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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-30 · Heft 26 (30.6.1916) · p. Seite 312

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 26 (30.6.1916)
Date
1916-06-30
Page
Seite 312 (sequence 12)
Language
German
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m Hauptstelle vertretenen Bestrebungen jetzt' allgemein von den Behörden ausgenommen werden; die Tätigkeit der Hauptstelle wird dadurch selbstverständlich nicht überflüssig, mutz sich aber, wie von vornherein betont, zum Grundsatz machen, weder mit den allgemeinen Bestrebungen noch mit dem Tätigkeitsgebiet der bereits bestehenden jüdischen Organisationen in überflüssigen und schädlichen Wettbewerb zu treten. Tie Verhandlungen und Ermittlungen der Hauptstelle haben nun ergeben, daß, soweit es sich um reine Arbeitsvermittlnng für gelernte und ungelernte Arbeiter, für Gesellen, kaufmännische und technische Angestellte handelt, wenigstens für Groß-Berlin die bisherigen Arbeitsnachweiseinrichtungen ausreichen. Es ist deshalb auch die örtliche Beratungsstelle für Groß-Berlin mit dem Verein für Arbeitsnachlveise E. V., begründet von den Berliner- Logen U. O. B.B., Berlin N, Monbijouplatz 10, verbunden worden. Tie Tätigkeit der Hauptstelle für erwachsene unselbständige Arbeitnehmer aller Art wird sich hier im wesentlichen darauf erstrecken müssen, neue Beschiistiguugsmöglichkeiten zu eröffnen, insbesondere aber den jüdischen Arbeitsuchenden den Zugang zn Betrieben zu ermöglichen, die ihnen bisher, gleichviel aus welchem Grunde, verschlosfen waren. Hierzu kann gerade durch die Mitarbeit unserer Anhänger viel geschehen. Es wird sich z. B. jetzt darum handeln, einer größeren Reihe von Kriegsteilnehmern, die lvegen nervöser Schädigungen, Kopfwunden usw. ihre kaufmännische Tätigkeit in Großstädten aufgeben wollen oder müssen, geeignete Arbeitstätigkeit in ruhiger, ländlicher Umgebung zu ermöglichen. Hierbei wird zugleich vielfach Uebergang von kaufmännischer zu mehr körperlicher Arbeit in Frage kommen. Wir wären daher unseren Mitgliedern zu besonderem Tank verpflichtet, wenn uns aus ihren Kreisen nach dieser Richtung geeignete Fingerzeige zuteil werden könnten, denn naturgemäß kann das, was die Hauptstelle an Rat erteilen kann, nur auf den Erfahrungen der Gesamtheit ihrer Mitglieder beruhen. Wichtigere Aufgaben in gleicher Richtung bestehen aber hinsichtlich der selbständigen Handwerker, Kailfleute und Angehörigen der freien Berufe, die aus dem Kriege zurücktehren. Hier wird es sich vor allem um Beschaffung geeigneter Riederlassungsmöglichkeiten, teilweise auch um die Beschaffung von Mitteln zu geeigneter Niederlassung handeln. Auch hier wären wir allen unseren Mitgliedern zu großem Tank verpflichtet, wenn sie uns alsbald aus Existenzmöglichkeiten in der Provinz aufmerksam machen würden. Inwieweit daneben noch die Errichtung besonderer Orgauisatwnen zur Befriedigung des Kreditbedürsnisses für jüdische Handwerker nötig und erstrevenslvert ist, ist gegenwärtig Gegenstand der Erörterung. Hinsichtlich der Beanrtenlaufbahn suchen die Regierungen im allgeineinen den schon an sich bestehenden übermäßigen Zudrang der Kriegsverletzten möglichst einzudümmen. Es besteht daher zunächst keine Aussicht, daß etwa einer größeren Zahl jüdischer Kriegsverletzter ohne besondere Vorbildung mit Hilfe der Kriegsverletztenfürsorge staatliche Anstellung verschafft werden kann. Trotzdem sind aber, lvie unsere eingehenden Vorarbeiten und- Ermittlungen ergeben haben, die Aussichten für eine Betätigung der Hauptstelle in der Richtung aus die Beamtenlaufbahn keineswegs aussichtslos. Zungen Leuten mit der erforderlichen Vorbildung, die auch bereit sind, die sonstigen vorg-eschriebenen Vorbedingungen zu erfüllen, bietet die Beamtenlausbnhn auch jetzt noch günstige Aussichten. Allerdings kommt hierbei in Frage, daß in der Regel ein bestimmtes Mindestalter und ein mehrjähriger Vorbereitungsdienst, sei es unentgeltlich, sei. es gegen geringe Entschädigung, vorgesehen sind. Für Kriegsbeschädigte wird daher von der mittleren Beamtenlausbahn tvohl nur die Gcrichtsbeamten- und Kommunalbeamtenkarriere in Frage kommen, und auch diese nur für solche, die eitle höhere Schulbildung besitzen ilnd sich höchstens im Anfang der zwanziger Jahre befinden. Uni so mehr kommen aber junge Leute unmittelbar nach dem Abgang von der Schule in Betracht. Wir bitten, geeignete Bewerber zu veranlassen, daß sie sich schriftlich unter Beifügung eines Lebenslaufes direkt an uns wenden. Für Befähigte ist uns auch bereits die Möglichkeit gegeben, durch Stipendien den Unterhalt während des erforderlichen- Snpernumeriats zu erleichtern. Eine großzügige Organisation der Jugendberatung im Sinne unserer Bestrebungen befindet sich noch im BorbereUungsstadium, ebenso auch die Organisation von Maßnahmen auf dem Gebiete des Siedlungswesens und der Hausindustrie. Hocha chtu n gsvoll ergeben st P t o k k e, Tr. B a u m, ' L e w i n, Kgl. Gewerberat, Rechtsanwalt, Oberingenieur, Vorsitzender. Schriftführer. Kassensührer. * Hauptstelle f ü r Berufsberatung der Juden. Betrisst: Anwärter für die Laufbahn Berlin, im Mai 1916. der Werftverwaltersekretäre. Steglitzer Straße 9. Die Kaiserliche Werft zu Kiel sucht durch Zeitungsinserate A n - Wärter für die Laufbahn der Werftverwaltungssekretäre. In Frage kommen kriegsinvalide Offiziere oder k r i e g s i n v a l i d e E i n j ä h r i g e mit kauf m ännischer V orbild u n g oder mit höherer Schulbildung (Primareise oder mehr), die noch eine ausreichende körperliche Rüstigkeit besitzen. Bewerbungen sind unter Beifügung von Lebenslauf, Schulabgangszellguis, Zeugnis über etwaige kaufmännische Lehrzeit, Militärpapiereu lPaß, Führungszeugnis) und polizeilichem Leumundszeugnis an die Kaiserliche Werft z u K i e l einzureicheu. Es liegt im Interesse der Hauptstelle und der von ihr verfolgten Bestrebungen, daß möglichst zahlreiche geeignete Bewerber zur Meldung veranlaßt werden. Es wäre uns erwünscht, m ö g l i ch st b a l d von der Tatsache solcher Meldungen und dem Ergebnis d e r s e l b e n Nachricht z n bekommen. Tie Hauptstelle ist gern bereit, schriftliche Anfragen über die in Betracht kommenden Einzelheiten zu beantworten. In dein Bewerbungsschreiben an die Werst ist natürlich eine Bezugnahme auf die Hauptstelle nicht angängig. Als kaufmännische Vorbildung dürfte namentlich Tätigkeit in Engrosgeschäften für Oele, Fette, Farben, Eisen und Stahl, Metalle, bearbeitete Metallwaren, Weberwaren, Filz, Werkzeuge in Frage kornmen. Wir wären Ihnen zu Tank verpflichtet, wenn Sie die Hauptstelle nach dieser Richtung in ihren Bestrebungen unterstützen würden. Hochachtungsvoll ergebenst Dr. Bau m, Schriftführer. * Tie oerehrliche Redaktion wolle mir zu dem Streitpunkte im Sprechsaal der Nummern 22 und 24 das Wort gestatten: Vom ethischen Standpunkt aus betrachtet sind Töten und Morden konträre Begriffe. Mau tötet ein Tier, tötet einen Feind, der einen auf Tod und Leben angreift; der Staat tötet einen Menschen, der ein tvdeswürdiges Verbrechen begeht. Das widerrechtliche, gewaltsame Töten eines Menschen heißt aber Morden. Für das Töten im erstereu Sinne wird im Hebräischen bald harag, bald muth (in Hiphilssorm) gebraucht; im letzteren Falle jedoch: razach. Lö tirzach heißt ausnahmslos: du sollst nicht morden, und Rozeach ausnahmslos: Mörder; in den Stellen jedoch, wo, wie besonders im 4. Buch Moses, Kopitel 35, von Unvorsätzlichkeit die Rede ist, wird der Totschläger nach dem e r ste n Eindruck und Anschein seiner Tat als m u t m a ß l i che r, v e r m e i n t l i ch e r Rozeach bezeichnet rHJH 1*7017 Hl? tODEfäb „b i s er vor der Gemeinde gestanden zu Gericht" (4. Buch Moses, Kapitel 35, 12). Mt ergebener Hochachtung Berlin, den 18. Juni 1916. Rabbiner Dr. L. Pick. Mit vorstehender Bemerkung ist die Diskussion über den Nordenschen Artikel für uns geschlossen. D. Red. * Tie in der Besprechung meines „Bincenz-Liedes" in Nr. 23 der „A. Z. d. I." wiedergegebene Uebertragung der ersten Strophe des Ori'ginalliedes von Elchonon bar Awrohom entspricht nicht den vorher abgedruckten ersten Zeilen „Ein schön Lied" usw. Diese sind vielmehr eine Vorrede bzw. Widmung des Verfassers, von mir der originellen Sprechweise lvegen an die Spitze des Liedes gestellt. — Die 103 Strophen des Liedes selbst sind natürlich achtzeilig, genau lvie das alte Pavier-Lied, und meine Uebertragung entspricht in ihrem Rhythmus durchaus dem dieser Melodie, die aus diesem Grunde auch meinem Schriftchen Leigefügt wurde. .Um diesen Rhythmus, beizubehalten, mußte auch manche Härte in meiner fast wörtlichen Uebertragung in den Kauf genommen werden. I. B. Levy, Frankfurt a. M.

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