel ,Die Geschworenen" zu verantworten haben wird. In diesem Artikel beschuldigt Korolenko das Gericht, es habe tendenziös zu Geschworenen nur Personen mit geringer oder gar keiner Bildung und Killtur ausaewählt. Gleichzeitig mit Korolenko ist auch der Redakteur der „Russkija Wjedomosti" angeklagt. Die Verteidigung hat der berühmte jüdische Advokat Grusenbera, der Verteidiger Beilis^, übernommen. Grusenbergs Antrag, zur Verhandlung eine ganze Reihe gewisser Personen als Zeucien zu laden, ist vom Gerichte abgelehnt worden. — Die russische Regierung verweigert den Juden die Ausstellung von Auslandspässen und hat ausdrücklich die Auswanderung nach Amerika über Archangelsk verboten. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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