Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1916)
- Date
- 1916-06-30
- Page
- Seite 309 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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.'509 - mtd), du heißt Malta. Aber sage mir bloß, wie kann man mit solchen blitzenden Augen und einer solchen hübschen Larve einen solchen abgeschmackten Namen haben?" „Malta bedeutet ja .Königin', lächelte sie mit schwerem Herzen, bemüht, ihn bei guter Laune zu erhalten. „Wirklich! Das ist ja wunderschön. Ich werde dich auch zur Königin von Jerusalem machen." Er versuchte bei diesen Worten, sie an sich zu pressen; allein bei seinem Schwanken »nd bei ihrer schlangenhaften Geschmeidigkeit war sie bald seiner Umarmung entschlüpft. „Sei nicht zimperlich, Königin von Saba. — Aber, nein, dieser Name gefällt mir auch nicht. Ich glanbe, diese Königin hat einmal einen Judenkönig durch allerlei Rätsel und Hexenzauber gehänselt und an der Nase herumgeführt. — Das aber darf mir nicht Passieren; deshalb werde ich dich „Lied der Lieder" nennen; das ist doch auch etwas aus eurer alten Bibel, und du bist das schönste Lied, das je in Weiberröcken herumlief." „Wollten Sie mir nicht etwas Wichtiges uritteilen?" suchte sie ihn auf andere Gedanken zu bringen. Er schluckte erst wieder ein paarmal, ehe er ihr antworten konnte: „Ach, ja; ich will dich zu meiner Vertrauten machen. Willst! du, Lied der Lieder?" Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr! er fort: „Mir will es in Ditomsk nicht mehr gefallen. Ich kam i her, um urich mit meiner Cousine zu amüsieren; aber ich fühle j mich ganz erbärmlich hier." „Ihre Cousine vernachlässigt Sie wohl?" fragte sie halb; belustigt. l „Ich bin schrecklich in sie verliebt, aber die Hexe will nichts j von mir wissen; ihr steckt der andere Kerl im Kopfe." „Welcher Kerl?" fragte Malka, die jetzt aufmerksam wurde. „Ich habe noch keinen anderen Herrn im Schlosse bemerkt." „Endlich hast du ein vernünftiges Wort gesprochen, Lied der! Lieder. Er ist ja auch gar kein Herr und nicht wert, daß man! überhaupt von ihm nur ein Wort spricht. — Aber, weiß der 1 Kuckuck, sie liebt ihn doch." „Wen meinen Sie denn?" „Nun, den Schreiber, den Schmulikof." i Er konnte das stolze Lächeln nicht sehen, das ihren Mund; bei Nennung dieses Namens umspielte, und wenn er es gesehen,! würde er es nicht verstanden haben. Was mochte denn dieser j Trunkenbold sonst erwartet haben? War es denn nicht ganz! natürlich, daß jede Frau Gabriel, ihren Gabriel, lieben! mußte? — Dann aber fühlte sie, wie eine eisige Hand ihr Herz j erfaßte. j „Und — und — erwidert er ihre Liebe?" fragte sie leise. „Wie, zum Teufel, soll ich das wissen? Er ist stumm und verschlossen wie ein Stockfisch. Aber dir scheint es auch leid zu tun; denn neulich, bei der Fähre, habe ich wohl bemerkt, wie! du ihn angeblitzt hast. Aber gräme dich nicht; du sollst dess halb nicht zu kurz kommen. Ich will dir sogar die Wahl überj lassen." „Welche Wahl?" fragte sie verständnislos.! „Mache doch nicht ein so einfältiges Gesicht. Einen vvn s uns beiden sollst du in jedem Falle haben. Schmulikof oder mich." Ihr Erstaunen nahm zu und sie starrte ihn sprachlos an. „Das ist doch ganz einfach," rief er ungeduldig; „ich habe inir schon alles überlegt, denn ich Pflege meinen Schätzchen keine Tränen nachzuweinen. — Wenn ich dich zu meinem Liebchen nehme, dann kann sich Schmulikof mit Alma zusaminen aufhängen. Willst du aber doch weiter noch nach dem Schreiber angeln, dann mußt du dich besser ins Zeug legen, damit mir der Weg zu Alma frei wird." Ein Wirbel tausendfacher Gedanken schwirrte in ihrem Kopse herum und sie war keines Wortes fähig. „Steh' doch nicht da wie eine Ente, der man den Kopf abgehackt!" rief er erbost, sie zugleich brutal rüttelnd. „Ich dachte — ich — wollte —" stotterte sie in ohnmächtiger Wut über seine Gemeinheiten, ohne den Satz vollenden zu können. „Wenn es der andere sein soll, dann sage es nur gleich; ich werde mich zu trösten wissen. Ich will es dir auch sagen, daß ein Dutzend deinesgleichen nicht so viel wert ist wie der eine Fuß von Alma. Aber das sage ich dir, eine von euch beiden muß ich haben; ich habe keine Lust, mich noch länger hier zu langweilen. Ein bißchen Spaß muß jeder Mensch haben. — Solltest du aber doch mich wählen, dann fahren wir zusammen nach Petersburg, wo du Schmuck, Kleider und anderen Weiberkram in Hülle und Fülle haben sollst. Du brauchst nicht mit dem Kopf zu schütteln; denn wenn ich auch kein Geld habe, so gibt es Juden genug, bei denen inan aus Nimmerwiedergeben borgen kann, die es sich noch zur Ehre rechnen können, wenn ein Offizier überhaupt mit ihnen spricht. Du wirst dort ein lustiges Leben führen. Meine Kameraden sind auch keine Kostverächter, und schließlich schaffen wir dir einen strammen Dragoner, der dich nachher vom Flecke weg heiratet. Nanu, was ist denn los mit dir?" (Fortsetzung folgt.) Mistrllen. 1. Sin zeitgenössisches Urteil über „Urtel A costa Mitgeteilt Volt L. G. In den Briefen von Bernhard Beer, dem bekannten jüdischen Privatgelehrten, der in Dresden lebte, und seiner Gattin, die beide mit Leopold Zunz und dessen Gattin befreundet waren, findet sich das nachfolgende Urteil über Gutzkows „Uriel Aeosta", das sowohl der Urteilenden als des beurteilten Werkes wegen auf allgemeines Interesse Anspruch machen dürfte. Es mag hier ohne Kommentar folgen. Beer war mit dem in Dresden lebenden Gutzkow sehr gut bekannt, ebenso mit Berthold Auerbach, welch letzterer vor seiner Verheiratung und auch später nach seiner zweiten Ehe längere Zeit in Dresden zubrachte. Ich füge daher die über Berthold Auerbach handelnde Stelle bei und bemerfc, daß auch in den von Znnz an andere gerichteten Briefen während der vierziger Zähre sich ein, wie inir scheint, unbegründetes Mißtrauen gegen Berthold Auerbachs Treue zu seinem angestammten Glauben kundgibt. Beers waren es, die Zunzens Vorurteil gegen Berthold Auerbach glücklich bekämpften. Die Notiz über Auerbachs Verlobung bezieht sich auf seine erste Verlobung mit Auguste Schreiber in Breslau, der Tochter von Moritz Schreiber, eines hochgeachteten, für das Judentum eifrig wirkenden Mannes. Die fernere Stelle über Gutzkows politische Broschüre mag, da sie über denselben Schriftsteller handelt, obgleich sie mit dein „llriel Acosta" nichts zu tun hat, gleich hier beigesügt werden. Charakteristisch ist der Zorn Beers über das Wort „beidlebig", der ziemlich nngerochtfertigt ist, denn es wird schon bei Grimm als ein richtiges und kennzeichnendes Wort genannt und als Belag dafür eine Stelle von Goethe angeführt. Uebrigens mag hier bemerkt werden, daß die vollständig erhaltenen Briefe des Beerschen Ehepaares an Zunz wichtige Dokumente zur Erkenntnis der Zeit sind und besonders geeignet, das persönliche Verhältnis beider Paare zu illustrieren. Die Briese der Frau Bertha Beer sind voll von persönlichen Notizen, enthalten aber manches Literarische; die Briefe Bernhards sind angefüllt mit gelehrten Bemerkungen, gehen aber auch vielfach auf allgemein Politisches ein und enthalten nicht unwichtige Beiträge für die innere Geschichte des Judentums, indem sie teils über die Neuordnung der Verhältnisse der Juden in Sachsen, teils über die Neformbestrebungen sprechen. Bei Beers konservativer Richtung ist es natürlichdaß diese Aeußerungen der Nesormbestrebungen nicht günstig sind. Dies geht namentlich