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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-30 · Heft 26 (30.6.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 26 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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besonders die Einführung einer geschützten gemeinschaftliche u Schwesterntracht, und die Stellungnahme des Vereins zu denselben bildeten den Gegenstand wiederholter Besprechungen in den Ausschußsitznng.en. lieber die dem Verein im Jahre 1915 übermittelten Geschenke wie über dessen Kassen- und Vermögensverhältnisse gibt der anaefügte ausführliche Bericht des Schatzmeisters wünschenswerten Aufschluß. J. K. Krumbach (Schwaben), 25. Juni. Nach 2lmonatiger srener Pflichterfüllung als krieasfreiwilliger Kampfer fürs Vaterland nel auf dem Ielde der Ehre der Vizefeldrvebel und Offiziersaspirant T h e o d o r N e u b u r g e r von hier, Inhaber des bayerischen Verdienstkreuzes mit Krone und Schwertern lind des sächsischen Ver» dicnstkrenz-es. Vor einigen Wochen nahm er den ersten Urlaub in 'eine Heimat, unb kaum .nun Regiment zurückgekehrt, ereilte ihn das traurige Schicksal. Er war als Iührer einer Abteilung bestimmt, diese in ihre Stellung zu fuhren, und auf dem Wege dahin traf ihn das feindliebe Eestboß. Die Kompagnie schreibt den Eltern: „Ihr Sohn hat sich stets als tüchtiger, energischer Vorgesetzter gezeigt. Durch sein charaktervolles, bestimmtes Handeln hat er seiner! Untergebenen Ehre und Liebe abaernngen. Die Kompagnie beklagt schmerzlich den herben Verlust des Karneraden, dessen Name unvergeßlich bleiben wird. Nehmen Sie die vollste Teilnahme der Kompagnie entgegen." In dieser Zeit des großen Sterbens muß sich auch die Kraft der Reliaion au uns bewähren: wir bekennen uns als würdige colwc Israels, die ihr blütenfrisches Leben dern Baterlande weihen!',rd die größten Ocher ihm darzubringeu bereit sind. Ans ihren Gräbern soll Deutschlands Herrlichkeit blühen und Israels Zukunst sich übersichtlich gestalten. R. Worms a. Rh., 23. Juni. Ter erste Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Siegmund Mäher II, ist am!8. d. M. Plötzlich verschieden. Wohl war er längere Zeit leidend, doch nicht so, daß man ein so rasches Ende hätte ahnen können. Besonders wird sein Tod in den Kreisen der Mitglieder *i»r Förderung der Wissenschaft des Judentums, welche er vor zwei Jahren bei dern Ausflüge von Frankfurt hierher iru Svnagogenvorhof begrüßte, Gefühle inniger Anteilnahme auslösen. Mäher war eine gottbegnadete Natur, klug, energisch, gerecht, friedliebend, arbeitsfreudig, der seine Kräfte gern in den Dienst der Allgemeinheit stellte. So gehörte er rnehr denn 17 Jahre dem Vorstande der indischen Gemeinde an. davon 2¥> Jahre als Vorsitzender. In seiner Eigenschaft als Vorsitzender war er auch Vorsitzender des israelitischen Hospitals, ferner war er Vorsitzender des israelitischen Männerkrankenvereins, gehörte der Verwaltung des israelitischen Brautausstattungsvereins an und war Vertrauensmann des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Damit loar aber seine Arbeit nicht erschöpft. Das Vertrauen seiner Mitbürger wählte ihn in das Stadtverordnetenkolleginrn, dem er volle 15 Jahre angehörte und in dern er äußerst segensreich gervirkt. Es ist in der Tat zu verwundern, wie dieser Mann bei reiner vielseitigen Inanspruchnahme noch Zeit fand, der Leiter eines so großen Geschäftes sein zu können. Seiner aufopfernden Tätigkeit entsprechend war auch die Teilnahme au seiner Beerdigung. Noch nie seit ihrern fünfjährigen Bestehen hatte die Iriedhofshalle eine so zahlreiche Trauergemeinde gesehen. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde, die Vorstände der israelitischen Vereine, viele Mitglieder der israelitischen Gemeinde, der Oberbürgermeister rnit den drei Bürgermeistern, die Stadtverordneten und Mitglieder vieler Vereine waren erschienen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Seine Verdienste Priesen in tiefgefühlten und dankerfüllten Worten Rabbiner Tr. Holz e r , Oberbürgermeister K ö h l e r und der zweite Vorsteher, Herr Mar Levh; außerdem wurden von vielen Vereinen Kränze niedergelegt. Das Grab schloß sich über ernern Alaun, der es voll und ganz verdiente, daß man seiner rederzeit in Ehren gedenke. A. W. Aus Baden, 23. Juni. Ans unserem gesegneten, schönen Badnerlande liest man in der Regel so wenig über unser religiösjüdisches und soziales Leben und Treiben, daß es sich wohl lohnen dürste, hierüber auch einmal etwas Näheres in die Oeffentlichkeit zu bringen. Daß dieser furchtbar blutige Weltkrieg äußerst eindrucksvoll, ganz besonders auch arrf das ohnehin teilnahmsvolle jüdische Gemüt wirkt, braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden. Dies beweisen die Inden Badens deutlich dadurch, daß sie sich opferwillig an allen denjenigen Sammlungen rmd Veranstaltungen lebhaft beteiligen, welche irgendwie zur Linderung der schweren Kriegsnot mit ihren tieftraurigen Iolgeerscheinnngerr für die bedauernswerten vielen verwundeten und kranken Krieger wie auch für Arme und Unbemittelte vorgenommen werden. Unsere jüdische Zentralbehörde, der Großherzogtiche Oberrat der Israeliten Badens in Karlsruhe, läßt es au den erforderlichen Anregungen hierzu nicht mangeln, und unsere Rabbiner und Religionslehrer bieten durch Wort und Schrift stets gern die Hand zur Praktischen Durchführung dieser nrenschenfreilridsicherr Anordnungen und Gesinnungen des Großherzoglichen Oberrates. Ierner rverden auf Anordnung unserer jüdischen Zentralbehörde schon seit Kriegsbegirm irr allen jüdischen Gemeinden des Landes in Verbindung mit dern täglichen Abendgottesdienste sogenannte Bittgottesdienste abgehalten, welche an Sabbat- und Feiertagen in Predigt und Gebet und an Werktagen durch Rezitation passender Psalmen ihren warmempfnndcnen Ausdruck finden. Dies veranlaßt aber auch viele dem religiösen Leben sonst fernerstehende Glaubensgenossen, sich unserer jüdischen Gemeinschaft und ihren religiös-rituellen Einrichtungen wieder mehr zu nähern, so daß unsere Bethänser fast durchweg einen zahlreicheren Besuch als früher aufznweisen haben und seitens der Eltern auch dem Religionsunterrichte wieder ein lebhafteres Interesse an einer religiösen Erziehung und Ausbildung ihrer Kinder zngewendet wird. So wollen wir hoffen und wünschen, daß nicht nur während des Krieges die Betätigung dieser edlen Gefühle für Religion und ^Nächstenliebe seitens unserer jüdischen Glaubensgemeinschaft Badens zrrrn ersichtlichen Artsdruck gelange, sondern daß dieselben auch nach Eintritt des von aller Welt so sehnsüchtig herbeigewnnschterr Friedens segensreich weiter wirke und für die spätesten Zeiten Vorhalte znrn Vesten unseres ganzen Judentums. Gklterrkich-AnMrn. z. Wien, 23. Juni. Jrn Alter von 68 Jahren ist nach längeren! Leiden der bekannte Wiener Schriftsteller und Redakteur der „Oesterreichischeu Bolkszeituug" Alexander L a n d e s b e r g gestorben. Der Verstorbene gehörte zu den geschätztesten Vertretern der älteren Wiener Schriftstellerwelt. Mit ernern warm empfindenden Herzen und Persönlicher Liebenswürdigkeit verband er einen Humor, der oft auch boshaft sein konnte. Sein Gebiet war die Theaterkritik und die lokale Plauderei. Seine reiche Erfahrung und seine Beziehungen znrn Theater verliehen ihm eine große Treffsicherheit des Urteils, für welches er stets eine leichte, anmutige Io rar fand. Landesberg .zeichnete sich auch als Theaterschriftsteller ans. Bon ihm wurde eine Anzahl von Operettenbücheru verfaßt, unter denen das erfolgreichste das von Reinhardt komponierte „Süße Mädel" blieb. Sehr gern gelesen wurden seine „Lokalzuastudien" und die Plaudereien ans dem „Souffleurkasten". die er durch viele Jahre in einem Wiener Wochenblatt veröffentlichte. In beiden zeichnete er sich durch reinen, die Dinge treffenden Witz ans. Landesberg wurde am 15. Juli 1848 wr Großlvardein in Ungarn geboren. Irüh roidrnete er sich der Publizistik und gehörte zuerst dem Redaktionsverbande des „Neuen Pester Journals" an. Ein Jahr später kam er nach Wien, wirkte zuerst als Mitglied der „Taaespresse" und gehörte durch ein Bierteljahrhnudert der „Oesterreichischeu Volkszeituug" au. Laudesberg konnte sich manches schönen Erfolges freuen. Seinen Berufsgenossen war er ein lieber, stets hilfsbereiter Kollege. Die Ernennung znrn Ehrenmitgliede der ..Eoncordia" roar ein Beweis der hohen Wertschätzung, die ihm zuteil rvurde. Kolm. z. Lodz, 23. Juni. Ans dern soeben erschienenen Berichte des Jüdischen Haudlungsgehilfeuvereins iu Lodz ist zu ersehen, daß der Verein znrn Schluß des vorigen Jahres >292 Mitglieder zählte: er hat irn Berichtsjahre eine Deeansgabestelle errichtet, Abendkurse eingerichtet und Rechtshilfe sowie ärztliche Hilfe für die Mitglieder geschaffen. Am 1. Januar vorigen Jahres verfügte der Verein über ein Kapital von 498 Rubel 58 Kopeken, int November erhielt der Verein eine Spende vom Hilfsverein der deutschen Inden in Höhe von 2090 Mark. - In Lodz rmd Umgegend richtete am 12. d. Ab ein heftiges Unwetter schweren Schaden an. Durch Blitzschläge wurden mehrere Menschen getötet. Ttrrch Ueberschwemmung hat am meisten die Nordstraße (Pulnocna) gelitten. Irn Hanse Nordstraße 26 fanden die 36 Jahre alte Chaja Ita N o w grob und ihre achtjährige Tochter den Tod. Sie befanden

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