Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- Seite 311 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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311 Rosa Dukas: Die Motive der preußischen I:: d e n e m a n z i p a t i o n von 1812, mit besonderer Berücksichtigung zu den Ideen der Indengesehgebung der französischen Revolution. Verlag von Louis Lamm, Berlin. Als Resultat ihrer Urrtersuchnirg gibt die Berfasserin selbst an: „Vergleichen wir jetzt das endgültige Gesetz mit dein ersten Ranmerschen Entlvnrs hinsichtlich unserer prinzipiellen Frage, so ergibt sich, daß alle Bestimmungen, die bei Raumer das Prinzip der Gleichberechtigung durchbrochen hatten und die frühere Resornrtendenz vertraten, im Edikt vom 11. März 1812 nicht mehr vorhanden sind. Ter Grundsatz der völligen Gleichberechtigung hat sich durchgefetzt. Tie Bestimmung des 8 9 des Edikts, wonach über die Zulassung der Juden zu S'taatsämtern besondere Verfügungen getroffen werden sollen, ist im wesentlichen die einzige deutliche Erinnerung an die vorhardenbergische Auffassung der Iudenreform." Rach ureiner Kenntnis des Materials ersct'-eint mir das Resultat nicht sonderlich neu. Während die Verfasserin als das Originelle ihrer Auffassung .angibt, daß sie nicht wie die Früheren glaube, daß die preußische Reform durch die Ideen der französischen Revolution beherrscht gewesen sei, kann ich mich nicht überzeugen, daß es ihr gelungen sei, die bisherige Auffassung zu widerlegen. Einen Einfluß jener Ideen gibt ja schließlich auch die Verfasserin zu, wie jede Revolution :ti:b Reform ähnliche Beweggründe hat; andererseits haben auch wir, z. B. Philippen und ich, einen gewissen Gegensatz zwischen Revolution und Reform nicht völlig in Abrede gestellt. Aktenmüßig lassen sich solche Zusammenhänge und Gegensätze überhaupt nicht erweisen. Uebrigeus hat die Verfasserin, soweit ich sehen kann, neues Attenmakerial nicht benutzt. Ich will die fleißige Durchdringung ihres Stoffes keineswegs in Abrede stellen, kann aber nicht zngeben, daß durch ihre Darlegung die Sache wesentlich gefördert ward. Frontb c r i ch t e ei n-e s R e :: t r a l e n. Bom schweizerischen Rtnjor Tauner. 2. Galizien und Bukowina. Mit Bildern des Verfassers. Verlag August Scherl G. m. b. H., Berlin. Das Buch gibt ein anschauliches Bild von den furchtbaren Greueln, die die Russen in Galizien uno der Bukowina verübt haben. Für unsere Zwecke hauptsächlich wichtig ist der Jlmmmio" überschriebene Abschnitt S. 124 -140. Was hier über das Schicksal des Juden Solomon berichtet wird, ist geradezu herzzerreißend. Ter Berichterstatter sagt selbst, daß er von dein Kommandanten des österreichisch-ungarischen Armeekorps mit dem Auftrag betraut worden sei, die Sache zn untersuchen, und fügt hinzu S. 130: „Mir wurde diese Ehre zuteil. In höchstem Maße empört, unterziehe ich mich der schweren Aufgabe, die ich mir gestellt habe, durch ein schweizerisches Blatt auf Grund meines Augenscheins-, meiner Unterredungen mit Augenzeugen und anderen Betroffenen, auf Grund schließlich des amtlichen Protokolls üben die Aussagen Vereidigter der Presse zu Händen der ganzen gesitteten Welt bekanntzugeben, welche Schandtaten Angehörige der russischen Armee in Komarno und anderswo verübt haben. Ich will, nachdem ich zur Einleitung den Israeliten Herrn Salomon B. sein Erlebnis schildern ließ, wie er es vor Zeugen mir erzählte, versuchen, die Tatsachen wiederzugeben, ohne meinen persönlichen Empfindungen Lauf zu lassen, und ich bin in der Lage, meinen Bericht durch einige selbstgemachte Lichtbilder zu erhärten. Ich erachte es als meine Pflicht an der Menschheit, diesen Bericht zu schreiben und ihm möglichst weite Verbreitung zu wünschen, besonders in Rußland, nachdem die gemeinen Verbrechen von K-omar.no und die Untaten, der Bandalismus in dieser Stadt, in Szczerzec, Bobrka und Swirz zu meiner Kenntnis gelangt sind." Ter Verfasser gibt dann einen genauen Bericht über alle die scheußlichen Untaten, die von den Russen in benachbarten Städten und Flecken verübt worden sind. Was hier erzählt wird, ist so grausig, daß die Feder sich sträubt, alle Einzelheiten niederzuschreiben. Aber das Ganze ist ein Dokument, das, da es von einem Neutralen herrnhrt, auch von den geschworenen Feinden nicht als übertrieben erachtet werden kann. Und solche Horden werden von den sogenannten Kulturträgern: als Verbündete angesehen. Es ist eine ungeheuere Schmach, und man muß dein Berichterstatter dankbar sein, daß er eine solche ohne Schonung enthüllt. L. G. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Vierzehnter Geschäftsbericht (1915) des Hilfsvereins der Deutschen Juden, erstattet der Generalversammlung am 9. April 1916. Berlin 1916. Siegbert Feuchtwnnger: Tie wissenschaftliche und die politische Judenfrage. Aus „Zeitschrift für Politik", Juniheft 1916. Israels Kriegsgebet (M. Z.) für Sopransolo, gemischten Chor und Orgel, komponiert von Otto Wernicke. Verlag A. L. Ernst, Wiesbaden. Das Buch von den polnischen Juden, herausgegeben von S. I. Agnon und Ahron Eliasberg. Jüdischer Verlag, Berlin, 1916. Marlin Buber: Tie Jüdische Bewegung. Gesammelte Aussätze und Ansprachen 1900 bis 1915. Jüdischer Verlag, Berlin, 1916. Achad Haam: An: Scheidewege. Zweiter Band. Ans dem Hebräischen von Tr. Harry Torczyner, Privatdozent an der k. t. Universität Wien. Jüdischer Verlag, Berlin, 1916. Fledermäuse. Sieben Geschichten von Gustav Meyrint. Leipzig, Kurt Wolfs Verlag, 1916. Volkscharakter und Kriegspolitik in Frankreich, Rußland, England. Von Robert W. Horn. Heft 9 der „Kri-egspolitischen Einzelschriften". Berlin W 1916. E. A. Schwetschte u. Söhne, Verlagsbuchhandlung. Vom inneren Frieden des deutsche:: Volkes. Ein Buch gegenseitigen Verstehens und Vertrauens, herausgegeben von Friedrich Thimme. 2 Bünde. Verlag vor: S. Hirzel in Leipzig. 1916. Der Rabbi von Snwalki. Novelle von S. Schachnowitz. Band 17 und 18 ans der Jüdischen Volksbücherei. lKriegsschriftenserre Nr. 3 und 4.) Frankfurt a. IR. Bulotinnl Saronului Mai 1915 bis Mai 1916. Bucuresti, Tip. „Frogresul“, Str. Isvor 56. Tätigkeitsbericht des Hilfskomitees für die Flüchtlinge ans Galizien rmd der Bukowina in Autzig a. E. Unter Leitung des Obmannes Oscar Pick, Vorstehers der israelitischen Kultusgemeinde. Erstattet vom Schriftführer Rabbiner Tr. Arthur Rosenzweig in Außig. Selbstverlag. Paul Oldendorfs: Das Opfer. Blätter für Suchende aller Bekenntnisse, Heft 7. Verlag Friedr. Andreas Perthes A.-G. Gotha 1916. Sprrchlsal. Von der Hauptstelle für Berufsberatung der Juden erhalten wir folgende Zuschrift: Berlin W, in: Dutt 1916. Steglitzer Straße 9. Sehr geehrter Herr! Die Hauptstelle hat mit dem 1. März 1916 in den Räumen des Verbandes der deutschen Juden, Berlin, Steglitzer Straße 9, ei:: vorläufiges Bureau eingerichtet, in welchem durch ihren Sekretär täglich nachmittags von 4^ bis 6 Uhr Sprechstunden abgehn lten werden. Das Bureau verfolgt die einschlägige Literatur und sammelt das Material mit Hilfe einer Kartothek. Eine liebersicht der für unsere Zwecke in Betracht kommenden jüdischen Stiftungen und Vereine und eine Sammlung ihrer Satzungen und Jahresberichte werden angelegt. In nächster Zeit soll die Hauptstelle den: Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens angegliedert und das Bureau nach dessen Räumen verlegt werden. Es sind Fachausschüsse eingerichtet: a) für gelernte und ungelernte Arbeiter, b) Handwerker, c) Känslente, d) Techniker, e) freie Berufe, Juristen, Mediziner, Philologen ufw., s) Beamte, ferner auch Ausschüsse für Hausindustrie und für Zugendberatung. Tie Errichtung von Ausschüssen für Landwirtschaft und Siedlnngswesen ist in Aussicht genommen; auch die Errichtung eines besonderen Ausschusses für Berufsberatung der Frauen steht bevor. Die Erlasse der preußischen Minister betreffs Berufsiberatung der Kriegsteilnehmer und Kriegsverletzten Zeigen, daß die von der