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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-16 · Heft 24 (16.6.1916) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Türe. Ein stattliches würdiges Gotteshaus ist es, das die jüdische Gemeinde Nastenburg hier erbaut hat und heute seiner Bestimmung übergeben will. Mit Stolz und Genugtuung kann die Gemeinde das vollendete Bauwerk betrachten. Auch die übrigen Mitbürger unserer Stadt nehmen Teil an ihrer Freude über den Schmuck, den sie mit diesem Gotteshaus erhält und womit die Zahl der schens- U'erten öffentlichen Gebäude vermehrt wird. Und wenn Sie mir durch die Hand des Herrn Negierungspräsidenten nunmehr den Schlüssel übergeben, um die Pforte zu öffnen, mit den; Wunsche, daß die Stadt auch dieses Gebäude in ihre Obhut nehme, so kann ich versichern, das; sie diese Verpflichtung, gern übernimmt: ist es doch eine der ersten Aufgaben der städtischen Sicherheitsorgane, das Leben und Eigentum der Mitbürger zu schützen/ Dank und Anerkennung gebührt den leitenden Männern der Gemeinde für die erheblichen Opfer an Zeit und Geld, unter welchen sie dieses Bauwerk in überaus ernster Kriegszeit unter größten Schwierigkeiten errichtet und zum glücklichen Ende geführt haben. Möge der edle Opfersinn, die Nächstenliebe auch ferner in der Gemeinde erhalten bleiben, dauernder Friede und schönste Eintrachtauch zwischen ihr und den übrigen Mitgliedern der bürgerlichen Gemeinde. Mit diesem Wunsche und den besten Glückwünschen für die jüdische Gemeinde lassen Sie uns das Gotteshaus betreten. Gott, der allmächtige Baumeister aller Welten, schütze und segne es und die ganze Gemeinde! Das walte Gott!" Bürgermeister Pieper öffnete sodann mit dem Schlüssel das Portal undunter leisen Harmoniumklängen betrat die Festversammlung das Innere des Gotteshauses und die Weihe nahm ibren Anfang. Nach einem Präludium und Gesang des Königsberger Sängerchors zündete Kantor D a v i d so h n mit dem üblichen Gebet die feierliche Lampe an. Dann erfolgte in feierlichem Zuge der Umzug mit den Thorarollen durch die Hallen des Gotteshauses unter Harmouiumklängen und dem Gesang: O, Ewiger, sende Heil! usw. Nun sprach, nach der üblichen Liturgie, Oberrabbiner Dr. B o a e l st e i n (Königsberg) das Gebet für Kaiser und Vaterland, worauf in feierlicher Weise dann die Thorarollen wieder in die Bundeslade einaehoben wurden. Nach dem von Herrn Oberkantor B i r u b a u m gesprochenen Minchagebet und dem Gesang: Wenn Gott der Herr das Haus nicht bauet, vergeblich ist des Menschen Mulsin, hielt Oberrabbiner Dr. Vogelstein die Festpredigt, die, ausgehend von den Worten des Propheten Hosea 2, 17: ,,Jch will das Tal der Trübsal zur Pforte der Hoffnung wandeln", aus die Festversammlung eine erhebende Wirkling ausübte. L2 Thorn, 9. Juni. Durch einstimmigen Beschluß des Vorstandes und der Reprüfeutantenversammlung wurden den sämtlichen Beamten der Shnaaogengemeinde gelegentlich der Etatsberatung zum zweiten Male in erhöhtem Maße K r regste u e r u n g s z u l a ge n bewilligt. -- Am 1. d. M. konnte Herr Joseph Kraiuig auf eine 25jährige Tätigkeit als Pedell der hiesiger; Spnagogengemeinde zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. Die Gemeinde ehrte ben Jubilar durch Entsendung einer Deputation, bestehend aus dem l. Vorsteher, Herrn Justizrat R a d t, dem Repräsentantenvorsteher Herrn Adolph I a c o b und dem Vorsteher Herrn L. K a d o r, die unter herzlicher Beglückwünschung und Anerkennung seiner treuen Dienste ihm im Namen der Synagogengemeinde eine Ehrengabe überreichten. Namens der Schüler der Religionsschule beglückwünschte Herr Rabbiner Dr. Rosenberg den Jubilar unter Ueberreichung eines kostbaren Geschenkes, und seitens der Gemeindebeamten erschien ebenfalls eine Deputation unter Führung des Gemeindesekretärs Friedlnuder, der die besten Glückwünsche und ein wertvolles Geschenk dem Jubilar übermittelte. Möge es dem pflichttreuen Beamten vergönnt fein, lwch weitere 25 Jahre im Dienste der Gemeinde zu verbleiben. m. Hamburg, 9. Juni. Der schon seit Jahren bestehende Plan der Errichtung eines Gemeindehauses ist setzt so weit gediehen, daß nach dem Vorgang anderer Großgemeinden auch die hiesige Deutsch- Israelitische Gemeinde demnächst in eigene Räume übersiedeln wird. Die vor längerer Zeit eingesetzte gemischte Kornmission zur Erbauung eines Gemeindehauses hat ihre Arbeiten so weit beendet, daß sie mit einem bestimmten Vorschlag an die Gemeindekollegien herantreten konnte. Es handelte sich um den Erwerb des durch den Tod seines Besitzers freigewordenen Grundstücks Rotenbaumchaussee -Id. Dieses Hans soll nach den Plänen eines Architekten für Verwaltungszwecke hergerichtet werden. Nachdem eine Vorlage des Gemeindevorstandes über den Erwerb des Grundstücks in der letzten geheimen Sitzung des Nepräsentantenkollegiums genehmigt wurde, sollen nach dem Freiwerden des Grundstücks, dasam 1. Juli in den Besitz der Gemeinde übergeht, der Umball und die -innere Einrichtung derartig beschleunigt werden, daß das neue Gemeindehaus noch im Laufe dieses Jahres bezogen werden kann. -- Die Deutsch-Israelitische Gemeinde hat auf ihrem Friedhof in Ohlsdorf kür die auf dem Felde der Ehre gefallenen und hier bestatteten Krieger am Eingang des Friedhofes einen Ehrenplatz eingeräumt, wo die Ehrengväber errichtet worden sind. Inmitten herrlicher, alter Baumgruppen ruhen hier die Ueberreste der Heldensöhne der Hamburger Gemeinde. Die Gräber selbst sind von einer Steineinfassung begrenzt. Eine eiserne Tafel, die die Personalien des Kriegers enthält, ist an jeder Grabstätte angebracht: außerdem ziert die Grabstätten eine geschmackvolle Bepflanzung. In der Mitte dieser ovalen Anlage ist ein vertiefter Rasenplatz angelegt. Es sind auf diesem Ehrenfeld bisher 21 Krieger beigesetzt worden. Der Ehrenfriedhof paßt sich in seiner ganzen gärtnerischen Anlage ln dekorativer Weise dem vorhandenen alten Baumbestand an. Ter Entwurf und die Ausführung der Anlage lag in den bewährten Händen des Pächters der Friedhofsgärtnerei, des Herrn Eduard Berlin. Geplant ist, nach dem Kriege ein größeres künstlerisches Denkmal zu errichtenhier sollen dann auch die Namen der Hamburger Krieger aus der Gemeinde verewigt werden, die fern voll der Heimat ihre Ruhestätte gefunden haben. Alsdann wird auch jede Grabstätte statt der eisernen Tafel einen Gedenkstein erhalten. Hamburg, 9. Juni. Der V e r e i n z u r Unter st ü tz u n q kur bedürftiger Israeliten (Theresien-Stiftung) hielt seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Mar Frank hob im Jahresbericht hervor, daß der Verein 1915 in Anbetracht der außerordentlichen Verhältnisse und der dadurch gebotenen Sparsamkeit nur in den dringendsten Füllen hn\ zur Herstellung ihrer Gesundheit eines Badeanfenthalts bedürftigen Personen eine Beihilfe gewähren konnte. Trotz dieser Einschräkung veraugabte der Verein dennoch für Unterstützungen die ^uimne von 4176 Mark. Der Verein vereinnahmte im Jahre 1915 außer einer Beihilfe der Deutsch-Israelitischen Gemeinde im Betrage von 1QOO Mark an jährlichen Beiträgen 2554 Mark und an einmaligen Beiträgen 375 Mark. Die mit einem Ueberschuß von 1200 Mark abschließende Abrechnung wurde als richtig anerkannt und genehmigt. Köln, 9. Juni. Ein Hauptanziehungspunkt für die Besucher der K ö l n e r A u s st e l l u n g f ü r K riegsfürsorge, die in den Monaten August und September im Brügelmaun-Hause zu Köln-Deutz stattfinden wird, dürste die Darstellung der Verwnndetenfürsorae vom Schlachtfelde zum Heimatlazarett abgeben. Der in seinen Einzelheiten bereits durchgearbeitete Entwurf sieht die plastische Darstellung aller der Stadien der Verwunde tenpflege vor, die die charakteristischen Eigentümlichkeiten des Krieges in sich vereinen. Die Hinterwand ist als Schlachtengemälde gedacht. Während in: Hintergründe sich noch die blutige Arbeit des Krieges vollzieht, beginnen auf dem rückwärts gelegenen Gefilde, das dem Beschauer am nächsten ist, bereits der Arzt und seine 'Hilfsorgane ihre segensreiche Tätigkeit. Aus Tragbahren und Zeltbahnen schleppen die Krankenträger ihre verwundeten Kameraden aus dem Gewühle fort. Leichtverwundete aber legen sich selbst den Notverband an oder schleppen sich, von ihren; Instinkte geleitet, rückwärts, um auf dem Verbandplatz die erste Hilfe und Pflege für ihre Wunder; zrr finden. Der Verbandplatz selbst ist als ein einsames, an der Straße gelegenes polnisches Bauernhaus gedacht. Es liegt kaurn abseits von; Gefechts lärm und bietet nur notdürftig Sicherheit gegen sich verirrende Jnsanteriegeschosse. Nur die auf dem Dache arraebrachte Flagge des Noten Kreuzes zeigt der; Verwundeten und ihren Begleitern den Weg. Aber das Innere des Verbandplatzes läßt bereits Ordnung und System in der Fürsorge für die Verwundeten erkennen. Das Truppenbesteck, Verbandmittel, der Sanitätstornister, Tragbahren, Sanitätstaschen sowie der Jnfanteriesanitätswagen nrrd Vorrichtungen zum Abtransport der Verwundeten sind hier bereits vorhanden. Der Truppenverbandplatz ist nur eine Vorstation des Hauptverbandplatzes, der als erste Sammelstelle für größere Verrvundetenmenaen ein diesen; Zrvecke entsprechendes Gepräge aufweist. Wir sind an; Standorte der Sanitätskornpagnie, deren Unrformt'it neben ihrem sonstigen Material: Lebensmittelwagen und Feldküche, dein Gesamtbilde sein realistisches Gepräge verleihen. Hier gibt es bereits Zelte für die Verwundeten, Vorrichtungen für Signalabgabe sowie eine Opevationsstube für dringende Operationen, die ihre

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