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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-23 · Heft 25 (23.6.1916) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 25 (23.6.1916)
Date
1916-06-23
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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„Ja, du, der Anstifter! Willst bit es etwa leugnen? Ich habe euch beide genau beobachtet an jenem ersten Abend seines Hierseins'. Du hast ihm etwas gesagt, das ihn in Feuer und Flammen versetzte; du hast ihn zu irgendeiner Tat überredet, zu irgendeiner verzweifelten Tat angespornt — wahrscheinlich, weil du zu feig bist, es selbst auszuführen! Doch, tausche dich nur nicht, Baruch; ich sage dir, Gabriel wird es nicht tun. Ich habe ihn vor dir gewarnt und vor deinen unheilvollen Machenschaften. — So, jetzt weißt du, woran du mit ihm bist, und du kannst mir deshalb sagen, um was es sich handelt/' „Nein, das kann ich nicht, Malka," sprach er leise mit einem Seufzer. „Du willst nicht! Nun, sei versichert, daß du keine Gelegenheit mehr haben wirst, mir überhaupt noch etwas zu sagen, und du weißt, ich halte Wort. Aber Gabriel werde ich noch weiter die Angen öffnen und ihm sagen, daß du nur aus Neid und Bosheit ihn in Gefahren stürzen willst, weil er ein vornehmer Mann geworden, während du nur ein elendes Dasein als Fährmann fristen mußt." (Fortsetzung folgt.) Literarilche Mittrilungru. — „K rieg u n d I u d e n t u m." Von Tr. I. Wohlgemut, Distriktsrabbiner in Kitzingen. Frankfurt a. M., Agndas Jisroel Jugendorganisation, Bund gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine. 1916. Wohlgenuits Zusammenstellung ist sehr interessant, obgleich man fürchten muß, daß die Antisemiten daraus Kapital schlagen könnten. Denn in den beiden ersten Kapiteln: „Die jüdischen Militär- und Kriegsgesetze" und „Die Humanität im Kriege nach den Forderungen des Judentums" wird gar manches treu nach den Quellen mitgeteilt, was Wohlgemut teils als human zu deuten sucht, teils einfach als biblische Erzählung wiedergibt, nicht aber als vom Geist des Judentums erfüllt bezeichnen loill, was die Antisemiten leicht als unerhörte, von der Bibel selbst eingestandene Grausamkeiten zu deuten imstande sind. Um so willkommener ist das dritte Kapitel, in welchem Mnimonides' Worte angeführt werden, die in folgender Weise gekennzeichnet werden: „Sie sind ein stammender Protest gegen jene schnöden Verleumdungen und Verdächtigungen, die den Juden das Schandmal der Feigheit und Drückebergerei ausdrücken wollen. Der gegenwärtig tobende Krieg hat gezeigt, daß in uns Juden noch immer des Blut der Makkabäer fließt und daß die Brust jedes jüdischen Soldaten auch heute von der heiligen Begeisterung, die aus dem Ansspruche des Maimonides uns entgegenweht, geschwellt ist." Der Verfasser weist daun auf die tiefe Friedenssehnsucht, die manche spätere jüdische Schrift durchzieht, und setzt den Messiasglauben und die Messiashoffnung unter Anführung vieler Stellen als Ueberzeugung der Israeliten auseinander. Daher mag die kleine Arbeit euch von uns willkommen geheißen werde:!. L. G. * Der Weltkrieg i in Spiegel des P s a l m b n ch e s. Vortrag von Dr. I. Rosenberg, Rabbiner in Thorn. 1916, Verlag von Louis Lamm, Berlin. Anführung vieler Psalmstellen, die in hübscher Weise ans den gegenwärtigen Krieg gedeutet werden, Stellen, die zuur Vertrauen und zur Siegeszuversich!' mahnen. Es wird in ihnen gezeigt, wie die Psalmendichter zwar nicht zum Kriege raten, aber zürn Ansharren ermuntern. Der Schluß der beherzigenswerten Ansprache, die in Thorn und in nranchen anderen Literaturvereinen gehalten wurde, lautet: „Und Heil unserem deutschen Volke, daß es seinerseits dieseu Krieg als einen Gotteskrieg bezeichnen darf, als einen Kampf für Gott, einen Kampf des Lichts gegen die Finsternis, der Wahrheit gegen die Lüge. Heil unserem deutschen Volke, daß es sich mit seinen! Kaiser an diesem entsetzlichen Blutvergießen unschuldig fühlen kann, und daß es immer wieder zu dem Psalmbuche greifen darf, um aus ihm für seinen gerechten Kamps innere Kraft und Ausdauer, Hoffnung und Zuversicht auf die Hilfe und den Beistand Gottes zu schöpfen, bis zu dem hoffentlich recht baldigen, für uns glorreichen und dauernden Frieden." L. G. — T i e S e l b jt t ü u s ch u n g e u u n s e r e r F e i n d e. Von Dr. E m a n u eI L a s k e r, Wieltschachmeifter. „Res nolimt male adminisirari.“ Preis 0,50 93iv. Hans Joseph, G. in. b. H., Verlag, Berlin, Vülowstraße 75. Die Schrift von Laster ist mehr des Verfassers als der Sache wegen au dieser Stelle anzuzeigen. Denn es ist nur eine Kriegsschrift, keine Behandlung jüdischer Interessen. Der Verfasser setzt das Recht Deutschlands auseinander, die Machtmittel, über die es verfügt, und tut dar, wie bedenklich unsere Feinde in ihren Voraussetzungen von ihrer Bedeutung und ihrer Hoffnung, durch ihre Heere, durch ihre Aushu.ngerungsversuche und ähnliches über uns triumphieren zu können, sich geirrt haben und ferner in die Irre gehen loerden. Die Tendenz des Ganzen erkennt ntmi wohl tun besten aus dem Schluß, der auch ein Bild der anmutigen -und lebhaften Schreibart des Schriftchens gibt. Dieser Schluß lautet: „Wir sind durchdrungen von unserer Mission und können sie unter keiner Bedingung aufgebeu. Mitteleuropa muß bleiben ein Hort des freien Verkehrs zwischen allen Rationen und ein Sitz der großen Volksmasse, die für Wissenschaft und Kunst eine wundervolle Resonanz bietet. Bon diesem Willen erfüllt, sind wir notgedrungen standhaft in unserem Tun und dürfen auch standhaft sein in unserem Herzen trotz unserer Liebe. Wir beklagen die Opfer, aber wir bejammern sie nicht. Denn die Opfer, die wir bringen, sind notwendig, um die Welt besser zu machen. Unsere hehren Toten kämpften und starben, um der Menschheit loillen. Auf ihrem Denkmal wird es stehen, und in zukünftigen Jahrhunderten loerden alle Völker es rühmen: Im Kampfe gegen jene, die fast die' ganze Erde unterjocht hatten, haben sie die Freiheit errettet." L. G. * — Geschichte m e i n e s T i e n st l e b e n s. Von 9JL Burg, Kgl. Preuß. Major der Artillerie und Lehrer an der Bereinigten Artillerie- und Ingenieurschule, Ritter usw. 2. Auflage. -Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Ludwig Geiger. Verlag von M. W. Kaufmann, Leipzig 1916. Ich darf diesen Neudruck an dieser Stelle wohl empfehlen, da nicht ich, sondern der Verleger aus den Gedanken des Neudrucks kam und mich mit der Abfassung eines Geleitworts beauftragte. Ateno Burg, der in diesem Buche zu Worte kommt, geboren 9. Oktober 1790, gestorben 26. August 1853, ist der einzige Jude, der preußischer Major wurde. Er erzählt in dem vorliegenden Werke sein Dienstlebeu, nicht seine Biographie, denn die Jugendzeit von 1790 bis 1813 wird übergangen- und das Werk beginnt mit der Erzählung der Meldung Burgs zuur Freiwilligen 1813. Diese Biographie zeigt uns eine ungemein wohltuende Gesinnung, Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Akut, Vertrauen auf die Gerechtigkeitsliebe des Königs. Der Verfasser erzählt von seinem höchst erfreulichen Umgänge, namentlich mit den höheren Offizieren, berichtet freilich auch von den Widerwärtigkeiten, die ihm in nranchen Gesellschaften begegnen, von der Abwehr mancher bösen Aeußernngenüber die Juden oder der Anklage, daß die Juden zu Ostern Ehristenblut gebrauchen, von Zumutungen, die von höchster Seite aus an ihir ergingen, von seiner Standhaftigkeit, von seinen vielfachen Zurücksetzungen, aber auch von den mannigfachen Anerkennungen, und berichtet mit besonderer Ausführlichkeit über seine Lehrtätigkeit. Es mag ja vielen bedauerlich erscheinen, daß dieser einzige jüdische Major nie im Felde war und auch während der langen Friedenszeit nicht eigentlich aktiver Soldat wurde — er war eben Lehrer, der als solcher durch vortreffliche Werke und bedeutendes pädagogisches Geschick so ausgezeichnet lvar, daß er gerade in dieser Tätigkeit und nur in ihr allein seine eigentliche Verwendung finden konnte. Die Art und Weise, wie sein spezieller Gönner, der Prinz August, gewürdigt ist, ist ganz besonders schön. Es ist sehr gut, daß wir ein solches Beispiel aus langst vergangener Zeit besitzen. Man sieht z. B., wie Burg 1832, obgleich zwei Jahre vorher der König die ausdrückliche Erklärung abgegeben hatte, er könne einen Inden nicht zum Hauptmann machen, das Hauptmannspatent erhält; wie er schließlich das Verdienstkreuz, den Roten Adlerorden, wohl etwas später als seine christlichen Kollegen, nach nranchen Nöten aber schließlich doch bekam, und \vk er nach dem Tode seines bereits erwähnten Gönners in dessen Nachfolger, dem Prinzen Wilhelm Adalbert, einen gerechten Förderer findet, der seinem Schützling die goldene Medaille für Wissenschaft verschafft, dafür eintritt, daß er im Jahre 1847 Major und schließlich auch zum Vorsitzenden einer Unterstützungskommisston für Artillerieoffiziere ernannt wird. In dieser schlichten, aber trotz ihrer Einfachheit der Anmut nicht entbehrenden Schilderung seines Diensttebens gibt Burg wiederholt seiner Glaubenstreue Aus-

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