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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-04 · Heft 31 (4.8.1916) · p. Seite 364

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
Seite 364 (sequence 4)
Language
German
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364 und Beschuldigungen, dessen hämische und niedrige Art wir schon vielfach beleuchtet hatten. Aus seinem Artikel, der in der Aufforderung gipfelt, daß die zuständige Militärbehörde einmal jenes Treiben genauer prüfen und womöglich verhindern möge — eine Aufforderung, die wir übrigens auch schon an dieser Stelle erhoben haben —, sei Folgendes zur Charakteristik des Antisemitenblattes mitgeteilt: Die andauernde verschleierte Verleumdung der Juden im „Hammer" geschieht aus folgende Weise: Aus der ganzen Welt werden Fälle, daß Juden Schlechtes taten, herausgesucht und in der „Umschau", die vor dem Krieg „Umschau in Israel" hieß, hintereinander aufgezählt. Tie Zitierung der kahlen Zeitungsberichte läßt an die ehrliche Geste der Objektivität glauben und im Leser das Gefühl entstehen, als ob alle in der Welt vorkommenden Gemeinheiten von Juden ausgeführt werden. Daß zu solcher europäischen Statistik auch die Aufzählung der Vergehen von Nichtjuden gehörte, wobei sich wahrscheinlich Herausstellen würde, daß die jüdischen Untaten in Wirklichkeit, entsprechend der verschwindenden Zahl der Juden innerhalb der Völker, verschwindend gering sind: daran denkt nicht jeder Leser. Neben dieser allgemeinen Fälschung des Bildes werden zur Erregung von Haß die unbewußten Assoziationen mit einer Raffiniertheit benutzt, die, wenn sie nicht gerade beim Verfertiger der Zeitschrift vorhanden wäre, von ihm zweifellos als typisch jüdisch bezeichnet werden würde. An einer Stelle wird von englandfreundlichen Kreisen in der Bankwelt gesprochen; an anderen wird „Bankier" und „jüdisch" zu einer festen Verbindung. Die Juden sind Verräter. Der „Hammer" zieht ausländische Juden heran, weil er weiß, daß sich in Deutschland niemand getroffen fühlen darf, daß aber trotzdem der Rückschluß dank dem Namen „Juden" auf die hierzulande so Bezeichneten getan wird. Er zieht Vergangenes hervor, weil Gegenwärtiges der Zensor nicht zuließe — ist doch der Erfolg der gleiche. Ein jiddischer Befehl der deutschen Behörde wird abgedruckt, wobei der „Hammer" darauf rechnet, daß das veränderte Deutsch auf die Deutschen abstoßend wirkt. Die Judenerlasse in Rußland erhalten in dieser Umgebung ohne Kommentar den Klang von Berechtigung. Auf jede Weise sucht der „Hammer" eine unanfechtbare Form. Er gibt an den Preissteigerungen der Nahrungsmittel den Juden schuld und läßt bei Firmenaufzählungen auch einige christliche stehen, weil es nicht schaden kann, daß sie in den Köpfen der Leser als jüdische figurieren und so den Haßstoff um etwas vermehren. Es wird höhnisch gefragt, warum die russischen Juden im Ausland nicht ihrer Heerespflicht in Rußland Nachkommen sollten. Das heißt also: es ist zu verlangen, daß die Juden in allen Ländern für ihr besonderes Land kämpfen. Nichtsdestoweniger wird tendenziös notiert, die Juden in einer englischen Kolonie hätten einen Dankgottesdienst für einen englischen Sieg abgehalten. Aus beiden Fällen wird etwas herausgeschlagen, um Mißtrauen gegen die deutschen Juden zu verbreiten. Der „Hammer" legt fest, wo ein Verdacht gegen einen Juden besteht, unbekümmert, ob er sich als wahr erwiesen hat; weiß er doch, daß nach der vorangegangenen Beeinflussung die psychologische Wirkung eines Verdachts gleich der einer Tatsache ist. Er bringt die Nachricht, daß der Pariser Zionist Max Norda-u sich in Spanien aufhält, um sich der Militärpflicht zu entziehen, hoffend, es wird nicht jeder wissen, daß Nordau fast siebzig Jahre alt ist. Und mitten unter solchen Notizen wird dem Leser bekanntgegeben, daß der Knabe Richard K. aus der Zietenstraße in Berlin plötzlich spurlos verschwunden ist. Ein Mensch, welcher nur über ein Durchschnittsguantum an Schlechtigkeit verfügt, weiß zuerst nicht, warum dieses Ereignis hier berichtet wird ... bis er sieht, daß es die Aprilnummer ist. Also die Berliner Juden haben ein Christenkind getötet, weil sie sein Blut zu ihrem Osterfest brauchten. Man vergegenwärtige sich: Berliner Juden zapfen — am besten in einem der Kurfürstendamm-Cafes — Kindern Blut ab! * Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: Pläne um Palästina, Man schreibt uns: Die Londoner „Times" bemühen sich wieder einmal, das bekannte Projekt eines „Iude n staates in Palästina" mit einer ernsten Miene zu ventilieren. Sie ließen sich jüngst aus Amerika folgendes berichten: „Herr Henry Morgenthau, der bisherige amerikanische Bvtschafter in Konstantinopel, berichtete, er habe kürzlich dem türkischen Ministerium auseinandergesetzt, wie ratsam es sei, Palästina nach dem Kriege der zionistischen Organisation zu verkaufen. Die türkischen Minister, erklärte er, hätten dem Plane eifrig zugestimmt. Man hätte Zahlen genannt und erwogen, ob Palästina in eine Republik verwandelt werden solle. Es sei dann noch vom Ausbau des Hafens von Jaffa und der Hebung des Fremdenverkehrs gesprochen worden. „Weshalb soll man denn warten, bis Sie das Geld aufgebraucht haben?" erwiderten sie. „Die Konzessionen können wir auch jetzt gewähren, also bauen Sie nur Ihre Häfen und Hotels." Mit dieser sensationellen Nachricht soll ein Doppeltes erreicht werden. In erster Linie soll die Aufmerksamkeit der türkischen Staatsmänner auf die politischen Ziele der Zionisten gelenkt werden, um dann durch gewifle Verstimmungen Unzufriedenheit in bestimmten Kreisen hervorzurusen. Andererseits soll den amerikanischen und europäischen Juden damit gesagt werden, daß man in England mit einem solchen Projekt sympathisiere. Daß, soweit die türkische Negierung dabei in Frage kommt, die ganze Veröffentlichung jeder Begründung und selbst jeder Logik entbehrt, braucht nicht erst betont zu werden. Unmöglich kann auch Botschafter Morgenthau, der die Verhältnisse in Palästina gut kennt und während seines Aufenthaltes in Konstantinopel als Freund des türkischen Staates auch im Vereine mit dem deutschen Botschafter sich wiederholt mit Erfolg bemüht hat, die durch englische und französische Zeitungsberichte hervorgerusenen Verstimmungen zu beseitigen, in diesem Sinne gesprochen haben. Man sieht es auch der unklaren und verworrenen Zusammenstellung an, daß es auf eine regelrechte Mystifikation abgesehen ist. Selbst die russischen Zionisten haben dieses plumpe Liebeswerben wiederholt zurückgewiesen. Als man nach Eintritt der Türkei in den Krieg durch ähnliche tendenziöse Ausstreuungen in einem Teile der Ententepresse sich bemühte, den Patriotismus der Juden verdächtigen zu lassen, hat der Großrabbiner von Jerusalem in einer offiziellen Denkschrift feierlich erklärt, daß unter dem jüdischen Volke auch nicht der Schatten einer gegen die Hoheit des Vaterlandes gerichteten Strömung vorhanden ist. Es handelt sich somit auch in diesem Falle um nichts anderes als um einen tendenziösen Bluff. Während die „Frankfurter Zeitung" dieser Nachricht sehr skeptisch gegenübersteht, wird sie von vielen anderen Zeitungen als eine glaubwürdige und sichere Kunde mitgeteilt, mit dem Zusatz, es handle sich hierbei um eine jüdische Republik, und mit dem ferneren, zionistische Delegierte seien bereits unterwegs, um mit der türkischen Regierung Verhandlungen zu pflegen und bestimmte Abmachungen zu treffen. Wir haben häufig genug unserer Meinung Ausdruck gegeben, daß wir die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina, ob Republik oder Monarchie, für ein großes Unglück halten, gleichviel ob dadurch der Plan verfolgt wird, sämtliche Juden Europas allmählich in dieses Reich zu transportieren, oder ob nur die dort bereits wohnenden und freiwillig dorthin übersiedelnden Juden zu einem staatlichen Gemeinwesen zusammengeschlosfen werden sollen. Wir können nicht glauben, daß die türkische Regierung zur Ausführung einer solchen Idee ihre Hand darbieten kann. Denn sie würde sich dadurch unübersehbare Schwierigkeiten bereiten. Indessen überlassen wir diese Sorge der türkischen Regierung. Was wir bekämpfen, ist der Gedanke eines jüdischen Staates überhaupt. Wir würden darin ein ungeheures Unglück sehen, weil dadurch die antisemitischen Gedanken in den europäischen Staaten nur neue Nahrung erhalten würden, ferner weil dadurch der von uns immer bekämpfte national-jüdische Standpunkt eine ungeahnte Stärkung erhalten würde, und endlich, weil ein solcher immerhin kleiner jüdischer Staat den Keim namenlosen Unglücks für unsere in Palästina wohnenden Glaubensbrüder in^ sich tragen müßte. Deutschland kann kein Interesse daran haben, mit einem solch schwachen Staate sich zu verbinden. Kommen daher wieder einmal ruhige Zeiten, so würde ein solcher Staat vermutlich, von England und Frankreich beeinflußt, wider Deutschland gehetzt werden, und zu unseren zahlreichen Feinden, d. h. zu den Feinden des Deutschtums, würde sich ein neues Gemeinwesen gesellen. Aber wir

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