Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1916)
- Date
- 1916-07-14
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 Bayerische Wehrkraftverein Fürth, das Rote Kreuz in Fürth, das Personal der Firma Löwensohn, viele Vereinigungen, Vereine und eine Unmenge von Privatpersonen. Nach mehreren kurzen Ansprachen wurden seitens des Rabbiners Dr. Freudenthal die üblichen Gebete verrichtet. Draußen vor dem Krematorium ertönten kurze militärische Befehle an die aufgestellte Ehrenkompagnie, die Musikkapelle spielte den Präsentiermarsch und drei Ehrensalven krachten über den stillen Raum des ewigen Friedens. Damit war die ergreifende Leichenseierlichkeit zu Ende. — Bad Kisstngen, 7. Juli. In der hiesigen Israelitischen Kinderheilstätte fanden im vorigen Jahre 143 Kinder aus allen Teilen Deutschlands, darunter eine größere Anzahl Kriegerkinder aller Konfessionen, aus Kissingen allein 41 Tageskinder, ferner Flüchtlingskinder aus der Bukowina und Ostpreußen zum weitaus größten Teile unentgeltliche Aufnahme. Um nun auch 1916 eine größere Anzahl von Kindern mit voller Verpflegung ausnehmen zu können, hat sich der Vorstand entschlossen, wiederum ein geeignetes Anwesen zu mieten. Wenn sich dadurch auch die Kosten bedeutend erhöhen, ist doch die Hoffnung vorhanden, einer größeren Anzahl Kinder als im Vorjahre die Wohltaten der Anstalt bei voller Verpflegung erweisen zu können. <»xr> Frankfurt a. M., 7. Juli. Aus dem Bureau der Deutsch-holländischen Palästina-Verwaltung wird geschrieben: Angesichts der wachsenden Not im Heiligen Lande und der dadurch immer größer werdenden Aufwendungen für die Aufrechterhaltung und Erweiterung der Jerusalemer Volksküchen hat unsere Verwaltung beschlossen, die Bearbeitung der mit der Massenspeisung in Verbindung stehenden Angelegenheiten sowie die Propaganda dafür einem Sonderausschuß Zu übertragen. Zur Uebernahme der Arbeiten dieses Ausschusses haben sich Freunde des Heiligen Landes ip Hamburg bereit erklärt, die unter dem Namen M as sensp e i'sung der D. H. P. V. Zentralkomitee Hamburg in Verbindung mit unseren Gaboim an allen Orten ihre Tätigkeit ausüben werden. - Karlsruhe u B., 7. Juli. Am 25. v. M. fand auf dem hiesigen jüdischen Friedhof die Bestattung des jüdischen Opfers des letzten Fliegerangriffes, des Inspektors Bloch bei der Ha genleckscken Tierschau, statt. Stadtrabbiner Dr. Appel hielt in der Friedhofshalle eine Ansprache, in der er den tragischen Tod des Opfers schilderte. Bloch war im Felde und erwarb sich das Eiserne Kreuz ltrib die Badische Verdienstmedaille und war schwer verwundet. Nach seiner Genesung fand er als Kriegsinvalide Anstellilng bei der genannten Tierschall. Eine Abteilung des Feldartillerieregiments 50, bei welchem Bloch diente, erwies die militärischen Ehren. Grstrrreich-Angsrn. z. Wien, 7. Juli. Vor kurzem traf der oberste Gerichts- und Kassationshof eine Entscheidung, die aus mannigfachen Gründen für weite Kreise von Interesse sein dürfte. Am 10. April des vorigen Jahres ging es im israelitischen Bethause in Brennporitschen < Böhmen) sehr lebhaft zu. Ein gewisser Adolf Lederer begab sich lvährend des Gottesdienstes zum Altar, und als er in dem dort liegenden Buche den. Namen seines verstorbenen Vaters, für den das Seelengebet hätte verrichtet werden sollen, nicht eingetragen fand, rief er zur versammelten Gemeinde: „Ist das eine Ordnung, bin ich ein Zugelaufener, warum wird meines Vaters nicht gedacht? So einen Rabbiner haben wir! Pfui! Schämen soll er sich! Vor dem sollen wir Achtung Haben? Besser ist, gar nicht in die Schul' zu gehen." Der dadurch beleidigte Rabbiner, der, wie in vielen kleinen Gemeinden in Böhmen, zugleich Vorbeter, Schächter und Religionslehrer ist, reichte gerade zu dieser Zeit den Gläubigen die Thora zum Kusse. Er war schon bis zur Tempeltür gelangt. Nach den Worten des Adolf Lederer kehrte er zum Altar zurück, legte dort die Thora in die Bundeslade und teilte den Versammelten mit, er sei infolge der Aufregung über die ihm angetane Beleidigung nicht imstande, den Gottesdienst weiter zu verrichten; er legte den Talar ab und verlieh das Bethaus. Es kam natürlich zur Klage, und der Gerichtshof zu Pilsen sah in der Aeußerung des Angeklagten sowohl eine Beleidigung eines Neligionsdieners bei Ausübung gottesdienstlicher Verrichtungen als auch ein unnn-- stländigies Betragen während der Religionsübung und verurteilte den Adolf Lederer im Sinne der Anklage — Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgesell schaft — zu einer fünftägigen, strengen, mit einmaligem Fasten verbundenen Arreststrase. Gegen dieses Urteil erhob der Angeklagte die Nichtigkeitsbeschwerde an den obersten Gerichtshof in Wien. Dieser verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde und bestätigte das erstrichterliche Urteil mit der Begründung, daß Rabbiner den in der Seelsorge bleibend verwendeten Geistlichen der christlichen Religion gleichzustellen sind und daß ihnen der gleiche gesetzliche Schutz zukomme wie den Priestern der katholischen Kirche. Es ist traurig unb sehr zu beklagen, daß solche skandalöse Vorfälle in einem jüdischen Gotteshause, wenn auch nur in Böhmen, Vorkommen. — In Tein es vor fand ein Konzert statt, das wegen seiner Eigenart als ein Ereignis besprochen wurde. Auf Anregung des derzeit zum Militärdienst einverückten Oberkantors Fried mann wurde in der großen Synagoge ein Tempelkonzert arrangiert, und unter Mitwirkung der Temesvärer Oberkantoren Löwenherz und Friedmann sowie des Budapester Oberknntors Kwartin, der seine große Kunst gern in den Dienst der Wohltätigkeit stellte, wurden mit verstärkten Chören klassische Tempelaesänge zum Vortrag gebracht. Lebhaftesten Anklang fanden auch die unter Orgelbegleitung gesungenen Arien nnd Lieder der Berliner Opernsängerin M a r g a r e t h e K u t h a n- S o m tn erfe l d und des Opernsängers Anton A r n o t d von der Wiener Hofoper. Das Programm vervollständigte der Violinvirtuos Koloman Berger. Das Konzert war vollständig ausverkauft, so daß den: edlen Zweck — den: Jnvalidensonds des Insauteriereginients Nr. 61 — die namhafte Summe von über 5000 Kronen zngeführt werden konnte. Dem unermüdlichen Eifer des Ersatzbataillonskommandanten des genannten Regiments, Herrn Obersten v. Schram, der mit rastloser Energie tätig ist. um den von ihm geschaffenen Jnvalidensonds zu vergrößern, ist es zu danken, daß dieser Fonds heute bereits die stattliche Summe von HO 000 Kronen erreichen konnte. Oslastmg. Jerusalem, im Juni. Die große Lebensmittelteilerung und die Geldknappheit haben während des Krieges mehr als jemals den Kolonisten zum Bewußtsein gebracht, welche hohe Bedeutung die eigene Erzeugung von Lebensmitteln für den Landwirt hat. In allen Kolonien sind die Vorgärtchen, die in früheren Jahren als unbebaute Bauparzellen mitunter einen recht schlechten Eindruck gemacht haben, jetzt mit frischem Gemüse bebaut. Besondere Pflege konnte dem Gemüsebau in d en Kolonien gewidmet werden, die eine eigene Bewässerungsanlage haben. Große Sorgfalt wenden auch die Arbeiter, die sich zu diesem Zwecke zu Gruppen zusammengetan haben, diesem Wirtschaftszweig zu. In erster Linie wurden Arbeiterinnen für den Gemüsebau herangezogen, die besser als die männlichen Arbeiter für den Gartenbau passen, die dagegen für die schweren landwirtschaftlichen Arbeiten, wie die Hackarbeiten, nur selten geeignet sind und deshalb auch in der Zeit zahlreicher Arbeitsgelegenheiten in den Pflanzungskolonien ohne Beschäftigung bleiben. In der Hauptsache sind es in Petack>Tikwah drei Mädchengruppen, die sich mit dem Gemüsebau beschäftigen. Die eine Gruppe wohnt in Petachl-Tikwah und bearbeitet den Garten von Dunam, der an das Arbeiterhaus des Jüdischen Nationalfonds sich anschließt. Die zwei anderen Gruppen sind in Ein-Ganim, wo sie in zwei Häusern wohnen und die Gärten, die die beiden Häuser umgeben, bearbeiten. Die eine Gruppe hat bisher nur zwei Dunam bestellt und beabsichtigt, weitere fünf Dunam mit Sommergemüse zu besäen, während die Zweite Gruppe bisher schon zirka vier Dunam bepflanzt und außerdem sieben Dunam mit Mais bestellt hat. Sie beabsichtigt, insgesamt neunzehn Dunam mit Gemüse zu besetzen. In der Hauptsache wurden Tomaten, Gurken, Zwiebeln, Salat, Bohnen und Kürbis als Winterfrucht angebaut, während für Sommerfrucht Pfeffer, Tomaten, Mais, Eierfrucht und Gurken gesät wurden. Die Arbeiten sind alle mit Fleiß und Verständnis ausgeführt. Schade ist nur, daß der mit Gemüse bestellte Boden zum großen Teile aus Mangel an Mitteln nicht genügend gedüngt werden konnte, was auf die zu erwartenden Ertrüge eine nachteilige Wirkung ausüben wird. Die Arbeiterinnen haben in ihren Häusern eine geordnete Hauswirtschaft mit gemeinsamer Küche eingerichtet, und die Zimmer machen einen netten und sauberen Eindruck. Die Mädchen sind insbesondere von den Kolonisten von Eirr-Ganim int Gartenbau unterstützt worden. Die Kolonisten, die