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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-18 · Heft 33 (18.8.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 33 (18.8.1916)
Date
1916-08-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 18. August 1916 Der Gemeindevote. it ganzer Brilsge zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums. „Mich;r ist ein s sich geammeln nus und nn. Jä n, dami' ist nichtc handeln n etwas nnt sind iß nicht ehr Vörie Opfer Raubgier ieht, das iemeind» ner vor- und mii Abwehr ng, will s wolltr n lassen rwiderte )en sein cht ausntgegendu den nicht zi ehe wir nir ant chick der er Verwerden re Fausi in mus ar Vers allein er, was Können, unserem den wir rßt uns olgt.) et in 23 Ori- ^chriften, ssenschaft n: „weil ßomfyontmtftn unö Nachrichten. Seutschland. A. R. Berlin, 15. August. In der letzten vor den Ferien stattzefundenen Sitzung der Wissenschaftlichen Vereinigung ü d i sche r Lehrer und Lehrerinnen z u B e r l i n sprach Herr Dr. B. Keller mann über ,, Glauben und- Wissen bei den )teligi.onsphilosophen des Mittelalters". Der Vortragende setzte einleitend zuerst die Begriffe des Glaubens und des Wissens auseinmder. Die Frage: Glauben und Wissen in ihrer gegenseitigen Beziehung sei so alt wie die Menschheit selbst. Der Glaube ist die 'lnschauung der Welt und der Dinge, die auf gefühlsmäßigen Erwägungen beruht, ohne nachzu forschen, ob diesen eine Realität entricht; das Wissen dagegen -betrachtet es als seine Ausgabe, die Gebilde des Gefühls logisch nachzuprüsen. Der Glaube geht über ms Tatsächliche hinaus; das Wissen hält sich an die Erfahrungen, Sinnlichkeit und Denken bieten. Wie seine Grundlage, das Gefühl, ist der Glaube etwas Unendliches und umfaßt auch Gegentände unendlichen Charakters, wie die Seele, die Gottheit. Auch ms Wissen ist in seiner Art etwas Unendliches; doch kommt es langamer vorwärts, da es, vom Sinnlichen immer wieder ausgehend, lachprüfen muß, ob seine Leistungen der Wirklichkeit entsprechen. Obi der Zeit mußten Fühlen und Denken, Glauben und Wissen in Konflikt geraten, wie wir es schon bei Plato ausgeprägt finden, 'ton den jüdischen Denkern ringt zunächst Philo mit diesen Problemen. Er ist Metaphhsiker, der durch das Fühlen, das Sichmrsenken in das Wesen der Gottheit, dieser nahe kommen will; lndererseits ist er der abstrakte Intellektuelle, der das Innere der Hinge zu erforschensucht. Keine Wissenschaft ist so daraus angeviesen, diese beiden Instanzen zu versöhnen, wie die Religionshitosophie, da sie nicht voraussetzungslos arbeitet, sondern die leligion als den Angelpunkt ihres Systems betrachtet. Der Redner weist aus die drei Arten hin, in denen sich die Religionsphilosophie mt dem Glauben und Wissen auseinandersetzt: Die Religion ist das hauptsächlichste, dem sich alles andere unterordnen -muß, oder die 'teligion ist der Philosophie gleichgestellt, oder die Religion muß er Philosophie weichen. Alle diese Auffassungen finden wir bei en Religionsphilosophen des Mittelalters. Saadja hat mit seinen rei Erkenntnisquellen das Wissen dem Glauben gleichgeordnet; doch cht bei ihm der Verstand häufig über die Offenbarung hinweg, vwotzl in bezug aus den Gottesbegriff, in dem er eine Reihe positiver Attribute ablehnt, wie auch besonders in der religiösen Praxis mit nner Teilung der Gebote in Vernunft- und Gehorsamsgebote. Ist .'doch bei Saadja im allgemeinen die Ueberlieferung ein berechtigter Faktor neben dem Denken, so ist sie bei G a b i r o l gleich dem Denken; ei ihm deckt sich die Religion mit der Philosophie, da er als Vertreter 'es Pantheismus das Wirken der Gottheit in allem sieht. Joseph bn Zadik steht in der Welt ein Abbild der Gottheit, im einzelnen Menschen ein Spiegelbild der Gesamtheit; diese Auffassung hat nelleicht ihren Grund in der religiösen Lehre von der Gottesebenbildichkeit des Menschen; doch scheidet der Begriff der sittlichen Handlung Mm Menschen von Gott, so sehr er ihn ihm auch wiederumnähert, wst bei diesen Philosophen der Glauben dem Denken gleichgesetzt, so lammen wir in eine neue Sphäre bei A b r a h a nt ibnD a u d und M a i m o n i d e s. Für D a u d sind die sittlichen Gesetze die eigentlich verpflichtenden; die reine Sittlichkeit ist die Forderung der Religion, weil sie die Forderung des Denkens ist; das Wissen ist also bei ihm das Maßgebende. Maimonides ist gleich Tand Vertreter der negativen Attribute; wichtig ist seine Bemerkung, daß er die Philosophie über die Religion stellen würde, trenn er ihre Lehren als richtiger erkannt hätte. Er geht in vielem über die Religion hinaus, besonders mit dem Begriffe der Homonhmität, durch den er scheinbar die Gottheit ihrer ganzen inhaltlichen Fülle beraubt, in Wahrheit aber sie zum. Inbegriff aller sittlichen Vorschriften., zur reinen Idee erhebt. Die Religion ist bei Maimonides nicht mehr dem Wissen gleichgesetzt, sondern in vielen Fragen ihnt nachgeordnet. Bekämpft wird die Auffassung des Maimonides über die Erschafsenheit der Welt von Gersonides. Dieser betont, daß das göttliche Wissen und Wollen in gar keiner Beziehung zum einzelnen stände. Die Schwierigkeiten, die sich daraus für die Probleme der Theodicee ergeben, sucht er dadurch zu lösen, daß er sagt: der Mensch, der sittlich handelt, erhebt sich dadurch über das einzelne, ist nichts Individuelles mehr, sondern vertritt die Menschheit, das Generelle, und nähert sich so der Gottheit. C ha s da i K r e s ka s kämpft gegen Maimonides und Gersonides, weil sie zu sehr dem Verstände und zu wenig dein Gefühl Rechnung tragen. Bor allem müsse die Liebe zu Gott, die höchste Erkenntnis ist, betont werden. Dennoch zeigt Kreskas sich noch mehr als Verehrer des reinen Wissens, indem er den Determinismus, die Bestreitung der Willensfreiheit, als notwendig fordert. Herr Dr. Keller mann kommt zu dem Ergebnis, das; eine Lösung dieses Problems nur darin vielleicht gefunden werden könnte, daß man in der Vereinigung von Glauben und Wissen eine Aufgabe sieht, aber keine objektive Wirklichkeit. Glauben und Wissen sind zwei Instanzen, die sich von Hause aus nie völlig miteinander decken; doch solle das gläubige Gemüt sich stets für seine gefühlsmäßigen Annahmen die Bekräftigung vom Denken erbitten und der abstrakte Denker sich -immer bewußt bleiben, daß es noch gefühlsmäßige Instanzen gibt, die nicht völlig erfaßt werden können. Aus diese Weife könne eine Harmonie erstrebt werden. Berlin, 15. August. Der Zentralverband selöst ä n d i g e r jüdischer H a n d w e r k e r Deutschlands f)iert vor kurzem eine Vorstandssitzung ab, in der folgende Beschlüsse gefaßt wurden: 1. Die angeschlossenen Brudervereine zu ersuchen, diejenigen Vereine namentlich anzugeben, die sich die Förderung des Handwerks unter den Juden zur Aufgabe machten. Die angeschlossenen Brudervereine sollen aufgefordert werden, sich die Mitgliedschaft in diesen Vereinen zu erwerben, damit so den jüdischen Handwerkern Gelegenheit geboten würde, die Beschlüsse dieser Vereine in für sie günstiger Weise zu beeinflussen, damit die in den Vereinen aufgespeicherten Kapitalien zum Nutzen des Handwerks unter den Juden Verwendung fänden. 2. Die jüdischen Zeitungen für die Ziele des Verbandes zu interessieren und das Protokoll der Sitzung den Zeitungen zwecks Aufnahme zuzustellen. Ferner wurde angeregt, die Lehrlingsfrage insbesondere den Lehrern ans Herz zu legen, damit diese schon in der Schule ihre Zöglinge auf die Vorteile aufmerksam machten, die das Handwerk ihnen für das fernere Leben böte. 3. Im November d. I. soll in Hamburg ein außerordentlicher Verbandstag stattfinden. Die angeschlossenen Brudervereine sollen angewiesen werden, sich für diesen außerordentlichen Verbandstag zn interessieren, Material dafür zusammenzustellen und die Redner für die einzelnen sachgemäßen Fragen zu nennen. Als Beratnngsgegenstände wurden vorgeschlagen: 1. Wie erziehen wir dem Handwerk unter den Juden den richtigen Nachwuchs (Lehrlingsfrage). 2. Die Gründung von Lehrlingsheimen. 3. Das Handlnerk unter den Judenim und nach dem Kriege. Berlin, 15. August. Zur Ausbildung v o n jüdischen Handwerker Lehrlingen sind, wie das „Gemeindeblatt" in der letzten Nummer Lekanntgibt, noch Stipendien zn vergeben. Bewerber, die eine Mittelschule oder eine andere gleichartige Anstalt vollständig dnrchgemacht oder sich eine gleichwertige Bildung auf andere Weise angeeignet haben, sowie Bewerber aus der Provirtz Posen werden vor anderen bevorzugt-. Gesuche mit genauer Angabe der Verhältnisse sind bis zum 31. August 1916 zn richten an das Kuratorium der S t i f t u n g des Geheimen Medizinalrats Dr. Wolf Cohn, Berlin kl 24, Oranienburger Ltraße 29. &&& Berlin, 15. August. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten. Stud. jur. Georg Steinthal, Landsturnunarm Ludwig Pelz, Gefreiter Arthur Mendelssohn, Kriegsfreiwilliger Untecofsizier und Offiziersaspirant Stud. chem. Bruno Perl, Sohn des Fabrikbesitzers und Stadtverordneten Dr. I. Perl, Gefreiter Alfred H i r f ch , Musketier Siegfried B a s ch w i tz , Gefreiter Referendar Erich Caro, Unteroffizier Franz H e u m a n n, Sanitätsfeldwebel

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