Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 29 (21.7.1916)
- Date
- 1916-07-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Generalsekretär Strü b e l als Vertreter des Direktoriums der Kirche au gsburgi scher Konfession und der Präsident der evangelischere formierten Kirche von Elsaß-Lothringen K u ntz. Die Behörden wurden empfangen vom Präsidenten des Konsistoriums Justizrat Schmoll und dem Präsidenten der Straßburger Kultusgemeinde Herrn Mare B lum. Nach dem gemischten Chor Ma Towu von Baffer, der unter der Leitung des Chordirektors Bochner vorgetragen wurde, begrüßte Jirstizrat Schmoll die Festgäste und gedachte der Glückwunschschreiben, unter anderen vom Hoch stk ommaudierenden der Armeeabtei'tung A General d^Elsa und anderen militärischen Behörden; auch Bischof Fritzen wünscht dem neuen Oberrabbiner von ganzem Herzen Gottes reichsten Segen. Oberrabbiner Dr. Netter entsandte die Wünsche des Metzer Konsistoriums. Nach Verlesung der landesherrlichen Verordnung über die Bestätigung der Wahl und dem Basserschen Chor Mohoschiw (Psalm 116) bestieg Oberrabbiner Dr. Lev y die Kanzel zu einer Halbstündigen Antrittspredigt, die, gehaltvoll, formvollendet >und mit sympathischem Organ wirkungsvoll vorgetragen, den Meister der Rede und überzeugten Priester seiner Religion bewies. Unter ZugrundelegungdesMischnawortes ,,Simeon ben Gamaliel pflegte zu sagen: Auf drei Grundfäulen ruht die Welt, auf Wahrhaftigkeit, cutf Rechtsordnung und auf Friede", gelobte Dr. Levy auf diesen drei sittlichen G rund sänken sein Wirken aufzubauen. „Vorurteilslose Menschenliebe predigen, -unterschiedslos edel, hilfreich und gut zu sein, das ist die beneidenswerte Sendung eines jeden Priesters, zu welcher Religion er sich auch bekennen möge. Dabei darf aber das stolze Bekenntnis seiner Eigenart und die unerschütterliche Treue an den Ueberlieferungen der Gemeinschaft nicht fehlen, damit wahr bleibe das alte Wort „Elsässer Jude, guter Jude!" Nicht ohne mannigfache aktuelle Anklänge bekannte sich Oberrabbiner Levy zu dem Bestreben, den religiösen Frieden zu fördern in Stadt und Land, Streitigkeiten auszugleichen, Gegensätze zu mildern, Liebe zu säen und der Versöhnung die Wege zu bereiten. Mit Worten des Gedenkens an seinen Vorgänger und einem wirkungsvollen Gebet für einen kommenden Völkerfrieden schloß der Prediger, worauf er vor den ausgehobenen Thora rollen ein Gebet für den Kaiser und die „tapferen Krieger, die Söhne unseres geliebten Landes" verrichtete. Grstrrrrich-Angarn. Z. Wien, 14. Juli. Wie die Wiener Zeitschrift „Elektrotechnik und Mechanik" erfährt, ist der österreichische Staatsangehörige Dr. Emanuel Rosenberg, der zuletzt die Stelle eines Chefingenieurs bei der British Westinghouse Electric and Manufacturing Co. Limited in Manchester innehatte, infolge der verschärften Maßnahmen, die man nach den Zeppelin-Angriffen in England gegen Deutsche und Oesterreicher ergriff, seit dem 13. März d. I. interniert und in das Gefangenenlager nach Lofthouse Park, Wakesield (Iorkshire), gebracht worden. Dr. Rosenb e r g ist der Erfinder der nach ihm benannten Rosenberg- Dynamo und erfreute sich in den Fachkreisen Oesterreichs und Deutschlands des größten Ansehens. Er war, bevor er seine leitende Stelle bei der dem Bau von elektrischen Maschinen und der Erzeugung von Glühlampen dienenden Weltsirma in Manchester antrat, in Wien und Berlin tätig und galt als einer der hervorragendsten Vertreter der österreichischen Elektroingenieure Die erwähnte Erfindung stellt eine Gleichstrommaschine dar, die zur Beleuchtung von Eisenbahnzügen verwendet wird und trotz der veränderlichen Umlaufszahl konstante Spannung liefert. Die Internierung Dr. Rosenbergs liefert jedenfalls wieder einmal ein Beispiel von der hohen „Kultur" unserer Feinde. — Ein junger Wiener Künstler, Fritz S ch w a r z - W a l d e g g , der in Wien unter anderen die Porträts der Philanthropinnen Rosa Z i f f e - rer und Philippine Dalmbert Bauer, des Präsidenten Kornell Spitzer gemalt hat, wurde bei einem zufälligen Aufenthalt in Berlin durch einen monumentalen Staatsauftrag geehrt. Er uralte für das Stiegenhaus der weltberühmten Technischen Hochschule das überlebensgroße Porträt ganzer Figur des Begründers der Hochschule, Geheimrats N. O. Witt. Bei der feierlichen Enthüllung wurde dem jungen Wiener die schmeichelhafteste Anerkennung von seiten des Unterrichtsministeriums, der Hinterbliebenen und der Berliner Künstlerschaft zuteil. — Am 18. v. M. fand in Prag die erste vom Verein „Schwarzes Kreuz" veranstaltete Gedenkfeier bei den Soldatengräbern des israelitischen Friedhofes in Straschnitz statt, die einen überaus würdigen Verlaus nahm. Sie wurde eingeleitet mit dem Choral „Da unten ist Frieden". Sodann hielt Feldrabbiner Dr. Phil. Arpad H i r s ch b e r g e r die Gedenkrede. Die geistvollen Worte des Redners machten auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Hierauf sang Oberkantor D. Czernovsky mit seiner herrlichen Tenorstimme ergreifend „El mole rachamim", worauf Feldrabbiner a. D. Professor Dr. Kisch eine Ansprache hielt. Zum Schluß sprach Feldrabbiner Dr. Hirschberger das Kaisergebet, worauf von der Militärkapelle die Bolkshymne gespielt wurde. Der Feier wohnten unter anderem bei in Vertretung des Militärkommandanten Generalmajor R a u d u i tz Statthaltereivizepräsident Dr. Ritter v. H erg et, Offiziersaborduungen aller Prager Truppengattungen, ferner starke Abordnungen der Kultusgemeinderepräsentanz, der Chewra Kaddischa und der Bne-Brith - Vereine „Bohemia" und „Praga" sowie eine unübersehbare Menge Andächtiger, darunter auch zahlreiche Angehörige gefallener Krieger. Bei den Ehrengräbern bildete eine Rekonvaleszentenkompagnie Spalier.?. L. Budapest, 14. Juli. Ein äußerst zahlreiches, vornehmes Publikum versammelte sich am 8. d. M. vormittags in den Lokalitäten der I s r a e l i t i s ch e n Mens a W c a demica (Nakoczistraße 17), wo der Ungarische Israelitische Landeskulturverein und dessen Mensa unter dem Vorsitz des Barons Bela Dirßtay ihre Jahresgeneralversammlung hielten. Bor der Tagesordnung teilte Rabbiner Dr. Simon Hevesi mit, der Verein werde zwei Kriegswaisen erziehen lassen und die Kosten ihrer Mittelschul- und Universitütsstudieu decken. Generalsekretär Dr. Ernst Weiller legte den Jahresbericht vor, der über die verschiedenen Kriegslvohlsahrtsinstitutioneu des Vereins Rechenschaft gibt, in denen täglich an tansend Personen ohne Unterschied der Konfession unentgeltlich Verpflegung genießen. Diese Kriegsinstitutionen sind: die unter Leitung der Damen Frau Moritz v. D o - mony und Baronin Paul Kornfeld stehende Kriegsküche, in der 250 Personen Mittagskost erhalten; die von den Damen Frau Armin Neu m a n , Frau David S ch w a r tz und Frau Franz Prager geleitete Mensa Academica, in der 350 Universitätshörer verpflegt Vierden; Stenographie- und Maschineuschreiblehrkurs für Kriegsinvalide, Kriegswitwen und -Waisen; der auf Kosten der Frau Heinrich Fellner erhaltene, von Frau Karl v. Neu m a n n geleitete Familienspeisesaal, wo 80 bis 100 Familien der Jntelligenzklasse Mittagmahl erhalten; die bürgerliche Speisehalle, in der Frau Eduard Spitzer und Frau Emanuel v. Stein für die Mittagskost von 50 Bürgerfamilien Sorge tragen; das Kasino für rekonvaleszente Soldaten, für dessen Arlsrechter Haltung Baron Bola D i r ß t a y und Gemahlin sorgen und wo jeden Nachmittag 100 bis 200 Soldaten beim Jausenkaffee angenehme Zerstreuung finden: die Lebensinittelverteilungssektion, aus der 400 Familien jeden Monat größere Mengen von Lebensmitteln erhalten; die von Baron T i r ß t a y in den Wintermonaten aufrechterhaltene Kartoffelbäckerei, wo die vorübergehenden Soldaten beliebige Mengen gebratener Kartoffeln bekommen. Ferner unterhält der Verein: eine Kleiderverteilungsstätte, in der an die Besucher der Kriegsküche unter Leitung der Baronin Wilhelm Guttmann und der Frau Einer ich v. S v ä b Kleider verteilt werden; eine Lehrbücherverteilungsstätte zur Versorgung von Universitätshörern mit Lehrbüchern; diese Stätte deckt auch die Rigorosentaxen ihrer Pfleglinge; die ans Initiative der Frau Eduard Spitzer ins Leben gerufene Abteilung für Liebesgaben, die ständig für unsere kämpfenden Helden Liebesgaben nach den verschiedenen Kriegsschauplätzen sendet. Nach Genehmigung des Berichts legte der Präsident der Finanzsektion Jakob v. S i m o u die Schlußrechnungen vor, laut deren sich die Jahresausgaben des Vereins auf 150 000 Kronen belaufen. Die vorgenommenen Wahlen ergaben folgendes Resultat: Vizepräsident der Mensa: Vizebürgerrneister Franz Dari; Direktionsmitglieder: Bernhard A l e x a n d e r , Ferdinand B a u nt garten, Hosrat Dr. Aurel Engel, Moritz v. D o m o n h , Baron Eugen K o h n e r , Generaldirektor Simon K r a u ß , Franz M o l n a r, Professor der technischen Hochschule Ignaz Pfeiffer, Uuiversitätsdozeut Samuel Stern, Adolf S t r a s fei*, Adolf U l l m a n n , Staatssekretär Leopold Vadaß, Generaldirektor Eugen V ida und Manfred v. Weiß. Auf Antrag des Präsidenten votie-rte die Generalversammlung zum Schluß Frau Armin Neu man und dem Rabbiner Dr. Simon Hevesi als Mitpräsidenten sowie Frau Moritz v. Do mony als Vizepräsidentin für ihre Sanmritertätigkeit protokollarischen Dank.