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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-14 · Heft 28 (14.7.1916) · p. Seite 336

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
Seite 336 (sequence 12)
Language
German
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.336 glaubte. Er biß sich heftig die Lippen, daß sie bluteten. Bald aber überwand er diese Schwäche, und seine Züge nahmen wieder die eisige und eiserne Starre an. Nein! Keine Rücksicht, keine Schonung! Was er sich vorgenommen, das wird er durchführen. — Er hätte es auch gar nicht anders vermocht, wenigstens jetzt nicht; denn ein strenger Mahner war ihm nahe: Malta stand Plötzlich vor ihm. „Ich habe Baruch deine Botschaft überbracht," sagte sie einfach. „Welche Botschaft?" „Daß du bei der Arbeit bist, daß du aber noch keine Zeit . . ." „Ja, ja, schon gut," schnitt er ihr die Weiterrede ab. Warum war er aber auch so vorschnell mit dieser Botschaft an Baruch gewesen? Hätte er doch nur noch einen einzigen Tag gewartet; wer weiß, ob er ihm da nicht eine ganz andere Botschaft hätte zukommen lassen müssen. „Ich danke dir," sprach er noch kurz und wollte weitergehen. „Möchtest du nicht auch wissen, was Baruch sagte?" Ihre Stimme war nicht mehr so ruhig wie vorhin. „Und was sagte er?" „Er ist einverstanden und will warten, bis die rechte Zeit gekommen." „Ich danke dir nochmals," war wiederum alles, was er ihr sagte. „Du hast eine feine Art zu danken . . ." „Malta, ich weiß es, daß ich ungezogen bin, aber ich bin wirklich sehr müde. Hast du mir noch etwas zu sagen?" „Sehr viel," sprach sie herausfordernd. Er blieb wie angewurzelt stehen. Ihm entging nicht das Drohende in ihrer Stimme, und er durfte sie nicht zum Aeußersten treiben. „Na, laß hören," ermutigte er sie mit erzwungener Freundlichkeit. „Der Offizier sagte mir, daß du in die Komtesse verliebt bist." „Dann hat er gelogen!" rief er mit einer Heftigkeit, die ihn selbst überraschte. „Tann machte er mir das Anerbieten, mit ihm nach Petersburg zu gehen," fuhr sie scheinbar gleichmütig fort, ohne seine Entrüstung bemerken zu wollen. Ihr Gleichmut stachelte ihn noch mehr auf; aber er war froh, bei einer anderen und nicht bei seiner eigenen Angelegenheit sich Luft machen zu dürfen. Er fuhr sie ganz barsch an: „Hast du dich damals nur mit der Schere bewaffnet, um jetzt mit einem Offizier nach Petersburg zu gehen?" „Wer sagt dir denn, daß ich mit ihm gehen werde?" Er sah das Wetterleuchten in ihren Augen, und es wurde ihm ganz unheimlich dabei. „Meine größte Sehnsucht ist es," fuhr sie leidenschaftlich fort, „nur mit dir zu gehen! Und nur, wenn du nicht willst, dann — dann . . ." „Malta!" unterbrach er sie schnell. „Nur keine Drohung jetzt! Du darfst nicht glauben . . ." Auch er vollendete nicht. Ihm fiel es noch zur rechten Zeit ein, welch gefährliches Material Malka sei; daß er sie sehr, sehr behutsam behandeln müsse, wenn er nicht eine Katastrophe herbeiführen wolle. Er zwang sich zur Ruhe und fuhr beschwichtigend fort: „Ich kann jetzt unmöglich bestimmen und darüber entscheiden. Ich habe noch keinerlei Pläne für die Zukunft gemacht." „Es ist sehr freundlich von dir, mir nicht alle Hoffnung zu rauben." Ehe er es verhindern konnte, hatte sie feine Hand leidenschaftlich ersaßt, die sie mit heißen Küssen bedeckte. Bald war sie verschwunden. Als Gabriel sein Zimmer betrat, beherrschte ihn nur der eine Gedanke, der ihn gar nicht zu Ruhe kommen ließ: Karols niederträchtige Lüge über sein Verhältnis zu Alma! — War es aber wirklich eine Lüge? (Fortsetzung folgt.) Sprich tsal. An die verehr!:che Redaktion der „Allgemeinen Zeitung -des Judentums" Berlin-. Sehr geehrter Herr Redakteur! Aus Gründen der Billigkeit bitte ich höslichst um Abdruck der folgenden Bemerkung: In der Besprechung, meiner kleinen Schrift „Krieg und Judentum" in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" Nr. 25 vom 28. Juni 1916, S. 299, wird der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß die Antisemiten aus einigen Stellen der Broschüre Kapital schlagen könnten, „weil sie manches treu nach den Quellen Mitgeteilte leicht als unerhörte, von der Bibel selbst eingestandene Grausamkeiten zu deuten imstande wären". Hierzu gestatte ich nur, folgendes zi: bemerken: Ich habe unter Widerlegung der Einwände nachdrücklichst betont, daß sämtliche Kriegsgesetze der Bibel vom Geiste erhabenster Menschlichkeit getragen sind. Andererseits lehnt es das Judentum ab, die sittliche Verantwortung für alle Handlungen der Personen, die in der Bibel auftreten, zu tragen, selbst wenn die Bibel ihre Handlungsweise nicht ausdrücklich rügt. (Vgl. D. Hofsmann im „Jeschnrnn", III. Jahrgang, Heft 1, S. 22 ff.) Zum Beweise dafür habe ich ans S. 28 darauf hingewiesen, -daß das in II. Chronik 25, 12 geschilderte Verfahren des Königs Amazja von Juda gegen gefangene Edvmiter von unseren Weisen im Midrasch entschieden verurteilt wird (vgl. auch Raschi z. St.). Ein ähnliches Vorgehen Davids stellt m. E. eine Vergeltnngsmahregel dar (vgl. S. 24 meiner Schrift). Die Berechtigung voll Repressalien wird wohl niemand nach der: Erfahrungen dieses Krieges bestreiten. Die Furcht vor antisemitischen Berleumbmioen darf nicht zu weit getrieben werden, da es gegen böswillige Verdrehungen doch keinen Schutz , gibt. Hochachtungsvoll Dr. Joseph W o h l g e m nth , Bezirksrabbiner. K i tz i n gen , den 26. Juni 1916. * Sehr geehrte Redaktion! Der Bericht Ihrer geschätzten Zeitung über die letzte Sitzung der Repräsentantenversammlung enthält, soweit er sich auf mich bezieht, einige Unrichtigkeiten, die anscheinend nur aus Schreibfehlern beruhen, die aber meine Erklärungen so unverständlich machen, daß ich um eine kurze Berichtigung bitten möchte. Meine Erklärung lautete selbstverständlich nicht dahin, daß nach dem Statut für die Wahl von Rabbinern „nur" Zweidrittelmajorität der Repräsentanten erforderlich sei, vielmehr dahin, daß „eine" Zlveidrittelmajorität nötig sei; denn es handelt sich ja hier um eine Ausnnhmevorschrift insofern, als sonst bei Abstimmungen die einfache Majorität genügt. Ebensowenig habe ich erklärt, ich nähme an, daß diese Bestimmung des Statuts und die Anhörung der Rabbiner bei bestimmten Anlässen auf die Prediger „mit" Anwendung finden sollen; im Gegenteil habe ich gerade der Ansicht Ausdruck gegeben, daß beide Bestimmungen auf die Prediger „nicht" Anwendung finden sollen, indem ich daraus hinwies, daß der Kreis der gutachtlich zu Hörenden andernfalls ein zu großer werden und die Durchführung der statutarischen Bestimmung unmöglich machen würde. Hochachtungsvoll Berlin, 10. Juli 1916. Dr. Ignaz Cohn, Justizrat. Lemrrkung der Lkdüktilin. Fräulein Dr. Rosa Dukas behauptet, daß der in Nr. 26 aus ihrer Schrift angeführte Satz sich nur auf eine Spezialunterfuchung bezieht. Das will ich zugeben. Wenn sie aber ferner meint, daß damit mein Urteil über ihre ganze Schrift hinfälliggeworden ist, so befindet sie sich im Jrrtn-m. L. G.

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