Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 80 (1916)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1916)
- Date
- 1916-06-09
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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3 - Predigtsammlungen zu und gab ihnen anheim, sie beim Gottesdienst zu benutzen, was mehrfach auch geschehen ist. Der Wandereligionsunterricht hat ohne Störung stattgefunden. Alts das Erichen des Verbandes der Synagogen gemein den Ostpreußens, ihm n der Wiederaufrichtung der von den Russen so arg heimgesuchten . st preußischen Gemeinden durch Uebernahme einer sogenannten ratengemeinde hilfreich zur Seite zu stehen, hat eine in der Aushuhsttzung vom 31. Oktober eingesetzte Kommission die Gemeinden itallupönen-Ehdtkuhnen übernommen und für ein Jahr den Beug von 1700 Mark hierfür ausgesetzt. Aus formellen Gründen onnte der Verband sich einstweilen nur auf ein Jahr verpflichten, och mit vollster Gewißheit die Bewilligung für mindestens fünf ahre in Aussicht stellen. Neben ausführlichen Mitteilungen entölt der Verwaltungsbericht eine Reihe von Einzelberichten der Rabbiner der Provinz über ihre seelsorgerische Tätigkeit in den -efangenenlagern und Lazaretten. Die Berichterstatter sind: 'abbiner Dr. Alfred Levy (Nordhausen), Rabbiner Dr. Salzerger (Erfurt), Rabbiner Dr. Auerbach (Halberstadt), Rabiner Dr. Kahlberg (Halle), Rabbiner Dr. I a c o b u s (Magdeitrg). Der diesjährige Gemeindetag fand am 28. Mai in Magdeitrg statt. Vorsitzender des Verbandes ist Herr G. H ey n ema n n n Magdeburg. —t— Hann.-Miinden, 2. Juni. Wieder wurde.ein jüdischer ehrer in dem besten Mannesalter jäh dahingerafft. Am Mittwoch, 4. Mai, ward Lehrer Adolf W e r t h e i m aus Neustadt (Kreis Kirchain), 45 Jahre alt, in der Heimatstadt seiner Gattin, u Hann. - Münden zu Grabe getragen. Das große Geleite Zur letzten Ruhestätte legte beredtes Zeugnis ab on der Liebe und Wertschätzung, die der Heimgegangene n Verwandten-, Freundes- und Lehrerkreisen genoß. Herr Lehrer ta bisch (Göttingen) schilderte am Grabe die Verdienste des 'verstorbenen! um Schule und Gemeinde, seinen Fleiß und seinen rwhltätigkeitssinn. Herr Lehrer Oppenheim aus Treysa trauerte uunens der israelitischen Lehrerkonferenz Hessens um den Verlust es wackeren pflichtgetreuen Kollegen, der mit siechem Körper sich och im Dienste des Vaterlandes betätigte und den Unterricht in der twa 100 Kinder zählenden christlichen Schule zeitweise mit überlahm. Lehrer Neuhaus aus Fritzlar widmete ihm namens der freien Vereinigung warme Worte der Anerkennung und Lehrer Theodor Wert he im (Hann.-Münden) nahm in tiefrschütternden Worten Abschied von dem geliebten Bruder. Ter verstorbene war 25 Jahre hessischer Lehrer und amtierte in Korad), Zimmersroda und Neustadt (Kreis Kirchhain). Obgleich er 11 Neustadt nur drei Jahre wirkte, hatte er sich doch einen größeren Freundeskreis erworben sowohl in jüdischen als auch in christlichen Kreisen. Gar viele Freunde und Kollegen waren herbeigeeilt, ihm te letzte Ehre zu erweisen. Der Magistrat, die christliche Lehrerchaft und der Kriegerverein von Neustadt hatten Delegierte mit ostbaren Kranzspenden entsandt. Wer den Heimgegangenen näher umnte, wird ihm ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren. k. Frankfurt a. M., 2. Juni. Nahezu vierhundert Personen, nulleist dem christlichen Bekenntnis angehörend, nahmen, am verlangeuen Sonntag vormittag an einer Besichtigung des alten . sraeli tischen. Friedhofes am Börneplatz, die der Bezirks^- oerein Sachsenhausen veranstaltete, teil. Herr Professor Hülsen oatte die Führung übernommen und schilderte in einem fesselnden Vortrag in der angrenzenden neuen Synagoge nicht nur -die Gerichte dieses „guten Ortes", der eines der schönsten Kunst- und Naturdenkmäler unserer Stadt in seiner Art ist und hinter hohen Steinmauern vergessen und abseits vom Getriebe der Großstadt liegt, sondern auch die Geschichte der Frankfurter Juden selbst, die iln Jahre 1150 zum erstenmal urkundlich erwähnt werden. Unter den Grabsteinen des Friedhofes befinden sich solche mit Namen und Zeichen der ältesten und bekanntesten jüdischen Geschlechter wie der berühmtesten jüdischen Gelehrten, so die Rothschilds, die beiden Rabbiner Hurwitz usw. Der Friedhof wurde 1828 geschlossen, dessen Grabinschriften sind durch den früheren Gemeinderabbiner Tr. M. HoroWitz veröffentlicht worden. Professor Hülsen, ber H'it Jahren Konservator des Friedhofes ist, verstand es vortrefflich, dessen idyllische Schönheit und die Bedeutung, der vom großstädtischen Leben umbrandeten alten Begräbnisstätte zu schildern, die ein interjkssantes Stück pietätvoll gehüteter Vergangenheit unserer Vater- Madt ist. Oesterreich-Angara. 2. Wien, 2. Juni. Der Galizische Hilssverein, der, um die wirtschaftliche Lage der Juden in Galizien zu heben, seit seinem Bestände (1901) verschiedene Hausindustrien, wie Haarnetzerei, Klöppelei, Häkelei, Filetarbeiten, Weißstickerei usw., einführte, hat eine Aktion in Angriff genommen, die geeignet erscheint, einer großen Anzahl jüdischer Familien in Galizien ein Nebeneinkommen zu verschaffen, ohne daß dabei die Betätigung im Hauptberufe irgendwie Abbruch erleidet. Es handelt sich darum, die Juden Galiziens, insoweit es ihre Wohnverhältnisse gestatten, zur Haltung von Geflügel anzuleiten, um in erster Reihe Eier 51t produzieren. Vor Ausbruch des Krieges hatte Galizien eine so große Produktion an Geflügel und Eiern, daß es in der Lage war, beträchtliche Mengen zu exportieren und, wiewohl die Qualität manches zu wünschen übrig ließ, daraus ein großes Einkommen zu erzielen. Der Krieg hat aber den Geflügelbestand Galiziens stark herabgemindert und damit breiten Raum für eine intensive Betätigung auf diesem Gebiete geschasfen. Dadurch bietet sich -eine erwünschte Gelegenheit, den Juden Galiziens eine neue Erwerbsquelle zu eröffnen, die sie als Zweig der Landwirtschaft der Natur näher bringen und um so reichlicher fließen lvird, wenn durch Züchtung reichlich Eier legender Hühner zugleich die Qualität und Quantität verbessern wird. Auf Ansuchen des Hilfsvereins hat das k. k. A ck e r b a u m i n i st e r i u m mit Erlaß vom 27. April 1916 bewilligt, daß sein Konsulent für Geflügelzucht, Herr Georg Wieninger, in einem vom Hilfsverein für die in Wien weilenden galizischen Flüchtlinge errichteten Kurse Vorträge über Geflügelhaltung abhalte. Die Vorträge finden im großen Saale des Josefine-Mendl-Wohlfahrtshauses (Tohnbeehalle), XX, Deiüsgasse 33, am 13., 15. und 27. Juni sowie am 4. und 6. Juli 1916 von 4 bis 6 Uhr bei freiem Eintritt gegen vorherige Anmeldung im Bureau des Hilssvereins, IX, Berggasse 4, statt. Selbstverständlich bedeutet die Abhaltung des Kurses bloß den Anfang der vom Hilfsverein geplanten Aktion. Ihre Fortführung in Galizien lvird nach Maßgabe der Verhältnisse erfolgen und dürfte mit der Errichtung einer eigenen Geflügelzuchtanstalt ihren Höhepunkt erreichen. - Unter zahlreicher Beteiligung fand am 23. v. M. aus dein Zentralfriedhose die Beisetzung des im 82. Lebensjahre verstorbenen früheren Religionsschulinspektors Dr. Leopold Langfelder statt. Herr Rabbiner Dr. Taglicht gab in beredter Weise dem Verluste Ausdruck über das Hinscheiden dieses verdienten Schulmannes. Nach ihm sprachen Pros. M. Kanitz als Schulinspektor-und im Namen der ,,Palme" und zum Schlüsse Inspektor Rabbiner Dr. N 0 s e n nt a n n namens des Religi0nslehrerverban d es an Mittelschulen; es waren rührende Worte, die tiefen Eindruck machten. Erster Kantor Schleifer versah, assistiert vom Tempelchor, die kantorale Funktion. Die Herren Vertreter Salo Kohn und Eduard Schwarz mit Herrn Sekretär Dr. Adler vertraten die Kultus- Gemeinde. — Die österreichisch-ungarische israelitische Gemeinde in Jerusalem hat an das Ministerium des Aeußeren in Wien folgert des Dankschreiben für die zugunsten der in Nahrungsnot schmachtenden Judenschaft eingeleitete Hilfsaktion gerichtet: „Die Unterzeichneten beehren sich einem hohen Ministerium des Aeußeren den Ausdruck ihres tiefgefühlten Dankes zu unterbreiten. Unsere Notlage war auf das Aenßerste gestiegen. Wir waren nahe darall., buchstäblich zu verhungern. Da wendeten wir uns hilseflehend an unser Vaterland und dank dem hochherzigen Vorgehen des hohen Ministeriums ist uns die erbetene Unterstützung zuteil geworden: der verbrecherischett Brotpreistreiberei wurde in den Arm gefallen und unsere Kolonien sind vor dem Untergang bewahrt. Wir bitten ein hohes Ministerium, die Versicherung unserer tiefsten Ergebenheit und treuer Patriotischer Gesinnung entgegennehmen zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst H. Brecher und C. S. Klinger." Dolen. LXD Warschau, 2. Jtmi. Schott seit einigen Monaten wußte man, daß das Warschauer Bürgerkontitee damit betratlt sei, zur Reorganisation der städtischen Vertvaltung eine Wahlordnung auszuarbeiten, die die Berücksichtigung aller Bevölkerungsklassen und Interessengruppen enthalten sollte. Es wttrde behauptet, daß nach dem neuen Projekt des Bürgerkomitees nur diejenigen wühlen könnten, die mindestens 25 Jahre alt sind, die polnische Sprache in Wort' und Schrift beherrschen, eine Wohnung auf eigenen Namen besitzen oder aber eine