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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-23 · Heft 25 (23.6.1916) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 25 (23.6.1916)
Date
1916-06-23
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Airaft erhalten bleiben; möge ihm dereinst das goldene Reis winken, lom Meister des Gebetes! 2XD Essen a. d. Ruhr, 16. Juni. Am 5. d. M. verstarb hier Herr i oses Hirschland, Begründer und Seniorchef der von ihm zu! oher Blüte gebrachten Getreidefirma H i r s ch l a n d u. Franken- > ein. Der Verewigte hat in stiller und geräuschloser Weise viel Wohltätigkeit geübt. Er wurde nach einer erhebenden Feier im 'terbehause, bei welcher H^rr Rabbiner Dr. Samuel die Trauerede hielt, als alter Kriegsteilnehmer aus dem Jahre 1870/71 unter em Geleit und dem Ehrensalut des Kriegervereins auf dem israelischen Friedhof im Erbbegräbnis der Familie bestattet. &&& Hannover, 16. Juni. Wie aus dem soeben erschienenen Rechenschaftsbericht über die Verwaltung des Wohltütigkeitsvereins »er Synagogengemeinde Hannover im 154. Jahre seines Bestehens rsichtlich ist, betrugen im Geschäftsjahre 1915 die Einnahmen 4 211,74 Mark, die Ausgaben 36 506,44 Mark, so daß ein Kassenestand von 7705,30 Mark verblieb. Das feste Vermögen des Vereins etrug Ende 1915 240 019,80 Mark. In diesem Betrage sind 48 000 Mark enthalten, wofür der Verein dauernde Verpflichnngen übernommen hat, während die Zinsen der Landrabbinerr.-Gronemann-Stiftung dem Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann ur freien Verwendung für die Zwecke des Vereins gezahlt sind, interstützt wurden 71 hiesige und auswärtige Kranke. Das rn mserer Gemeinde segensreich wirkende israelitische Krankenhaus ibernahm wiederum die Pflege von 22 armen jüdischen Kranken litt 485 Verpslegungstagen, der Verein zahlte detnselben einen Beirag von 2000 Mark; an andere Krankenhäuser 477,95 Mark, für Rilchversorgung 983,10 Mark und weitere 150 Mark an den Verein yema.liger Religionsschülerinnen für gleiche Zwecke, ferner an das ndische Genesungsheim in Meran 30 Mark und dem Verein für 4riegsverstümmelte 30 Mark. Zu Bade- bzw. Erholungsreisen hat der Verein gemeinschaftlich mit dem israelitischen Frauenverein .'9 Personen entsandt und einen Zuschuß von 2482,31 Mark gewährt, ]\\ welchem auch die Erträgnisse der Jacob Berlinerschen Stiftung ür Herz- bzw. Lungenkranke, sowie der Hugo Meyerschen Stiftung Dir Kranke und Rekonvaleszenten verwendet worden sind. Als Zuchuß zu den Unterhaltungskosten der Gemeindeschwester Gertrud Schwerin bewilligte der Verein dem israelitischen Frauenverern iOO Mark. Der Verein zählte am 31. Dezember 557 Mitglieder und >8 beitragende Frauen. Im Jahre 1914 wurden aus dem israelitischen Friedhofe beerdigt 25 Männer, 22 Frauen, 3 Knaben und l Mädchen, im ganzen 54 Personen: davon gehörten dem Verein >9 als Mitglieder an und 14 waren Frauen von Mitgliedern: ferner - Totgeburten: aus Kosten des Vereins wurden 10 Leichen bestattet. Rach außerhalb überführt wurden 9 Leichen. Auch im abgelaufenen Berichtsjahre, so wird in dem Bericht ansgeführt, hat der verheerende Krieg in unserer Gemeinde viele blühende Leben vernichtet, unsägliche Trauer in zahlreiche Familien hineingetragen. Die Zahl derjenigen, welche ans unserer Gemeinde hinausgezogen ltnb in Feindesland den Heldentod gestorben, ist seit Beginn des Krieges bis deute auf 63 gestiegen. Leider ist noch immer nicht die Zeit gekommen, wo wir unser im vorjährigen Bericht kundgegebenes Vorhaben ausführen können, den gefallenen Söhnen unserer Gemeinde einen Denkstein auf dem Friedhose zu errichten, auf dem ihre Namen wr bleibenden Erinnerung eingegraben werden. Es war uns indessen ein Bedürfnis, schon jetzt ihr Andenken zu ehren. W i r haben deshalb beschlossen, die N a m e n dieser Gefalle n e n i n u n s e r Ged ä ch t n i s b tt ch z u m G edächt - nisse für alle Zeiten einzutragen, und sofern ihre A n g e h ö r i g e n es wünschet! und uns schriftlich diesen Wunsch k u n d g e b e n, an b c nt Tage, a n d e nt sie ihre Liebe z n König und Vaterland mit dem Tode besiegelt, für sie in der Synagoge ein I a h r z e i t s - licht a n z ü n d e n und das K a d d i s ch gebet v e r r i ch t e n Ul lassen. Wenn wir darin auch keinen Unterschied zwischen arm und reich machen werden, so wird es uns doch sehr willkonunen kein, wenn wohlhabende Mitglieder uns in der Ausführuttg unserer pietätvollen Absicht unterstützen wollten, indem sie selbst derartige Hahrzeitsstiftungen für diejenigen Gefallenen, die ihrer Person nahe gestandett haben, errichten. Oesterreich-Angara. z. Wien, 16. Juni. Am 1. d. M. fand im großen Tempel der Kultusgemeinde Tempelgasse die Konfirmationsfeier von beinahe hundert Konfirmandinnen statt. Der Andrang des Publikums war ein so starker, daß der große Tempel, der festlich beleuchtet .war, nahezu überfüllt war. Bei einem Orgelpräludium wurden die Konfirmandinnen vom Direktor Herrn B. Planer und vom ReligionsProfessor Herrn Emil Frankel, die auch den Ehrendienst bei der heiligen Bundeslade innehatten, in feierlichem Einzüge in das Gotteshaus geleitet. Die Konfirmationslehrer beschlossen den Zttg. Oberkantor Morgenstern sang mit Chor, geleitet vom Dirigenten Julius Hei nur an n — die Orgel wurde vom Professor Menzer gespielt meisterhaft Sulzers Ma-Towu und desselben Altmeisters deutschen Ehor ,,Gepriesen sei die Stunde, dem Höchsten jetzt geweiht"; dann hielt Rabbiner Dr. Mar G r u n - Wald leine weihevolle, gedankenreiche Predigt. Anschließend wurden die Konfirmandinnen aus der Glaubens^ und Pflichtenlehre über die Hauptlehren befragt, welche Fragen vorzüglich beantwortet wurden. Sodann wurde die heilige Bundeslade geöffnet. Die Konfirmandin Käthe Schwager sprach das Glaubensbekenntnis in ergreifender Weise. Sämtliche Konfirmandinnen wiederholten das Gelöbnis der Treue zum angestammten Glauben. Hierauf erteilte Rabbiner Dr. G r u n w a l d den Segen, und mit einem Jubelchor Sulzers schloß die herrliche Feier, ginn Andenken erhielt jede Konfirmandin im Aufträge des Vorstandes der Kultnsgemeinde das Gebetbuch „Bernria" von Dr. Grunwald und ein Gebetbuch von Mannheimer. — Aus Sambor wird der „Neuen Freien Presse" geschrieben: Am 21. v. M. wurde das vom hiesigen jüdischen Hilfskomitee errichtete Heim für Kriegswaisen in feierlicher Weise eröffnet. An der Eröffnungsfeier nahmen der Bezirkshauptmann Ritter v. Lepkowski, Bürgermeister Tr. Steu e r m a n n , der Kultusrat der israelitischen Gemeinde sowie zahlreiche Tanten und Herren der Gefellschast teil. Die Eröffnung erfolgte durch den Vorsitzenden des Hilfskomitees, kaiserlichen Rat Oberrabbiner A r o n L e w i n , der in einer längeren Ansprache die Entstehung der Anstalt schilderte und dabei besonders dankend die hochherzige Unterstützung, welche die vom Hilfskomitee geförderte Kriegswaisenaktion seitens der jetzt in dem schwer geprüften Lande Galizien so segensreich und heilbringend wirkenden Israelitische tt A l l i a n z in Wien fand, hervorhob. Tie Ansprache schloß ttt-U einem Hoch auf den Kaiser, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Sodann nahm der Vizepräsident der Kuttusgemeinde, Advokat Dr. Hammeriii a ti n, das Wort, um namens der Gemeinde das Entstehen dieser für die hiesigen Verhältnisse mustergültigen Anstalt zu begrüßen und dem Vorsitzenden des Hilfskomitees, kaiserlichen Rat Oberrabbiner Lewin, sowie dem ihm tatkräftig zur Seite stehenden Schriftführer, Professor Dr. Noten streich, für ihre unermüdliche Betätigung Dank und Anerkennung zu sagen. -- Ans Wunderbare grenzt die Art, wie die vor einem Jahre aus Obertin geflüchtete Frau T a u b e T a n n e n b a u m ihre verlorenen vier Kinderchen in Budapest wiederfand, lieber Hals und Kopf flüchtete sie mit ihren Kindern ins Hinterland. In Delatin stieg sie vom Zuge, um einem fiebernden Säugling einen Trunk Wasser zu holen. Der Zugrollte indessen ab, und sie blieb mit ihrem verzweifelten Jammer in der dunkelsten Nacht ganz verlassen da. Sie irrte seither von Lager zu Lager, wie vorn Wahnsinn gepeitscht, bis sie vor kurzem nach Budapest gelangte. Ihre vier Kinderchen, deren ältestes neun Fahre, das jüngste hingegen fünf Wochen zählte, wurden nach llngarn gebracht und von der jüdischen Patronage in Schutz genommen. Dem Säugling wurde eine gesunde Amme verschafft, die älteren hingegen dem Kindererholungsheini in Kis Jeni überantwortet. Durch Zufall kam der Angestellte der Anstalt neulich nach Budapest, wo er der gebrochenen Mutter in der Königsgasse begegnete, die ihm wie jedem ihr Leid klagte. Er führte sie ihren Kindern zu. Ihr Mann wurde in der Zwischenzeit, das erfuhr sie auch in der Königsgasse, von den Russen während ihrer galiziichen Glanzzeit ermordet. sfrsnkreich. z, Paris tiudiretth im Juni. Die Generalversammlang der jüdischen Gemeinde (Association Consisloriale) fand kürzlich unter Vorsitz des Barons Edmond v. R o t h sch i l d statt. Die Beteiligung der Mitglieder war nur gering. Der Schatzmeister, Herr Alphons Ochs, erstattete einen Bericht über das vergangene Jahr, der ein ziemlich düsteres Bild von den Finanzen der Gemeinde entlvarf. Tie Ausgaben lvachsen beständig, während die Einnahmen zurück-

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