Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1916)
- Date
- 1916-07-14
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 den hohen Wert des Gemüsebaues erkannt -und auch während ruhiger Zeiten diesem Wirtschaftszweig ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben, wollen etwa fünfzig Dunam mit Sommergemüse bestellen und haben den Boden hierfür bereits vorbereitet. Die Eini-Ganimer Kolonisten, die an die Arbeit gewöhnt sind, widmen sich dieser Sache mit großem Fleiß und Interesse. Es ist ihnen -auch gelungen, ihre Orangengärten trotz ihrer schweren Lage gut zu bearbeiten, und die ganze Kolonie nmcht jetzt einen hoffunngerweckenden Eindruck. Mit besonderem Fleiß und Verständnis haben sich die Schüler der Landwirtschaftlichen Schule in Petach-Tikwah, die unter Leitung von Herrn Dr. P i ck h o l z steht, au den Gemüsebau gemacht. Sie. haben im Norden von Petach^Tikwah auf dem Boden der Bewässerung^ gesellschaft „Palästina" (Leiter: Herr Bezalel Jafse) in Mir eine größere Bodenparzelle auf ein Jahr gepachtet und beschäftigen sich hiermit dem Gemüsebau in größerem Maße. Bisher wurden elf Dunam bestellt, weitere fünf Dunam werden in diesen Wochen mit Gemüse bepflanzt werden, so daß sich die bestellte Fläche auf insgesamt sechzehn Dunam belaufen wird. Die Arbeit in Mir ist recht schwierig, weil der Boden längere Zeit brach lag, deswegen stark verunkrautet und außerdem recht schwer ist. Die Schülergruppe wohnt in einem besonderen Haus unmittelbar an dem Audschafluß, wo sie einen eigenen Haushalt führt. Neben diesen Parzellen in Mir hat die Schülergruppe bereits früher auf einem kleinen Terrain in der Kolonie Petach-Tikwah einen Gemüsegarten angelegt, der schöne Erfolge brachte. Der Boden war gedüngt und j hat sich besonders für den Gemüsebau geeignet, und deswegen erzielten die Schüler Bruttoeinnahmen in Höhe von 310 Francs von einer kleinen Parzelle von ¥* Dunam und bei kurzer Arbeit oder netto 100 Francs. Mit diesem Gemüse konnte die Schülerküche der Landwirtschaftlichen Schule etwa sechs Monate versorgt werden. Von Nah und IFmt Anläßlich ihres 25jährigen Geschäftsjubilämus hat die Berliner Konfektionsfirina B e r n h a r d K a ß 175 000 Mark gespendet: davon sind 125 000 Mark für die Angestellten itnb Arbeiter, 25 000 Mark für ein Erholungsheim für Heimarbeiterinnen und 10 000 Mark für die Nationalstiftung bestimmt. — Dem Geheimen Sanitätsrat Dr. M a r e tz k i ist der Note Adlerorden vierter Klasse verliehen uun'ben. Die Synagogengemeinde Ad aß Jisroel in Berlin betrauert das Hinscheiden des Vorsitzenden ihrer Nepräsentantenversammlung Herrn Earl Kuoller. „Jederzeit", heißt es in dem ihm von der Gemeinde gewidmeten Nachruf, „hat er mit liebevollem Eifer den Schatz seiner Erfahrung, die Wärme seiner Empfindung, das unbegrenzte Maß seiner Hingabe und Aufopfernnigssähigkeit durch fast fünfzehn Jahre, zuletzt als Vorsitzender der Nepräsentantenversaminlung, in ihren Dienst gestellt. Die unlösbare Treue, die er ihr gehalten, sie wird über den Tod hinaus von unserer Gemeinde ihm gehalten werden." .Die Shnagogeugemeiude in Schwedt a. d. O. hat durch den Plötzlichen Tod des Herrn Albert W a h r b u r g einen schweren Verlust erlitten. In der langen Reihe von Jahren als Repräsentant und als Vorsitzender war sein Hauptstreben, den Trieben und die Einigkeit in der Gemeinde anfrechtzuerhalten. Sein Andenken wird in der Gemeinde in Ehren fortleben. — In Fried - land (Ostpr.) fand dieser Tage unter dem zum Wahlkommissar bestellten Bürgermeister Müller die Nemvahl des Vorstandes der Shnagogengemeinde für Friedland und Domnau statt. Gewählt wurden auf neun Jahre die Kanfleute Joseph A scher und Joseph H i r i ch. —- Aus Posen wird uns geschrieben: Im Alter voll 0714 Jahren starb hier Trau Dorothea Kaskel geb. Holz. Wohl selten sah mall hier eine solch rege Beteiligung bei einer Beerdigung wie bei dieser Frau. Die Verstorbene, eine brave biedere Tran, war bis an ihr Lebensende frisch und zeigte großes Interesse für alle Geschehnisse der Jetztzeit. Wegen ihres treuen Gedächtnisses konnte sie ihre Umgebung sehr belehrend aus vergangenen Tagen unterhaltell. - Wie der „Breslauer Jüdischen Volkszeitnng" berichtet wird, weilte Herr Aron Kober als Vertreter der Agudas Jisroel in Lodz, um für deutsche Kohlengruben jüdische Arbeiter anzuwerbeu. Auch verhandelte er mit dem dortigen Jüdischen Hilfsverein wegell der Erösfllilng eines Arbeitsvermitttnngsaultes. — In Naumburg fand währeild der christlichen Pfingstfeiertage unter zahlreicher Beteiligung aus allen deutschen Gallen der Blmdestag des „Wandervogels" e. B., des. größten aller Mandervögelbunde, statt. Nulld 2000 Wandervögel beiderlei Geschlechts, davon weit über die Hälfte Führer, trafen sich zu den Versammlungen, die in der Hauptsache organisatorische Maßnahmen betrafen. Besonders bemerkenswert war die Wiederaufnahme der „völkischen" Fragen im Sinne des Ausschlusses von Jude n. Für den „Wandervogel" als solchen war diese Forderung bereits auf einer früheren Tagung abgelehnt worden, wurde nun aber wieder bei der Beratung über den Ausbau der „Landesgemeinden" (Altersverbände) vorgebracht, jedoch auch hierfür nach langer Aussprache mit großer Mehrheit zurückgewiesen. Deutsche G e s i n n u n g liege in: G e m ü t und nicht im Geblüt. — Die Israelitische Gemeinde in Frankfurt a. M. Plaut auf ihrem Friedhof eine Ehrenabteilung für gefallene Kriegsteilnehmer mit einheitlichen künstlerisch ausgeführten Grabsteinen, die für Unbemittelte kostenlos gestellt werden sollen. — Man schreibt uns: Wegen hervorragender Leistungen erhielt Herr Richard Heu mann aus Laupheim das Eiserne Kreuz vom Kronprinzen eigenhändig überreicht. Derselbe wurde bereits mit der Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. — Das Oberlandsgericht in Böhmen hat Herrn Dr. I. E i s e n b e r g , Rabbiner in Dobrisch, zum Gerichtsdolmetsch und Translator für Arabisch und Hebräisch bestellt. Dr. Eisenberg hat sich durch seine Schriften auf dem Gebiete der orientalischen Literaturen einen guten Ruf erworben. — Baron Louis Rothschild in Wien hat für die Kriegswaisen 100 000 Kronen gespendet, die nicht als Stiftung, sondern fortlaufend zu verwenden sind, bis die Waisen erwerbsfähig geworden sind. — Hofrat Siegmund L. Breitner in Budapest hat 200 000 Kronen für Wohltätigkeitszwecke gespendet. — Zwischen den rabbinischen Seminaren in Florenz und Livorno ist eine Vereinbarung Zustande gekommen, nach welcher die beiden Schulen vereinigt werden sollen. Rabbiner A. Sacerdoti (Rom) schlägt die Bildung einer „Federation der Rabbiner Italiens" vor, die sich zur Ausgabe stellen sollte, die Wahrung der Interessen der italienischen Inden Zu überwachen; auch würden dadurch die Juden eine rechtmäßige Vertretung vor den Behörden haben, die in wichtigen Angelegenheiten, wie z. B. in der Frage über die Arbeit der Schüler am Sonnabend, gute Dienste leisten könnte. — Wie „Daily Mail" in London berichtet, hat Lord Rothschild seine zahlreichen Ehrenämter, welche er seit vielen Jahren bekleidet hat, niedergelegt, weil er mit den scharfen Maßnahmen gegen die internierten Deutschen nicht einverstanden ist. Auch ist er aus der Britischen Ornithologischen Union ausgetreten, weil diese den König von Bulgarien aus ihrer Mitgliederliste gestrichen hat. — Das jüdische Hilfskomitee in Petersburg hat in der Zeit von acht Monaten auf dem Wege der Selbstbesteuerung mehr als eine halbe Million Rubel von rund 3000 Personen eingenommen. Die Summe ist bei der Masse der Unterstützungsbedürftigen natürlich zu gering. Da große Teile der Petersburger Judenheit noch keine Selbstbesteuerung auf sich genommen haben, so hat das Komitee beschlossen, bei allen Petersburger Juden sammeln zu lassen. Unter der Redaktion von CH. N. Bialik wurde in Odessa ein neuer hebräischer Verlag „Sifri" gegründet, der Kinderliteratur in hebräischer Sprache herausgibt. Bisher sind zehn schön ausgestattete und gut illustrierte Hefte erschienen, die Kindermärcheu von Ni. Ben-Eliezer, Jakob Rabinowitsch, Sch. Kripez und Elischewa Rabinowitsch enthalten. Eine zweite Serie wird demnächst erscheinen. - - In Czenstochau soll demnächst ein jüdisches Gymnasium für die weibliche Jugend mit Polnischer Unterrichtssprache eröffnet werden. — Die zum erstenmal durch die deutschen Behörden angeordneten Gerne indew ah len in der Stadt Warschau wurden bereits in vier Wahlkurien dnrchgeführt. Ta in diesen zwischen allen Wahlausschüssen über die Gemeinderatskandidaten eine Einigung erzielt worden ist, wurde dem Wahlkommissar nur die Kompromißwahlliste eingehändigt. Danach sind gewählt: vom Nationalkomitee 26 Gemeinderäte, vom demokratischen Komitee 19, von der jüdischen Vereinigung 15. In der „Jntelligenz-Wahlkurie" finden gegenwärtig die Wahlen nach Berufsarnppen, nnd zwar zwischen 15 Kandidaten statt. — Viscount Reading (Sir Jsaac Rufus) hat anläßlich der Ernennung von Louis D. B r a n d e i s zum Mitglied des Obersten Gerichtshofes in >en Vereinigten Staaten folgendes Kabel an den „American Hebrew" gerichtet: „Die Mitgliedschaft im Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ist eine der größten Auszeichnungen, die es in der juristischen Welt gibt, und ich beglückwünsche meinen neuen Amtskollegen aufs herzlichste. Reading, Lord Oberrichter von England." Verantwortlicher Redaktenr: Albert Katz in Berlin-Pankow, Floraftratze 58. Verantwortlich für den Anzsigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenarr. Druck und Verlag vorr Rudolf Mofse.