Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 25 (23.6.1916)
- Date
- 1916-06-23
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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292 worden. Im. ^aocr von Alexandrien verblieben etwa 2000 Juden sranzösischer, rnssischcr und italienischer Nationalität. *öa ai], 9. Juni. Ter englische Armeerat erwägt eine neue Verfügung, Ivvuach es F r e IN 'den b e f r c undete r Nationen gestattet sein soll, in England Dienst zu nehmen; alsdann soll ihnen die englische Nationalität verliehen werden. Es handelt sich hierbei Vor allen Dingen um r ii s s i s ch e Untertanen j n >d i s ch e n Glaubens. * Znm Schluß sei eine friedliche Bemerkung aus dem „Berliner Tageblatt" an dieser Stelle wiederholt: T a s V e r s ch w i n d e n d e G h -e t t o. Ans Amsterdam wird uns geschrieben; Im städtischen Museum in Amsterdam wurde in diesen Tagen eine eigenartige Ausstellung eröffnet. „D a s v e r s ch w in de n d e G h e t t o" nennt sie sich, und der Umstand, daß ein Teil des Amsterdamer Iudenviertels, die Uilenvurg, niedergerissen wird, ist der äußere Anlaß zu ihrer Beraustattnng. Die Ausstellung bietet ein ungemein interessantes Bild der Entwicklung des Amsterdamer Judentums. Lange hat der Kamps gedauert, bis der Entschluß, das Indenvier bet niederznleaen, sich durchzusetzen vermochte. Groß war die Gegnerschaft derer, die es Vandalismus nannten, einen der ältesten und besonders charakteristischen Stadtteile von Amsterdam einfach verschwinden zu lassen. Wenn inan die Straßen entlang wandelt und diese armseligen Häuser betrachtet, von denen ein großer Teil, durch die Polizei als unbewohnbar erklärt, leer steht, bann bekommt man bereits ein unbestimmtes Vorgefühl von der Art, wie hier die M enschen dahin leben müssen. Aber das lebhafte Bild der Straße, die äußere Zufriedenheit der Bewohner, die ihr Elend nicht zur Schau tragen, weil sie es kaum empfinden, täuscht doch noch über die Wirklichkeit. Man muß die engen, dunklen Stiegen hinaufklimmen, uuife einen Blick hineintnn in diese sonnenarmen, halbdunklen Räume, wo kinderreiche Familien aufeinnnderhocken, muß solch ein Zimmer sehen, das zu gleicher Zeit als Wohin, Eß- und Schlafzimmer dient, als Küche und Trockenboden. Das schrecklichste ist aber doch die Luft, diese Luft, die keine Lust mehr ist, die sich schwer auf die Brust legt, deren stockige Ticke man zu greifen glaubt, und zu der nie ein frischer Zustrom dringt. Man kann sich einen Begriff von dem Zustand dieser „Wohnungen" machen, wenn man Hort, daß darunter solche sind, die für ei neu Gulden in der Woche vermietet werden. Nein, es ist nicht schade, lvenn diesem Zustand ein Ende gemacht wird. Architektonische Schönheiten werden bei dem Niederreißen kaum vernichtet. Und im übrigen bleibt von dem alten Amsterdamer Judenviertel noch genug für ergiebige Ghettostudien. Das Ziel der Ausstellung, ein möglichst vollständiges Bild des Amsterdamer Judentums zu geben, ist dank der eifrigen Mitarbeit aus den holländischen und portugiesischen Kreisen der jüdischen Bevölkerung und der verschiedenen kirchlichen und wissenschaftlichen Einrichtungen durchaus gelungen. In neun Abteilungen mit 1548 Nummern ist hier ein Stück jüdischer Kulturgeschichte zusammengehäuft, wie man es in solcher Anschaulichkeit und Reichhaltigkeit kaum je beisammen gesehen hat. Einzigartige Kostbarkeiten sind da ausgestellt, z. B. eine prachtvolle Handschrift aus dem 13. Jahrhundert mit Gebeten für die jüdischen Festtage. Welchen Wert man dieser Handschrift beimißt, geht daraus hervor, daß sie für die kurze Dauer dieser Ausstellung mit der Summe von 90 000 Gulden versichert wurde. Auch die bis in die kleinsten Einzelheiten gehende Nachbildung eines typischen'. Ghettozimmers mit all den Gegenständen für die rituellen Gebräuche ist von besonderem Interesse, ebenso die reichhaltige Bildersammln ng mit einem bisher unbekannten Porträt von SpinoZa. Und so sind es hundert Dinge, die das Auge fesseln, und man kann beim' Durchwandern der Ausstellung fast bedauern, daß es sich hier um eine nur vorübergehende Veranstaltung handelt. Der Gedanke an ein Museum, das alles, was die jüdische Kultur versinnbildlicht, bauernd' zusanmienhalt, drängt sich dem Besucher der Lllnsterdamer Ghetto-- nusstellung von selbst auf. Liga o. Mowiiww. in häufiger und gern gesehener Besucher der Großfürstin Helene Paulowna, der Schwägerin Nikolaus' l., war Iwan Aksakvw, der, unter diesem Zaren wegen seiner panslawistischen Schriften verhaftet, das Gefängnis als einer der Mächtigen der Feder verließ und den Samen zu der jetzigen «blutigen Ernte ausgestreut hat. Olga v. Nowikow, die junge Gattin eines Offiziers und die Schwägerin des russischen Botschafters am Wiener Hofe in der Zeit, da Graf Beust und Graf Julius Andrassy Minister des Aeußern waren, ist dem Kreise, der sich in den Salons der schwäbischen Großfürstin versammelte, zugezogen worden und sog gierig auf, was Aksakow.als Evangelium verkündete. Sie hat sich seither mit ganzem Herzen und ganzer Seele dem Dienste der panslawistischen Partei gewidmet. Da sie durch ihren weiblichen Zauber, ihren sprühenden Geist und ihre publizistischen Talente geradezu prädestiniert war, ihrem Idol Anhänger zu werben, wurde sie als Vertreterin der alten Kremlstadt, des heiligen Moskau, nach London geschickt, wo es ihr tatsächlich gelang, Gladstone, den great old man, und die anderen führenden Geister der liberalen Partei zu umgarnen und das unnatürliche Bündnis zwischen England und Rußland in der öffentlichen Meinung so lange vorzubereiten, bis diese für den Ententegedanken empfänglich wurde und König Eduard und Sir Edward Grey ihn durchzuführen vermochten. Bezeichnend für den Zauber, den die russische Lorelei auf die Londoner Gesellschaft ausübte, ist die Tatsache, daß Kinglake, der Geschichtsschreiber des Krimkrieges, der ihr politischer Antipode war, die von der Partei der Russenfeinde , ausgegangenen Angriffe gegen sie in einem in der „Quarterly Review", dem Organ der Konservativen, anonym veröffentlichten Artikel über die orientalische Frage abwehrte und einen glühenden Panegyrikus auf sie schrieb. Die betreffende Nummer der genannten Zeitschrift wurde mit einmütiger Verwunderung ausgenommen. Alles war neugierig, den Anonymus kennenzulernen, der auf dem ureigensten Boden des Torysmus der russischen Todfeindin desselben so viel Lob gespendet hatte. Die Mehrheit glaubte im Hinblick ans Denkmal von Prof. Dr. Jakob Herz. (vgl. Nr. ü, S. 65/<>+.1 lupf: V ' iV’i