Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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fcum’ der im Kriege gefallenen fünf ehemaligen Zöglinge. Int ganzen sind 33 von ihnen zur Fahne einberufen worden. Die Kassenverhältnisse des Waisenhauses sind durch den Krieg sehr ungünstig beeinflußt worden. Das Hans hat nur einige neue Stiftungeil erhalten. An Stelle von S. Mathias wurde Bankdirektor Reichmann zum Vorstandsmitglied gewählt. Der Vorstand des Waisenhauses besteht danach zurzeit aus den Herren Stadtrat Professor Lassar-Cohn als Vorsitzenden, Julius Lazar, Alfred Lachmanski, Konsul Wiukowski, Rabbiner Dr. Vogel stein, A. I. Le Win, Bankdirektor R e i ch ln a ll n, Stadtrat Eichel b a u in (Insterburg) nnb Vc'ar B r i\ it b 7 (Tilsit). Ehreudauteu der Anstalt sind Frau Doris Cohn, Frau Justizrat Holz, Frau Baiikdirektor Emma Marx niid Frail Fabrikbesitzer Anna W i it t e r. — Die Leitlrng der )tu statt führeii Herr rmd Frau Direktor Pe ritz. I.. Hohensalza, 1<>. Jilni. Das Fest der goldenen Hochzeit feierten kürzlich Herr Rentier Mar Treuherz und seine Frail Gemahlin in strahlender Frische iiu Kreise der Fatuiliettttutglieder, Verwandten und Bekannten. Herr Gemeinderabbiner Dr. Kohil hielt eine herzliche Ansprache all das Jubelpaar: der Vorstand der Syuagogenaemeinde und des Repräsentantenkollegiums sowie der Jüdische Literatnrveioin unb Israelitische Frauenverein Hierselbst und andere Vereine hatten an das Jubelpaar herzliche Glückwunschtelegramme gesandt. Eine große Anzahl Gratulationsschreibett niid (vtüallvnm'chtelegraiiinie, die eiiigegangen waren, zeugte beredt von der Berehrnna, ivelcher sich das Jubelpaar incht allein hier, sondern ioeit über die Grenzen unserer Stadt erfreut. --- Am 1. Jllti verlegt Herr Dr. Frost von hier seinen Wohnsitz nach Berlin. Er hat hier 10 Jahre seine ärztliche Praxis ausgeübt und erfreute sieb wegen seines stets hilfsbereiten, liebenswürdigen Weü'ns, wegen seines nnermndlicl'en Pflichteifers in der Ausübung seines Berufes allgemeiner Beliebtheit in Stadt und Land. Seit 14 Jahren war er hier ununterbrochen Kommunalarzt und vielbe'chästigter Krankenkassenarzt. Sein Fortgang wird allgemein bedauert. IV. Posen, 10. Juni. Am ersten Tage des Wochenfestes hat die hiesig? B r ü d e r g e m e i n de in Verbindung init der Festandacht am Vorniittage eine E i n sc g n u u g s f e ier abgehalten. Diesmal wurden sieben Mädchen eingeseanet. Die stimmungsvolle Feier wurde durch ein Präludium eiiigeleitet. Hierauf saug der Shnagogeuchor: „Jauchzet dem Herrn entgegen, alle Welt!" Im Mittelpunkt der Feier stand die Ansprache des Gemeinderabbiners Herrn Professor Dr. Bloch, der in geistreicher Weise das Buch Ruth behandelte. Hierauf folgte die Prüfung der Konfirluandinnen. Tie sicheren lind sinngemäß gesprochenen Antworten und der feierliche Ernst, der ails ihren Worten sprach, machten einen tiefen Eindruck auf alle Zuhörer. Die Anwesenden waren geradezu von bcnt religiösen Wissen der Schülerinnen überrascht. Herzliche Worte richtete noch Herr Professor Bloch nach der Prüfling all die Schülerinnen niid schloß mit dem Priestersegeu. Es folgten sodann das Gebet Mid Glnubensbek-enntnis eill-er Konfirmandin, das Svpransolv: „So ihr mich von gattzem Herzen suchet", zuletzt die Einsegnung durch den Rabbiner und Ueberreichnng der von der Gemeinde hierzil bestinnnten Bibeln. Den Schluß bildete die Motette: „Dies ist mein Bund mit ihnen" und ein Postludium. - - Der schlichte, aber doch würdige Gottesdienst trug dein geistigen Standpunkt der Kinder Rechnung. Der Tempel, mit Pflanzen aller Art geschiiiückt, ivar gedrängt voll. Breslau, in. Julii. Die I s r a e litt s cf]' e W a i s e u - v e r p f l e g u n g s a n st a l t versendet ihren Verivaltuugsbericht für die Jahre 1913 bis 1915. Wir entiiehinett deii mitgeteilten Taten, daß am Schtilße des Jahres 1913 in der Anstalt 32 Knaben nnb 21 Mädchen sieh befanden. Bon biefcn wurden im Lause des Jahres 1914 11 Zöglinge entlassen und 15 neu mifaenoinmcn, so daß am Ende dieses Jahres ein Bestand voll 31 Knaben itnb 20 Mädchen verblieb. Am Schliisse des Jahres 1915 wurden in der Anstalt 30 Knaben lind 2m Mädchen erzogen. Außerdem fanden zwei Kinder, deren Vater im Heeresdienste steht 1111b der eil Mutter sich zu einer Kur iu ein Krankenhaus begeben iunßte, vorübergehend Aufnahme. Der Gesundheitszustand der Kinder war im allgemeinen befriedigend. Alls Anregung des Fabrikbesitzers Herrn Hugo R a io i t s ch pachtete die Anstatt von der Stadt ans den in der Nähe der Aiistalt gelegenen „Stephausiviesen" ein Stück Acker voll zirka 700 Quadratmetern, um deii Kindern Gelegenheit zilr Beschäftigung mit Gartenarbeit und Ackerbau zu geben. Einen Teil der Kosten hat Herr Nawitsch selbst übernommen. Der Berinögensabschluß für das Jahr 1915 ist durch den Krieg auf das ungünstigste beeinflußt, trotzdem wird der Betrieb der Aiistalt in vollem Maße ausrechterhaltett und alles angewendet, um die Zöglinge körperlich itrtb geistig zu tüchtigen Menschen heranzubilden. M. Hamburg, 16. Juni. Eine Trauerfeier für den im 32. Lebensjahre verstorbenen Herrn Franz F r i e d m a n n fand im Krematorium zu Ohlsdorf statt. Unter dem großen Trauergefolge befanden sich neben den Vertretern des Gemeindevorstandes viele Mitglieder der Bürgerschaft und der Finanzwelt. Nach einem vom Tempelchor unter Leitung des Herrn Atusikdirektors D. Beit vorgetraaenen Liede ergriff Herr Rabbiner Dr. L e i m d ö r f e r das Wort, mn als langjähriger Freund und geistlicher Berater der Familie dein Dahingeschiedenell -einen kurzen, ehrenden Nachruf zu widmen. Im Namen der Steinthal-Loge sprach der Präsident Herr Dr. Stör ch etxt tief etupfundeues Abschiedswort. Im Ntmnen der Familie daiikte Herr Robert F r i e d in a it 11 deui teuren Entschlaseneu für sein pietätvolles Wirkeil int engeren Fainilienkreise. Nach Gebet und Segen des Geistlichen und dem Vortrage des Chorals „Es ist bestimmt in Gottes Nat" sank der Sarg unter den Klängen des Harmoniums irr die Tiefe. — Mit Herrn Franz Friedmauu ist eilte allgemein geachtete mtb nicht nur in der Gemeinde, sondern auch au der Börse und im geschäftlichen Leben beliebte Persönlichkeit leider viel zil früh dahiugegangeu. Der Verstorbene widmete seine Tätigkeit nicht nur als Mitinhaber dem Bankhause Magnus u. Friedmann, sondern er war auch als Geschäftsführer des Deutschen Kolonialkontors in Hamburg tätig und gehörte ferner dem Aufsichtsrat vieler hervorragender Gesellschaften an. 0. L. Dresden, 16. Juni. Am 1. d. M. feierte Oberkantor Raphael Hofstein das 25jährige Jubiläum. Daß der Jubilar sich aller Wertschätzung und Liebe erworben hat, hat ihm dieser Tag wohl deiltlich gezeigt. In der Wohnung fanden sich Aborduiingen der Gemeinde, der Loge, des Spnagogenchores, des Jugendheims usw. ein, um ihm ihre Glückwünsche darzubringen, begleitet von wertvollen Ehrengaben, köstlichen Dlumenspenden, die auch von. anderen in reicher Fülle, unzählige Glückwünsche von ausioärts. eingingen. Der Deutsche Kantorenverband war durch eine Abordnung vertreten. Eine besondere Ehrung fand tags daraus nach bent Freitag allen dgot te s dien st statt. Der Gottesdienst wurde mit Orgelspiel eingeleitet, einer Komposition des Gefeierten, sowie den nusgewählten Ehorgesängen, einem Augebinde des Chors, wie dessen bewährter Leiter, Dr. Fantl, später in der Ansprache darlegte. Platz und Betpttlt waren mit Rwerwewinde geschmückt. Zu der Feier, für die der Raum nur ztl klein war, hatte das erste Wort der Gemeindevorsteher Herr Bankier Mattersdorff, der dem Jubilar beit Dank der Gemeinde anssprach, wie er sich deren Liebe tutb Hochschätzung wohl bewußt sein dürfte, die er sich durch seine erbauenden Gebete, durch die dadurch erhöhte Feier der Andachten errungen habe. Dann führte Rabbiner Prof. Dr. Winter aus, wie würdig ttitb seelenvoll Hosstein zur Erhöhung unserer Andachten beitrage, seine Worte vom Herzen kämen tutb darum zu den Herzen dringen müßten. Ein „Meister des Gebets", der es nur zu wohl verstehe, die Hörer zu fesseln, in seinem Bortr-ag die Bedeutung unserer Gebete unb unserer Festzeiten klar zum Bewußtsein Zu bringen. Er gedachte des frommen Elternhauses, des gottseligen Bakers, wie des - glücklichen -Familienlebens, des edlen Charakters, der Gewissenhaftigkeit und Treue im Amte. Mit Segenswünschen für fernere Tätigkeit, für Gesundheit tutb Kraft schloß er. Dr. Fantl feierte ihn als leuchtendes Vorbild namens der Am-tsgenossen, des Synagogenchores, seine Kollegialität tutb hinaebende Liebe rühmend. Tiefbewegt dankte der Jubilar allen Rednern. Zögernd tntd itt banger Ungewißheit habe er vor 25 Jahren das Amt angetreten und sich gefragt, ob er die Ausgaben erfüllen könnte. Es sei gelungen; die Gemeinde sei ihm ans Herz gewachsen, ihre Freude wäre seine Freude, ihr Kumnter sein Kummer. Er erflehte Gottes Schutz für die Gemeinde, die Borsteher, den hochverehrten Rabbiner Dr. Winter. In Gesundheit nnb Frische durfte der Jubilar den Tag begehen, hatte die Freude, seine hochbetagte Mutter und die seiner Gattin im Festeskreise zu sehen. Möge er seiner dankbaren Gemeinde, die so manche Stunde der Andacht, der Aufrichtung durch seinen erhebenden, herzergreifenden und seelenvollen Vortrag gefunden hat, in alter