Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Tie gering«) Zahl von Zöglingen, die zurzeit beherbergt werden, erleichtert dieses Streben, doch sind die Tore des Heinis weit geöffnet und ist die Direktion jederzeit bereit, alle an sie herantretenden Wünsche um Aufnahme mit Liebe dahin zu Prüfen, daß, sobald es nur mit den Satzungen der Anstalt in Einklang zu bringen ist, die Aufnahme sofort zu erfolgen hat. Tie Zahl der Direktionsmitglieder ist durch die in der diesjährigen Generalversammlung erfolgte Neuwahl des Herrn Bankdirektors Tr. Wilhelm Wolfs wieder ans die statutemnäßige Zahl 10 gebracht worden. Bei Beginn des Jahres befanden sich in der Obhut der Anstalt 19 Knaben, davon besuchten 16 die Schule, 3 befanden sich in der Berufsaus^- bildung; 17 erhielten im Hanse volle Verpflegung, 2 waren aus»- wärts untergebracht und wurden von der Anstalt vollständig unterhalten. Einer größeren Zahl der Schüler war auch in diesem Jahre Freischnle gewährt worden. Der Gesundheitszustand war im abgelaufenen Jahre ein recht erfreulicher. Leichte, rasch vorübergehende Störungen wurden dank der trefflichen Anordnungen des langjährigen Arztes, Herrn Tr. Hugo Ehrl ich, stets schnell beseitigt. Im Sommer wurden, wie in früheren Jahren, wieder zwei schwächliche Knaben zu einer Sol- und Seebadekur in das jüdische Kurhospital zu Kolberg geschickt. Während der Sommerferien hatte die Anstalt den größten Teil der Zöglinge, wie seit Jahren, zu ihren Verwandten beurlaubt. Mit den ehemaligen Zöglingen, die im Felde stehen, war die 'Anstalt in regeln Verkehr. Tie Direktion suchte sie durch mancherlei Zusendungen über Entbehrungen hinwegzuhelfen und ihnen durch Zeichen des Gedenkens und der Fürsorge die schweren Tage und Wochen zu erleichtern. Zur Direktion gehören die Herren: 9t abbin er Professor Tr. Bloch, Vorsitzender, Israel I rieb l a e n d e r, stellvertretender Vorsitzender, Jsaac E o b l i n e r, Sally H a m b u r g e r, Geheimer Jnstizrat I. H o l z m n n n, Amtsgerichtsrat Joseph K a n t o r o w i c z , David P e l t e s o h n, Bankdirektor Sal. S in o c z e tu ski , Hermann Wall h e i m , Bankdirektor Tr. Wilhelm Wolfs: die Ehrendamen: Frau Rosa P r o d n i tz , Frau Lea E a l v a r h , Frau Geheimrat Jenny H e r z, Frau Jeannette H e r tz und Frau Kommerzienrat Jda Wolf s. “ Stolp i. Pornm., 29. Juni. Für den jüdischen Religionsunterricht ist von unserer Stadt sonst ein Zuschuß von 300 Mark geleistet worden, wobei die Anzahl der Schüler 12 betrug. Ta jedoch im letzten Jahre nur 11 Schüler vorhanden waren, ist der Zuschuß vom Magistrat nicht gezahlt worden. Infolgedessen hat die hiesige Synagvgengerueinde sich an den Magistrat mit der Bitte gewendet, den Zuschuß in dieser schweren Zeit weiter zu leisten. Der Magistrat hat beschlossen, wegen der bestehenden Ausnahmeverhnltnisse auch in diesem Jahre den Zuschuß zu zahlen. M. Hamburg, 23. Juni. Im Logenheim (Hartnngstrahe) fand ein? Vollversammlung der Gesellschaft für jüdische Volkskunde zu Hamburg statt. Ter Vorsitzende, Herr Dr. Rieger, erstattete den Jahresbericht. Durch den Krieg ist natürlich der Verkehr mit den Gelehrten des 'Auslandes erschwert gewesen. Infolge der Einberufungen hat die geplante und bereits begonnene wissenschaftliche Beschreibung der Bilder und Einblattdrncke der Sammlung unterbrochen werden müssen. Ein wesentlicher Teil der Sammlungen ist i uz wischen im staatlichen Museum für Völkerkunde in geschickter 'Anordnung zur Aufstellung gebracht. Auch im Berichtsjahre sind die Sammlungen durch Ankäufe und Geschenke um weitere wertvolle Stücke bereichert worden, unter denen neben wichtigen Hamburgensieu beseud.'rs einige althebräische Münzen und Medaillen, unter ihnen eine sehr feltnic Aronsmünze, sonne Amulette zu nennen ftni>. Unmittelbar nach dem Frieden plant die Gesellschaft eine wesentliche Erweiterung und Ausgestaltung ihrer Tätigkeit. An ben Bericht schloß sich eine überaus anregende Aussprache der Mitglieder an, als deren Ergebnis sich im Verfolg einer Anregung des Herrn Tr. R a t h a n der Plan zu einem Zusammenschluß aller jüdischen volkskundlichen Vereine Deutschlands und des neutralen Auslandes und zu einer sogleich nach dem Frieden einzntadenden gemeinschaftlichen Tagung aller dieser Verbände in Hamburg ergab. Beim Eintritt in die Aussprache über die Neuwahlen teilte Herr Tr. Rieger mit, daß er infolge seiner Berufung zum Landesrabbiner von Brannschweig das Amt des Vorsitzenden niederlegen müsse. Durch Zuruf wurden die Herren Rabbiner Tr. L o e in e n t h a l zum Vorsitzenden, L e i b ow i tz zum Kassenwart und 9t s ch e r zum Schriftwart erwählt. In den Ausschuß wurden die Herren Stiel und Architekt Friedrich! Adler neu berufen. Nachdem Herr Dr. Rieger seinen Mitarbeitern herzlichen Dank ausgesprochen hatte, wurde ihm durch Herrn Emil Heckscher die dankbare Anerkennung der Gesellschaft für seine langjährige treue und erfolgreiche Geschäftsführung ausgesprochen. Nürnberg, 23. Juni. Der Verein für jüdische K r a n k e n p f l e g e r i n n e n in R tt r n b e r g (E. V.) versendet feinen Bericht für das Jahr 1915. Unter dem Zeichen des Krieges stand auch die Tätigkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre. Auch in diesem Jahre war es selbstverständliche Ehrensache, den Verpflichtungen, die der Verein sowohl dem Sanitätsamt des 3. Armeekorps wie dem Roten Kreuz gegenüber eingegangen ivar, nachzukommen und wie zu Beginn des Krieges so auch in der Folge einen Teil der Schwestern für die Verwundetenpflege zur Verfügung zu stellen. So waren im Jahre 1915 zehn Schwestern in den verschiedensten Lazaretten beschäftigt. Eine Schwester war der städtischen Kriegsfürsorge überlassen und leitete das vollständig von Kindern der Feldznasteilnehmer belegte Erholungsheim in Büg während des ganzen Jahres. Alle Schwestern erfüllten freudig und gern diese Aufgaben und unterzogen sich ihrer Pflicht zur vollen Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten. Nur drei Schwestern standen durch diese Kriegstätigkeit dem eigentlichen Dereinszwecke zur Verfügung. Daß sie ihre Schuldigkeit taten, beweisen die folgenden Zahlen: in 63 Pflegestellen leisteten diese drei Schwestern 90 Vollpflegen, 260 Tagpflegen und 408 Nachtpflegen. Außerdem wurde bei fünf Operationen assistiert. wurden 205 Armenbesuche gemacht und in 238 Fällen ambulante Hilfe geleistet Aus dem Schwesternverbande schieden zwei aus. An Stelle der erkrankten Frau Oberin trat vertretungsweise Schwester R e ch a S t r a u ß, die sich der Schwestern und des umfangreichen Hauswesens annahm und sich durch ihre Pflichterfüllung als Leiterin des Heims den Dank der Verwaltung verdiente. Der Verein ging aber dadurch für einen großen Teil dieses Jahres der Arbeit dreier Schwestern verlustig, und empfand diesen Ausfall um so schmerzlicher in der Privatvslege, als ein Ersatz für diese während des abgelaufenen Jahres nicht zu beschaffen war. An Versuchen, neue Schülerinnen für den Schwesternbernf zu gewinnen, hat es auch in diesem Jahre nicht gefehlt: aber von 26 Mädchen, die sich gemeldet Haben, konnten nur drei als bestgeeignet zur Ausbildung in Breslau an gemeldet werden. Da das Schwesternheim schon jetzt viel zu klein zur Aufnahme aller Schwestern ist und der Ausweg, eine benachbarte Wohnung hinzuzumieten, sich nicht als sehr glücklich erwiesen hat, so hat der Vorstand deshalb den Gedanken eines neuen Sebivesternheims auch im Berichtsjahre eifrig verfolgt und ein äußerst günstig gelegenes Terrain fi'rr den Bau eines solchen vorsorglich erworben. Eine außerordentliche Miteliederversammlnng am 12. Oktober hat die für den bezeichveten Zweck notwendige Satzungsänderung gntgeheißen und so die Verwaltung in die Möglichkeit versetzt, narb dem Kriege nicht nur ans dem erworbenen Grundstück ein Schwesternheim, sondern auch im Anschluß daran eine kleine rituell geführte Klinik zur Ilnterbrinanng von Kranken aller Konfessionen, für deren Errichtung ia gewiß ein Bedürfnis vorlieat. zu erbauen. Einer in jener Mitgliederversammlung reaebenen Anregung zufolge wurden zu den bereits erworbenen 30 000 Ouadratstiß noch weitere 10 000 hinzugekauft: ein Terrain, da? den Verein in den Stand setzt, Schwesternheim und Klinik jederzeit nach Bedürfnis zu erweitern, und das groß genug ist. um auch dann noch Raum für einen schönen Garten zu erübrigen. Daß das aanze Projekt in den Kreisen der Mitglieder freundliche und zustimmende Beurteilung findet, beweisen die aroßen und kleinen Spenden, die, ohne daß bis jetzt eine ätlaemeine Sammlung für diesen bstreck eröffnet worden wäre, schon so zahlreich eingelaufen sind, daß der Preis für das Banterrain in bar befahlt werden konnte. Ten Reigen eröffnete mit einer größeren Stiftung Herr Martin N. Fe ebbeimer. ihm folgte eine stattliche Zahl namhafter Zuwendungen für diesen Zweck. Zn besonderem Tanke verpflichteten den Verein Herr und Frau Geheimrat Ludwig v. G e r n g r o ß, die ein dem Verein für den Falt ihres Ablebens zuaedachtes Legat in der Höhe von 30 000 Mark jetzt schon in 31e? prozentigen bayerischen Staats- Papieren zur Verfügung stellten: eine Abordnung des Vereins dankte dem Stifterehepaare für diesen Beweis hochherziger Gesinnung. Bei der in Berlin tagenden Versammlung des Deutschen Verbandes jüdischer Krankenpflegerinnen am 21. November 1915 war der Verein durch seinen Vorsitzenden und einige Vorstandsdamen vertreten. Die daselbst verhandelten, teilweise sehr wichtigen und interessanten Fragen,