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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1916-06-16 · Heft 24 (16.6.1916) · p. Seite 280

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
80 (1916)
Issue
Heft 24 (16.6.1916)
Date
1916-06-16
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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280 an die 1848er Jahre, an die Kriege 1859, 1866 und 1871 und wundert sich, daß gegenüber jenen Feldzügen dieser Krieg solange dauert. Als die Russen in die Stadt eindrangen, waren alle Nachbarn und Nachbarinnen geflüchtet, er und seine Tochter mußten zurückbleiben. Er erzählt es selbst, er habe sich nicht gefürchtet, denn Gott stehe zu ihm. Nun könne der Tod für ihn nicht mehr fern sein, denn mehr als das vierte Geschlecht („Dor") habe noch kein Mensch erlebt. O lieber russische Verhältnisse ist folgendes zu berichten: Zunächst ist die Regelung der Judenfrage zurückgestellt. Der „Pester Lloyd" weiß darüber folgendes zu erzählen: K open h a g e n, 26. Mai. Aus Peters b u r g wird gemeldet: Die D li m a tritt am 29. M a i z u s a nt men. Mit der Lösung der Juden fr age, die den russischen Juden seit Beginn v-es Krieges vom Zaren und der Regierung versprochen wurde, soll sich die Duma nicht beschäftigen, da Stürmer befahl, alle von C h w o st o w begonnenen Arbeiten zur A b ä nd e r u n g de r I u d e n ge s e tz geb u n g e i n z u st e l le n. Auch der Dumablock beschloß, die Frage der G l e i ch st e l l u n g d e r I u d c n aus später zu verschieben. Eine andere Notiz entnehme ich der „Deutschen Tageszeitung"; sie lautet folgendermaßen: Die Londoner „Jewish Chronicle" schreibt: „Die in England begonnene Aktion, die daselbst wohnenden Bürger des Vierv er Landes zum Militärdienst zu zwingen, -berührt in fataler Weise a uch di e I u den. Daß sie ihre Dienstpflicht in England erfüllen, wäre nicht unbillig, doch soll es dagegen gesetzliche Schwierigkeiten geben. Darum ist eine Bewegung im Gange, um diese Fremdlinge nach ihren ursprünglichen Ländern zur Erfüllung ihrer Dienstpflicht zu schicken. Das mag für andere tunlich und gerecht sein: für die zahlreichen in England uwhuenden russischen Inden würde dies aber das größte Unglück, das stärkste Unrecht bedeuten, sie nach Rußland zurückzuschicken, wo das j u d e n f e i n d l i ch e System der regierenden Gewalten noch so unerträglich ist. Gegen diese Maßregel müsse daher entschieden Front gemacht werden, meint das genannte Blatt. Es sei dazu der richtige Moment, sind doch Lord Roadiug, die jüdischen Minister Samuel und Montagu und andere jüdische Parlarnentsnntglieder Angehörige der neuen „National Union for Jewish Rights". Das Blatt kommt dann neuerlich mit seinem Vorschläge bezüglich der Bildung eines jüdischen Bataillons, was die Dienstpflicht der russischen Truppen sehr vereinfachen würde. * In wie außerordentlicher Weise in Deutschland seitens der jüdischen Komitees augenblickliche Hilfe den Frauen der Kriegsteilnehmer gewährt und wie umsichtig Vorsorge getroffen wird für die Unterstützung von Witwen und Waisen, ist an dieser Stelle mehrfach gezeigt worden; hier mag die Aufmerksamkeit auf die Anstrengungen gelenkt werden, die in dieser Beziehung auch in Ungarn gemacht werden. Das Präsidium des I s r a e l i t i s ch c n L a n d e s p a t r o n a g ev ereins ersucht uns um Veröffentlichung des nachstehenden Aufrufes: ..Wir stc-hcn vor sehr ernsten und heiligen Pflichten, deren hohe Bedeutung wir ties empfinden. Die Größe der Aufgaben kann uns nicht abhalten, unverzagt wollen wir an die Erfüllung der Pflichten schreiten. Es handelt sich um die Waisen der gefallenen Kriegs- Helden! Der Wille der Weltgeschichte Hat unsere Generation vor tiefe Aufgaben gestellt, und wir sind der Nachwelt verantwortlich. Bürger hinter der Front und Krieger im Schützengraben gehören zueinander. Nicht der Krieger allein hat heilige Pflichten, auch der Bürger hmter^der Front. Unsere Brüder, sie opfern Blut und Leben für uns — wir haben die Pflicht: ihre Kinder zu beschützen! Vertrauensvoll blicken wir dem fürsorglichen Walten des Staates und der hohen Regierung entgegen, doch sind wir überzeugt, daß mannigfache Pflichten aud) an uns heran treten werden, und hegen die Zuversicht, daß die hohe Negierung unserem Israelitischen Patronageverein, wie bisher, auch künftighin ein gerechtfertigtes Vertrauen entgegenbringen wird. Dieseln Vertrauen wollen wir gerüstet gegenüberstehen! Drei Gruppen der Kriegswaisen sind es, die unserer Hilfe harren: Kriegswaisen, die bei der Mutter bleiben und deren staatliche Unterstützung infolge besonderer Umstände einer Ergänzung bedarf. Ferner Kriegswaifen-, die zeitweilig in einem Waisenheim untergebracht werden müssen und späterhin disloziert und unter Beihilfe und Aufsicht unseres Vereins erzogen worden. Zum Schluß: Kriegswaifen, die mit Rücksicht auf ihre Ausbildung oder ihren Gesundheitszustand in einem Waisenasyl Unterkunft finden müssen. Tief schneidet der Krieg in die -Familienverhältnisse und Geschicke der unschuldigen Kinder ein. Es muß eine Zentrale für den Kriegswaisenschatz errichtet werden und eine auf fünfzehn Jahre berechnete systematische Aktion soll den ganzen Komplex der mit dein Kriegswaisenschutz zusammenhängenden Pflichten bewältigen. Wir richten den Ausruf an alle edlen, wahreu Menschenfreunde; sie mögen diese hochwichtige humane Aktion mit edlem Pflichtbewußtsein unterstützen. Denken wir an die immense Zahl der Kriegsgefallenen! Die Klippen und Hänge der Karpathen, die Felsen und Klüfte des Karstes, die Ufern der Donau, der Drina und der Save sind mit Leichen früh hinabgefunkener Familienväter bevölkert — denken wir an unsere unabweisbare Pflicht, denken wir an ihre Kinder! Unsere Brüder starben für uns, indem sie uns vor Kriegsgraus und Kriegsdrangsal schützten — wir wollen unseren Dank abtragen an ihren Waisenkindern! Stiftungen, Jahresbeiträge u-nd Spenden sind anzmnelden bei der Redaktion dieses Blattes und beim Unterzeichneten Präsidium. Das Präsidium des Israelitischen Landesp a t r o n a g e v e r e i n s: Rabbiner Dr. Simon H e v e s i. Franz S z e k e I y." * Während wir dies schreiben, ist nach trüben und kühlen Tagen wieder die Sonne erschienen und heiteres Frühlingswetter eingeke'hrt. Möge dieser. Umschlag der Witterung ein gutes Vorzeichen für die allgemeinen Verhältnisse sein: daß die Sonne des Friedens zu leuchten beginne, daß die Menschheit sich wieder ihrer großen Kulturaufgaben erinnere und daß die furchtbare Zeit, die nun 22 Monate und länger ganz Europa zu blutgedüngten Schlachtfeldern macht, endlich sich in eine gesegnete Aera friedlicher und gedeihlicher Arbeit verwandle! Dir Sullm und ihre Wertlchätzung emlt und jetzt. Von Dr. Marcus Landau. (Schluß.) aus dieser Mausefalle entwischt, suchte Peter gegen Kaiser Josef I. zu agitieren, ließ sich in geheime Unterhandlungen mit dem Rebellen Rakoczy ein, um den seinem Ende nahen Aufstand in Ungarn wieder anzufachen. Dieses Geschäft wurde in neuester Zeit unter Nikolaus H. mit russischem Gelde von Graf Bobrinski und anderen Agenten und Spionen in Galizien und Ungarn eifrig betrieben, aber die Ungarn sind jetzt viel klüger als vor zwei Jahrhunderten. Peter hat auch, angeblich zur Strafe für den Abfall ihres ßetmans Mazeppa, obwohl diesem nur wenige Leute gefolgt waren, den Vertrag mit den Kosaken, die sich 1654 unter für sie sehr vorteilhaften Bedingungen dem russischen Reiche angeschlossen hatten, gebrochen. Er nahm ihnen alle besonderen Rechte, verbot die Wahl eines neuen Hetmans, oersetzte ihrer

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