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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-21 · Heft 29 (21.7.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 29 (21.7.1916)
Date
1916-07-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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•-. 4 Amerika. z. New-Uork, int Juni. Nachdem die meisten jüdischen Organisationen in Amerikain einer Vorkonferenz am 26. März in Philadelphia beschlossen haben, noch vor Ablauf des Jahres 1916 einen amerikanisch-jüdischen Kongreß auf breiter, demokratischer Grundlage einzuberufen, hat jetzt das American Jewish Committee, das die Kongreßidee bekämpft, aus seiner Sitzung vom 14. Mai in New Dork eine Resolution angenommen, durch welche das Exekutive Committee des A. I. C. ermächtigt wird, noch im Lauf dieses Monats eine Konferenz der jüdischen Organisationen Amerikas zu veranstalten. Die Konferenz soll über die Maßnahmen beraten, die zur Sicherung der vollen Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern und zur Abschaffung aller gegen sie bestehenden Sondergesetze geeignet sind. Unter „vollständiger Gleichberechtigung" ist zu verstehen: der Besitz aller bürgerlichen, religiösen und politischen Rechte. — Gleichzeitig beschloß das American Jewish Committee, die Anzahl seiner regulären Mitglieder aus 290 auszudehnen. Ein Teil der Mitglieder soll von der jüdischen Bevölkerung der Vereinigten Staaten gewählt, ein anderer Teil vom American Jewish Committee auf seiner Jahresversammlung designiert werden: den Rest bilden die Vertreter der jüdischen Organi^- sationen, die im Verhältnis zu ihrer Mitgliederzahl gewählt werden. Das American Jewish Committee hat sich also unter dem Druck der öffentlichen Meinung innerhalb der amerikanischen Judenheit zu einer weitgehenden Denlokratisierung entschlossen. Die Frage „Kongreß" oder „Konferenz" ist jetzt im wesentlichen nicht mehr eine Frage der Delegiertenzahl oder der Wahlinethode. Die Differenz besteht jetzt vornehmlich in der Frage: „Geheime Beratungen" oder „Erörterung der jüdischen Sache in voller Öffentlichkeit?" Es -ist sehr zweifelhaft, ob die vom American Jewish Committee geplante Konferenz zustande kommen wird. Von Aah und ffrrn. In dem Jüdische n Genesung s h e i m zu Lehnitz sind für erholungsbedürftige Frauen und Mädchen, die im Erwerbe stehen, für die Herbstmonate noch einige Plätze verfügbar. Meldungen sind tmter Beifügung eines ärztlichen Attestes an das Bureau, Berlin, Rosenstraße 2/4, zu richten. — Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Waren- und Kaufhäuser, Herr Oskar Tietz (Berlin), ist von den: Reichskanzler zum Mitglied des Beirats des Kriegsernährunasamtes ernannt worden. — Frau Elisabeth H o l l ä n d e r in Berlin hat den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin 19 000 Mark mit der Bestimmung überwiesen, daß der Betrag als „Gustav-Holländer-Stiftungsfonds für bedürftige Kaufleute und deren Angehörige" dm schon bestehenden Stiftungen der Korporation angegliedert werde. — Der Kronenorden 3. Kl. wurde dem Landgerichtsrat Geheimen Justizrat Dr. Borcher t beim Landgericht III verliehen. - Der Mitinhaber der Berliner Manufakturwarenfirma Heyinann, Welter n. Co., Max Wiener, ist nach schwerem Leiden im 73. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene war nicht nur 35 Jahre in seinem eigenen Unternehmen unermüdlich tätig, sondern hat sich auch mit Hingabe den Interessen seines Standes gewidmet. Er war Mitglied der Deputation der Aeltesten der Kaufmannschaft und Mitbegründer der „Vereinigung deutscher Kleiderstoff-Grossisten E. V.", dessen Vorsitz er an Stelle von Dr. James Simon übernahm. — Die in Danzig verstorbene Frau Geheimrat Adele Goldschmidt geb. Hermann hat der Stadtgemeinde Danzig, ihrer Vaterstadt, 25 090 Mark vermacht mit der Bestimmung, die Hälfte dieses Betrages zugunsten des Feierabendhauses für Lehrerinnen zu verwenden. Die andere Hälfte steht dem Magistrat der Stadt Danzig zur freien Verfügung für humanitäre Zwecke zu. Der Magistrat beantragte bei der Stadtverordnetenversammlung, der Annahme dieses Vermächtnisses zuzustimmen. — Dem Stadtrat Schlehe r in Posen ist der Kronenorden 3. Klasse verliehen worden. Er hat sich als Dezernent der Umschlagstelle und der städtischen Grundstücksachen sowie bis vor kurzem in seiner jabrzehntelangen Tätigkeit als Armenrat auf dem Gebiete der Wohltätigkeitsvereine sehr verdient gemacht. — Die Shnagogengemeinde Tarnowitz beging kürzlich den Tag ihres 100jährigen Bestehens. In der Synagoge fand ein Gottesdienst statt. Rabbiner Dr. Gradenwitz gab einen Ueberblick über die Entstehung der Gemeinde durch drei aus Neiße eingewanderte Juden bis zur Jetztzeit.rÄ- Der frühere Grubenbesitzer Lippmann Schlesinger, der am 13. Mai d. I. in Breslau verstorben ist, hat der alten freien Bergstadt Tarnowitz den Betrag von 3000 Mark mit der Bestimmung vermacht, daß die Zinsen alljährlich an Arme verteilt werden, und zwar mindestens die Hälfte an Arme jüdischen Glaubens. — In Schivelbein starb nach langem schweren Leiden der älteste und angesehenste Mann der Gemeinde, Herr Salomon Borchardt im 84. Lebensjahre. Lange Jahre hatte er dem Vorstande und der Stadtverordnetenversammlung angehört und viele Ehrenämter zum Nutzen der Gemeinde bekleidet. Seine Leiche wurde nach der Synagoge gebracht, von wo aus am 10. d. M. die Beerdigung erfolgte. — Frau Landrabbiner Manbei m er in Oldenburg erhielt das Friedrich-August-Kreuz 2. Klasse. — Der König von Sachsen verlieh dem Generalvertreter der Leipziger Hypothekenbank Gustav Tuchler in Dresden das Kriegsverdienstkreuz. — Kommerzienrat Josef S'chülein in München hat der Münchener Lebensmittelgesellschaft 10 000 Pakete Nährhefe zur Verteilung an die minderbemittelte Bevölkerung überwiesen. Die Spende stellt einen Wert von 5000 Mark dar. — Eine Entschließung des bayerischen Kriegsministeriums.vom 27. Juni d. I. bestimmt, daß die Sanitätsämter Anträgen auf Verlegung kranker israelitischer Soldaten in Lazarette mit ritueller Verpflegung nach Möglichkeit entsprechen sollen, wenn dies nach ärztlichem Gutachten angängig erscheint. — Aus Frankfurt a. M. wird berichtet: Der Kaufmann Karl Kahn spendete der Stadt 20 000 Mark für bedürftige Hinterbliebene Frankfurter Krieger. — Profesior Dr. Schoenflies erhielt den Titel Geheimer Regierungsrat und Professor E d i n g e r den Titel Geheimer Medizinalrat. Der König von Württemberg hat dem ungarischen Reichstagsabgeordneten Dr. Paul Farkas, Artillerie-Oberleutnant, das Ritterkreuz erster Klasse des Friedrichsordens mit den Schwertern verliehen. — An der medizinischen Fakultät in Straßburg (Elsaß) hat sich Herr Dr. Alfred Weil als Privatdozent für Röntgenologie niedergelassen. . Er stammt aus Heidelberg und gilt als bedeutender Spezialist in seinem Lehrfache. —- Ans Wien wird uns geschrieben: Seine k. u. k. Hoheit Erzherzog Franz Salvator hat im Namen Seiner Majestät des Kaisers dem Präsidenten des österreichisch-ungarischen Kantorenvereins, Oberkantor Jakob Bauer in Wien, das Ehrenzeichen 2. Klasse vom Roten Kreuz verliehen. — Am 15. Juni wurde in Marienbad ein Erholungsheim für israelitische Kriegswaisen eröffnet. Am 16. trafen nun die ersten 10 Knaben von 6—10 Jahren ein, deren Väter gekämpft und auf dem Schlachtfelde ihr Leben gelassen haben. — In Rumänien Hai die von Herrn A s b r u c geleitete Sammlung für die durch den Krieg geschädigten Juden bis zum 1. Mai die Summe von 80 000 Francs ergeben. In Frankreich, wo sich besonders die Herren Eberlein, M. Segal, M. I. Schapiro und Madame Gubbah um die Hilfstätigkeit verdient gemacht haben, sind bis zum 15. Mai ca. 300 000 Francs aufgebracht worden. — Baron Edmund Rothschild in Paris hat nach Petersburg eine Viertelmillion Rubel für die durch den Krieg in Not geratenen Juden überweisen lassen. — In Wilna wurde am 31.Juni die unter dem Protektorate des Generalobersten v. Eichhorn stehende Ausstellung Wilnaer Arbeitsstuben in feierlicher Weise eröffnet. In den jüdischen Stuben sind Arbeiten des praktischen Bedarfs zu sehen: Schlosserwerke und regelrechte Schneiderarbeiten, Weißnäherei und Stickerei, von der einfachen Wäsche bis zur Tempelpracht der Thoradecke. Ein anderer Saal führt wieder Kunst und Kunstgewerbe vor: Arbeiten einer von dem verstorbenen berühmten Bildhauer Antokolski gegründeten Skulpturschule. Der Direktor der United States Bank in New Dork, G. Markus, ist, wie der „Przeglad Poranny" erfährt, in Warschau eingetroffen. Er überbringt Schecks über 600 00(1 Mark, die von 5000 Personen in Amerika bei der genannten Bank zur Weiterverteilung an Verwandte in Polen eingezahlt wurden. Herr Markus hat sich mit dem Zionistischen Bureau in Verbindung gesetzt, das die Gelder den betreffenden Angehörigen aushändigen soll. — Aus New Dork wird geschrieben: Die Einweihung des neuen hebräischen technischen Instituts, das durch die Familien Loeb und Bloemingdale zu Ehren der verstorbenen Professoren Dr. Morris Loeb und Joseph B. Bloemingdale mit einem Kostenaufwande von 175 000 Psd. Sterl. errichtet wurde, hat stattgefunden. Das Institut bezweckt die Heranbildung jüdischer Techniker. Es besteht seit dem Jahre 1884 und hat bereits 1300 junge Leute nach Beendigung ihrer Studien entlassen, von denen 75 Prozent lohnende Stellungen in ihrem Beruf bekleiden. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Möge.

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