Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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297 und bedeutsame, daß ich gern und mit ganzem Herzen ihnen meine schwachen Kräfte zu widmen bereit bin. Ich folge damit ja nur den Bahnen, die mein verewigter Vater mir vorgezeichnet hat." Als Mitglied und später als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums hat er keine Gelegenheit vorübergehen lassen, ohne seinen sachkundigen Rat und seine reiche Erfahrung als akademischer Lehrer dem Institute nutzbringend zu widmen. Auch um das materielle Wohl der Lehranstalt zeigte er sich von Anfang an in hohem Grade bekümmert. Schon wenige Monate nach seinem Eintritt ins Kuratorium konnte er diesem die Mitteilung machen, daß sein Bruder, Generalkonsul Franz Philippson in Brüssel, einen namhaften Betrag zur Begründung einer Pensionskasse für die Dozenten der Lehranstalt beziehungsweise ihre Hinterbliebenen gestiftet habe. Damit war der Grundstock für eine Alters- und Reliktenversorgung arbeitsunfähig gewordener oder verstorbener Lehrer der Hochschule geschaffen, — ein Punkt, der für die Lehranstalt zwar noch immer nicht geregelt, aber seitdem doch durch mehrsache Zuwendungen, darunter auch vom Jubilar selbst, seiner Regelung wesentlich näher gekommen ist. Das so dokumentierte Interesse wahrte Philippson der Lehranstalt, auch nachdem er 1904 aus dem Kuratorium ausgeschieden war. Und hauptsächlich als sein Verdienst haben wir es, anzusehen, wenn sein Bruder, aus Anlaß des hundertsten Wiederkehrs des Geburtstages ihres Vaters (am 28. Dezember 1911) sich wiederum entschloß, die Lehranstalt mäzenhast zu beschenken. Zum Andenken an den Verewigten begründete er eine „Ludwig-Philippson-Stiftung" mit der Maßgabe, daß der Zinsertrag zur Errichtung eines „Lehrstuhls für die Geschichte des Judentums und der Juden" dienen soll. Auch machte er sich anheischig, durch Zeitweilige Zuwendungen sür eine Vermehrung, der Einnahmen zu sorgen. Mit einem Gefühl innerer Dankbarkeit hat es daher das Kuratorium begrüßt, als der Jubilar sich vor drei Jahren bereit fand, dem Kollegium von neuem beizutreten. Aus Anhänglichkeit für die Lehranstalt und ihre Bestrebungen hat er dies getan, ohne Rücksicht darauf, daß ihm sein angegriffener Gesundheitszustand größte Schonung auferlegte. Als eine Vollpersönlichkeit — so tritt uns Philippson entgegen. Und in der knappen Skizze, die wir von ihm entwerfen konnten, entrollte sich ein gar reiches Leben vor unseren Augen; ein Leben reich an Taten und Kämpfen, Leistungen und Erfolgen. Möge er auch weiter so auf dem Posten stehen, ihm zur Freude, uns zum Nutzen! Kuge um ftugr. Russischer Sozialroman von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) Bchmülikof gab ihm innerlich recht, und darum ließ er sich gern dazu überreden, ihn nach dem nähen Wäldchen zu begleiten, wo Karol ihm die erste Lektion im Scheibenschießen geben wollte. „Sehr schön," sagte Karol, als Schmulikof seine Zustimmung gegeben. „Warten Sie fünf Minuten, bis ich die Pistolen geholt." Nach kurzer Zeit befanden sie sich auf dem schmalen Fußpfad, der über eine grüne Wiese führte. Da sie nicht nebeneinander gehen konnten, bestand Schmulikof mit höflicher, aber fester Stimme darauf, hinter dem Offizier zu gehen. Warum er dieses tat, wußte er eigentlich selbst nicht; nur wollte ihm Karols Katzenfreundlichkeit ganz und gar nicht gefallen. Dieser sah Gabriel wortlos und durchdringend an und schritt voraus. Sie hatten bald das Gehölz erreicht, ohne bisher auch nur eine einzige Bemerkung ausgetauscht zu haben. Plötzlich blieb Karol stehen, und etwas nach rückwärts deutend, rief er: „Schmulikof, sehen Sie dort oben!" Kaum aber hatte dieser sich umgewendet, als er einen scharfen Knall vernahm und zugleich einen stechenden Schmerz im Hinterkopf verspürte. Er fuhr mit der Hand nach der schmerzenden Stelle, und als er sie zurückzog, war sie mit Blut befeuchtet. Er blickte Karol eigenartig an, der kreidebleich dastand, die rauchende Pistole in der Hand. „Um des Himmels willen! Ich habe Sie doch nicht etwa getroffen?" ries er mit scheinbarer Besorgnis. „Das haben Sie doch, Herr Leutnant Lamvrin. Aber ich hoffe, daß es nur ein leichter Streifschuß sein wird," erwiderte Schmulikof, mit besonderer Betonung des Titels, während er das Taschentuch auf die Wunde preßte. „Herr Leutnant, wollen Sie mir nicht wenigstens sagen, nach was Sie eigentlich haben schießen wollen?" „Gott sei Dank, daß Sie noch sprechen können!" lachte dieser wieder scheinbar beruhigt. „Nach Ihrem heftigen Seitensprung zu schließen, glaubte ich nicht anders, als daß Sie sofort tot hinstürzen werden. — Nach was ich habe schießen wollen? Nach — nach — Sehen Sie nicht das Eichhörnchen — das dort auf dem Baume sitzt, ganz behaglich eine Nuß knabbert und mich so Hönisch anglotzte? Wirklich, das hatte mich so nervös gemacht, daß ich ohne lange Ueberlegnng sofort abdrückte. Sicherlich hat meine Hand durch einen Mückenstich ein wenig gezittert, daß ich mein Ziel verfehlte. Und nun ist der infame Racker verschwunden." „Ja, der Racker ist verschwunden," wiederholte Schmulikof mechanisch, während er am Fuße des Baumes nach irgend etwas suchte. „Der Racker scheint jede Spur von einer Nußschale mit sich genommen zu haben, denn hier ist kein Atom einer solchen vorhanden. — Was ich noch sagen wollte, Herr Leutnant, hatten Sie denn die Absicht, nach Bären zu schießen?" „Wie kommen Sie darauf?" fragte dieser zusammenfahrend. „Ich meine nur, weil Sie eine Waffe vom schwersten Kaliber ausgesucht haben, die Sie mit einer Kugel geladen." „Mann, Sie scheinen doch vom Schießen mehr zu verstehen, als Sie eingestehen wollten," lachte Karol gezwungen. „Aber, wirklich. Sie haben recht. Ich hatte das in der Eile gar nicht bemerkt. Um so mehr freue ich mich, daß meine Unvorsichtigkeit kein größeres Unheil angestistet. Herr Schmulikof, ich denke, wir tun am besten, die ganze Sache von der scherzhaften Seite aufzufassen." „Gewiß. Hier kann man wieder sehen, wie Scherz und Ernst so nahe beieinander wohnen." Karol schien die Schlußbemerkung überhört zu haben. „Und wenn Sie mir noch einen Gefallen erweisen wollen, dann bitte ich Sie, den Vorfall nicht an die große Glocke zu hängen. Es ist ja etwas, was dem besten Jäger passieren kann, aber es würde doch meine Reputation im Regiment schmälern, und schließlich könnte sich auch noch mein Onkel veranlaßt fühlen, die bereits geplante Jagd unter meiner Führung wieder aufzugeben und abzubestellen." Schmulikof nickte und trat den Rückweg an, ohne abzuwarten, ob Karol ihm folgen werde. Auch er war entschlossen, den Vorfall mit keiner Silbe zu erwähnen; da er aber das Pflaster, das er sich in der Apotheke anlegen ließ, nicht gut verbergen konnte, so suchte er es durch eine Schramme an einem vorstehenden dürren Ast zu erklären. Er hatte große Mühe, das Anerbieten der Frau Torakow abzulehnen, die nach dem Stabsarzt schicken wollte, oder wenigstens, daß