Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 31 (4.8.1916)
- Date
- 1916-08-04
- Page
- Seite 372 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3229232-3229264--72422-3284863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
372 tausend Rubel wert sei, und daß man es zu jeder Zeit verkaufen kann." Gabriel kämpfte schwer, um seinen empörenden Haß gegen Torakow zu unterdrücken. Was konnten wohl Fremde von einem solchen Menschen erwarten, der so gewissenlos, so niederträchtig gewissenlos gegen das eigene Kind handelte? Das Papier, welches Gabriel noch immer in der Hand hielt, war nichts anderes als eine Nachahmung eines Wertpapiers, eine buntfarbige Abschrift eines Originals, wie solche Geldinstitute zu Tausenden als Reklame in die Welt hinaussenden, um das Publikum zum Kauf anzulocken und zu ködern. Gabriel sah auf, und ihre Blicke begegneten sich. Herr Schmulikos, warum so zögernd, so geheimnisvoll?" „Komtesse — Alma — dieses — dieses Papier ..." Er brach ab. Nein, er wollte es ihr nicht sagen. Er wollte nicht als derjenige in ihrer Erinnerung sortleben, durch den ihr Vertrauen zum Vater den Todesstoß bekommen. „Ich fürchte, daß Ihre gute Tat auf den guten Willen sich wird beschränken müssen. Dieser Anteilschein ist nämlich absolut wertlos. Es ist eine Aktie einer Silberbergwerksgesellschaft im Ural, deren Minen sich bald als leergebrannte Krater erwiesen." „Um des Himmels willen, Herr Schmulikos, täuschen Sie sich auch nicht?" Und leise, wie zu sich selbst, fuhr sie fort: „Darum hat Papa auch schon seit längerer Zeit aufgehört, mich als reiche Erbin zu necken, was er in früheren Jahren so oft getan." Ihre unverhohlene Enttäuschung war herzbrechend, und Schmulikos fühlte sich dabei mehr erschüttert als vorhin, bei seiner Freude über ihre beabsichtigte gute Tat. Er vergaß alles um sich her und dachte nur daran, wie er diesem Engelswesen Kummer und Schmerz ersparen könnte. „Mir selbst liegt ja wenig daran," murmelte sie traurig weiter; „mich peinigt nur der Gedanke an den achtundsiebzigjährigen Mann, der noch immer den Ackerpslug ziehen muß. Und ich fühle mich so klein, so winzig, da alle meine hochsliegenden Pläne wie Seifenblasen zerstieben; eine wichtigtuende Wohltäterin — mit einem leeren Geldbeutel! Ist das nicht lachhaft? Lachen Sie mich doch aus, Herr Schmulikos!" „Sie auslachen!" rief er leidenschaftlich, die eiserne Klammer seiner Selbstbeherrschung durchbrechend. „Wann habe ich Ihnen Veranlassung gegeben, mich für einen Menschen zu halten, der über die Heiligkeit des Lebens lachen könnte? Am liebsten möchte ich mit Ihnen weinen, bittere Tränen vergießen, wenn ich dadurch die Ungerechtigkeit der Menschen nur um ein Atom verringern könnte! Alma," er sah ihr Erröten, „es scheint heute ein Tag der Mißerfolge zu'sein, beide haben wir mit schwachen Händen an dem Menschenelend gerüttelt, ohne es beseitigen zu können. Denn auch ich habe heute einen Mißerfolg zu verzeichnen, auch mir ist heute ein längstgeplantes Vorhaben vereitelt worden. Darum möchte ich mich für diesen Mißerfolg durch den höchsten Erfolg entschädigen. Ja, durch den größten im Leben eines Mannes! Alma, durch dich!" „Ich — ich — habe Ihnen kein Recht gegeben, so — so — so — zu mir — zu — sprechen," stotterte sie in ihrer Verwirrung die ersten besten Worte, die ihr auf die Lippen kamen. „Nein, du hast mir nicht das Recht gegeben, aber ich nehme es mir, weil ich dazu berechtigt bin! — Frage mich nicht weiter, Alma. Aber ich sage dir, du bist dich mir schuldig! Es ist nicht mehr als billig, daß die Hände, die mir meine Lebensaufgabe geraubt, mir auch den größten Schatz wiedergeben!" Sie stand zitternd vor ihm. „Ich soll nicht fragen, wo doch eine Welt von Bedeutung in Ihren Worten liegt! Sie stürzen mich dadurch in tausend Vermutungen, Einbildungen und Empfindungen . . . Nein," sie unterbrach sich selbst, „nicht in tausend, nur in eine Empfindung, und diese ist — Furcht!" „So soll es ja auch sein, Alma/ erwiderte er mit gesenkte: Stimme, aber mit Nachdruck. „Liebe ist ja die Gebärerin der Furcht, der zurückschreckenden Furcht, daß der Gegenstand der Liebe sich vielleicht doch nicht übermenschlich erweisen, vielleicht doch nicht die Eigenschaften besitzen möchte, um ihn zur, Halbgott zu stempeln! Auch du hast ja mit der Furcht vor mi . begonnen, und das war das sicherste Zeichen deiner Liebe: J t es nicht so, Alma?" „Ja, Gregor," war ihre schlichte, herzige Antwort. Mit einem Ausbruch wilden Entzückens breitete er sein: Arme aus, und ausjauchzend lag sie an seiner Brust. (Fortsetzung folgt.) Mcherrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Heb rew Union College. And other Adresses by v . Kaufmann Köhler, President Hebrew Union College, Cincinna i Ark Publishing Co. 1916. Krieg und Ethik. Vortrag von Prof. Dr. I. Hirsch, Rabbim: in Prag-Karolinenthal. 1916. Verlag I. Kauffmann (Frankfurt a. M.. Druck von Herm. Liebermann, Wien VII. Zeitschrift für Demographie und Statistik de Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. (Be; lin C 2, An der Spandauer Brücke 15.) Schriftleitung Dr. Brun Blau (Berlin). 11. Jahrgang Oktober/November/Dezember 1915, He/ Nr. 10/11/12. Erscheint monatlich, Abonnementspreis für das gan, Jahr 6 Mark, für das halbe Jahr 3,50 Mark. Zu beziehen dur«•> den Verlag Max Schildberger, Inhaber Arthur Schlesinger (Velin W 62, Schillstraße 3), oder durch sämtliche Buchhandlungen. Israelitische Predigt bibliothek. 1. und 2. Hes Nissan 5676. 1. Jahrgang. Periodisch erscheinende Sammlung am gewählter Predigten nebst beigefügten agadischen Miszellen in Ver bindung mit namhaften Predigern herausgegeben von Rabbiner T Wilhelm Levy (Berlin). Berlin 1916. Verlag von C. Boas Nach Berlin C 2, Neue Friedrichstraße 69. Sammlung ausgewählter Aufsätze aus den Schriftc - des Dr. K. Lippe. Gewidmet der Großloge Shnhedrin des Ordern Bne-Brith (Sektion Zion) in Bukarest. Berlin 1915. Verlag C. Boo Nachf. (Berlin C 2). Im Deutschen. Reich. Feldbücherei des Centralvereir: deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Kriegsgabe des Centre Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin SW 6 , Lindenstraße 13. Zwei Hefte. Geschichte des jüdischen Volkes von seinen Anfänge bis gegen 600 n. Ehr. Von Dr. Hans Meinhold, ordentlichen' Professor an der Universität in Bonn. Wissenschaft und Bildung Einzeldarstellungen aus allen Gebieten des Wissens. 1916, Verlcu von Quelle u. Meyer in Leipzig. Geschichte desTalmuds. Von Oberrabbiner Dr. N. Nettc Sonderabdruck aus der „Freien Jüdischen Lehrerstimme", IV. Iah gang Nr. 9 bis 12 und V. Jahrgang Nr. 1 bis 4. Metz 1916, i Selbstverläge des Verfassers. Treue. Eine jüdische Sammelschrift. Herausgegeben von Q Herrmann. Jüdischer Verlag. Berlin .1916. > Religion und Zionismus. Ein Wort an meine Kor militonen jüdischen Glaubens von Hermann Cohen. Krefeld 191 Verlag der K.-C.-Blätter. Rede zur Weihe des Denkmals für die im Weltkries im Dienste des Vaterlandes verstorbenen Angehörigen der ifraelit schen Religionsgemeinde zu Dresden am Sonntag, dem 28. Mai 191' in der Halle des israelitischen Friedhofs. Gehalten von Rabbim Professor Dr. I. Winter. Sprechlaal. An unsere Mitarbeiter. Infolge des erhöhten Portos sind wir zu nachstehender Erklärmu gezwungen: Ungenügend frankierte Briese werden nicht angenommen Unverlangte Sendungen werden nicht zurückgeschickt, wenn ihm» kein Rückporto beiliegt. Berlin, 1. August 1916. D i e R e d a k t i o n.