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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-08-04 · Heft 31 (4.8.1916) · p. Seite 363

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 31 (4.8.1916)
Date
1916-08-04
Page
Seite 363 (sequence 3)
Language
German
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363 vergangener Zeiten waren wir herangereift und hineingewachsen in die Einigkeit des Reiches, die in allen Gliedern des Staatswesens immer sicherer sich verankerte. Ein glanzvoller Ausstieg hatte sich vollzogen, der den Neid unserer Gegner ausnahmslos weckte und schürte. Würden wir stark sein zum entscheidenden Waffengange, wenn der Brand auflohte, der niehr als einmal schon züngelte? Das war die bange Frage, mit der wir unsere wehrhafte Jugend hinausziehen sahen zum gewaltigen Streit der Männer. Sie haben die harte Probe bestanden, den bitteren Weg bezwungen, der ihrer harrte. Wie sie sind auch wir weit entfernt von jeder tönenden Lobeserhebung, die keiner Tat, keiner Leistung gerecht zu werden vermöchte. Die Sprache müßte versagen, die das Grauen und Entsetzen, die Nöte und die Gefahren, die sie geschaut und ritterlich überwanden, zu schildern auch mir sich erkühnen wollte. Die zwei Jahre dieses Krieges getragen und geduldet haben, das waren wahrlich nicht abenteuerliche Gesellen, die die Lust am Neuen, Unerhörten lockte, das waren deutsche Männer, deren Heldentum ungezählte Male in diesen Kriegszeiten bewiesen, wurzelte in der Eigenart des deutschen Geistes, in dem Willen zur Pflicht, in der Gewissenhaftigkeit ihrer Erfüllung, in der nimmer müden Hingebung an die Aufgabe, die das Leben in der Stille ihres Berufs, in der Heiligkeit ihrer Obliegenheiten ihnen wies. Das waren Helden, deren Treue, einst geschult in deutschen Bildungsanstalten, in Werkstätten und Hochschulen, nicht versagen konnte im Angesichte des Todes, vor den Augen übermächtiger Feinde. Wenn je eine Macht dem deutschen Volke recht gegeben hat, so war es das Heldentum, das wir in dieser Stunde ernsten Gedenkens zu feiern alle Veranlassung haben. Der Soldat, gleichviel welchen Ranges, hat es zu Ehren gebracht, in den Bitternissen des Ringens an der Front, in den Qualen, die seine Wunden ihm bereiteten, in der Standhaftigkeit, in der Geduld, in der Ausdauer, mit der er auf dem Schmerzenslager selbst der Zukunft entgegenharrt, mag sie bald in neuem Soldatenlos, bald in unbekanntem Schicksal an sein Herz greisen. Das ist Heldentum, mit dem uns der Beginn einer neuen, ungeahnten Epoche deutschen Ringens begnadet. Diese Erscheinungen wirken zurück aus all die Kreise, die daheim den Bildern des großen Kriegsschauspiels mit unverminderter Kraft folgen. Unerschöpflich ist das Heldentum der Liebe, das sie mit den Vätern. Gatten und Söhnen verbindet, soweit sie im Gedanken an die Verteidigung der Heimat, des eigenen heimischen Herdes im Heere ihren Dienst tun. Ueberreich sind die Gaben, die das Vaterland für seine kühnen Streiter hinaussendet. Stark und groß ist die Aufopferung, die unsere Frauen und Jungfrauen für die Armen und Bedrängten, für die Mühseligen und Beladenen entfalten. Neu aber ist an jedem Tage die Menschlichkeit, die mit freudiger Genugtuung, mit eifriger Geschäftigkeit die Wunden lindert und heilt, die die Kämpfe -unseren Brüdern geschlagen. Ohne Härten kann eine solche Zeit nicht vorübergehen, ohne Herbheit kann solch schweres Schicksal uns nicht berühren. Wenn allerorten der ernste Versuch gewagt wird, ihr ihren Stachel zu nehmen, so danken wir es der Wärme und dem Reichtum edler Frauenherzen, die in zahllosen Formen der Hilfsbereitschaft ein überwältigendes Beispiel stillen Heldentums verkörpern. Wer tiefer schaut, weiß, daß ein langwährender Krieg seine Anforderungen nicht auf einzelne erwählte Teile des Volkes beschränkt, daß das schlichte Heldentum nicht allein auf dem Felde der Ehre und in dem Ernst der Krankensäle erwächst. Es ist die Tugend des gesamten deutschen Volkes geworden, mit der es sich für alle Wechselfälle des eigenen Kriegserlebens wappnet. Sie schlummert unverkennbar in einer wahrhaft überwältigenden Organisation, in der Klugheit ihrer Pläne, in der Sicherheit ihrer Ordnungen, sie verklärt die Ausdauer und Geduld, den Stolz und den Willen, mit dem tausend schwere Opfer an Gut und Blut getragen werden. Sie offenbart sich in der Tapferkeit unserer Frauenwelt, in der Rüstigkeit unseres Alters, die mit Anspannung aller Kraft die heimischen Betriebe ausrechtzuerhalten bemüht sind. Sie wirkt Begeisterung und Verständnis für das neue Deutschland, das es aufzurichten, zu gewinnen gilt; sie wird den Feind von uns fernhalten müssen, der aus „müßiger Ruhe das Grab des Muts" uns bereitet, die Stumpfheit und die Gewohnheit, die Gleichgültigkeit, die heimlich auf der Lauer liegen. Wie der Feldherr die eigenen Stellungen gegen alle anbrandenden neuen Wellen behaupten muß, so muß das Heldentum des deutschen Volkes, in einer schweren Kriegszeit aus den tiefen Gründen sittlicher, unzerstörbarer Kraft emporgestiegen, uns vermögen, mit unverminderter Liebe dem Ende des Krieges entgegenzuhosfen. Zwei Jahre des Krieges hat unser Volk in sicherem Vertrauen, das nie getrogen ward, überdauert. Das gibt uns Kraft, den schwierigen Rest auf uns zu nehmen, das Schicksal zu tragen, das uns in seine Gewalt genommen, und den Heldenmut zu bewähren, zu dem wir uns alle in heiligem Wetteifer ertüchtigt haben. Wir bieten Trotz unseren Feinden und den Schrecken, die sie gegen uns heraufführen. Wir stützen uns aus deutschen Heldenmut. In diesem Zeichen werden wir siegen. Dir Woche. Berlin, den 1. August 1916. ur zögernd, ja mit einem gewissen Schauder, schreibt man dieses Datum nieder, denn es erinnert daran, daß nun zwei volle Jahre seit dem Ausbruch des Krieges vergangen sind, zwei volle Jahre mit einem Verlust von Millionen von Menschen, mit der Zerstörung und Entwertung ungezählter Milliarden. Trotz aller großen Erfolge, die unsere Truppen zu Land und zu Meer davongetragen haben, trotz eines Heroismus ohnegleichen noch keine Aussicht auf Frieden. Aus der Berichtswoche ist nur zu melden, daß fast überall die Kämpfe mit Heftigkeit und Erbitterung fortdauern. Ein staunenswerter Heldenmut bewährt sich überall aufs neue. Sind auch keine Erfolge von weittragender Bedeutung zu melden, so ist die Tatsache, daß sowohl im Westen als auch im Nordosten unsere Reihen unerschütterlich gegen eine ungeheure Macht sich behaupten, die durchaus den Sieg will und alles daran seht, den Triumph zu erlangen, eine hocherfreuliche. Mit Kummer erfüllt uns nur die eine Nachricht, daß im Osten B r o d y , freilich eine offene Stadt, preisgegeben worden ist. An und für sich hat ein solcher Rückzug nicht allzuviel zu bedeuten, da die österreichische Heeresleitung meldet, daß bei dem ungeheuren Anprall der Russen nur ein Zurückweichen um 80 Kilometer stattgefunden hat; für uns aber ist die Sache deswegen betrübend, weil Brody eine außerordentlich große jüdische Bevölkerung hat und diese gewiß wieder von den einflutenden Barbarenhorden viel zu leiden haben wird. * Während die Juden überall auf dem Felde, in den Garnisonen, in den Bureaus, wohin die Dienstuntauglichen oder zum Kriegsdienst nicht Verwendbaren versetzt werden, vollauf ihre Pflicht tun, fahren die A n t i s e m i t e n in bedauerlichster Weise fort in ihrem finsteren Treiben. Es ist darum freudig zu begrüßen, daß Alfred L e m m in der „Schaubühne" im 12. Jahrgang Nr. 30 vom 27. Juli einmal energisch und leidenschaftlich das schamlose Treiben des Antisemitenblattes „Der Hammer" ausdeckt, jenes Blattes, dessen ungeheuerlicheAnklagen

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