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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-07-07 · Heft 27 (7.7.1916) · p. Seite 321

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 27 (7.7.1916)
Date
1916-07-07
Page
Seite 321 (sequence 9)
Language
German
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321 Sambor, Rzeszow und Czernowitz, sowie ein Zentralhilfskomitee in Krakau für Westgalizien einrichtete und zur Erhaltung von Volksküchen, für die Anschaffung von Lebensmitteln und die provisorische Fürsorge für die verwaisten und verwahrlosten Kinder die notwendigen Mittel zur Verfügung stellte. Es wurden insgesamt im Verlaus von 6 bis 7 Monaten für dieses Werk der momentanen Hilfe in Galizien bereits 8 7 6 7 6 6 Kronen verwendet. Am längsten hatte es gedauert, bis die Hilfsaktion für die schwer heimgesuchte Bevölkerung in den okkupierten Gebieten organisiert werden konnte, da noch in den Herbstmonaten des vorigen Jahres keine geregelte Post- und Telegraphenverbindung für die Zivilbevölkerung bestanden hatte. Erst im Januar dieses Jahres konnte der Sekretär der Israelitischen Allianz nach Russisch-Polen reisen, um eine systematische Regelung der Hilfsaktion in den von den österreichisch-ungarischen Truppen besetzten Gebieten durchzuführen. Die in Betracht kommenden Gouvernements in Russisch-Polen haben eine jüdische Bevölkerung von ungefähr 500006 Seelen (ganz Russisch-Polen zählte nach einer Statistik vom Jahre 1909 unter 11935 318 Einwohnern 1 747 655 Juden), davon wohnen im Gouvernement Lublin 206180 Juden unter 948 770 Einwohnern (in der Stadt Lublin 31 607 Juden unter 62 222 Einwohnern), im Gouvernement Radom 153 782 Juden unter 1989 244 Einwohnern (in der Stadt Radom 16 979 Juden unter 39 981 Einwohnern); im Gouvernement Kielce 106 511 Juden unter 973 247 Einwohnern (in der Stadt Kielce 11207 Inden unter 30 818 Einwohnern); im Gouvernement Piotrkow 298 082 Juden unter 1 901662 Einwohnern (in der Stadt Piotrkow 13 960 Juden unter 38 115 Einwohnern), wobei zu bemerken ist, daß ein großer Teil des Gouvernements Piotrkow mit der Stadt Lodz nicht zum österreichisch-ungarischen, sondern zum deutschen Okkupationsgebiet gehört. Auf Grund der telegraphischen Anträge des Sekretärs konnten bereits Ende Januar von der Allianz erhebliche Monatsbeiträge zur Erhaltung von Volksküchen, Kinderheimen und anderen Wohlfahrtseinrichtungen sofort planmäßig bewilligt werden. Die im Verlauf von etwas über drei Monaten durch die in Lublin, Radom, Kielce und Piotrkow eingesetzten Hilfskomitees für zirka 120 Orte zur Verteilung gelangten Unterstützungen, einschließlich kleinerer Beträge, welche durch Vermittlung der Etappenkommandos nach Dubno und anderen Orten gesandt wurden, betrugen bis Anfang Mai insgesamt 305 950 Kronen und machen noch weiter zirka 80000 Kronen monatlich aus. Unter den dem Berichte beigesügten, die Russengreuel in Galizien beleuchtenden Schriftstücken befindet sich aus einem Orte in Galizien folgender vom Landes-Gendarmerie-Kommando eingesandte Bericht, der ein anschauliches Bild der Vorgänge während der russischen Okkupation bietet: K. k. Landesgendarmeriekommando Nr. 5.- Abteilung Drohobycz Nr. 31. Posten zu Rodzol Rr. 17. (? =^T}r 422 Rodzol, am 10. November 1915. Leiden der jüdischen Bevölkerung während der Ru sseninva sio n. An das k. k. Gendarmerieabteilungskvmmando Nr. 31 in D r o h o b h c z. Zum Erlaß des k. u. k. AOK. vom 8. September 1915, Op.-M.-V., Nr. 83 723. — Ueber Leiden jüdischer Bevölkerung während der Russeninvasion wird folgendes gemeldet: Im Monat Oktober 1914 ist der russische Bezirkskommandant (Naczalnyk Ujezdu) namens Eutafie mit einem Kosaken von Mikolajow nach Rozdol gekommen und hat anbefohlen, daß drei Juden in Mikolajow bei ihm zu erscheinen haben. Da aber die Juden aus Furcht nicht erschienen, kam nach einigen Tagen der Kommandant Eutafie mit 50 Kosaken nach Rozdol und hat anbesohlen die ältesten und reichsten Juden: Salomon Gaupfis, Juda Lehrer, Joseph Ehre, Leiser Buvstyn, Hersch Sieber, Juda Akselrad, Rabbiner Jakob Reis auf die Kru- Pickagasse, wo der russische Kommandant Eutafie mit den Kosaken standen, zu führen. Als die genannten Juden gekommen sind, haben die Kosaken selbe umzingelt und der Eutafie hat zu den Juden gesagt, daß gestern ein Jude in Rozdol auf marschierende Kosaken einen Schuß abgefeuert habe und daß die Juden binnen einer Stunde diesen Juden, welcher geschossen hat, herausgeben müssen, widrigenfalls alle Juden niedergeschossen und die Stadt verbrannt werden wurde. Gaupfis sagte dann zu dem Kommandanten Eutafie, daß hier in Rozdol kein Jude auf die Kosaken geschossen habe. Eutafie hat darauf den Kosaken anbesohlen, Ruten aus dem Wagen zu bringen, lvorauf die Kosaken dem Juden die Hose und Unterhose auszogen und auf der Straße niederlegten. Ein Kosak hat sich aus den Kopf, der andere auf die Füße gesetzt und der Eutafie befahl dem Fuhrmann, welcher mit ihm gefahren ist, mit der Rute loszujchlagen. Auf diese Art wurden alle sieben Juden geschlagen und jeder hat 20 bis 30 Rutenstreiche erhalten. Als der Fuhrmann, der den Gaupfis geschlagen hatte, ermüdet war, nahm die Rute ein Kosak und hat dieser weiter den Gaupfis so lange geschlagen, bis das Blut aus dem Schädel herausgeflossen ist. Nach dieser Exekution ist der russische Kommandant Eutafie mit den Kosaken von Rozdol abgefahren und haben nach zlvci Tagen die russischen Soldaten alle Gewölbe und jüdische Wohnungen ausgeraubt. Die Juden haben den Gaupfis zu dem russischen Kommandanten Eutafie nach Nikolajow mit der Bitte geschickt, den Raub einzustellen. Der Eutafie hat hierauf anbefohlen, 600 Kronen und 3 Pelze zu bringen. Nach Erhalt der 600 Kronen und der 3 Pelze kommandierte er einen Kosaken nach Rozdol, woraus die Räuberei eingestellt wurde. Die Juden wurden gezwungen, von Zeit zu Zeit größere Geldsummen dem russischen Kommandanten Eutafie zu geben, so daß sie über 5000 Rubel ausgezahlt haben. Die Russen haben 10 jüdische Mädchen, welche vor den Russen in einem Hause sich verborgen hielten, gefunden und alle geschändet. Anton Wisthal m. p. Wachtmeister erster Klasse. Anmerkung: Der obige Bericht bildet eines von den zahlreichen über die russische Invasion in Galizien bei uns befindlichen inn tl i chen Doku men ten. Auge um fluge. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) mit einem energischen Ruck hatte sie sich von ihm losgemacht und spähte nach einem Ausweg, um ihm zu entschlüpfen. Er merkte ihre Absicht und versperrte ihr breitspurig den Weg, so daß sie jeden Versuch ausgeben mußte. „Na, Liebchen, mit solchen Mätzchen darfst du mir nicht kommen, oder, ich sage dir . .

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