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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-23 · Heft 25 (23.6.1916) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 25 (23.6.1916)
Date
1916-06-23
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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300 druck, nennt einmal als seinen Freund den Oberrabbiner Frankel irr Dresden; der erste Herausgeber der Schrift nennt in seinem Nachwort Michael Sachs gleichfalls als Freund des Selbstbiographen. Burg erzählt, daß er durch die 1842 erschienene Selbstbiographie seines Vetters Salomon Sachs, Kgl. Bauinspektors, zur Aufzeichnung seiner Erinnerungen veranlaßt worden sei, und doch ein wie ganz anderes Werk ist seine Schilderung gegenüber der seines Verwandten. Das Buch des Zivilbeamten zeigt uns einen Mann, der zwar in seiner Jugendzeit es in seiner amtlichen Laufbahn ziemlich weit gebracht hat, der aber dann nicht weiter vorwärts gekommen ist, der manche Zurücksetzungen erlitt, der aber nicht von aller Schuld an diesen Kränkungen freigesprochen werden kann. Burg dagegen erscheint in seinen schlichten, lauteren, durchaus wahrheitsgemäßen Schilderungen als ein braver, völlig integrer Manu, der nur seiner Pflicht lebt, seiner Ueberzeugung treu bleibt, seine mannhafte Gesinnung ohne Ueberhebung und ohne irgendwelche Lust zum Hervordrängen überall bewährt und sich in schwerer Zeit durchzusetzen weiß. Ein solches Beispiel gerade in unserer Zeit zu erneuern, ist ein wirkliches Verdienst. L. Gr. * — Max Brod: Tycho de Brahes Weg zu Gott. Roman. Leipzig, Kurt Wolfs Verlag. 1916. Auguste Hauschner: Der Tod des Löwen. Egon Fleischel u. Co., Berlin. Es zeugt von einer ungeheuren Lebenskraft unserer Dichter und unseres Publikums, daß trotz der schweren Kriegszeit, unter der wir noch immer seufzen, nicht bloß Kriegsgeschichten ihre Abnehmer finden, nicht bloß Werke der Phantasie erscheinen können — denn das ist ja wohl glaublich, daß man sich gerade jetzt aus einer realen Welt in eine eingebildete zu flüchten geneigt ist —sondern daß ernste, historische Romane, die mit der augenblicklichen Zeitstimmung nichts zu tun haben, geschrieben und gern gelesen werden. Und wie man so häufig von der Duplizität der Ereignisse spricht, so geschieht es auch in den beiden hier angezeigten Werken, nach dem Vorgang von Meyrinks „Golem", der freilich keinen unmittelbaren Einfluß auf die neuen Erscheinungen geübt haben wird, daß derselbe Ort und eine ähnliche Zeit, nämlich Prag und das ausgehende sechzehnte Jahrhundert, hier dargestellt werden. Max Brods Werk ist ein reifes, zum Denken anregendes itnb aus gründlichen Studien hervorgegangenes Werk. Es kann freilich hier nur kurz erwähnt werden, da es von einem jüdischen Autor herrührt, der schon jüdischen Stofs novellistisch behandelt hat; ein näheres Eingehen jedoch bleibt nns untersagt, weil nur an einer Stelle, und zwar ziemlich gegen Ende des Buches, S. 383 sf., Rabbi Löw (warum schreibt der Verfasser immer Löwe?) vorkommt. Er tritt, aus dem Zimmer des Kaisers kommend, Tycho de Brahe entgegen und hat mit ihm eine sehr merkwürdige Unterredung, die aus die Umwandlung des religiösen Standpunktes des großer: christlichen Forschers einen außerordentlichen Einfluß gewinnt. Die Persönlichkeit des jüdischen Gelehrten wird mit viel Sympathie geschildert, ist aber die einzige Stelle, in der in unserem Roman von Juden geredet wird. — Etwas ausführlicher mag der Schrift von Auguste Hauschner gedacht werden. Tie Schriftstellerin, die in ihren bisherigen Werken die unmittelbare Gegenwart oder eine jüngst verflossene Vergangenheit zum Gegenstand ihrer Dichtungen gewählt hatte, bewegt sich auch auf diesem ihr bisher fremden Gebiet mit Gewandtheit und weiß die rätselhafte Gestalt des kranken, brachliegenden, von Sinnengelüsten gepeinigten, von Wahngebilden verfolgten Kaisers Rudolph II. und seiner Astrologenschar trefflich zu schildern. Was uns aber an dem Büchlein ganz besonders anzieht, ist die Gestalt des Rabbi Bezalel Löw. Ter weise Mann wird von dem Kaiser bei einem zufälligen Besuche, den dieser dem Astrologen- Tycho de Brahe abstattet, entdeckt. Er wird von ihn: mehrfach ausgesucht, der Kaiser entbrennt in wahnsinniger Liebe zu Löws schöner Tochter. Diese sinnlichen Qualen des Kaisers, sein furchtbarer Ingrimm gegen die Juden, der dadurch erweckt wird, daß Löw und seine Tochter verschwinden, die durch-den Kaiser aus diesem Zorne heraus diktierte Verfolgung der Inden, die Verbrennung der Jndenstadt werden trefflich geschildert; das jüdische Milieu: die erhabene Gestalt des jüdischen Weisen, seiner Tochter und seiner Umgebung, einer alten Haushälterin und eines riesigen Dieners, der auch in starker Glut für Bezalels Tochter entbrannt ist, werden wundervoll dargestellt. Das Büchlein verdient auch in unseren Kreisen weiteste Verbreitung. L. G. Antike Wundergeschichten zum Studium der Wunder des Neuen Testaments. Zusammengestellt von Lic. Paul Fiebig, Gymnasialoberlehrer in Gotha. (Aus der Sammlung „Kleine Texte für Vorlesungen und Hebungen". Herausgegebeu von Hans Lietzmann. Heft 79. Bonn.) Die vorliegende Zusammenstellung von Texten antiker W u n d e r g e s ch i ch t e n ist eine Ergänzung der vorbesprochenen „Rabbinischen Wundergeschichten" im Hinblick auf solche Wunderberichte, die in griechischer und lateinischer Sprache überliefert sind und die der Herausgeber hier, in chronologischer Reihenfolge geordnet, als Material zur Erklärung der neutestamentlichen Wunder bietet. Für uns sind von besonderem Interesse die jüdischen Ouellen, die in g r i e ch i s ch e r S p r a ch e geschrieben sind. Von diesen bringt Fiebig den Bericht des alexandrinischen Philosophen Philo (geb. 25 v. Ehr.) über die wunderbare Gottesstimme bei der Gesetzgebung am Sinai (de decalogo II), der mit der Ueberlieseruug des Midrasch Exod. rabba Par. 5 und Midrasch Tanchuma zu 2. Mos. 4, 27 manche Uebereinstimmung ausweist. Aus Flavins Josephns^ „Altertümern" wird der Tod Moses (Antiqu. IV, 8, 48) gebracht, neben den der Verfasser zum Vergleich 5. Mos. 34 nach der griechischen Bibelübersetzung stellt, ferner die Dämouenbeschwörung vor Vespasian (1. e. VIII, 2, 5) und der Tod des letzten judäischm Königs Agrippa I (starb 44 n. Ehr.), 1. c. XIX, 8, 2. Die übrigen Texte, die nichtjüdischen Autoren entnommen sind, bieten zumeist vergleichendes Material für die Berichte über Dämonenbeschwörnng, Heilungen und Totenerweckungen des Neuen Testaments. Die beiden besprochenen Textsammlnngen weisen deutlich hin auf die zweifache Wurzel, aus der das Christentum erwachsen ist: Judentum und Griechentum. Aussig a. E. Dr. A r t h u r R o s e n z w e i g. Mcherrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurückfendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Schlichte Kriegserlebnisse. Don Dr. Felix A. Theilhaber. Verlag Louis Lamm, Berlin. Lamms Jüdische Feldbücherei Nr. 7. Herbe Blüten. Kriegserlebtes. Von Bruno Kisch. Buchschmuck von L. Medgyes. 1916. Druck und Verlag der Vereinigten graphischen Anstalten Koppe - Bellmann, A.-G., Prag-Smichow. Sprrchssal. An die „Allgemeine Zeitung des Judentums". Hierdurch erlaube ich mir, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken,, daß der Münchener Verlag F. Bruckmann A.-G. in dem „Großen Bilderatlas des Weltkrieges", Lieferung 15 über Italien auf S. 162 ein Bild bringt mit der Unterschrift „Herr Rappaport — Rappagnetta, genannt Gabriele d'Annunzio, hält die aufhetzende Festrede" und aus S. 168 den Abdruck eines Ausrufs, unterschrieben „Der Schluß des Rappaportschen Aufrufs". Der Schriftleiter des erwähnten Unternehmens scheint also von seinen Arbeitgebern geflissentlich auf Antisemitismus dressiert zu sein und scheut sich nicht, unter verlogener Weitergabe längst widerlegter Märchen in antisemitischer^ hetzerischer Absicht den italienischen Schriftsteller Gabriele d'Annunzio den Juden an die Rockschöße zu hängen, obwohl derselbe Italiener, selbst wenn er jüdischer Abstammung gewesen wäre, nicht so verächtlich gehandelt hätte wie ein gewisser Chamberlain, der als Ausländer sich mit einer Pseudowissenschaft wichtig tut und sein eigenes Vaterland England begeifert, dessen Werke aber gleichwohl von dem genannten Berlage aus dem Umschläge des „Bilderatlas" als hervorragende Schriften zum Verständnis des Weltkrieges und seiner Bedeutung angepriesen werden. Der genannte Verlag nutzt eben die Konjunktur aus und sucht Geld zu machen, wobei es ihm auf ein bißchen Lüge und Verleumdung mehr oder weniger nicht ankommt. Ich erlaube mir, Ihre Aufmerksamkeit hierauf zu richten und darf wohl annehmen, daß Sie das Weitere in dieser Angelegenheit in die Wege leiten werden. Hochachtungsvoll Dr. S i g m und Schopf, Danzig..

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