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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-23 · Heft 25 (23.6.1916) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 25 (23.6.1916)
Date
1916-06-23
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 gehen. An Platz miete in den Synagogen wurden eingenommen NO 900 Francs, an Steuern 202 077 Francs, für Gräber 5151 Francs, für Koscherfleisch 22 258 Francs, an Spenden 44 789 Francs. Ter Schatzmeister beklagte sich, daß viele Mitglieder ihren Verpflichtungen nicht nachgekommen sind. Die Gesamteinnahmen betrugen 604 224 Francs, während die Ausgaben 735 355 Francs ergaben. Das Defizit muß durch Aufnahme von Obligationen gedeckt werden. Der Schatzmeister hofft, daß nach dem Kriege die Finanzen sich wieder heben werden, da gerade durch den Ausfall von Hochzeiten eine ziemliche Summe all Einnahmen verlorenging. Baron Rothschild entschuldigte zunächst den Großräbbiner von Paris, der durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, und sprach seine Befriedigung darüber -aus, daß das religiöse Leben in der Gemeinde sehr zugenommen habe. Die Freitagabend-Gottesdienste seien besonders gut besucht. Auch an der Front mache das religiöse Leben sich stark bemerkbar. Das Konsistorium sorge für Befriedigung dieser Bedürfnisse durch Lieferung von Gebetbüchern und sonstigen Erbauungsschriften. Er rühmte die tapferen jüdischen Soldaten, die Fremdenlegionäre und Zuaven und kündigte die Gründung eines Kriegswaisensonds an. Von Sah und jfern. Dem Spezialarzt Tr. Stephan Stein harter in Berlin, Sohn des Kommerzienrat Steinharter in München, wurde vom Großherzog von Hessen das Hessische Militär-Sanitätskreuz arn Kriegbande verliehen. Der vor mehreren Jahren verstorbene Berliner Universitätsprofessor Dr. Levin Golds ch m i d t und seine vor etwa einem Jahre dalsiugeschiedene Gattin Frau Adele geborene Herrmann haben, wie jetzt bekannt wird, die Stadtgemeinde Berlin zu ihrer Erbin eingesetzt. Der Reinnachlaß beläuft sich nach Abzug erheblicher Legate auf 400 000 Mark. Rach dem Willell der Testatoren soll der Nachlaß auf alle Zeit dem Zwecke der Beschaffung guter und gesunder Wohnungen für die innerhalb der Stadtgemeinde Berlin und ihrer Vororte wohnhafte Arbeiterbevölkerung dienen. —~ Tie Jüdisch - nationale Frauenvereinigung bittet dringend, Kindersachen, Knaben- und Mädchenkleidungsstücke, Wäsche, besonders Schuhe, an die Jüdische Kindervolksküche, Auguststraße 16/17, zu senden. - Zu preußischen Offizieren wurden befördert: Kurt P fingst, Inhaber des Eisernen Kreuzes, Sohn des Herrn Louis Psiugst in Berlin: Referendar Kurt R o s e n b a u m , Sohn des Vorstandsmitgliedes der Synagogengemeinde Ehristburg, Herrn I. Rosenbaum: Erich Eli et und Rechtsanwalt Dr. Oskar lind Richard Eliel, Sohne des Ersten Vorstehers der Synagogengemeinde Köln, Herrn Louis Eliel, und Vizefeldwebel Hugo Hey um, Sohn des Viehhändlers Herrn Salomon Heyum in Eberstadt bei Darmstadt. — Alls Posen wird uns geschrieben: Der llniversitätsprof-essor i. R. Geheimrat Professor Tr. Wilhelm File h n e in Ehnrlottenburg beging am 13. d. M. sein go l de n e s D o k t o r j u b i l ä u nt. Dr. Fi lehne ist hier geboren atn 12. Februar 1844, besuchte das Königliche Friedri-ch-Wilhelm-Gyumasinm in Berlin ttrtd studierte auf den Universitäten Berlin und Heidelberg Medizin. Am 13. Juli 1806 promovierte er in Berlin zum Dr. med., utachte die Feldzüge 1866 und 1870/71 mit, wobei er sich das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erwarb, und habilitierte sich am 20. Juli 1874 für Pharmakologie an der Universität Erlangen, wo er am 12. Juni 1876 zum außerordentlichen Professor ernannt wurde. Am 1. April 1886 ward er als ordentlicher Professor der Pharmakologie und Geschichte der Medizin an die Universität Breslau und Direktor des Pharmakologischen Instituts berufen. 1903 erfolgte feine Ernennung zum Geheimen Medizinalrat. Am 1. April 1911 ging er in den Ruhestand und siedelte nach Eharlottenburg über. Geheimrat Filehne Hut das Antipyrin in die ärztliche Praxis eingeführt und ist auch als tvissenschastlicher Schriftsteller vielfach hervorgetreten. Sein Lehrbuch der Arzneimittellehre ist in elf Allslagen erschienen. — Ant 1. Juli d. I. kann Herr Kantor Elster in Lissa i. P. sein 25jnhriges Ortsjubiläutn begehen. Ans. Wreschen wird uns geschrieben: Am 4. Juli begeht Herr Hermann Wolfs, einer der ältesten jüdischen Lehrer der Provinz Posen, seilten 75. Geburtstag. Geboren in Schrimm, wirkte er fast vier Jahrzehnte an der öffentlichen israelitischen Volksschule hier und siedelte ttach seiner Pensionierung nach Posen über. Ter in London verstorbene Ehrenbürger der Stadt Miltenberg, Tabnkshändter K l i n g e n st ein, hat u. a. Stiftungen von 40 000 Aiark für jüdische wohltätige Zwecke in seiner Heimatgenreinde Miltenberg am Main, ferner 150000 Mark für deutsch - jüdische Wohltätigkeitszwecke in London hinterlassen. — Die Synagogengemeinde in Bonn hat den stellvertretenden Vorsitzenden ihres Reprüsentantenkollegiums und Vorsitzenden ihres Armenvereins, Herrn Rentner Aloys Kaufmann, durch den Tod verloren. Tie Vorstände beider Körperschaften widmen dem Verstorbenen herzliche Nachrufe. — Der Kaiser von Oesterreich hat den Finanzrat Dr. Stanislaus Grnbscheid zum Obersinanzrat bei der Finanzdirektion in Lemberg ernannt. Oberfinanzrat Grabscheid gehört auch dem Lemberger Kultusrat als Mitglied an. — Als Nachfolger für den jüngst verstorbenen Lemberger Rabbiner Moses B a b a d s. A. fmnrnt in erster Linie Rabbiner S ch m e l k e s (Przemysl) ut Frage, der, als er voriges Jahr mit seiner Gemeinde gezwungenermaßen in Letnberg weilte, sich große Beliebtheit erwarb. Auch für Rabbiner L e w i n (Sambor) wird Stimututtg gemacht. Der Sitz des Oberrabbiners Earo s. A. ist noch immer frei. Dr. Chajes (Triest) hat Allssicht, zu seinem Nachfolger berufen zu werden. — Atts Paris wird berichtet: Die Lage der jungjüdischen Künstler, die von allen Seiten der Welt nach Paris gekommen sind, tun dort zu studieren, ist eine schreckliche. Auch vor dem Krieg, also in verhältnismäßig guten Zeitett, war ihre Situation keine beneidenswerte, aber es existierten damals noch die Stellen, von denen sie unterstützt wurden. Mt dem Kriege hat die Unterstützung von fetten dieser Stellen aufgehört, nnb da sich die allgemeine Lage in Paris verschlechtert hat, kann matt sich das jetzige Elend der schon vordem tticht auf Rosen gebetteten jüdischen Künstlerjugend vorstellen. — Der „Eri de Paris" schreibt: Die „heilige Einigkeit" hat auch die Dreyfus- A f f ä r e verschlungen. Major A l s r e d D r e y f tt § kommandiert die Artillerie in einem Sektor von Paris. Sein Sohn Pierre lvurde soeben wegen seines heroischen Verhaltens bei Douaumont ausgezeichnet. Sein Neffe Emil, der Sohn von Mathieu Drehfns, siel in der Ehampngne-Schlacht und erhielt das Band der Ehrenlegion. Oberst P at h de E l am und seine Söhne erhielten das Kriegskreuz. Hauptmann Laut h lvurde znm Oberstleutnant befördert nnb steht in Lothringen. Und E st e r h a z y? Was ans ihm getvorden ist, weiß niemand. Versteckt er sich linier eittem falschen Namen? Ist er tot? Niemand kann auf diese Fragen eine Antlvort geben. — Als Fliegeroffiziere haben sich in England die Juden B a r n a t o uttd Cyril Davis ausgezeichnet. „Jewish World" nennt sie die wahren „Lustmeuschen". East London, der Teil Londons, wo die armen russischen Einwanderer leben, hat in Beiträgen von einem Penny bis 10 Schilling die Stimme von 50 000 Pfund Sterling für die durch den Krieg verarmten rtlsstschen Juden aufgebracht, während der gesamte übrige Teil der Judettschast in ganz Großbritannien nur 110 000 Pfund Sterling zusammenbrachte. — In Wilna wird in beit nächsten Tagen eine K u n st g ew e rb e a u s st e l l u n g eröffnet mit Erzeugnissen aus litauischen, polnischen, j ü d i s ch e n Werkstätten, sowie alten und neuen kunstgewerblichen Gegenständen aus Litauen. Die Anordnung der Ausstellung besorgte der süddeutsche Kunstgelehrte Bühlmann. — Für die jüdischen Spezialisten in Palästina, wie Agronome, Ingenieure, gibt es jetzt ein reiches Arbeitsfeld. Die Behörden betrauen gern Juden mit der Leitung öffentlicher Arbeiten. So z. B. wurde dem Agronomen Kraus, dem Direktor von Mikweh Israel, die Bepflanzung eines bisher brachliegenden Stückes Erde übertragen. Mit der Vorbereitung von Maßnahmen für die Bekämpfung einer etwa neu einbrechenden Heuschreckenplage wurde der Agronom A r o n s o h n betraut. Die Aufsichtskommission der Regierung beim Bau einer Chaussee bestand großenteils aus Juden. Die großartige Straße in Jaffa, die nach dem Oberbefehlshaber der türkischen Palästina-Armee Avenue de Djemal Pascha heißt, lvurde von Ingenieur G. W i l b u s che w i tz gebaut. Derselbe ist jetzt in Damaskus mit ähnlichen Arbeiten beschäftigt. Sein Bruder N. W i l b u sche w i tz hat dieselbe Aufgabe in Jerusalem übernommen. Auch die meisten jüdischen Aerzte sind im Militärdienst beschäftigt. - In New Aork starb im Alter von 104 Jahren Samnel Aronsohn. Er hinterließ 73 Enkel, 9 Urenkel und 1 Ururenkel. Bor 30 Jahren wunderte er aus Rußland ein, wo er vierzig Jahre lang Diener in einer Synagoge war, die er im Alter von 73 Jahren bei einem Pogrom dadurch vor Zerstörung schützte, daß er den Al ob mit erneut Beil allein abwehrte. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow. Florastrabe 58. Verantwortlich für den Anzeigenteilr MaxJunge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Moste.

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