Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1916)
- Date
- 1916-07-14
- Page
- Seite 334 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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334 Kraft weiter, sowohl im Lehramte als auch auf dem Felde der Wissenschaft. Eine stattliche Zahl von Schülern verehrt in ihm den Meister, dem sie Belehrung im Lebensberuf, Stärkung in der Religion, hilfreiche Unterstützung in allen Nöten des Lebens, dem sie ihr alles verdanken, und noch hängen auch gegenwärtig zahlreiche wißbegierige Jünglinge an den Aussprüchen seines Mundes, und Generationen von neuen Jünglingen werden kommen und werden sich an der alten, aber frisch sprudelnden Quelle stärken und laben. Auch den Ausbau der begonnenen wissenschaftlichen Werke haben wir noch von der Zukunft zu erwarten, die Bearbeitung der ganzen Tosiftha, die Erforschung der noch ausstehenden hermeneutischen Regeln: Arbeiten, zu denen wir dem Jubilar aus vollem Herzen Gottes Segen und gute Gesundheit wünschen. Zu Ehren unseres Jubilars ist eine Festschrift im Erscheinen begriffen, die nur infolge der Kriegslage nicht rechtzeitig erscheinen konnte. Eine kleine, aber erlesene Schar von Kollegen, Freunden, Schülern und Verehrern des Meisters hat sich da zusammengefunden, um Zeugnis abzulegen von der, Liebe, die Schwarz als Mensch, von der Wertschätzung, die Schwarz als Lehrer und Gelehrter genießt. Wenn all die Begrüßungen, die der Festtag bringt, verhallt, all die Freuden, die er auslöst, verblaßt sein werden, wird die Festschrift als ein monumentum aere perennins dastehen, um auch für die künftigen Geschlechter feftzuhalten das Bild des wackeren Mannes, der durch Lehre und Tat verdient, ihnen als leuchtendes Vorbild der wahren und echten Frömmigkeit, der treuesten Pflichterfüllung, der nimmer rastenden Lehr- und Forschertätigkeit hingestellt zu werden. Simon Schryr, Srrslau. (Zum 70. Geburtstage.) m 15. Juli kann Herr Simon. Scheyö, einer der 44. populärsten Männer der Gemeinde Breslau, auf sein 70. Lebensjahr zurückblicken. Wohl kaum eine Institution dürfte es geben, der der verdiente Mann nicht als führende Persönlichkeit oder als Mitglied angehörte. Seit fast 25 Jahren im Dienste des Gemeindelebens stehend, hat er mit nie rastendem Eifer und in treuer Pflichterfüllung an der Hebung und Belebung unserer Einrichtungen mitgewirkt. Als Repräsentant unserer Gemeinde, als Mitglied der Armen- und Synagogenkommission, als Vorsteher des Krankenhauses und der Achtzehnmänner, welche sich im Liebesdienste der Toten uneigennützig betätigen, als Vorsitzender der Dritten Brüdergesellschast, als Vorstandsmitglied des Verbandes zur Erziehung hilfsbedürftiger jüdischer Kinder und anderer Institutionen, überall begegnen wir der tätigen, segenbringenden Mitwirkung unseres Scheys. Namentlich weiß unser als mustergültig geltendes Krankenhaus mit Altevversorgungsanstalt und Siechenhaus die Tätigkeit des Jubilars zu schätzen und zu würdigen. Seine besondere Fürsorge hat Simon Scheys der Ausgestaltung der Zweiggottesdienste an den hohen Festtagen zugewandt, die durch die erhebende Art der Ausführung allgemeine Anerkennung gefunden haben. Einem geachteten Lehrerhause entstammend, bewahrte er stets sein großes Interesse für alles, was Schule und Lehrer betrifft, und bot gern hilfreiche Hand, wenn es galt, die Sache des Lehrerstandes zu stützen. Den Armen und Bedürftigen unserer Gemeinde ist Scheyö immer ein treuer Helfer, Berater und Anwalt gewesen. An ihn wendet man sich zumeist, wenn es gilt, zu helfen und zu stützen. Die vornehme Art seiner Wohltätigkeit führt auch die zu ihm, die sonst scheuen würden, fremde Hilfe anzunehmen. Selbstlos und bescheiden in seinem Wesen und in seiner Art, beansprucht er für sich nichts,' nur der Sache gilt sein Streben, seine Arbeit und sein Wirken. Allen ihm zugedachten Ovationen, die wohl in reicher Fülle an seinem Ehrentage über ihn ausströmen würden, hat er sich auch für die nächsten Angehörigen entzogen. Möge es dem Jubilar, an dem sich im vollsten Sinne der Spruch bewahrheitet: „Eine Krone ist. das Alter, auf dem Wege der Redlichkeit wird sie gefunden", noch viele Jahre vergönnt sein, zum Segen und Heile unserer Gemeinde in ungebrochener Kraft und Frische zu wirken. M. pugk um puge. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) ^V^enn ich das zugebe, dann geschieht es nur, weil ich <1^/ mich selbst nicht mehr verstehe, weil diese Idee mich nicht mehr verläßt und wie ein Alp mich bedrückt. Wollen Sie es mir glauben," ein bleiches Lächeln huschte für einen Augenblick über ihre Lippen, „wollen Sie es mir glauben, ich fange auch schon an, davon zu träumen. In den beiden letzten Nächten war dies bereits der Fall. Ich sah meinen Vater mit einer tiefen Wunde im Herzen, bald mich verfluchend, bald wieder mit gebrochenen Augen mitleidig mich anblickend; ich selbst fühlte mich grenzenlos elend, seelenmatt. Sie aber — Ihre Gesichtszüge konnte ich zwar nicht deutlich sehen, aber ich wußte, daß Sie es sind — Sie betrachteten uns irgendwo aus der Ferne, mit einem Hohngelächter, so gräßlich, so grausam, daß es mir noch lange in den Ohren gellte. War das nicht ein eigentümlicher Traum, Herr Schmulikof?" „Jeder Traum ist mehr oder weniger eigentümlich," erwiderte er gedankenvoll. Diesmal hatte sie ihn vollständig überwältigt, und er fühlte sich außerstande, mit ihr noch weiter zu rechten. Durch welche unerklärliche Hellseherei, durch welche magische Einbildungskraft mag sich wohl das Bild haarscharf in ihrem Gehirn abgezeichnet haben, das er so tief in seinem Geiste sich ausgemalt? Diese geistlose Puppe, die er kaum seiner männlichen Anstrengung wert gehalten, hat sich zu einerunheimlichen Sibylle entwickelt, die seine geheimsten Gedanken erriet; mit einer Zauberkraft ausgerüstet, die das ohnmächtige Planen der Erdenkinder spöttisch belächelt. Aber sie war weder Sibylle noch Hellseherin, und oarum konnte sie seine plötzliche Niedergeschlagenheit nicht begreifen. Mit bebender Stimme fragte sie daher: „Herr Schmulikof,, habe ich Ihre Gefühle verletzt?" „Wenn es Ihnen Spaß macht, können Sie es ja annehmen." „Mit anderen Worten, Sie legen wenig Wert darauf, wa? ich denke oder fühle, und nichts, was von mir kommt, vermag Ihren Gleichmut zu erschüttern." Inzwischen war es ihm doch gelungen, seine Selbstbeherrschung wieder zu erlangen, die er in diesem kritischen Augenblick so nötig hatte. „In dieser Annahme täuschen Sie sich vollständig. Ihre Ansichten sind für mich von unschätzbarem Wert. Ich will Ihnen auch gleich einen Beweis davon geben, indem ich Ihnen einen Vorschlag mache." „Wenn er annehmbar ist. . ." sprach sie zweifelnd. „Wir haben bereits zwei Versuche gemacht, um eine Freundschaft zwischen uns anzubahnen," unterbrach er sie: „beide sind mißlungen. Wollen Sie nicht noch einen dritten und letzten mit mir versuchen?" „Ich — ich — würde es gern tun," war ihre zögernde Antwort, die ihre innere Unruhe erkennen ließ, „wenn ich . . ."