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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-04 · Heft 31 (4.8.1916) · p. Seite 367

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
Seite 367 (sequence 7)
Language
German
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367 berühmten Manne übersandte, erbat er einige Zeilen zur „Segnung des neuen Jahrs". Sehr charakteristisch ist eine Aeußerung aus den letzten Lebenstagen des schwäbischen Dichters (25. April 1862): „Möge es der Welt noch lange vergönnt sein. Sie in freudiger Lebensfrische zu begrüßen und möge es Ihnen vergönnt sein, noch den Jubelruf eines freien und einigen Deutschland zu vernehmen, zu dessen Ausbau Sie so segensvoll wirkten." Uhland hat auf diese mannigfachen Anreden nur wenig geantwortet. In diesen „seltenen" Briefen, wie Auerbach sie einmal felbst charakterisiert, erbat er Auerbachs Besuch, äußerte sich freundlich über seine Person, rühmte einzelne Erzählungen, z. B. den „Wettpflüger", und ging auf andere, z. B. „Edelweiß", nur kurz ein. Das wichtigste Stück ist aber ein Urteil Uhlands über die neue Folge von Auerbachs Dorfgeschichten, 13. Mai 1854, das so lautet: „Was mich an diesen lebensvollen Darstellungen festhielt, ist nicht allein die tiefe Beobachtung des Menschenherzens, die Feinheit einzelner kurz gefaßter Bemerkungen und poetischer Züge, sondern wesentlich auch das rein menschliche Wohlwollen des Dichters, das selbst da, wo die Nachtseite der Charaktere und ihrer Verwicklungen mit den finstersten Schatten geschildert ist, wie ein milder Stern hervorblickt. Ich weiß nicht, ob die Zeitfolge des Druckes auch die der Abfassung war, aber wenn der Lehnhold nach dem Diethelm entworfen ist, so gelang es Ihnen, was gerade bei einiger Aehnlichkeit der äußeren Verhältnisse um so schwieriger war, zwei bedeutende Charakterbilder nacheinander aufzustellen, von denen nach meinem Dafürhalten das spätere, der „Baüerndynast", den Vorgänger überragt." „Das Idyll der Dorfgeschichten wird, wie die Zeit es selbst vorzeichnet, immer mehr zum Gemälde sozialer Gegensätze und Durchbrüche. Ich sehe bereits eine neue Aufgabe dieser Art Ihre dichterische Tätigkeit in Anspruch nehmen, die Auswanderung, die gerade von der ländlichen Jugend mit einer stets weiterzündenden Begeisterung erfaßt wird und die seitherige Abgeschlossenheit unseres Bauernstandes in ein Doppelleben diesseits und jenseits des Weltmeeres verwandelt. Kommen Sie bald wieder an den Neckar und in den Schwarzwald und betrachten Sie sich wie bisher beides, die Bewegung und die stille Poesie des Volkslebens." Gerade in unseren Tagen, da man über Auerbachs Schaffen ziemlich schnöde aburteilt und kein tieferes Verständnis für die urdeutsche Art in seinen Schilderungen zeigt, ist es nützlich, ja notwendig, auf diese lobenden Ausführungen eines kerndeutschen Mannes hinzuweisen. tzsuptmann d. £„ Kommerzienrat Ulbert Kolenkewer. Nürnberg, Juli 1916. ine Trauerversammlung, wie sie das Nürnberger Krematorium seit seinem Bestehen noch nicht in sich vereinigte, fand sich am 1. Juli, nachmittags 4 Uhr, in seiner Gedächtnishalle ein, um dem auf tragischste Weise ums Leben gekommenen Hauptmann d. L. Kommerzienrat und Handelsrichter Albert Rosenselder, Mitinhaber der bedeutenden Bilderbücherfabrik G. Löwensohn in Fürth, die letzte Ehre zu erweisen. Der erst 51jährige Verstorbene war, wie im „Gemeindeboten" Nr. 28 bereits mitgeteilt, bei einer Schießübung auf dem Garnisontruppenübungsplatz durch einen scharfen Schuß getötet worden; das blinde Schicksal hatte hier einem besonders wertvollen und reichen Dasein ein allzufrühes Ziel gesetzt. Was Albert Nosenfelder gewesen ist, das wußten alle, die seine große Herzensgüte, seinen durchdringenden Verstand, seine ganz hervorragenden Charaktereigenschaften und sein tiefes Gemüt kannten; was die Allgemeinheit an ihm verlor, das zeigte am deutlichsten, die aufrichtige Trauer, die sein Ableben bei hoch und niedrig, arm und reich in den Schwesterstädten Nürnberg-Fürth auslöste. Wenn der Fürther Oberbürgermeister Dr. Wild in seiner Gedächtnisrede aus den Entschlafenen betonte, daß sein Tod eine unaussüllbare, nie sich schließende Lücke gerissen hat, so gab er damit der öffentlichen Meinung überzeugenden Ausdruck: ein Edelmensch in des Wortes wahrster Bedeutung lag hierauf der-Bahre. Und was der Geistliche, Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg), in schwungvollen Worten zum Preise des Toten sagte, es fand lebhaften Widerhall in vielen, vielen Herzen: markant, wie sein Bild entlvorfen, stand es vor jedem geistigen Tie Spitzen der Behörden, die Generalität, die Vertreter der unzähligen Wohlfahrtseinrichtungen, die der Verstorbene gegründet, unterstützt und gefördert hatte, sie alle waren erschienen, um ihrer Verehrung Ausdruck zu verleihen; zwölf Redner gedachten unter Niederlegung prachtvoller Kranzspenden der Leistungen Rosenfelders aus sämtlichen Gebieten des öffentlichen Lebens, seiner bleibenden Verdienste um alle sozialen Bestrebungen, speziell auf dem Gebiete der Kriegssürsorge. Noch ergreifender aber war das stumme Leid der Unzähligen, denen er Rat und Hilfe, Trost und Stütze geboten hatte; als der Sarg sich langsam senkte, da ging ein verhaltenes Schluchzen durch die Reihen derjenigen, die mit Albert Rosenfelder ihren besten Freund, ihren großmütigsten Wohltäter verloren haben. Er selbst ist uns entrissen worden, ein Opfer des Krieges, gleich denen, die draußen auf dem Schlachtselde starben; sein Name aber wird fortleben als derjenige eines der Edelsten und Gütigsten unserer Zeit. E. D. Gustav Larpeles als Lnefschreibkr. Mit zahlreichen ungedruckten Briefen desselben. Von Dr. Adolp h Ko h nt. (Schluß.) (Nachdruck verboten.) ünf Jahre waren vergangen, seitdem ich in Elbe-Athen lebte. 1889 trug ich mich nun mit dem Plan, Dresden zn verlassen und entweder nach München oder nach Wien zu übersiedeln. Ich fragte meinen Freund um Rat, was ich tun soll. Darauf schrieb er mir: Hauptmann und Rommerzienrat Rosenfelder (Fürth). i

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