Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1916)
- Date
- 1916-08-18
- Page
- Seite 395 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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395 schrift für Preußische Geschichte und Landeskunde", IX, S. 84 ff.; „W. v. Humboldts Gesammelte Schriften", Bd. XII) blieben sich immer gleich; immer war er liberal, human und gerecht. Nachdem sein Einfluß geschwunden und Hardenberg gestorben war, machte das Geheime Staatsministerium am 4. Dezember 1822 die Höchste Kabinettsorder vom 18. August 1822 bekannt. Sie enthielt die Bestimmung, daß § 7 und 8 des Edikts vom 11. März 1812, wonach die für Einländcr zu achtenden Juden zu akademischen Lehr- und Schulämtern, zu welchen sie sich geschickt gemacht haben, zugelassen werden sollen, wegen der bei der Ausführung sich zeigenden Mißverhältnisse aufgehoben seien. Erst nach dem Tode Hardenbergs, vier Monate nach ihrem Entstehen, erfolgte die Bekanntmachung (Alfred Stern, „Geschichte Europas", I, S. 419). Diese Ausschließung der Juden war die erste Verletzung des Artikels XVI der deutschen Bundesakte, welcher den Juden den Genuß der ihnen von den einzelnen Bundesstaaten bereits eingeräumten Rechte zugesichert hatte (in Preußen v. Rönne-Simon, „Die früheren und gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in den sämtlichen Landesteilen des preußischen Staates"; Fürstenau, „Das Grundrecht der Religionsfreiheit", S. 165/66). Die zweite Abänderung des Edckts zuungunsten der Juden war 8 89 der revidierten Städteordnung vom 17. März 1831, nach welchem zu den Stellen der Bürgermeister und Oberbürgermeister nur diejenigen fähig sein sollten, welche sich zur christlichen Religwn bekennen, während nach der Bestimmung des Edikts die Gemeindeämter ohne Ausnahme den Juden zugänglich waren. (Fürstenau a. a. O.) Auch Schuckmann und Kircheisen blieben sich treu in ihrer ungünstigen, vorurteilsvollen Gesinnung gegen die Juden. Das zeigt sich in ihren Voten vor 1812, bei Kircheisen noch in dem vom 23. Dezember 1815 über Zivilversorgung jüdischer Kriegsteilnehmer und bei Schuckmann in den Verhandlungen von 1816/17 über die Einführung des Edikts in den neuen Provinzen (I. Freund, „Die Emanzipation der Juden in Preußen", II. Bd., Urkunden). Alfred Stern schreibt über Schuckmann (Bd. I, S. 416): „Von Doyens idealer Gesinnung war kein Hauch bei Schuckmann zu verspüren. Ein strenger Bureaukrat, diensteifrig und geübt, spottete er des Zeitgeistes, der in leeren Theorien schwärme... Er war durchdrungen von dem Gedanken des christlichen Staates und verwahrte sich feierlich gegen die Zulassung von Nichtchristen zu allen Staatsämtern." Am 4. Mai 1816 spricht dieser Minister es deutlich aus: „Soll der bekanntgemachte christliche Traktat der hohen Alliierten mit den darin ausgesprochenen christlichen Regierungsgrundsätzen wirklich praktische Folgen haben, so liegen solche Bestimmungen (der Einschränkung der gewährten Rechte derJuden) offenbar in demselben" (I. Freund a. a. O., I, 234, II, 475). Kircheisen ist gegen die unbedingte Gleichstellung der Juden mit den Christen in allen ihren Rechten und Verhältnissen, hält das Zeugnis eines Juden in wichtigen Kriminalfällen für unzulässig, protestiert auf das feierlichste wider ihre Zulassung zu den Justizbedienungen (4. Februar 1811). Die Vermutung geringerer Moralität bei den Juden wird nach seiner Ansicht durch temporelle Tapferkeit derselben, wenn sie z. B. Inhaber des Eisernen Kreuzes sind, nicht entkräftet (23. Dezember 1815). Die Bemerkungen Jacobsons über Verfassung und Verwaltung in Preußen bezüglich der Juden geben den Anlaß zu einem Vergleich zwischen Preußen und Mecklenburg in dieser Hinsicht. Während in Preußen die Verwaltung stets an der „Aushöhlung und Entgeistung" des bestehenden Judenedikts arbeitete, hat die mecklenburgische Regierung in Uebereinstimmnng mit den Fürsten nach der Suspension der Konstitution vom 22. Februar 1813, als die immer wieder aufgenommeuen Verhandlungen über eine neue Verfassung in den 20er und 30er Jahren an dem Widerstande der Stände scheiterten, auf dem Verhandlungswege die Lage der Juden zu bessern gesucht. So schreibt die mecklenburgische Regierung am 20. November 1843 an die preußische, die damals von den in Mecklenburg bestehenden jüdischen Kultus- und Schulangelegenheiten sowie den bürgerlichen Verhältnissen unterrichtet zu werden wünschte, am Schlüsse ihres Berichtes: „Jedoch ist die Großherzogliche Regierung fortwährend bemüht gewesen, jene Verhältnisse im Verwaltungswege, soweit solches irgend zulässig erschienen, zu verbessern, und sind insbesondere die Maßregeln zur Beförderung des Handwerksbetriebes unter den Juden von guten Folgen begleitet gewesen." (Akten des Justizministeriums über Verleihung der Bürgerrechte an die Juden.) puge um fluge. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) Bchmulikvf ließ sich ebenfalls auf einen Baumstumpf nieder und verhielt sich wiederum schweigend, während seine Augen beständig den Boden suchten. Den ganzen Tag über hatte der Unwille gegen Baruch die Scham über den eigenen Wortbruch nicht auskommen lassen; jetzt aber waren die Wellen -des Zornes doch ein wenig abgeflaut, und nicht ohne Bangen sah er der Stunde der Abrechnung entgegen, die durch Baruchs knorrige, abstoßende Art nur noch schwieriger sich gestaltete. Aber es mußte sein, warum also noch zögern? Mit. einem Gemisch von Trotz und Abwehr sprach er daher laut: „Es hat eigentlich gar keinen Zweck, noch mehr Zeit zu vertrödeln, Baruch. Mein Plan ist vollständig mißlungen. „Mißlungen! — Warum?" „Weil ich sie — liebe!" Schmulikof hatte zu diesem Bekenntnis Mut gewonnen, weil er nicht mehr zurückkonnte. „Du liebst sie? Wen denn?" „Torakows Tochter." „Das rosaweiße Püppchen?" Baruchs Verachtung war unverkennbar. „Nenne sie, wie du willst — ich liebe sie." Baruch schüttelte schweigend den Kopf. „Jetzt begreife ich erst, was du meinst, Gabriel. Denn siehst du, ich habe doch so wenig Gelegenheit, mit Menschen zu sprechen; darum bleiben all die Worte, die ich sagen möchte, für die ich aber keinen Zuhörer finde, wie Bleiklumpen in meinem Gehirn stecken. Gabriel, du mußt daher zu mir, wie zu einem Kinde, ganz deutlich sprechen." „Noch deutlicher kann ich es dir nicht sagen." Gabriels Atem ging kurz -und schwer. „Du weißt doch, daß ich einen Plan hatte, um Rache an Torakow zu nehmen; er wäre mir auch gelungen, wenn ich sie hätte hassen können — stattdessen aber muß ich sie lieben." Baruchs gurgelndes Lachen unterbrach die nun folgende Stille. „Es muß doch ein recht feiner, staatsmännischer Plan gewesen sein, wenn er schon durch ein glattes Lärvchen in die Brüche geht!" Er sah, wie Schmulikof zusammenzuckte, und fuhr daher mit verstärktem Hohn fort: „Nein, Gabriel, vergiß, was ich eben sagte, und laß dir die Sache nicht zu Herzen gehen.