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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-21 · Heft 29 (21.7.1916) · p. Seite 340

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 29 (21.7.1916)
Date
1916-07-21
Page
Seite 340 (sequence 4)
Language
German
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340 in Rußland sind von unseren Feinden nur kleine Erfolge erzielt worden, -dagegen ist den deutschen Truppen mancher glückliche Vorstoß gelungen. Das gleiche ist im Westen der Fall. Den Engländern ist es trotz ihrer ungewöhnlichen Anstrengungen, die das vielmonatige Zaudern gutmachen wollte, nicht möglich gewesen, irgendwie erheblich vorzuschreiten, und unseren Truppen vor Verdun, von denen kein Mann weggezogen worden ist, war es beschieden, wichtige Eroberungen zu machen. Bei dieser Kriegslage, deren Aenderung zu unseren Ungunsten kaum wahrscheinlich ist, sieht es so aus, als wenn endlich in den Reihen unserer Gegner sich die Erkenntnis Bahn brechen würde, daß das deutsche Heer nnbesieglich ist. Zumal auch in Italien keinerlei Verschiebung stattgefunden, die als ungünstig für unsere Verbündeten ausgelegt werden könnte, und auch die dringende Aufforderung, die immer wieder an Italien erlassen wird, Deutschland den Krieg zu erklären, kein Gehör bei den neuen italienischen Ministern gefunden hat. Es ist auf das dringendste zu wünschen, daß namentlich Frankreich, wo Kriegsmüdigkeit und das Bewußtsein der unheilbaren Schwächung allgemeiner zu werden beginnen, das Unnütze des ganzen frevelhaft begonnenen Unternehmens einsieht und auf einem baldigen Frieden besteht, und es ist kaum anzunehmen, daß England trotz der kolossalen Bemühungen, die es in letzter Zeit gemacht hat, das Wagnis eines Einzelkrieges zu bestehen, die Tollkühnbeit besitzen wird. Dies um so weniger, als die übrigen Mächte, sowohl Rußland als Frankreich, einzusehen beginnen, daß sie nur im Schlepptau Englands sich befinden und bei längerer Dauer des Krieges immer wehr unter seine Herrschaft geraten. Als Zeugnis dieser Erkenntnis, die freilich den Mächten, wären sie nicht so kurzsichtig, schon lange hätte ausdämmern müssen, sei angeführt, daß die Pariser geheimen Beschlüsse in bezug auf den Handel nach dem Kriege, d. h. die Ausschließung Deutschlands vom Weltmärkte, aufgehoben hm. nicht anerkannt werden. Damit ist England das Hauptziel: die Alleinherrschaft zur See und die Verdrängung Deutschlands, entrissen, und die Aussicht auf die Erfüllung dieser Pläne, die iedem Verständigen von vornherein als unausführbar erscheinen mußten, ist schon durch das Erscheinen der Unterseehandelsboote vernichtet. Kommt nun noch trotz der nicht eben sehr großen Gunst des Wetters eine neue glänzende Ernte Deutschlands hinzu, so ist Deutschlands Lage gegenüber allen seinen Feinden eine gute und hoffnungsreiche geworden. Hoffen und Harren bleibt unsere Devise. Während die Daheimgebliebenen diese unüberwindliche Kraft des Ausharrens trotz mancher nicht abzuleugnenden Schwierigkeiten und Nöte mutig und treu bekunden, fahren unsere Trupven fort, einen Heldenmut und eine Ausdauer zu zeigen, stets aufs neue die Beisviele kühnsten Handelns, heroischer Ueberwindung unsäglicher Schwierigkeiten zu geben, die ihnen unverwelklichen Lorbeer schaffen und uns alle zu einer Bewunderung und Verehrung hinreißen, für die jedes Wort zu schwach und jede Anerkennung zu gering ist. Die Ueberzeugung, daß uns der Sieg beschieden ist und ein ruhmvoller Friede dieses furchtbare Trauerspiel beenden muß, bleibt fest und dauernd in uns bestehen. * Was die deutschen Verhältnisse anbetrisft, so müssen wir noch einmal, und zwar ausführlich auf eine nicht sehr erfreuliche Angelegenheit zurückkommen. Die von uns nach dem „Berliner Tageblatt" gebrachten Notizen über die Nichtanstellung jüdischer Lehrkräfte ist weiter Gegenstand der öffentlichen Blätter geblieben. Wir geben zunächst einen neuen Ar-- tikel des genannten Blattes wieder, der so lautet: Die Verwendung jüdischer Lehrkräfte. Wir verwiesen kürzlich im Anschluß an den Bescheid, den eine weibliche jüdische Lehrkraft von «der Breslauer Schuldeputatiou erhalten hatte, auf das Wort des Kaisers hin: „Ich kenne keine Parteien mehr." Die „Germania" findet diese Auffassung „höchst seltsam" und führt dazu aus: „Wie sollite der Kaiser keine Protestanten, Katholiken u n d I u d e n m e h r kennen, da doch die Politik und die Vaterlandsliebe mit dem Glaubensbekenntnis nichts zu tun haben sollen und -der Kaiser schon aus diesem Grunde an die einzelnen Konfessionen und Religionen -der Deutschen bei seinem Ausspruch nicht gedacht Haber» kann. Noch seltsamer ist die Nutzanwendung, die das „Berliner Tageblatt" aus dem Kaiserwort zieht, als ob nun -auch sämtliche konfessionellen Unterschiede zu verschwinden hätten; dagegen würden sich auch die Juden mit aller Entschiedenheit verwahren. Unsere Volksschule hat einen ausgesprochen k o n fe ssion elle n ^Charakter, und jüdische Lehrkräfte haben an christlichen Schulen ebenso wenig zu suchen wie christliche Lehrkräfte an jüdischen Schulen." Darauf könnte man mit gleichem Rechte erwidern: „Wie sollte der Kaiser keine Konservativen, Liberalen und Sozialdemokraten mehr kennen." Aber so wenig es uns in den Sinn kommt, uns über diese Dinge in eine Auseinandersetzung mit der „Germania" einzulassen, so möchten wir doch einer Zuschrift Erwähnung tun, die uns von einem Oberlehrer aus Mainz zugeht und vielleicht »den Sinn unserer Bemerkung auch der „Germania" etwas deutlicher macht. Sie lautet: Airs den in Nr. 339 des „Berl. Tagebl." in betreff der Verwendung jüdischer Lehrkräfte an öffentlichen Schulen mitgeteilten Erlaß der Schuld-eputation Breslau, der sich ausdrücklich auf die „vom Mini st e r ergangenen Weisungen" stützt und a b l e h ne n d ausfiel, sei nntgeteilt, daß Lokalschulbe h ö r -d e n und Schulm i n i st e r i u m int Grohherzogtum Hessen einen e n t a e geu - gesetzten, toleranteren Standpunkt einnchmen. In der größten Stadt Hessens, in Mainz, wurde vor dem Kriege noch ein jüdischer Lehrer definitiv an die Volksschule berufen, später zwei jüdische S chu lv er w al te r i n n e n Nachdem diese eine Zeitlang provisorisch zur Zufriedenheit gewirkt hatten, wurden ste von der Lokälbehörde, dem Mainzer- Schulvorstand, mit ausdrücklicher Genehmigung desSchulminrsteriums definitiv angestellt. Da weiterer Mangel an christlichen Lehrkräften eintrat, wurde eine vierte jüdische Lehrkraft, ein Lehrer, in die Mainzer Volksschule berufen. Sämtliche vier jüdische Lehrkräfte wirken an der simultanen Volksschule zur größten Zufriedenheit ihrer Behörde und vertreten stets nach Bedarf ihre Kollegen christlicher Konfession in sämtliche n Profanfächern. Es geht also auch anders als in Breslau. Me uns ferner mitgeteilt wird, sind kürzlich in Berl i n mehrere jüdische Lehrerinnen fest angestellt und andere als Vertreterinnen beschäftigt worden. Höchst bedauerlich ist es, daß in dieser Angelegenheit nicht alle jüdischen Blätter auf seiten des „Berliner Tageblattes" stehen. Der Gerechtigkeit halber geben wir eine Auslassung der „Deutschen Israelitischen Zeitung" in Regensburg wieder, die natürlich bei unseren Gegnern das größte Triumphgeschrei erregte. Die wesentlichen Stellen dieses Artikels haben nachstehenden Wortlaut: Wir haben in Deutschland katholische, protestantische und israelitische Volksschulen, außerdem ausnahmsweise katholisch-protestantische Simultan schulen. Wenn eine christliche Lehrkraft sich um eine Stelle an einer israelitischen Volkschule bewerben würde, könnte sie nach Lage der Gesetzgebung ihre Anstellung vorn. Staat an einer solchen Schule nicht verlangen. Das gleiche ist der Fall, wenn ein protestantischer Lehrer an einer katholischen Schule angestellt werden wollte. Ebensowenig kann, nach Lage der Gesetzgebung, eine jüdische Lehrerin an einer christlich-konsefsionellen Volksschule angestellt werden. Seine Majestät der Kaiser hat gesagt, daß er hinsichtlich der Betätigung für das Vaterland und der Pflichten und Rechte, die sich daraus ergeben, nurDeutsche kenne. Alle Parteien -und auch die Angehörigen aller Konfessionen sind vor feinem Herzen als

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