Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1916)
- Date
- 1916-07-14
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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80. Jahrgang Nr. 28 Berlin, 14. Juli 1916 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung des Judentums". Sorrelponden?kn und Mchrichtr». Deutschland. &&& Berttrr, 11. Juli. Die Repräsentantenversammlung hatte anläßlich der Etatssestsetzung an den Gemeindevorstand das Ersuchen gerichtet, die Abschaffung des Schulgeldes für den Besuch der Nelilgionsschulen in die Wege zu leiten, und ihren Antrag damit begründet, daß die Schulgeldeinnahmen so gering seien, daß die offizielle Abschaffung des Schulgeldes lediglich eine reine Formsache wäre. Nach Anhörung des Schul- und Talmud-Thorn-Vorstandes hat der Gemeindevorstand beschlossen, der Resolution der Versammlung Folge zu geben. — An die Stelle des verstorbenen Repräsentanten Sanitätsrat Dr. Rosenberg ist nunmehr Herr Dr. W e ch s e l m a n n getreten. In der letzten Sitzung der Repräsentanten begrüßte ihn der Vorsitzende, Direktor Dr. Minden, als ordentliches Mitglied der Versammlung und wünschte ihm eine erfolgreiche Tätigkeit im Dienste der Gemeinde. Herr Dr. Wechselmann wurde dann in den Ausschuß I abgeordnet. — Die Waisenkommission hatte die Gemeindebehörden um Erhöhung der für sie bereitgestellten Mittel ersucht. Wie Herr Pincus als Berichterstatter in der letzten Sitzung ausführte, hat der Krieg an die Waisenkommission besonders hohe Anforderungen gestellt. Da die Zahl der Unterstützungsfälle von Monat zu Monat wächst, genügen die in den Haushaltsplan eingesetzten 79 451 Mark bei weitem nicht zur Deckung der Ausgaben der Kommission. Der Gemeindevorstand beantragte deshalb, der Kommission für das Jahr 1916 einen Sonderzuschuß von 25 000 Mark zu bewilligen. Die Versammlung trat dem Anträge des Gemeindevorstandes bei. —- Mit Rücksicht auf die anhaltende und steigende Teuerung aller Lebensbedürfnisse beantragt der Gemeindevorstand, vom 1. Juli ab allen hauptamtlich bei der Gemeinde tätigen Beamten mit einem Gehalt bis zu 5000 Mark, wenn sie verheiratet sind, 30 Mark monatlich, wenn sie unverheiratet sind, 20 Mark monatlich, ferner für jedes Kind bis zu 15 Jahren 3 Mark monatlich als Teuerungszulage zu gewähren. Weiter empfiehlt der Gemeindevorstand, den nebenamtlich bei der Gemeinde tätigen Personen, deren Einkommen 5000 Mark nicht übersteigt, soweit sie verheiratet sind, 10 Prozent ihrer Bezüge, soweit sie unverheiratet sind, 6 Prozent, jedoch mindestens 5 Mark und höchstens 20 Mark monatlich als Teuerungszulage zu gewähren. Die Synagogendiener in sämtlichen Synagogen und die Minjanleute in der Alten Synagoge sollen 5 Mark monatlich als Teuerungszulage erhalten. Die Gewährung einer Teuerungszulage an die Minjanleute der anderen Synagogen erübrigt sich, da diese erst kürzlich als Ersatz einer Teuerungszulage eine Erhöhung ihrer Bezüge um 5 Mark monatlich erhalten haben. Die Versammlung stimmte in der Sitzung vom 2. d. M. dem Anträge des Vorstandes ohne weitere! Erörterung zu. — Die Repro sentantenversammlung bewilligte in! der letzten Sitzung folgende Subventionen: Der Verein für i Statistik der Inden erhält für das Rechnungsjahr 1916! einen Jahresbeitrag von 1000 Mark, der Verband der! Deutschen Juden einen einmaligen Sonderzuschuß von 3000! Mark zur Versorgung jüdischer Soldaten mit Lesestoff j (jüdische Zeitungen, Schriften und Gebetbücher). - Einer Anzahl j Wohlfahrtsorganisationen wurde die bisherige Jahressubvention i weiter bewilligt: dem Jüdischen Kurhospital Bad Salzbrunu! 300 Mark, dem Jüdischen Krankenhaus zu Memel 400 Mark, der! Emfer Heilquelle 150 Mark, dem Israelitischen Kinderheim in Königsdorf-Ja strzemb 150 Mark. Zum Schluß der Sitzung richtete der Vorsitzende an die Mitglieder der Repräsentantenversammlung die Bitte, von ihrer eventuellen Abwesenheit von Berlin stets dem Bureau Mitteilung zu machen, damit auch während der Ferien eine beschlußfähige Sitzung einberufen werden kann, falls besonders wichtige Angelegenheiten eine solche Sitzung notwendig machen sollten. 2/D Berlin, 11. Juli. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund teilt uns mit, daß der „Israelitische humanitäre Frauenverein" zu Hamburg sein E r h o l u n g s h c i m in S e g e - berg für die Zeit von Mitte August bis Mitte September d. I. für etwa 35 bis 40 Kriegsteilnehmer, die Wert auf rituelle Verpflegung legen, zur Verfügung stellt. Heeresentlassene bedürftige Kriegsteilnehmer, die von diesem Anerbieten Gebrauch machen wollen und aus rituelle Verpflegung Wert legen, wollen ihre Anträge an das Zentralkomitee der deutschen Vereine vom Roten Kreuz, Abteilung 9, Bäder- und Anstalts für sorge, Berlin W 66, Leipziger Straße 3, Herrenhaus, Zimmer 17a, richten. Berlin, 11. Juli. Aus dem Bureau der Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" in Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Es ist bekannt, daß die rituell lebende jüdische Bevölkerung infolge der Beschlagnahme der tierischen Rohfette und des völligen Fehlens ritueller Pflanzenfette sich hinsichtlich der Fettversoraung in einer ganz außergewöhnlich schwierigen Lage befindet, während der Gesamtbevölkerung in dem — nicht beschlagnahmten — Schweineschmalz sowie in den Margarine-Speisefetten zur Deckung ihres Bedarfes annähernd ausreichende Quellen zur Verfügung stehen. In Würdigung dieser besonderen Umstände hat der Herr Reichskanzler in einer unterm 16. April d. I. an die Landes- Zeutralbehördeu gerichteten Verfügung aus unseren Antrag genehmigt, daß unter bestimmten Bedingungen je nach dem örtlichen Bedürfnis ein Teil der rituell brauchbaren Rohfette von der Beschlagnahine in den Schlachthäusern freibleiben und den rituellen Haushaltungen zugeführt werden soll. Auf Grund dieses Erlasses sind inzwischen von den meisten Bundesregierungen Verfügungen au die Nachgeordneten Instanzen ergangen, in denen die für die Freigabe zuständigen Behörden bezeichnet werden. Die Anträge auf Freigabe des Rohfettes haben in alten Füllen von den jüdischen Gemeinden anszugeheu, wobei das örtliche Bedürfnis in jedem einzelnen Falle nachzuweisen ist. Die Anträge sind in Preußen an die Regierungspräsidenten, in Württemberg au die Fleischversorgungsstelle zu Stuttgart, in Baden an die Kommunen, in Hessen an die Kreisämter, in Elsaß-Lothringen an das Ministerium für Landwirtschaft, in Oldenburg au das Ministerium des Innern zu richten. — Zn weiterer Auskunft und Beratung stehen nur zu Diensten. %%% Berlin, 11. Juli. Im Alter von 68 Jahren ist am 6. d. M. Geheimrat Professor Dr. Albert Fränkel gestorben. Ter Verstorbene, eine Autorität auf dem Gebiete der Herz- und Lungenkrankheitea, leitete bis vor wenigen Monaten als Direktor dir innere Abteilung des Städtischen Krankenhauses am Urban i'.nd war Ehrenvorsitzender der im Berliner Kommunaldienst augestellten Aerzte. Er übte früher auch längere Zeit eine fruchtbare Lehrtätigkeit als Privatdozent an der Berliner Universität ans, stellte diese aber seinerzeit wegen der damals aufgekommencn antisemitischen Strömung ein. Die Trauerfeier fand am vergangenen Sonntag in der Halle des jüdischen Friedhofes in Weißenfee unter großer Beteiligung der ärztlichen Kreise statt. Die Medizinische Gesellschaft, der Verein für innere Medizin, die Hufeland-Gesellschaft, die Berliner Städtischen Krankenhäuser, das Viktoriahaus für Krankenpflege, die Offiziere des Sanatoriums Hhgiea u. v. a. hatten Vertreter mit kostbaren Kränzen entsandt. Für die städtischen Behörden erschienen Stadt-Medizinalrat Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Weber, Stadtrat Selb erg und die Stadtverordneten Justizrat Galland und W e y l. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung hatten gemeinsam einen Kranz gewidmet. Rach stinnnungsvollem Ehorgesang hielt am Sarge der Direktor des Moabiter Krankenhailses, Geheimrat Klein per er, die Gedächtnisrede. Er schickte voraus, daß der Entschlafene abhold jeder Pracht und jeden Prunkes war und auch gewünscht hat, daß an seinem Sarge keine Lob- und Preisrede gehalten werden solle. Das schließe aber nicht aus, daß ausgesprochen werde, was er der deutschen Aerzteschast und der klinischen Wissenschaft war und was sie an ihm verloren. In großen Zügen gab Redner ein Bild von der wisselrschaftlichen und ärztlichen Tätigkeit des Entschlafenen und rief