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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-14 · Heft 28 (14.7.1916) · p. Seite 333

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 28 (14.7.1916)
Date
1916-07-14
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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333 und sich auch die Gunst der Landcsbehörden und selbst des Großherzvgs erfreuen durfte. Für Schwarz aber war das Rabbineramt keineswegs eine Entgleisung, sondern ein sein Leben völlig ausfüllender Berus, dem er mit Leib und Seele anhing. Mit schönem Organ begabt und ein Meister des Wortes, der zudem aus dem tiefen Born seines Wissens immer wieder die echten Perlen der alten, von unserem Volke noch immer gut gelittenen Derasch-Methode hervorholen konnte, war er ein gefeierter Kanzelredner, der ebenso auf das Gemüt wie auf den Verstand seiner Gemeinde einwirken konnte. Wie hoch er gerade diese Seite der Wirksamkeit eines Rabbiners anschlug, beweist nichts so sehr, als die zahlreichen, sorgfältig ausgearbeiteten Predigten, die von ihm im Druck erschienen sind. Ihre Zahl beläuft sich auf einige hundert. Sie liegen teils in Sammlungen, Sabbat- und Festpredigten enthaltend, teils in „Rahmers Predigtmagazin", ganz besonders aber in vielen Einzelstücken vor; letztere sind zumeist Kasualien, die wohl für alle Beteiligten Denkmäler von bleibendem Wert darstellen. 1893 wurde Schwarz zum Rektor der damals eröffneten israelitischen theologischen Lehranstalt zu Wien berufen, in welcher Eigenschaft er noch heute, seit nahezu 23 Jahren, im Vollbesitz seiner körperlichen nnd geistigen Kräfte, segensreich wirkt. Er leitet die ihm unterstellte Lehranstalt völlig im Geiste seines so tief von ihm verehrten Lehrers Z. Frankel: in Glaubenssachen konservativ, in der Wissenschaft tiefgründig und forschenden Sinnes. Sein Fach bildet namentlich der Talmudunterricht, den er nach bewährten Mustern in der ihm zukommenden Geistesschärfe, mit kritischer Sichtung und Abwägung der Quellen, dabei dennoch auch die Ausläufer berücksichtigend, versieht; ein plattes Durchgehen oder eine Verwässerung des Stoffes ist ihm zuwider. An einer Rabbiner¬ VV.' Simon Scheye feierte (Zu dem Artikel auf schule, deren Schüler sich zumeist aus dem noch immer in erfreulicher Weise talmudstarken Galizien rekrutieren, ist die eindringliche Art der Handhabung des Talmuds, wie sie Schwarz betreibt, gewiß am Platze. In seiner Hand liegt auch die Anleitung zur Homiletik, und nach dem, was wir bereits ausgeführt haben, liegt sie in einer sehr glücklichen Hand. Auch die publizistisch wissenschaftliche Tätigkeit Rektor A. Schwarz' liegt hauptsächlich auf talmudischem Gebiete. Hier ist er souveräner Herrscher, dem keine Aufgabe zu schwer, kein Abgrund zu tief ist. Noch aus seiner Breslauer Studienzeit stammt die preisgekrönte Schrift: „Der jüdische Kalender, historisch und astronomisch untersucht" (1872). Davon und von der Schrift „Die Mischneh-Thora, ein System der mosaisch-talmudischen Gesetzeslehre" (1995) abgesehen, ist alles, was von Schwarz an größeren wissenschaftlichen Werken erschienen ist, durchaus nur talmudische Forschung int besten Sinne des Wortes. Zwei Gebiete sind es, die Schwarz besonders fleißig anbaut: die Tosistha und die hcrmeneutischen Regeln der mündlichen Lehre. Die Tosiftha ist nach Schwarz, in Uebereinstimmung mit der alten und auch mit der Frankelschen Schule, bloß eine ergänzende und nachträgliche Sammlung der Halachoth neben der Mischna, ergänzend nnd nachträglich insofern, als der Redakteur der Mischna bekanntlich vielen ihm überflüssig scheinenden halachischen Stoff aus der Mischna ausschloß, der aber gleichwohl den anderen nicht bloß der Erhaltung, sondern auch des Studiums wert schien und darum nach Tunlichkeit gesammelt wurde. Um handgreiflich darzutttn, daß die Tosistha nur so nebenher mit der Mischna mitlänft, hat sich Schwarz der Muhe unterzogen, den Stoff der Tosiftha nach jenem derMischna zu ordnen und timzustellen, zu welchem Behufe er mm viele Traktate der Tosiftha bereits neu ediert hat nnd andere mit Gottes Hilfe noch edieren wird. Den Tert begleitet er in allen seinen Ausgaben mit einem lichtvollen Kommentar, der geeignet ist, das Verständnis des überlieferten Tertes herbeizuführen nnd den Schwarzschen Standptinkt zu rechtfertigen. -Gegen die umstürzlerische These Z n ck e r m a n d l s, der der Tosiftha einen Vorrang vor der Mischna einräumt, ist Schwarz in zahlreichen Arbeiten aufgetreten. Bahnbrechend sind die Arbeiten Schwarz' in der Erforschung der hermeneutischen Regeln der mündlichen Lehre. Es sind das die bekannten 13 Regeln, auf die sich die Schristfolgerungen der Talmudlehre gründen, von denen Schwarz zeigt, daß sie, weit entfernt, etwas Willkürliches oder Gezwungenes zu sein, die Folgen von rein logischen Funktionen sind. Zu diesem Behufe mußte Schwarz nicht nur die unfeinen 70. Geburtstag. der nächsten Seite.) zulänglichen und irrtümlichen Auslegungen der Späteren teils bemängeln, teils zurückweisen, sondern die Regeln selbst gegen die Väter der talmudischen Tradition in Schutz nehmen, indem er auch bei ihnen auf Mißverständnisse und falsche Anwendung stieß. Die Kühnheit, mit der er das tut, ist gerade bei ihm, dem warmen Verehrer und konservativen Lehrer des Talmuds, von großem Werte und demzufolge eine Errungenschaft unserer Zeit. In dieser Weise hat Schwarz bereits bearbeitet: die hermeneutische Analogie, den hermeneutischen Syllogismus, die hermeneutische Induktion und die hermeneutische Antinomie in der talmudischen Literatur, und bald werden wir eine fernere Frucht seines Geistes aus diesem Felde reifen sehen. Noch ist das Lebenswerk Rektor A. Schwarz' nicht abgeschlossen, noch wirkt er mit ungebrochener und unverminderter

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