Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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sich beide in einer Kellerwohnung und konnten sich vor den hereinbrechenden Wasserfluten nicht rechtzeitig retten. - Die erste jüdische Kinderküche verabreichte im Monat Mai 21 389 Mittagessen, und zwar 17 605 zum Preise von 2 Kopeken, 1743 an Schulkinder und 2041 unentgeltlich. — In der Kommission zur Aufklärung der jüdischen Bevölkerung über die Anmeldung von Kriegsschäden in Lodz wurde beschlossen, einen Aufruf zu verfassen, in dem * die Ziele der Konunission des näheren dargelegt werden sollen. Zwei Mitglieder der Kommission werden vom Lodzer Bezirkssürsvrgerat um Auskunft über die Fortschritte bitten, die die Arbeiten der Abschätzungskommission bisher gemacht haben, und aus Grund dieser Angaben einen Arbeitsplan ausstellen. — Im Laufe der zwei letzten Wochen erhielt die Unterstützungskomunssion der jüdischen Gemeinde zu Lodz durch Vermittlung des Hilfsvereins der deutschen Juden zu Berlin 186 000 Rubel aus Amerika. Tiefer Betrag ist zur Unterstützung von Heimen, Schulen und verarmten Familien bestimmt. — Laut statistischen Angaben sind bisher aus Lodz nach Deutschland 3 5 000 jüdische Arbeiter ausgewandert. Eine Beschränkung dieser Auswanderung in der letzten Zeit trat insofern ein, als nur kräftige, ausgelernte Handwerker, die außerdem noch einer Prüfung unterzogen wurden, sich in Deutschland ansiedeln dürfen. Von Oah und IFmt Dem Stadtrat Dr. Georg Simons oh n (Berlin), Dezernent für die Riehl- und Brotversorgung von Berlin, ist vom Kaiser von Oesterreich die Eiserne Krone dritter Klasse verliehen worden. — Vizefeldwebel Fritz P r a g e r (Berlin), kommandiert zürn Stab der kaiserlich deutschen Militärmission in Koustantiuopel, erhielt den Eisernen Halbmond. — Die Galerie Ernst Arnold in Dresden hat soeben eine umfangreiche Ausstellung von Handzeichnungen Mar Lieber - mauns eröffnet, die gegen 300 Blätter aus allen Schaffensperioden des Künstlers von 1872 an bis auf die Gegenwart umfaßt und die noch durch 14 Gemälde, teilweise aus Dresdener Privatbesitz, einen besonderen Reiz erhält. - Aus Oppeln wird geschrieben: Zn der Rächt zum 14. Juni verschied nach schwerem Leiden ilnser Gellleindepräses Justizrat und Notar Leopold Eohn. Wie ihm die Gemeindebehörden nachrnfen, „hat er in seinem Berufe rastlos tätig seine großen Kenntnisse und seinen Scharfsinn zum Bestell seiner Klienten verwertet, ein treuer Sohn seiner Heimat, init Eifer, Umsicht und vorbildlicher Treue die Angelegenheiten der Gelneinde gefördert. Dankbar schlugen ihm stets die Herzen derer entgegen, die seine Tätigkeit zu lvürdigen verstanden. Dankbar wird die ganze Gemeinde seiner gedenken." — Rabbiner Dr. Mar Bi ra m in Hirschberg i. Schl, ist alll 22. Juni im 65. Lebensjahre Plötzlich verschieden. - Auf der Heimreise aus Baden-Baden, lvo er nach langer Krankheit vergeblich Genesung gesucht hatte, ist am 20. Juni Rechtsanwalt Dr. Siegfried Levi aus Görlitz im 46. Lebensjahre gestorben. Großadmiral v. Tirpitz richtete anläßlich eines Glückwunsches zu der sieghasten Leistling der deutschen Flotte bei Skagen an Generaldirektor Ballin in Hamburg folgende Depesche: „Aufrichtigsten Dank, möge für Deutschtaud uitb für die dauernden Interessen unserer großen Schiffahrtslinien Ihr Gedanke sich erfüllen, daß wir an b*em nassen Dreieck nicht stehenbleiben. v. Tirpitz." — Zn der in Nr. 24 dieses Blattes veröffentlichten MittelIirna, daß der Borstand der israelitischen Neligionsgemeinde zu Dresden an Stelle des verstorbenen zweitm Rabbiners Dr. Stein den Rabbinatskandidaten Dr. Engen Gärtner gewählt habe, loird uns von gut unterrichteter Seite aus Dresden geschrieben, daß bisher lveder eine Wahl noch sonst eine Besetzung dieser Stelle stattgefuuden hat. Die jüdische Gemeinde in Eisen a ch hat durch den Tod des Herrn Joseph L ö w e n st e i n emen schweren Verlust erlitten. Der Verewigte gehörte über 25 Jahre dem Vorstände der Synagogengemeinde an und bekleidete auch sonst eine Reihe von Ehrenämtern. Er war Mitglied der Handelskammer des Großherzogtums und seit Bestehen des Kauftnannsgerichts dessen Beisitzer. Das Hinscheiden dieses ausgezeichneten Mannes wird in alleil Kreisen der Stadt und Gemeinde aufrichtig bedauert. — Im Alter von 82 Jahren verschied in Hamm a. d. Sieg der Lehrer und Prediger Jsaae Hermann Stamm. Der Heimgegangene wirkte 38 Jahre im Dienste der dortigen Gemeinde und erfreute sich allgemeiner Wertschätzung. - Aus Bayer tal (Baden) wird geschrieben: Ein schrecklicher U uglückssall ereignete sich vorletzten Freitag. Der noch ganz junge Viehhändler M a r r wurde schon seit zwei Tagen vermißt, und nach langem Suchen fand man ihn als Leiche in einem Bache. Eine Untersuchung wurde sofort eingeleitet. Am Sonntag wurde er beigesetzt. Ter große, imposante Leichenzug legte beredtes Zeugnis ab von der allgemeinen Beliebtheit lind Wertschätzung, der sich der Verblichene sowohl bei Juden wie bei Nichtjudeu erfreute. — Die israelitische Neligionsgemeinde Geinsheim hat sich aufgelöst, da jetzt nur noch drei Israeliten hier wohnen. Tie Synagoge, die im Jahre 1845 erbaut ist, wurde verkauft. -- Zum Nabbinatsverweser der jüdischen Gemeinde Buchau wurde Rabbiner Tr. S ch lesin ge r aus Stuttgart bestellt, der die Stelle bereits augetreten hat. - Wie wir der ,,Oest. Wochenschrift" entnehmen, ist der heldenmütige Verteidiger vom Fort Vanx bei Verdun. M a j o r R a t) n a l, der vom Präsidenten Poincarö zum Kvmmandenr der Ehrenlegion ernannt wurde, ein Jude. Er ist ein naher Verwandter des ehemaligen Ministers der schönen Künste Jacques N a y n a l. - Dr. Julius G a b o r, Advokat in Budapest. Amoalt der Pester israelitischen Neligionsgemeinde, der seit Beginn des Krieges als Hanptmann-Andiienr d. R. der Leiter eines Honved- Jnfanterie-Feldgerichts ist und im veraaugenen Jahre für tapferes Verhalten vor dein Feinde mit dem Signum laudis ausgezeichnet wurde, ist neuerdings zum M a j o r - A n d i t o r i. R. befördert worden. — Alis Budapest wird geschrieben: In einem flammenden Aufruf an die ungarische Juden heit regt Oberrabbiner Schreiber (Beregsas) die Einberufung einer größeren Konferenz an, um über Mittel und Wege zll beraten, wie der Verwüstung der Thorastätteu ein Damln ge letzt werden soll. Neben der Idee der loeitestgehendeu Unterstützung der Jeschiwoth, die durch die Not der Zeit fast verödet stehen, soll mul] die Frage eingehend Iicratcn werden, wie es ermöglicht werden sollte, daß alle im Kriegsdienst stehenden sronrmeli jüdischen Soldaten, soweit es nur irgend möglich ist. ritlrell verpflegt und jüdisch versorgt werden. -- In Frankreich ist Mr. Pr uner, Rabbiner von Avignon, zum jüdischen Marineprediaer ernannt worden. Er war vorher ein Jahr Feldrabbiner bei den Dardanellen. — Die jüdischen Internierten in England habeil die Regierung um ihre Freiheit gebeten, mit dem Hinweis darailf. daß airch. die enaliscken Jllden in Deutschland nicht mebr interniert seien. Jbre Bitte blieb unerfüllt. Tie Stadtverordnetenwahleil in Warschau haben eine Reihe heftiger Kämpfe entfesselt. Das Polentiun ist in zahlreiche Parteieil gespalten nild jede einzelne Fraktion mobilisiert und organisiert ibre Wähler. Allster dem ^.ultralwahlkomitee stellen noch die Natwnaldemokrateu. ferner die Tortschrittter und die sogenauute Bereinigte F-ortschrittsvartei ihre Kandidaten aus. Tie jüdische Wählerschaft ist auch in mehrere Lager a.'sebjeden. Die größten südischen Parteien silld die Zionisten lmd die R'at io na listen. In der Arbeiterschaft ist sehr ioenig Interesse für die Wahlen. Das sozialistische Wahlkomitee hat aber ebenfalls Kandö daten ausgestellt lmd außerdem kommen lioch mehrere loilde sozialistisch' Kandidaten hinzir. In den letzten Tagen haben sich mehr Wähler in den Wahlbllrealls eingeflmden, um sich in die Wählerlisteil eintraaeu zll lassen. Bor kurzem loar das Interesse der Wähler ill verschiedenen Klassen lroeb ziemlich flau. — Ans New Port wird cesck rieben: An 60 000 jüdische Schneider des Damenmäntelgewerbes traten am 1. Mai in den Allsstand. Infolge des stallen Geschäftsganges hatten nämlich die Unternehmer den Zeitpunkt für günstig erachtet, die Arbeiter zu drücken ltnb besonders ihre Gewerkschaft zu vernichten. Da aber die Gewerkschaft seit dem letzten großen Ausstande in sechs Jahreil eine beträchtliche Re sende gesammelt hatte, so konnten die Arbeiter mit dem Ausstand antworten. Die Nichtorganisierten Unternehmer begannen bald Verhandlungen, lind anl >2. Mai waren bereits rund 10 000 Arbeiter unter günstigeren Bedingilngen zur Arbeit zurückgekehrt. Die öffentliche Meinung stebt allf der Seite der Arbeiter. Der Allsstand wird wohl darüber entscheiden, ob zu dem „Schwitzsystem" zurückgekehrt werden sott. - Das amerikanische Jewish Eommittee hat sich an die Regierung in Washington mit der Bitte gewandt, sich der türkischen Jllden in Mexiko anzlmehnlen. Diese leideil sehr unter den dortigen unfriedlichen Verhältnissen, besonders in Veracruz. Das Staatsdepartement versprach sein möglichstes zlr hm, um sich dieser Juden anzunehmen. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: M a x I u n g e, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mofse.