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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-28 · Heft 30 (28.7.1916) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 30 (28.7.1916)
Date
1916-07-28
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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SO. Jahrgang Nr. 30 Berlin, 28. Juli 1916 Der Gemeindevote. t#c(l90c zur „Allgemeinen Leitung des Judentums" Lorrrlpondrimm und Nachrichten. Lklltlchlsnd. <V*> Berlin, 25. Juli. Im Jahre 1909 wurde eine ..Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturforscher sür die faniären Interessen Palästinas" gegründet, die die Absicht lullte, verschiedene hygienische Anstalten in Palästina ins Leben zu rufen. Endlich konnte im Mai 1913 der Begründer dieser Gesellschaft, Tr. Arie B e h a m, in Jerusalem seine Arbeiten beginnen, die in dem mhrhundertelang in sanitärer Hinsicht so vernachlässigten Lande einen segensreichen Aufschwung nahmen. -- Das Institut zerfällt vorläufig in drei Abteilungen: 1. Die Wutschuh-Abteilung (Pasteur-Jnstitiit). Es ist dies die im Lande populärste Abteilung, die auch dem Ganzen den Namen gegeben hat. Dort finden diejenigen Personen, die von den verschiedenen tollwütigen Tieren (Hunden, Katzen, Kamelen, Schakalen) gebissen sind, die zur Heilung notwendige Behandlung. Trotz der kurzen Zeit des Bestehens wurden bis jetzt bereits etwa 900 Personen in der Abteilung behandelt. Es wurden ferner 28 Gehirnuntersuchungen auf Tollwut (bei Tieren) ausgeführt. Bis zur Gründung des Instituts mußten die Gebissenen nach Kairo oder Konstantinopel zur Behandlung fahren. Da diese infolge der schwierigen und ungünstigen Beförderungsmittel sehr oft zu spät kam, hatte man im Lande, auch unter den indischen Kolonisten, viele Opfer der Tollwut zu beklagen. Es kam unter andern: der tragische Fall vor, daß ein Arzt (Nichtjnde) seinen an Tollwut erkrankten Sohn mit eigener Hand erschoß! Die Gründung des Instituts hat im Lande ungemein segensreich gewirkt. Aus allen Teilen des Landes, vom Libanon bis zur Wüste und von Gaza bis Berschewa, aus den Städten und Kolonien kommen die Gebissenen nach Jerusalem zur Behandlung. Dr. Beham ist fortgesetzt bestrebt, durch Publikationen in den hebräischen, deutschen und arabischen Zeitungen des Landes, durch Broschüren sowie durch Beeinflussung der Scheichs die Bevölkerung über die Tollwut und ihre Behandlung aufzuklären. Die Scheichs, die in den Dörfern meistens das Amt eines Arztes vertreten, hatten früher die Behandlung der Gebissenen nach eigener Methode ansgeführt, die ziemlich unähnlich der Pasteurschen Methode war und sich im wesentlichen auf das Brennen der verschiedenen Körperteile mit glühendem Eisen beschränkte! Diese primitive Heilknnst weicht nun allmählich dem Triumph der Wissenschaft. Als ein bemerkenswerter Erfolg der volkserziehlichen Bestrebungen des Herrn Dr. Beham auf sanitärem Gebiet ist es auch anzusehen, daß jetzt schon die Gehirne tollwutverdächtiger Tiere, oft sogar nach Vorschrift in Glyzerin aufbewahrt, dem Institut aus den entferntesten Teilen des Landes zur Untersuchung zugehen. Interessant ist ein Einblick in den großen Warteraum des Pasteur-Instituts am Vormittag. Da sieht man 25 bis 30 Personen jeden Alters und Geschlechts, Chalukajuden und sonnengebräunte jüdische Kolonisten, verschleierte Araberinnen und Fellachen, Beduinen und Soldaten, deutsche und amerikanische Kolonisten. Alle warten mit orientalischer Ruhe, bis die Reihe der Einspritzung an sie kommt. Das Vertrauen und die Achtung, die das Institut und sein Leiter — ha Hakim ha Jahud, wie der Araber sagt — im Lande genießen, ist außerordentlich und trägt viel zum Prestige der jüdischen Bestrebungen bei. Jetzt zur Kriegszeit hat sich die Einrichtung des Pasteur-Instituts als besonders notwendig erwiesen, da das Institut in Kairo überhaupt nicht in Frage kommt und Konstantinopel nur mit den größten Schwierigkeiten zu erreichen ist. 2. Die serologische Abteilung. Diese Abteilung wird hauptsächlich von den verschiedenen Krankenhäusern und jetzt auch von den Lazaretten in Anspruch genommen. Es wurden bis jetzt über 1470 serologische Untersuchungen ausgeführt, teils Vidal (auf Typhus) und teils Wassermann (auf Syphilis). 3. Die vakzino - therapeutische Abteilung. In dieser Abteilung wurden bis zum Herbst 1915 über 1140 Pockenimpfungen ausgeführt. Anfangs arbeitete sie mit der aus dem Auslande eingeführten Lymphe. Bei der stets zunehmenden Schwierigkeit der Einfuhr von frischer, d. h. noch wirksamer Lymphe aus dem Auslande und bei der daraus resultierenden steten Gefahr einer Pockenepidemie im Land hat sich die Gründung einer eigenen Pockenlhmphsabrikation für Palästina und Syrien als dringendstes Bedürfnis der Zeit herausgestellt. Diese Pockenlymphanstalt wurde mit Hilfe der Militärbehörde, die die notwendigen Kälber lieferte, von Herrn Tr. Beham im Anschluß an die bestehenden Abteilungen ins Leben gerufen und entwickelt sich aufs erfreulichste. Tie Militärverwaltung bestellte Lymphe für 100 000 Militürpersonen, davon sind bereits für 55 000 Impfungen an die Armee abgegeben worden. Außerdem sind 3000 Personen der Bevölkerung (darunter Schulen, Kindergärten, Seminare) im Institut selbst mit der sehr wirksamen Lymphe geimpft worden. Ferner hat die vakzino-therapeutische Abteilung ungefähr 100 Personen nttt den im Institut fabrizierten Vakzine:: gegen verschiedene Hautausschläge (Okzema, Ekzema, Furunkulose) behandelt. Außerdem wurden aus den: Institut folgende populäre und wissenschaftliche Arbeiten des Dr. Beham veröffentlicht: 1. Heber Tollwut. (Hebräisch.) Jerusalem 1914. 2. Schnelle Verwandlung des Straßenvirus in Virus fixe. (Deutsch und Französisch.) Münch. Med. Wochenschr. Nr. 25, 1915. 3. Der Krieg, der Gesundheitszustand und die infektiösen Krankheiten in Palästina. (Hebräisch.) Jerusalen:. Man wird aus den wenigen Ziffern, die wir vorher angeführt haben, die ungeheure Bedeutung erkennen, die ein gut arbeitendes bakteriologisches und serologisches Institut für Palästina hat. Jetzt in: Kriege, wo die Einführung von Pockenlymphe fast unmöglich ist, ist das Institut imstande gewesen, das gesamte vom syrischen Heere benötigte Vakzin zu liefern, für die Zivilbevölkerung der palüstineusischen Städte die notwendige Lymphe herzustellen und außerdem die jüdischen Kolonien zu versorgen. Auch die Behandlung der tollwutverdächtigen Personen ist natürlich von der größten Bedeutung, und auch hier hat die türkische Heeresverwaltung die Tätigkeit des Instituts fortwährend zu ihren Zwecken herangezogen. Es ist klar, daß das Institut noch bedeutend weiter ausgebaut werden kann. Herr Dr. Beham plant vor allen: die Gründung einer Abteilung zur Bekämpfung der für Palästina so überaus verderblichen Viehseuchen. Daß noch immer keine jüdischen Milchwirtschaften im Lande existieren, liegt ja zum größten Teil an den Viehseuchen, besonders der Rinderpest, die den Kolonisten das Halten größerer Viehbestände fast zur Unmöglichkeit macht. Deshalb wäre vor allem die Gründung einer Abteilung für Rinderpestserum überaus segensreich für die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas. Vorläufig freilich gilt es, das Institut während des Krieges über Wasser zu halten. Es ist eine Ehrenpflicht sämtlicher Mitglieder der „Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturforscher für die sanitären Interessen Palästinas" sowie aller derer, denen die kulturelle Entwicklung Palästinas am Herzen liegt, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das Institut zu unterstützen, das seinerseits in schwerer Zeit so standhaft seinen schönen und hohen Zielen treu geblieben und inmitten der unglaublichsten Schwierigkeitei: sich so tapfer durchgekämpft hat und dem es gelungen ist, der Bevölkerung und Negierung Achtung vor jüdischer Arbeit einzuflößen. Geldspenden für das Institut nehmen entgegen: Geh. Medizinalrat Oberstabsarzt Prof. Dr. Landau (Berlin), Prof. Dr. Marburg (Berlin), Stabsarzt Dr. Anglist Feuchtwan-ger (München), Rabb. Dr. Werner (München). D. G. M a y e r. *** Berlin, 25. Juli. Nach den bis 1. Juli 1916 eingegangenen Kriegsadressenmeldungen stehen von den über 1000 Mitgliedern des „Kartell-Convent", unter Einrechnung der Gefallenen oder infolge Verwundung oder Erkrankung als dienstunbrauchbar Entlassenen, 866 im Heeresdienste. Hiervon gehören bzw. gehörten dem Feldheer 695 an. Den Heldentod starben 49 K. C.er. 255 haben ihre Auszeichnung mit den: Erlernen Kreuz zweiter Klasse, 1 mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse, 74 sonstige Kriegsallszeichnungen gemeldet. 46 K. C.er wurden während des Krieges zil Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert, 39 im preußischen Heere einschließlich des württenlbergischen Kontingents, 7 im bayerischen Heere. 2 K. C.er wurden zu Feldwebelleutnants befördert. 8 K. C.er gehörten bereits bei Kriegsausbruch als Offizier des Beurlaubtenstandes den: bayerischen Heere an. Berlin, 25. Juli. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Offizier in: Automobilkorps Willi Königsberger; Kriegsfreiwilliger Arzt San.-Rat Dr. Alfred M a r c u s e; Armierungssoldat S. Nathan; Ofsizierstellvertreter Fritz Lese vre; Lehrer Nathan Bauer, ehemaliger Zögling des Zweiten Waisenhauses der Berliner jüdischen Gemeinde in Pankow, unter gleichzeitiger Beförderung zun:

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