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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-21 · Heft 29 (21.7.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 29 (21.7.1916)
Date
1916-07-21
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 schmücken lassen, und das schöne Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Man erblickte unter den zahlreichen Gästen die Herren Rabbiner Dr. Gronemann (Hannover), Dr. Hoff mann lEmden). Dr. Löwenthal (Hamburg), Vertreter der Behörden und Vereine, darunter Se. Exzellenz Grasen v. Bot h m e r vom Hofmarschallamt, Herrn Oberbürgern leister Tappenbeck, den Stadtverordnetenvorsteher u. a., Glaubensgenossen aus dem ganzen Lande inld beit umliegenden Bezirken der Provinz Hannover und Bremens. Die kantoralen Funktionen hatte in entgegenkommender Weise Herr Oberkantor L i n h a r d t aus Hannover übernommen, dem als Chor ein herrliches, klangschönes Doppelquartett von dort zur Seite stand. Tie wundervollen gesanglichen Leistungen des Herrn Oberkantors Linhardt und seines Chores hatten bereits alle Anwesenden in die feierlichste Stimmung versetzt, als der Herr Jubilar ein tiefempfundenes Gebet sprach, dem Herrn dafür dankend, daß er bis jetzt seine Tätigkeit gesegnet, und ihn bittend, auch in Zukunft ihm beizustehen. Das Gebet klang in eine Fürbitte für Kaiser, Großherzog und unser tapferes Heer aus. Nachdem Herr Oberkantor Linhardt einen Mi-scheberach für den Herrn Jubilar gesprochen hatte und die Thorarolle in die heilige Lade Zurückgebracht war, bestieg Herr Landrabbiner Dr. H o f f m a n n (Emden) die Kanzel, um die Festpredigt zu halten. Er hatte derselben Psalm 16, 1 bis 3, zugrunde gelegt und schilderte den Freund und Kollegen in seiner religiösen Ueberzeugungstreue und Standhaftigkeit, in seiner Tätigkeit als Seelsorger, als geistreichen Redner und in seinen Werken der Menschenliebe. Es ist nicht möglich, im Nahmen eines kurzen Zeitungsberichtes weiter auf die tiefdurchdachten, geistsprühenden Ausführungen des hervorragenden Kanzelredners einzugehen. Hierauf folgte die Festpredigt des Herrn Lehrer B e r n h e i m (Varel), der auf Grund seiner Erfahrungen während seiner 31jährigen Tätigkeit in unserem Lande seinen Vorgesetzten als Rabbiner, Förderer der Wissenschaft und Mensch schilderte, dabei besonders hervorhebend, daß Herr Dr. Mannheimer stets der treue Freund und Berater der Lehrergewesen sei. Danach folgte ein Choral und dann das Minchagebet unter Mitwirkung des Chores, womit der Festgottesdienst, der auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck gemacht hat, beendet war. Hierauf versammelte man sich in dem großen Saal der „Union", wo zunächst das Doppelquartett unter Leitung des Herrn Oberkantor Linhardt einige Lieder vortrug und so eine würdige Einleitung zu der langen Reihe von Ansprachen schuf. Nun überbrachte Herr Vorsteher Weinberg (Brake) die Glückwünsche des „Jüdischen Landesgemeinderates". Herr Hauptlehrer Wolfs (Aurich) überreichte im Namen des Vereins der Lehrer der Nabbinatsbezirke Emden, Oldenburg, Bremen eine künstlerisch ausgestattete Adresse. Er hielt dabei eine von Herzen kommende und zn Herzen gehende Ansprache, in derer die eifrige und sachkundige Mitarbeit des Herrn Jubilars auf den Konferenzen pries und ihm die Bitte vorlegte, auch in Zukunft seine fchätzenslverte Kraft dem Verein widmen zu wollen. Hierauf sprach Herr Landrabbiner Dr. Gronemann (Hannover) als Freund und Kollege, Herr Rabbiner Dr. L ö w e n t h a l (Hamburg) als Vertreter der Großloge des Bne-Brith-Ordens für Deutschland, Herr Landrabbiner Tr. Hoff m a n n (Emden), Herr Carlebach (Lübeck) als Vertreter der Lübecker und Hamburger Logen sowie seines Vaters, des Herrn Rabbiners Dr. C arte b a ch (Lübeck), Herr G a l a tz e r (Bremen) für die dortigeKaiser-Friedrich-Loge, Herr Vorsteh er Siegfried M eher (Bremen) für die Gemeinde Bremen, Herr Vorsteher P e l s (Emden) für die Gemeinde Emden, Herr August S ch w a b e (Jever) für die Gemeinde Jever, und Herr Vorsteher W i t t g e n st e i n e r (Osnabrück) vertrat die Gemeinde Osnabrück. Zum Schlüsse dankte Herr Dr. M a n n h e i m e r in längerer Rede für alle ihm erwiesenen Ehrungen. Köln, 14. Juli. Am 30. v. M. Haben wir einen hochverdienten Mitbürger und hochachtbares Mitglied unserer Synagogengemeinde zur letzten Ruhe gebracht: Herr Jacob Gottschalk, Großsabrikant, Mitglied der Nepräsentantenversammlung der Gemeinde, Vorstandsmitglied des Lrhrlingsheims, Expräsident der RHeinlandloge, war allzufrüh, im 65. Lebensjahre, aus dem Leben geschieden. In der Trauerhalle waren neben den zwei Söhnen und den Schwiegersöhnen und Anverwandten die Mitinhaber der Firma, Werkmeister und Angestellte versammelt, die Mitglieder des Vorstands- und Reprnsentantenkollegium.s, der Vorstand des Lehrlingsheims samt den Lehrlingen, eine große Schar Brüder der Bne-Brith-Logen. Rabbiner Dr. Franck hielt dom würdigen, vortrefflichen Mann einen feinen Verdiensten entsprechenden Nachruf. In Essen geboren, kam der Verstorbene vor 40 Jahren nach Köln und trat in die Firma ein, die er durch seine hohen und gründlichen Geschäftskenntnisse hob und ihr einen großen Umfang, errang. Seinen zahlreichen' Mitarbeitern und Untergebenen war er ein rechtlicher Vorgesetzter, deren Interessen ihm. so nahe wie seine eigenen lagen. Ein edler und guter Gatte und Familienvater, hat er feinen Vier- Kindern ein musterhaftes Leben vorgelebt; Liebe hat -er ausgestreut, Liebe hat er geerntet. Ganz besonders hat er auf dem Gebiete der sozialen Tätigkeit segensreich gewirkt. Als in dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts die Handwerkerfrage i-m Judentum' auftauchte und man sich bemühte, die ärmere jüdische Jugend dem Hausieraewerbe zu entziehen und sie dem ehrbaren Handwerkerstande zuzusühren, fand die Lösung dieser sozialen Frage vor allem in Köln viele Mitarbeiter, und Gottschalk war einer der fleißigsten und geschicktesten Vertreter dieser hochwichtigen Bestrebungen, tu» dem sich verjüngenden Judentum. Der Heimgegangene war die Seele des Vereins, der schon, feit Jahren fein eigenes Heim, hat, das schon sehr viele jüdische Handwerker entlassen hat, die entweder selbständig oder im Dienste anderer dem Handwerk obliegen. Ideales Leben, und Streben kennzeichnete den Heimgegangenen,, der auch 'als Logenbruder zur Würde des Präsidiums der Rheinlandloge emporstieg. Nach dein Rabbiner ergriff der Schwiegervater eines der Söhne, Rabbiner Dr. Grabowski in Barmen,, das Wort, um ganz besonders den allsgeprägten Familiensinn und die innige Angehörigkeit zu den Seinen in treffenden Worten zu betonen. Zum Schluß widmete der derzeitige Präsident der Rheinlandloge, Rechtsanwalt Dr. Selmar Auerbach, dem. Andenken des Expräsidenten im Namen der Großloge und der eigenen Loge Ehre und Anerkennung, denn er hatte sich in feinem Leben, und Schaffen den. Idealen der Logen, ein Segen der Menschheit zu werden, mit großen, Schritten genähert. Freunde trugen den Sarg zur letzten Ruhestätte, wo er unter einem Grabhügel von Blumen schläft, dessen Andenken, aber weit über das Grab hinaus fortleben wird. &&& Dortmund, 14. Juli. Der Verein „Israelitisches Altenheim in Westfalen" versendet seinen 15. Jahresbericht (1915 bis 1916), dem wir folgendes entnehmen: Das vorige Jahr schloß mit 34 Pfleglingen. Bis zum 31. Mürz 1916 traten hinzu sechs Frauen und drei Männer. Durch den Tod verlor die Anstalt Vier- Frauen. Der Bestand ist am 31. März 1916 hiernach 39 Pfleglinge, von denen 25 Frauen und 14 Männer sind. Es starb im Berichtsjahre die älteste Insassin, die von allen verehrte und überall durch ihr wahrhaft edles und gütiges Gemüt und Wesen beliebte Frau Gella Löwenthal, wenige Tage vor der Vollendung des 96. Lebensjahres. Es starben ferner: Fräulein Regine Baum aus Mengede, 80 Jahre alt, Frau Caroline E i ch e n g r ü n aus Marburg, 75 Jahre alt, Frau Rosa Eppstein aus Höxter, 85 Jahre alt. Allen war der Lebensabend durch den Aufenthalt inr Altersheim verschönert. Im Berichtsjahre waren 15 789 Verpslegungstage oder 251 Tage weniger als im Vorjahre zu verzeichnen. Die Einnahmen betrugen: 42 625,87, die Ausgaben 34 618,32, der Ueberschuß 8007,55 Mark. Die Jahrzeitstiftungen beliefen sich am 31. März 1916 auf insgesamt 44 300 Mark; der Vermögensbestand betrug 216 464,67 Mark. Für die zum Gedächtnis der im Kriege gefallenen Helden bestimmte Ehrentafel in der Anstaltsshnagvge sind bis jetzt sieben Stiftungen, mehrere davon im neuen Vereinsjahre, zugewendet worden. Diese Tafel soll in würdiger künstlerischer Ausführung demnächst angefertigt werden.- Wegen der hohen Lebensmittelpreise mußte in der letzten Vorstandssitzung der Beschluß gefaßt werden, die Mindestpflegesätze zu erhöhen. Sie betragen vom 1. Juli 1916 an für Pfleglinge aus dem Vereinsbezirke 1,75 Mark täglich, für sonstige Pfleglinge 2,50 Mark täglich. Der Bericht schließt mit herzlichem Dank an alle Stifter und Spender. 8. P. Stratzburg i. E., 14. Juli. Die Amtseinführung des Ob e r r a b b i n e r s Tr. Emil Levh gestaltete sich, am letzten Sonntag nachmittag zu einer erhebenden Feier. Sie wurde eingeleitet mit einem Orgelpräludium von Vidor. Inzwischen hatten im Chor der in festlicher Beleuchtung prangenden Synagoge die Festg'äste Platz genommen, während Hauptschiff und Tribünen schon dicht besetzt waren. Als Vertreter des kaiserlichen Statthalters war Staatssekretär Frhr. v. T scha m m er erschienen, vom Ministerium Unterstaatssekretär Freuten, außerdem Bezirkspräsident Pöhl - mann, Bürgermeister Schwan der, Polizeipräsident v. Lanh,

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