Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 30 (28.7.1916)
- Date
- 1916-07-28
- Page
- Seite 358 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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‘ 358 sicher bald der Lohn folgen wird, der in einem sorgenlosen «und ruhigen Leben besteht. Was nun Dein Buch anbelangt, so hat es mir ganz besonders gefallen. Du weißt, ich inkliniere für derartige literarische Monographien ganz besonders. Sehr gern möchte ich dasselbe ausführlicher anzeigen, als in einer gewöhnlichen nichtssagenden Rezension. Sei so gut und sage mir nur bestimmt, wo du eine solche Besprechung am liebsten hättest. Auch sonst stehe ich Dir zu literarischen Diensten, wie Du weißt, stets mit der größten Freude bereit. Ich bin nur sehr traurig darüber, daß ich nicht mehr Einfluß habe, um ihn in Deinem Interesse aufwenden zu können. Ich muß für heute schließen, da mir der Arzt verboten hat, viel zu schreiben. Also nochmals den herzlichsten, wärmsten Dank für Deine gütige Gesinnung und, bitte, erhalte mir dieselbe auch fernerhin. Biele Grüße an Frau und Kind von Deinem treuergebenen Karpeles. Daß ich mich für die literarischen Aufmerksamkeiten meines Freundes auch meinerseits in der Presse nach Kräften zu revanchieren suchte, versteht sich von selbst. Den Dank dafür drückte es oft sehr lebhaft aus. Immer war er bereit, mir in literarischen Fragen Auskunft zu geben, bzw. mich aus das eine oder andere Material, dessen ich benötigte, aufmerksam zu machen. Dies war z. B. der Fall, als ich mein bei Alfred H. Fried (dem jetzigen Laureaten des Nobelpreises) in Berlin erschienenes Werk „Heinrich Heine und die Frauen" schrieb. Er interessierte sich für das Buch ganz außerordentlich, wie dies schon die folgenden Zeilen von ihm beweisen: Rom, 23. 3. 88. Liebster Freund! Kannst Du Dir wohl denken, daß ich Dir nicht das ganze Material geschickt hätte, wenn ich schon in Berlin gewesen wäre? Und wirst Du mir glauben, daß auf meiner ganzen Reise bis hierher mich der Gedanke verfolgt, wie ich Dir rasch das Material verschaffe? Ich bin darüber in großer Verlegenheit. Bei mir in Berlin ist alles verschlossen und verriegelt; ich komme erst am 1. oder 2. April dahin — was nun ansangen? Da fallt mir ein, daß ich Dir ja nur eigentlich das Material anzugeben brauche und daß Du es Dir in Dresden ebenso leicht und rascher wirst verschaffen können. Die Hauptsachen sind natürlich die Schriften und Briefe Heine's, zu denen jetzt in Band IX meiner Ausgabe ein Personenregister vorliegt. Sodann kommen folgende Quellen in Betracht: Ueber Elisabeth Heine hat Strodtmann einen interessanten Aufsatz mit Briefen von ihr in der „Deutschen Rundschau" vor Fahren publieiert, der auch im „Dichterprofile" (Berlin o. I. II.) ausgenommen, die Du Dir leicht verschaffen wirst. Auch in den beiden Bändchen der Prinzessin della Rocca, die Du jedenfalls kennst — sie sind in Übersetzung bei Hartleben in Wien erschienen —, findet sich viel über Elisabeth, die sehr bedeutend war und von der Heine alles hat. Ueber Charlotte von Embden ist nichts mehr als in den Briefen und Gedichten. Ueber Nabel Barnhagen^s Bücher — die beiden Briese von Rahel über Heine kennst Du —, desgl. Fr. Robert und Elise v. Hohenhausen. Ueber letztere hat ihre Tochter^) viel geschrieben und wird Dir gern das Material geben. Amalie Heine, die erste Liebe, darüber ist nichts mehr zu sagen, als Du bei Strodtmann und mir (evtl, auch bei Proelß) findest. (Die Geschichte von einer zweiten Liebe Heine's zu seiner nächsten Cousine Therese Heine, die neuerdings anfgekaucht, kannst Du entschieden in Abrede stellen. — Sie ist nicht wahr!) Reiches Material über Mathilde Heine findest Du in Alfr. Meißner: „Lebensgeschichte" und in seinen „Erinnerungen an Heine" (Hamburg 1856), ferner in den Artikeln von Henri Julia in der „Deutschen Revue" (die Dir Herr Fleischer in Dresden gern leihen wird), und die sehr wichtig ist, und endlich in den „Erinnerungen" von Alexander Weill, der aber nicht zuverlässig ist. 1()) Hier irrte Karpeles; nicht ihre Tochter, sondern ihre Nichte, die noch lebende Dichterin und Schriftstellerin Helene v. Düring-Oettken, war gemeint. Die „Souvenirs" von Caroline Jaubert kennst Du gewiß. Sic sind sehr wichtig und in Leipzig bei Le Soudier deutsch übersetzt er schienen. Jnlia und Jaubert sind auch die Hauptquellen für die Freundschaft zu der Fürstin Christiane Belgiojoso. Endlich über die Mouche ist ihr Buch „ll.es ckerniers jours de Heinrich Heine“ (deutsch bei Costenoble in Jena) wichtig, ebenso wie die „Lebensgeschichte" von A. Meißner, der mit ihr vor Heine ein Verhältnis gehabt, und das Buch der delle Rocca wichtig. Meine plötzliche Reise nach Italien wird Dich gewiß wundern. Die Erklärung ist einfach: Der günstige Erfolg, den meine Vorträgc in Wien, Prag, Graz gehabt, hat mir die Reise ermöglicht und so habe ich mich kurzer Hand in Wien entschlossen. In den ersten Tagen des April kehre ich nach Berlin zurück und stehe Dir, wie gesagt, gern zur Disposition. Du solltest Dich auf das Vortragsreisen legen. Ich denke mir daß Du ein guter Redner sein müßtest, da Du ja ein besseres Organ hast als ich. In Stettin, wo man mich nach Rednern fragte, habe ich Dich primo loco empfohlen und glaube, daß sie Dich nächsten Winter auffordern werden. Es ist ein leichter und angenehmer Verdienst Schreibe mir, ob Du Dich dafür eignen würdest, so will ich Dir die Wege und Mittel angeben. Noch eins, aber sehr Wichtiges! Könntest Du wohl eine ungarische Literaturgeschichte schreiben, sein, vornehm und interessant? Ueberlege Dir's und sage mir bald Antwort. Ich werde Dir dann einen Vorschlag machen. Tausend herzliche Grüße von Deinem treuen Karpeles. Von der Abfassung dieser mir von Karpeles vorgeschlagenen Literaturgeschichte handelt auch der Brief aus Berlin, 16. April 1888. Lieber Adolf! Natürlich ist es Oppenheim, an den ich bei der Ungarischen Literaturgeschichte denke. Für diese Literaturgeschichte zahlt er Honorar und Du könntest, wenn er darauf eingeht, bis 2000 Mark und darüber verdienen. Nur muß die Sache sehr vorsichtig angefaßl werden, da er mißtrauisch und vorsichtig, aber auch sehr anständig und vornehm ist. Schreibe mir vor allem, welche Anträge Du ihm schon gemacht hast und was er Dir antwortete. Das scheint mir sehr wichtig. Sodann werde ich Dir den Entwurf eines Schreibens an ihn mitteilen. Wenn die Sache richtig und gut abgefaßt wird, dann kann sie meiner Meinung zum Ziel führen, und Dir für den Lebensunterhalt des Sommers ein ganzes Sümmchen eintragen. Schreibe mir bald Antwort und sei herzlichst gegrüßt von Deinem treuen G. Karpeles. (Schluß folgt.) 7Ssm.rJ Auge um flugr. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. C (Fortsetzung.) orakow hatte die letzten Worte gar nicht mehr gehört. Sein Geist war jetzt vollauf mit den Muschiks beschäftigte nur daß er jetzt, da er allein war, nicht mehr nötig hatte, die Augen so ängstlich niederzuschlagen, damit das Schuldbewußtsein sich nicht in ihnen widerspiegelte. Wenigstens brauchte er nicht mehr mit Alma Versteckens zu spielen. Sie alle konnte er wohl mit leeren Redensarten abspeisen, sich selbst aber mußte er eingestehen, daß er die Muschiks in Wirklichkeit betrogen, in ganz niederträchtiger Weise betrogen und bestohlen, und daß ihr Elend erst durch seine Schurkereien so riesengroß geworden war. Es war eine gemeine Lüge, als er Alma sagte, daß seine Vorstellungen bei dem Ministerium erfolglos geblieben; denn in Wahrheit erhielt er damals sofort hunderttausend Rubel, die er aber für sich behielt. Von di"sem Gelbe hatte er ja auch damals die prachtvollen Grauschimmel gekauft, die seine Frau seit Jahren sich gewünscht hatte. Nur